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Interview mit John Scully
von Karsten Knöchlein

John Scully ist den deutschen Fans gerade wegen seiner Kämpfe gegen Henry Maske und Graciano Rocchigiani bekannt. Lange Zeit war Scully als Gegner von WBO-Champion Dariusz Michalczewski im Gespräch. Sein derzeitiger Kampfrekord beläuft sich auf 38-11-0 (21 KO´s). Der charismatische Boxer hat fast alle entscheidenden Kämpfe in seiner Laufbahn verloren und zählt trotz alledem zu einer der sehr angenehmen Erscheinungen im harten Box-Business.

Rückblick: Die erste Bewährungsprobe musste John Scully am 08.12.1995 absolvieren, als er auf den Weltklasse-Boxer und ehemaligen P4P-Mann Michael Nunn traf. Nach 12 Runden mußte er sich nur knapp nach Punkten geschlagen geben. Seinen ersten WM-Kampf bekam John Scully am 25.05.1996. Er durfte gegen Henry Maske um die IBF-Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht boxen und verlor klar nach Punkten.

Fast ein Jahr pausierte Scully, ehe er wieder in den Ring stieg und den ehemaligen Weltmeister Graciano Rocchigiani herausforderte. Am 22.03.1997 besiegte Rocchigiani John Scully eindeutig nach Punkten und spätestens nach diesem Kampf musste sich der US-Boy fragen, ob es nicht besser wäre, die Boxhandschuhe an den Nagel zu hängen.

Doch nur drei Monate nach seiner Niederlage gegen Rocchigiani, ging Scully wieder in den Ring und verlor gegen Ernest Mateen nach Punkten. Nach dieser erneuten Pleite folgte ein Sieg gegen Scott Lopeck, den der durch TKO in der 6. Runde gewinnen konnte. Wenig später verlor er gegen Drake Thadzi und Sammy Ahmad.

Von nun an war klar, das er wohl nicht mehr ernsthaft ins Titelgeschehen eingreifen könnte, aber John Scully forderte unermüdlich einen Rückkampf gegen Ernest Mateen, denn er am 19.04.2001 bekommen sollte. Nach einem harten Gefecht unterlag er Mateen erneut nach Punkten. Das war für Karsten Knöchlein Grund genug, im Auftrag von Boxingpress ein Interview mit dem ehemaligen IBF-Titelanwärter im Halbschwergewicht zu führen...

Boxingpress: Bitte erzählen Sie uns etwas über Ihre Boxkämpfe in Deutschland.

Scully: In Deutschland kämpfte ich gegen Henry Maske und Graciano Rocchigiani. Ich hatte sehr viel Schwierigkeiten mit der Größe und dem Stil von Maske. Er war ein sehr harter Gegner, der seine Reichweite nutzen konnte und auch die Tatsache, das er Rechtsausleger war, bereitete mir arge Probleme.

Boxingpress: Welcher deutsche Boxer, ist für Sie stärker einzustufen, Graciano Rocchigiani oder Henry Maske ?

Scully: Ich denke, das Henry wegen seiner Größe ein bisschen stärker war. Außerdem glaube ich, das ich mit Rocky besser zurecht kam. Es war kein Titelkampf und deshalb, war ich nicht so nervös wie gegen Henry Maske.

Boxingpress: Wer war bisher der stärkste Gegner Ihrer Boxkarriere ?

Scully: Ich denke, daß Henry der stärkste war, denn wie gesagt, kam ich mit seinem Stil und seiner Reichweite nicht klar. Ich kämpfte gegen einige gute Boxer, aber Maske war der Einzige, der so einen Reichweitenvorteil hatte und über so große technische Fähigkeiten verfügte. Die meisten Halbschwergewichtler sind ca. 180 cm groß und deswegen hatte Henry ihnen gegenüber immer einen Größenvorteil.

Boxingpress: Gegen welche Boxer würden Sie gerne in den Ring steigen ?

Scully: Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere, brauche ich erst einmal einige Siege und dann sehen wir weiter. Wenn ich einige überzeugende Siege landen kann und Dariusz nicht gegen Roy Jones kämpft, könnte ich mir vorstellen, gegen Dariusz zu kämpfen, aber ich denke, es gäbe eine Menge zu tun, bis ich dazu bereit wäre.

Boxingpress: Wie denken Sie über Dariusz Michalczeswki und Roy Jones jr. ? Könnten Sie sich vorstellen, gegen einen der beiden anzutreten und wen halten Sie für den stärkeren Boxer ?

Scully: Roy Jones und ich sind gute Freunde und deshalb würden wir niemals gegeneinander antreten. Wir haben des öfteren trainiert und er sagte, daß er niemals gegen mich kämpfen würde, weil wir Freunde seien. Ich denke, daß Roy Jones der beste Halbschwergewichtler der Welt ist und ich glaube nicht, das Dariusz eine Chance hätte, Roy mit seinem Stil zu gefährden. Dariusz ist ein sehr guter Boxer, aber Roy Jones ist etwas Besonderes.

