Sidon ist deutscher Schwergewichts-Meister
Aus Gießen berichten Arne
Leyenberg und Ingo Barrabas
Andreas
Sidon (Foto) ist neuer internationaler deutscher Meister
im Schwergewicht. Vor 850 Zuschauern bezwang der ehemalige Kickboxweltmeister
in seiner Heimatstadt Gießen seinen Gegner Farhad Chaanoune aus
Dresden durch technischen K.o. in der zehnten Runde. Nach 50 Sekunden
des letzten Durchgangs brach Ringrichter Kurt Stroer das Duell
ab, Sidon sicherte sich damit den vakanten Titel.
An dieser
Stelle gibt es ein Novum in der Geschichte von Boxingpress - unsere
beiden Mitarbeiter haben den Kampf unabhängig voneinander vor Ort
gesehen und schätzen den Verlauf sehr unterschiedlich ein. Daher
bieten wir dem interessierten Leser beide Kampfberichte, um aufzuzeigen,
wie vielseitig die Meinungen zu diesem Duell sein können...
Arne Leyenberg
- In einem dramatischen Kampf gab letztlich die Kondition den Ausschlag
zugunsten des Lokalmatadoren. Obwohl bereits 38 Jahre alt und damit acht
Jahre älter als sein Gegner, war Sidon in der Lage zehn Runden lang Druck
zu machen, ging unentwegt nach vorne und schlug harte Kombinationen zu
Kopf und Körper. Besonders der linke Leberhaken hinterließ Wirkung und
raubte Chaanoune die Luft. In der neunten Runde musste der gebürtige Algerier
zweimal zu Boden, zu diesem Zeitpunkt lag er nach Punkten bereits uneinholbar
hinten.
Seine Taktik
sah es vor, Sidon an den Seilen zu stellen und bereits in den Anfangsrunden
vorzeitig zu besiegen. Doch sein Gegner überstand alle brenzligen Situationen
dank der Erfahrung aus Kampfsportkarriere und 15 Profikämpfen. Ein Cut
Sidons über dem rechten Auge ließ bei Chaanoune noch einmal Hoffnung aufkommen,
doch musste er sich am Samstag abend dem besser konditionierten Boxer
geschlagen geben.
"Sidon
war nicht das Problem, sondern meine fehlende Kondition," gab er auf
der anschließenden Pressekonferenz zu. "Meine Beine waren wie Blei."
Seine schlechte Verfassung führte der Dresdner auf die kurze Vorbereitungszeit
zurück. Erst vor einer Woche war Chaanoune für den verletzten Ralf
Packheiser eingesprungen.
Andreas Sidon
war nach dem Kampf "überglücklich, endlich gehört mir der Titel."
Durch die vielen Absagen von Rene Monse "habe ich schon nicht
mehr daran geglaubt." Im Falle einer Niederlage hätte er "höchstwahrscheinlich"
seine Karriere beendet. Vor dem Kampf hatte Sidon noch gesagt, "wenn
ich verliere, nehme ich noch im Ring Zyankali." Dazu kam es wegen
des klaren Sieges nicht, es kann weitergehen für den Hessen. "Ich bin
noch lange nicht am Ende, nun sollen die Großen Deutschlands endlich gegen
mich antreten."
Chaanoune
zählt sicherlich nicht zu diesen, obwohl er den mehrmaligen deutschen
Meister Mario Schießer im vergangenen Jahr nach Punkten schlagen
konnte. Andreas Sidon aber ist mit dem Meistergürtel in der Hand und einem
eindrucksvollen Sieg mehr, weiter auf dem Weg nach oben.
Ingo Barrabas
- Um 22.45 Uhr war es dann soweit. Der Hauptkampf um die vakante Internationale
Schwergewichtsmeisterschaft wurde ausgeboxt. Nachdem Rene Monse
den gegen Willi Fischer gewonnenen und einmal gegen Ralf Packheiser
verteidigten Titel nicht gegen den offiziellen Herausforder Andreas
Sidon verteidigen konnte, wurde der Titel für vakant erklärt. Um diesen
sollten ursprünglich Sidon und Packheiser kämpfen. Der Berliner verletzte
sich jedoch letzte Woche im Training und musste den Kampf absagen. Für
ihn sprang der Neuprofi Farhat Chaanoune ein.
Dieser hatte
zwar im September vergangenen Jahres sein Debüt gegen eben jenen Packheiser
nach Punkten verloren (alle Beobachter sprachen von einer mehr als strittigen
Niederlage) danach aber Mario Schießer mehrmals am Rande des KO
gehabt und schließlich durch Punktentscheid, sowie zwei weitere Kämpfe
durch TKO gewinnen können. Sein Rekord somit: 3-1, 2 KO's. Für Sidon bedeutete
die kurzfristige Verpflichtung Chaanounes nicht nur eine Aufwertung der
Meisterschaft, sondern auch eine viel schwerere Aufgabe, als gegen Packheiser.
Soviel zur Vorgeschichte.
Der Kampfverlauf:
Wie erwartet eröffnete der 31jährige Algerier den Kampf offensiv und drängte
den Lokalmatadoren Andreas Sidon ein ums andere Mal am Seil fest. Schwere
Schwinger und Haken brachten den Giessener in Verlegenheit. Die bombastische
Stimmung kippte, vielen Sidon-Fans schnürte das Entsetzen förmlich die
Kehlen zu. Sidon brachte zwar seinerseits Führhände und bearbeitete von
Beginn an den Körper des Algeriers, insbesondere mit dem Leberhaken, konnte
aber viele Treffer nicht vermeiden. Die erste Runde ging mit 10:9 an Chaanoune,
der auch die beiden weiteren Durchgänge mit gleicher Kampfesführung gewinnen
konnte.
