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Sinan Samil Sam vs.
Luan Krasniqi
- Der Bericht


Aus Stuttgart berichtet Peter Selzer


Bei dem stallinternen Duell um den Titel des Europameisters im Schwergewicht zwischen Titelverteidiger Sinan Samil Sam und dem ebenfalls bei der Universum Box Promotion unter Vertrag stehendem Luan Krasniqi (Foto oben) gab es im Vorfeld Ungereimtheiten um Blutwerte eines Boxers und die Besetzung des Kampfgerichtes. Nach dem Kampf kam es zum Streit zwischen Ahmet Öner, dem Manager des Titelverteidigers, und Promoter Klaus-Peter Kohl. Zwischen diesen Auseinandersetzungen setzte sich der aus Rottweil stammende Krasniqi in einem spannungsgeladenen Kampf sehr knapp nach Punkten durch und darf sich nun schon zum zweiten Mal den Gürtel der EBU um die Hüfte legen.

In der fast ausverkauften Schleyerhalle in Stuttgart stand sich am gestrigen Abend die zweite Reihe der Schwergewichtsboxer des Universum-Boxstalls gegenüber. Sinan Samil Sam (Foto) musste seinen Titel, den er gegen den Polen Przemyslaw Saleta gewonnen hatte, in einem Duell gegen den Deutschen Luan Krasniqi verteidigen, der gegen besagten Saleta eben diesen Titel durch Aufgabe verloren hatte. Im Vorfeld war viel über den möglichen Ausgang dieses Gefechts spekuliert worden, zumeist war die Psyche des aus Jugoslawien stammenden Krasniqi Kernpunkt der Diskussion gewesen. Viele Boxexperten waren im Vorfeld der Ansicht gewesen, der 33-Jährige könne dem Druck der Öffentlichkeit nicht standhalten und würde den Kampf verlieren, obwohl er auf dem Papier als der bessere, technisch versiertere Boxer gilt. Noch beim Einmarsch sah man diese These bestätigt, der Herausforderer wirkte enorm angespannt, obwohl oder gerade weil er durch die zahlreichen Kosovo-Albaner geradezu fanatisch unterstützt wurde.

Die erste Runde verlief noch ausgeglichen zwischen den Kontrahenten, doch merkte man beiden die Verbissenheit an. In der zweiten Runde konnte sich der Herausforderer leichte Vorteile verschaffen; mit seiner schnell geschlagenen linken Führhand bestimmte er den Kampf. Es war die Marschroute zu erkennen, die Trainer Thorsten Schmitz seinem Schützling mit auf den Weg gegeben hatte: Mit boxerischen Mitteln sollte der Europameister entthront werden. Doch schon in der dritten Runde wich Krasniqi (Foto) von seinem Marschplan erstmals ab und es kam gegen Ende der Runde zu einem sehenswerten Schlagabtausch. Beide Kontrahenten konnten schwere Schläge austeilen, mussten aber auch solche einstecken. Das Kampfbild der ersten Runden setzte sich über die weiteren neun Runden fort. Die befreundeten Boxer schenkten sich nichts, und wenn Krasniqi stellenweise mit einer besseren technischen Versiertheit glänzen konnte, so übte Sam ständig etwas mehr Druck aus und ging fast pausenlos nach vorne. Nach jeder Runde schaute der Verfasser dieses Artikels auf seinen eigenen Punktzettel und fragte sich, wie er die jeweilige Runde werten sollte. Um eine 10:10-Wertung zu vermeiden, wurden die Runden möglichst gleichmäßig an beide Boxer verteilt.

Nachdem die komplette Distanz von zwölf Runden geboxt war, wies der Punktzettel des Verfassers den amtierenden Europameister als Sieger mit einem Punkt Vorsprung aus. Die Punktrichter sahen dies nicht so und werteten den Kampf zugunsten des Herausforderers, wobei der Deutsche Axel Zielke den Kampf unentschieden wertete. Das Urteil geht zweifelsfrei in Ordnung, aber eigentlich hatte dieser Kampf keinen Sieger verdient. Selten war ein Titelkampf derart ausgeglichen, was auch die Schlagstatistik beweist, welche auf der Internetseite des Veranstalters abrufbar ist.