Boxingpress: Was hält die Zukunft für John Scully bereit ?

Scully: Ich möchte nur zurück in den Ring, um mein Bestes zu geben. Wenn ich erfolgreich bleibe, bin ich mir sicher, daß ich einige große Kämpfe absolvieren könnte.

Boxingpress: Ihren letzen Kampf bestritten Sie gegen Ernest Mateen, der zum Zeitpunkt des Kampfes knapp 6 kg zuviel auf den Rippen hatte. Was sagen Sie zu Mateen´s Übergewicht und dem Kampf ?

Scully: Naja, ich hätte niemals gegen ihn boxen dürfen. Ich wog beim "Wiegen" nur 80 kg, aber Mateen brachte 86 kg auf die Waage. Ich machte einen guten Kampf, aber Mateen war an diesem Tag so schwer wie ein Schwergewichtler. Er war einfach viel zu schwer.

Boxingpress: Könnten Sie sich vorstellen, gegen Ernest Mateen ein drittes Mal zu kämpfen ?

Scully: Klar doch, aber nur wenn er sein Gewicht auf 84 kg reduzieren kann und wir im Cruisergewicht boxen. Er ist so groß wie Henry Maske, aber sein aktuelles Gewicht ist einfach zuviel und es wäre ein zu großer Vorteil für ihn. Wenn wir im Cruisergewicht oder Halbschwergewicht kämpfen würden, dann wäre ich bereit, ein weiteres Mal gegen ihn zu kämpfen.

Boxingpress: Haben Sie ein Idol im Boxsport ?

Scully: Ja, ich bin ein Fan von Muhammad Ali. Ali ist ein großartiger Mensch, an dem sich Menschen auf der ganzen Welt ein Beispiel nehmen sollten.

Boxingpress: Möchten Sie noch mal in Deutschland boxen und gegen welchen deutschen Boxer würden Sie gerne in den Ring steigen ?

Scully: Wenn ich keinen Kampf gegen Dariusz bekommen würde, dann würde ich gerne einen Rückkampf mit Rocky bestreiten.

Boxingpress: Was sagen Sie zum Überraschungssieg von Hasim "The Rock" Rahman gegen Lennox Lewis ?

Scully: Ich war nicht wirklich überrascht, daß Rahman gewonnen hat. Ich sagte vorher zu einigen Leuten, daß ich nicht überrascht wäre, wenn Lennox Lewis verlieren würde. Ich hörte, das Lennox Lewis das Training nicht ernst genommen hatte und kaum trainierte, wobei Rahman die Sache sehr ernst nahm. Das Ergebnis konnte man ja sehen.

Boxingpress: Wie sieht Ihre derzeitige P4P-Liste aus?

Scully: Roy Jones, Felix Trinidad, Shane Mosley und Floyd Mayweather - das sind die 4 besten Boxer und alle anderen kommen erst weit dahinter.

Boxingpress: Kommen wir zu Sven Ottke. Er hat eine Menge Fans in Deutschland, speziell in Magdeburg. Die meisten Box-Experten und Kritiker finden Ottke´s Kampfstil eher langweilig. Wie denken Sie darüber ?

Scully: Ich habe schon oft mit Ottke trainiert und muss sagen, daß er ein sehr guter Boxer ist, der über sehr viel Erfahrung im Ring verfügt. Außerdem besitzt er eine gut ausgebildeteTechnik und geht immer austrainiert in seine Kämpfe. Sein Kampfstil ist vielleicht nicht der attraktivste, aber dennoch ist Sven immer der Gewinner im Ring.

Boxingpress: Letzte Frage: Was würden Sie gerne zu Ihren Fans in Deutschland sagen ?

Scully: Ich möchte allen meinen deutschen Fans sagen, das ich viermal in Deutschland war und jedes Mal ganz begeistert war. Ich habe eine Menge Fans in Deutschland und stehe mit einigen in engem Kontakt. Ich würde mich sehr freuen, wenn ich was von meinen Fans hören würde. Ihr könnt mir gerne einen Brief an "The San Juan Center 1297 Main Street Hartford, Connecicut 06120 U.S.A." schicken.

Boxingpress: Wir bedanken uns für das Interview und wünsche Ihnen alles Gute für die Zukunft !!!

 

Karsten Knöchlein ist begeisterter Boxfan und arbeitet im Ruhrgebiet. Für Boxingpress Deutsch sprach er mit dem Halbschwergewichtler John Scully. Der langjährige Beobachter der deutschen und internationalen Boxszene leitet selbst eine Internetseite, die viele interessante Statistiken und Hintergrundinformationen bereithält:

Die Meinungen von Gastautoren geben nicht unbedingt die Meinung der Redaktion wieder.

 

 
     

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