| |
Natascha Ragosina verteidigt Titel souverän
von Frank Bleydorn

Zehn Kämpfe in der Ballhaus-Arena in Aschersleben
Die Erfolgsserie der Russin Natascha
Ragosina reist nicht ab. Die 29-jährige WIBF-Weltmeisterin
im Supermittelgewicht siegte am Samstagabend in der Ballhaus-Arena in
Aschersleben gegen die Amerikanerin Dakota
Stone deutlich nach Punkten. Die in Moskau lebende Athletin blieb
damit auch im zehnten Profikampf ihrer Laufbahn siegreich.
1. Kampf: Carolina
Alvares vs. Bettina
Völker, Fliegengewicht, angesetzt auf vier Runden
Sehr spannend verlief der Fight zwischen Carolina
Alvares (Venezuela) und Bettina
Völker. Dabei erwischte die Deutsche den besseren Start
und attackierte ihre Gegnerin von der Ringmitte aus. Noch im ersten Durchgang
kam es kurzzeitig zum offenen Schlagabtausch, hierbei kassierte Völker
harte Treffer. Trotz eines stark blutenden Cuts auf der Nase gestaltete
die Karlsruherin die Eröffnungsrunde ausgeglichen. Ab dem zweiten
Durchgang verbuchte Alvares Vorteile für sich und brachte mehrfach
ihre Rechte ins Ziel. In Runde drei hatte zunächst Bettina Völker
mit einer Links-Rechts-Kombination die bessere Aktion auf ihrer Seite.
Später deckte Alvares die von Michael Siegel gecoachte
Konkurrentin mit einem Schlaghagel ein, so dass die Deutsche unter starken
Druck geriet. Doch die schwer gezeichnete Karlsruherin stemmte sich mit
großem Kämpferherz gegen die drohende Niederlage. Mit einigen
genauen Schlagkombinationen sicherte sie sich in der Schlussphase noch
ein verdientes Unentschieden.
Offizielles Urteil: Unentschieden
2. Kampf: Maurice
Weber vs. Moez
ben Brahim El-Ouardi, Weltergewicht, angesetzt auf vier Runden
Einen sehr starken Eindruck hinterließ der Leverkusener Maurice
Weber im Ringgefecht gegen den Rechtsausleger Moez
ben Brahim El-Ouardi. Der 24-Jährige begann aggressiv
und setzte zunächst auf seine Führhand. Zudem attackierte der
Schützling von Trainer Michael Timm den Gegner mit
effektiven linken und rechten Haken zum Kopf und auf den Körper.
Sein Berliner Kontrahent hatte hingegen Mühe, ihn zu stellen. Der
26-jährige Profidebütant kassierte Anfang der vierten Runde
einen Niederschlag. Der variabel agierende Weber ging sofort wieder in
die Offensive und drängte Moez ben Brahim El-Ouardi mit harten Treffern
zurück, ehe Ringrichter Jürgen Langos einschritt
und das inzwischen ungleiche Duell nach 35 Sekunden des Durchgangs vorzeitig
beendete.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der vierten Runde Maurice Weber
3. Kampf: Gbenga
Oloukun vs. Peter
Oravec, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden
Zu seinem dritten Sieg als Berufsboxer kam der Nigerianer Gbenga
Oloukun. Der 22-Jährige setzte seinem bislang als Profi
sieglosen Kontrahenten Peter
Oravec von der ersten Sekunde an mit harten Treffern zu.
Der physisch unterlegene Slowake schien schon Mitte der ersten Runde kräftig
angeschlagen. Als der Athlet aus Bratislava erneut unter schweren Druck
geriet und sich verteidigungsunfähig zeigte, schritt der Ringrichter
nach zwei Minuten und 35 Sekunden ein, um den völlig überforderten
Athleten vor einem schweren Knockout zu bewaren.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der ersten Runde Gbenga Oloukun
4. Kampf: Mahamed
Ali vs. Roman
Dabolins, Halbschwergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Bestens von der überraschenden Niederlage gegen Artem
Vychkin im Oktober letzten Jahres erholt präsentierte sich der
Weißrusse Mahamed
Ali. Der in Hamburg lebende Halbschwergewichtler diktierte
das Geschehen mit seiner Führhand gegen Roman
Dabolins von der ersten Sekunde an. Mit einem linken Aufwärtshaken
ans Kinn schickte er seinen Konkurrenten aus Riga noch im ersten Durchgang
zu Boden. Auch in der Folge wartete Ali geduldig auf sich ergebende Lücken.
Dabolins versuchte jetzt häufiger, selbst Akzente zu setzen. Doch
in Gefahr brachte er seinen in Kaspiysik geborenen Widersacher dabei nicht.