Unmittelbar nach dem Kampf kam es dann zu einem Streit zwischen dem Manager Sams, dem ehemaligen Cruisergewichtler Ahmet Öner, und Veranstalter Klaus-Peter Kohl (Foto). Der TV-Zuschauer vermutete einen Streit um die Punktewertung als Ursache, doch lagen die Gründe viel tiefer, wie sich auf der folgenden Pressekonferenz zeigen sollte.

Zunächst gab Kohl vor den Journalisten an, dass bei Sinan Samil Sam im Vorfeld des Kampfes erhöhte Leberwerte festgestellt wurden, die auf Hepatitis hindeuteten. Nachdem verschiedene Ärzte den Befund überprüften, hielten die Mediziner die gemessenen Werte jedoch für unbedenklich und gaben ihre Zustimmung zu dem Kampf, zumal bei Sam schon seit ca. 10 Jahren solche Blutwerte feststellbar sind. Der Kämpfer selbst wollte sich bei der Pressekonferenz hierzu nicht äußern, sondern verließ nach einem kurzen Statement sofort wieder den Saal. Vielmehr erklärte sich dann aber Öner und teilte mit, dass der Kampf aufgrund der festgestellten Blutwerte schon abgesagt war und für Krasniqi ein Ersatzgegner bereit gestanden hätte. Erst vergangenen Donnerstag habe man seinem Schützling dann mitgeteilt, dass er doch boxen könne. Auf die Frage von BoxingPress, was an den Gerüchten dran sei, dass Öner auch bei der Besetzung des Kampfgerichts im Vorfeld Kritik ausübte, bestätigte der türkische Manager, dass er verhindert habe, dass das Kampfgericht von mehr als einem Deutschen besetzt wurde. In Anbetracht der Tatsache, dass ausgerechnet der deutsche Punktrichter den Kampf nicht zugunsten von Krasniqi wertete, schienen diese Befürchtungen jedoch unberechtigt.

Luan Krasniqi (Foto rechts, mit Lennox Lewis sah die ganze Diskussion recht gelassen und meinte, er fühle sich als klarer Sieger. Es bleibt abzuwarten, ob die zerstrittenen Lager wieder aufeinander zugehen können, denn ein Rückkampf wäre nur der logische Schritt, die Ungereimtheiten auszuräumen. Man erinnere sich an die Duelle von Willi "De Ox" Fischer und Kim Weber, bei denen jeder Kampf eine neue Chance für den Sportler darstellte und auch immer ein optischer Genuss für den Zuschauer war.

Zu den Vorkämpfen:

1. Kampf im Schwergewicht: Aldo Colliander TKO1 Viktor Juhasz

2. Kampf im Bantamgewicht: Alesia Graf W4 Petra Jachmanova

3. Kampf im Schwergewicht: Leif Olve Bolonen Larsen WDQ3 Marek Zelov

4. Kampf im Mittelgewicht: Bert Schenk (BP-Nr. 12) gegen Lorant Szabo

Der Ex-Weltmeister Schenk (Foto) beherrschte sieben von acht Runden, lediglich den vorletzten Durchgang konnte der Gast aus Ungarn für sich entscheiden. Ziel des Magdeburgers war zweifelsfrei ein vorzeitiger Sieg, doch blieb Szabo, wie schon in seinem Kampf gegen Felix Sturm (BP-Nr. 10), die gesamte Distanz im Ring.






5. Kampf im Schwergewicht:  Alexander Dimitrenko gegen Sam Ubokane

Als Klaus-Peter Kohl im Dezember 2001 mitteilte, er habe das ultimative Talent im Schwergewichtsboxen verpflichtet, warteten alle Zuschauer auf die Auftritte des jungen Alexander Dimitrenko (Foto). Zwar konnte sein erster Sieg gegen Marcus Johnson die Boxexperten noch nicht überzeugen, man wollte aber weiterhin ein Auge auf das Supertalent werfen. Nunmehr zwei Jahre später können die ersten Zweifel an der Größe des Talents geäußert werden. Dimitrenko wirkt unbeholfen und auch seine Schlagkraft weiß nicht zu überzeugen. Gegen seinen limitierten Gegner aus Johannesburg wirkte der Ukrainer konzeptlos. Zwar gewann er die erste Runde, doch gelang es ihm nur durch einen Tiefschlag, seinen Gegner auf den Ringboden zu schicken. In der Pause zur fünften Runde gab dieser schließlich auf und Dimitrenko war um einen glanzlosen Sieg reicher. Die spärlich bekleideten Nummerngirls waren zweifelsfrei der attraktive Höhepunkt in diesem Gefecht.

6. Kampf im Cruisergewicht: Alexander Petkovic (BP-Nr. 19) gegen Baldwin Hlongwane

Nach seinem vergeblichen Anlauf gegen  Johnny Nelson (BP-Nr. 4) auf die WBO-Krone sollte Alexander Petkovic (Foto) wieder auf die Erfolgsspur gelenkt werden. Doch der Abend endete rabenschwarz für den 23-Jährigen. Schon sein Einmarsch stand unter keinem guten Stern, denn getreu dem Motto "der Feind meines Feindes ist mein Freund" wurde er wegen seiner serbischen Herkunft von den zahlreichen Kosovo-Albanern gnadenlos ausgebuht, der Südafrikaner hingegen gefeiert. Bedauerlich, dass Religion und Politik immer noch eine entsprechende Rolle im Sport spielen. In der ersten Runde gelang es dem Schützling von Michael Timm noch, die Oberhand im Ring zu behalten. So konnte er seinen Gegner mit einem knallharten linken Haken beeindrucken. Doch Hlongwane blieb nur dieses eine Mal beeindruckt. Ab Runde zwei übernahm er zusehend die Chefrolle im Ring, Petkovic wirkte von Runde zu Runde ratloser und musste schwere Treffer einstecken, die schließlich in einem Niederschlag in der siebten Runde mündeten. In der achten Runde wurde der Hamburger regelrecht verprügelt, bis schließlich Trainer Timm ein Einsehen hatte und das Handtuch warf. Ein heftiger Rückschlag in der Karriere des jungen Mannes. Es bleibt zu hoffen, dass seine Psyche diese Niederlage verkraftet und er nicht die Boxhandschuhe komplett an den Nagel hängt.

7. Kampf im Halbschwergewicht: Thomas Ulrich (BP-Nr. 13) gegen Michael Rush (WBC-International Titel)

Der Publikumsliebling startete langsam. Ulrich (Foto) wusste in den ersten Runden nicht zu überzeugen, vielmehr wirkte sein amerikanischer Gegner schneller und technisch ebenbürtig. Doch konnte der 28-jährige Deutsche ab der fünften Runde das Ruder übernehmen und war von nun an klar der Chef im Ring. Der Amerikaner, der je nach Kampfvertrag zwischen Halbschwer-, Cruiser-, oder Schwergewicht pendelt, hatte wohl sein Pulver in den Eröffnungsrunden verschossen und war schließlich nur noch darauf bedacht, den Schlussgong zu hören. Die Punktrichter werteten den Kampf 119:109, 118:110 und 117:112. Der Autor dieses Beitrags wertete den Kampf ebenfalls 117:112. Insgesamt ein souveräner Thomas Ulrich in einem mäßigen Gefecht. Auf der Pressekonferenz deutete man an, dass Ulrich in einem Zeitrahmen von einem Jahr eine WM-Chance bekommen soll. Es bleibt abzuwarten, bei welchem Verband dies realisiert werden soll.

8. Kampf im Federgewicht: Silke Weickenmeier gegen Trisha Hill (WIBF-Weltmeisterschaft)

Der Neuzugang der Universum Box Promotion wurde lautstark von ihrer mitgereisten Fangemeinde aus Trier unterstützt. Doch auch bei diesem Kampf lief nicht alles nach Plan des Veranstalters. Trisha Hill, die am Tag zuvor noch mehrere Saunagänge absolvieren musste, um das Gewichtslimit einzuhalten, hatte nicht nur die Frisur eines Ponys, nein, sie konnte auch hauen wie ein Pferd. Nach sechs ausgeglichenen Runden, die mehr von wilden Schlägen als von technischer Raffinesse geprägt waren, brach die Amerikanerin der Deutschen mit einem Schlag die Nase, was diese dazu zwang, in der Pause zur sechsten Runde das Handtuch zu werfen. Eine sichtlich enttäuschte Silke Weickenmeier konnte ihre Tränen nur schwer zurückhalten, kann sich aber mit dem verbliebenen Weltmeistertitel nach Version der GBU und der Aussicht auf ein baldiges Rematch trösten.

 
     

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