So wirkte sein 28-jähriger Kontrahent auch ab der dritten Runde überlegen
und spielte die Reichweitenvorteile gegenüber dem Athleten aus Lettland
aus. Im Schlussdurchgang versuchte Dabolins, mit rechten Haken aggressiver
zu werden, um dem Fight vielleicht noch eine Wendung zu geben. Doch Ali
konterte in den letzten Sekunden an den Ringseilen mit harten Treffern,
so dass sein Sieg nicht mehr in Gefahr geriet.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Mahamed Ali
5. Kampf: Marco
Cattikas vs. Viktor
Baranov, Weltergewicht, angesetzt auf acht Runden
Zu einem sehr interessanten Aufeinandertreffen entwickelte sich die Kampfpaarung
zwischen Marco
Cattikas und dem Russen Viktor
Baranov. Zunächst setzten beide Athleten auf eine stabile
Deckung. Im einem ausgeglichenen Eröffnungsdurchgang glänzte
Cattikas mit einem rechten Haken auf den Körper und mehr Aggressivität,
sein Kontrahent hielt jedoch mit der linken Führhand aktiv dagegen.
In der zweiten Runde traf Baranov seinen Gegner mit einem harten rechten
Haken am Kinn, doch der 28-jährige Leverkusener zeigte sich unbeeindruckt.
In dem inzwischen sehr temporeichen Fight verbuchte Cattikas mit zwei
linken Haken auf den Körper und einer Rechten zum Kopf die besseren
Aktionen für sich. Auch in Durchgang vier geriet Baranov unter Druck.
Nach einer Serie von linken und rechten Händen hatte der Weltergewichtler
aus Moskau Mühe, den Attacken seines Konkurrenten standzuhalten.
Ab der fünften Runde erkämpfte sich der Russe mit schnellen
Händen leichte Vorteile. Der 38-Jährige störte mit seiner
Linken frühzeitig die Angriffsbemühungen seines Widersachers.
Auch in der Schlussphase blieb die Auseinandersetzung ausgeglichen, so
dass am Ende die Wertung der Punktrichter über den Sieg entscheiden
musste.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Marco Cattikas
6. Kampf: Susianna
Kentikian vs. Emilina
Metodieva, Fliegengewicht, angesetzt auf sechs Runden
Deutlich überlegen wirkte die erst 18-jährige Susianna
Kentikian gegen die bulgarische Profidebütantin Emilina
Metodieva. Die in Hamburg lebende Athletin übte schon
in der Anfangsphase Druck auf ihre Gegnerin aus und brachte einige rechte
Haken zum Kopf ins Ziel. Zwar hatte ihre Kontrahentin klare Reichweitenvorteile,
doch es gelang Kentikian immer wieder, die Distanz zu überbrücken.
In der zweiten Runde stellte die gebürtige Armenierin ihre Konkurrentin
an den Ringseilen, doch die 19-Jährige befreite sich aus dieser brenzligen
Situation. Im dritten Durchgang drängte die nur 1,55 Meter große
Athletin die Gegnerin erneut mit harten rechten Händen an die Ringseile
zurück. Auch in Runde vier schlugen die Rechten Kentikians am Kopf
der inzwischen stark aus der Nase blutenden Bulgarin ein. Nach einer Serie
von Schlägen, abgeschlossen durch eine Links-rechts-Kombination,
hatte Ringrichter Manfred Küchler ein Einsehen mit der angeschlagen
wirkenden Metodieva und brach den Fight nach einer Minute und 33 Sekunden
ab.
Offizielles Urteil: Siegerin durch TKO in der vierten Runde Susianna Kentikian
7. Kampf: Serdar
Sahin vs. Karim
Elyassini, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden
Zwar verlief das Aufeinandertreffen zwischen den beiden BoxXstar-Ausscheid-Siegern
des vergangenen Jahres nicht immer hochklassig, trotzdem hatte es zahlreiche
Höhepunkte zu bieten. Dabei stieg Serdar
Sahin mit dem Vorteil der größeren Kampferfahrung
in den Ring. Gegen Karim
Elyassini nutzte der Berliner schnell die ersten Deckungslücken
und schickte ihn bereits in der Eröffnungsphase mit einem linken
Haken an den Kopf zu Boden. Der 24-Jährige agierte auch danach konzentriert
und verbuchte mit einer Rechten ans Kinn noch in der ersten Runde den
zweiten Niederschlag für sich. Im Durchgang zwei gestaltete der 28-jährige
Elyassini das Geschehen ausgeglichener. Doch nur eine Runde später
sorgte eine Unachtsamkeit in der Deckungsarbeit des 1,79 Meter großen
Athleten für die Entscheidung. Sahin landet mit einem linken Schwinger
einen Volltreffer am Kopf, so dass sein Gegner aus Darmstadt erneut angezählt
wurde. Nach dieser Aktion warf die Ecke des Profidebütanten das Handtuch
und signalisierte somit die Aufgabe.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der dritten Runde Serdar Sahin
8. Kampf: Richel
Hersisia vs. Rogerio
Lobo, Schwergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Der 31-jährige Richel
Hersisia hatte in der Anfangsphase des Fights gegen Rogerio
Lobo einige Mühe. Denn sein Kontrahent aus Brasilien
zeigte sich bestens auf das Aufeinandertreffen vorbereitet und verstand
es, den Aktionen des von der Ringmitte aus agierenden Hersisia aus dem
Wege zu gehen. Der Niederländer erzeugte mit der Führhand immer
wieder Druck, vermochte seinen Gegner allerdings nur selten zu stellen.
In Durchgang zwei konterte der Südamerikaner mit schnellen linken
und rechten Händen effektiv und rüttelte Hersisia durch. Doch
der fing sich wieder und kam in der dritten Runde mit rechten Haken ebenfalls
zu guten Treffern. In der Folge verpufften die meisten Aktionen Lobos
an den Handschuhen seines Konkurrenten. In der Vorwärtsbewegung boxend
forcierte der Schützling von Manager Olaf Schröder
das Tempo und wurde mit linken Haken auf den Körper gefährlicher.
Zudem drängte er den 34-jährigen Widersacher immer häufiger
an die Ringseile zurück. In der fünften Runde kassierte Hersisia
durch Ringrichter Arno Pokrandt eine Verwarnung wegen wiederholten Tiefschlags.
Der Niederlänger agierte in der Schlussphase sehr druckvoll, so dass
sein Sieg am Ende knapp, aber gerechtfertigt war.
Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Richel Hersisia
Anm. der Redaktion: Durch einen Fehler beim Aufaddieren der Punktzettel
wurde zunächst eine 2:1-Wertung für Hersisia verkündet.
Das Urteil wurde im Nachhinein durch den BDB-Delegierten korrigiert und
in einen einstimmigen Punktsieg umgewandelt.
9. Kampf: Norman
Schuster vs. Daniel
Käfer, Weltergewicht, angesetzt auf sechs Runden
Großartige Stimmung herrschte in der Ballhaus-Arena beim Kampf zwischen
den Hallensern Norman
Schuster (26) und Daniel
Käfer. Dabei startete der vorher als Außenseiter
geltende Käfer sehr druckvoll in das Aufeinandertreffen. Der Rechtsausleger
drängte seinen Konkurrenten mit der Führhand permanent zurück,
doch dieser konterte einige Male mit linken Haken auf den Körper
und rechten Aufwärtshaken effektiv. Die zweite Runde gehörte
voll und ganz dem Schützling von Coach Uwe Schuster.
Mit einer Serie von rechten und linken Haken stellte der 20-Jährige
den Gegner aus dem SES-Team vor große Probleme. In der Folge bekam
Schuster das Geschehen jedoch besser in den Griff. Zwar agierte Käfer
mit geschlossener Deckung im Vorwärtsgang boxend weiter sehr druckvoll,
doch sein Widersacher hielt mit linken Führhänden und seiner
Rechten dagegen. Die Aktionen des Schützlings von Trainer Werner
Kirsch wirkten kraftvoller und genauer. Zwar verlief auch die Schlussphase
abwechslungsreich, doch die Schlagfrequenz von Käfer hatte merklich
nachgelassen. Am Ende lag Norman Schuster auf den Wertungszetteln der
Punktrichter mit 2:1 vorne.
Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten Norman Schuster
10. Kampf: Natascha
Ragosina vs. Dakota
Stone, WIBF-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht, angesetzt auf
zehn Runden
Die WIBF-Weltmeisterin Natascha
Ragosina traf bei ihrer ersten Titelverteidigung auf die
Amerikanerin Dakota
Stone. Die 29-jährige Athletin aus Moskau nutzte von
Beginn an ihre deutlichen Reichweitenvorteile und wirkte somit zunächst
aktiver. Zwar versuchte die Herausforderin ihren Druck ab der zweiten
Runde zu verstärken, doch die Amerikanerin konnte nur selten die
Distanz zu ihrer Konkurrentin überbrücken und zu Treffern kommen.
Im dritten Durchgang schlug jedoch dreimal die Rechte im Gesicht der von
Trainer Werner Kirsch gecoachten Kontrahentin ein. Insgesamt war es aber
die Titelverteidigerin, die mit ihren Serien von linken und rechten Haken
das Geschehen im Ring deutlich bestimmte. Zudem schwoll das rechte Auge
der 36-jährigen Stone stark an und begann sich langsam zu schließen.
Trotzdem versuchte sie, von der Ringmitte aus agierend, im Vorwärtsgang
zu Treffern zu kommen. Ragosina wich aber immer wieder geschickt aus.
Am Ende ließen die Kräfte bei der Titelverteidigerin ein wenig
nach, doch in Gefahr geriet ihr Sieg zu keiner Zeit. Die Wertung fiel
entsprechend deutlich aus: Die Punktrichter Miklos Döry
(100:89), Jürgen Langos (100:90) und Manfred
Küchler (99:91) sahen Natascha Ragosina bei ihrer Titelverteidigung
einstimmig und deutlich vorne.
Offizielles Urteil: Siegerin einstimmig nach Punkten Natascha Ragosina
Dienstag,
17. Januar 2006
|
|