Sidon schluckte
die Treffer am Seil, seine stärkste Waffe bis dahin war der Leberhaken.
Folgen der Schlagwirkung waren bei Chaanoune nicht zu spüren, bzw. zu
sehen, bei Andreas Sidon öffnete sich ein Cut über dem rechten Auge. Die
Verletzung wurde aber in der Ecke gut behandelt. In der vierten Runde
kam der Lokalmatador dann endlich besser in den Kampf. Die Führhand kam
exakter und häufiger als zuvor, auch setzte Sidon seine Beinarbeit mehr
und mehr ein. Körpertreffer kamen wie in den vorangegangenen Durchgängen
gut ins Ziel. Brandgefährliche Aktionen mit schweren Heumachern vom Algerier
waren aber immer noch allgegenwärtig.
Langsam aber
sicher bekamen die Sidon-Fans die Halle wieder in ihre Gewalt und trieben
ihren 38jährigen Schützling nach vorne. Vierte Runde unentschieden; Gesamtpunkte
40:37 Vorteil Chaanoune. In der fünften und sechsten Runde ein anderes
Kampfbild. Sidon war nun der Aggressor, verteilte hinter einer gut arbeitenden
Führhand gute Hakenserien zu Kopf und Körper. Chaanoune war nun auch erstmals
von der Schlagkraft Sidons beeindruckt, schenkte aber auch weiterhin mit
wuchtigen Schlägen ein. Nach der sechsten Runde stand der Kampf auf des
Messers Schneide.
"Deutschlands
George Foreman" hatte nun deutlich Oberwasser gewonnen, die in den
ersten Runden verteilten Körpertreffer machten sich beim Algerier zusehends
bemerkbar, er atmete tief. Kurz vor Ende der Runde hatte Sidon mit einer
Vielzahl von Treffern Farhat Chaanoune am Rande einer Niederlage. Von
den klaren Treffern flog sein Kopf mehrmals nach hinten, er taumelte in
die Seile. Kurz vor einer möglichen finalen Aktion von Sidon kam
das Rundenende. Sidon hatte zumindest nach Punkten gleichgezogen.
In der achten
Runde erwartete jeder Beobachter das Ende. Die einminütige Pause hatte
Chaanoune jedoch genutzt und gewann diesen achten Durchgang, als er Sidon
erneut mit schweren Treffern durchrüttelte, dieser am Seil festgenagelt
wurde. Für die Fans ein wahres Wechselbad der Gefühle. In der neunten
Runde drehte dann aber Andreas Sidon richtig auf, schlug wuchtige Treffer
zum Kopf des Algeriers, der taumelnd ins Seil und dann auf den Boden sank.
Nach dem obligatorischen Anzählen war Sidon nicht mehr zu halten und schlug
Chaanoune mit einer Serie weiterer Haken nieder. Der Algerier war nun
deutlichst angeschlagen und stand bei "8" wieder auf wackeligen
Beinen. Der Gong rettete ihn vor weiteren Angriffen.
Mit schweren
Schritten ging er in seine Ecke, wurde dort von Sekundant Werner Papke
angefeuert. Wegen der beiden Niederschläge lag Sidon nach Punkten knapp
in Führung, also musste Chaanoune diese letzte Runde gewinnen. So begann
er auch, wurde aber sofort von Sidon klassisch ausgekontert und nach knapp
1 min erneut neidergeschlagen. Ringrichter Kurt Stroer brach den Kampf
ohne zu zählen ab. Die Zuschauer waren nicht mehr zu bändigen, applaudierten
und jubelten minutenlang. Andreas Sidon zelebrierte im Ring seinen größten
Triumph, schulterte Cheftrainer Detlef Loritz und trug ihn durch
den Ring.
Andreas Sidon,
als Spätstarter bekannt, hatte es geschafft: Die erwarteten schweren Treffer
Chaanounes überstehen, Körpertreffer setzen und in der zweiten Kampfeshälfte
aufdrehen. Diese Körpertreffer brachten ihm schließlich den Sieg. Größten
Respekt verdienen beide Kämpfer für ihre gezeigten Leistungen. Andreas
Sidon eröffnen sich mit diesem wichtigen Sieg nochmals gute Optionen,
dem Verlierer Chaanoune kann man nur zu einem großen Kampf gratulieren
und hoffen, dass er diese Form noch oft unter Beweis stellt.
Vom Rahmenprogramm
in Giessen berichtet Ingo Barrabas:
In der fast
ausverkauften Giessener Kongresshalle wurden neben
dem Hauptkampf um die vakante Internationale Deutsche Meisterschaft im
Schwergewicht noch sechs weitere attraktive Kämpfe unter dem Motto "Die
Nacht der Gladiatoren" geboten.
Im ersten
Duell standen sich die beiden Federgewichts - Debütanten Omit Nasrati
aus Mayen und Hamed Karimi aus Dinslaken in einem 4 Runder gegenüber.
Nasrati begann sehr druckvoll, schlug gute Körper- und Kopfhaken.
Karimi versuchte seinerseits, aus der Distanz zu arbeiten, wurde aber
von einem linken Kopfhaken getroffen und musste bis acht angezählt werden.
Nasrati versuchte nun, die Entscheidung herbeizuführen und deckte den
Dinslakener mit einem Schlaghagel ein, der den zweiten Niederschlag zur
Folge hatte. Ringrichter Jürgen von Bellinghofen brach den Kampf
daraufhin ab. Somit ein TKO1-Sieg nach 2:55 min. für Omit Nasrati aus
Mayen.
Danach folgte
ein 4 Runden-Kampf zwischen der Schwergewichtshoffnung Yalla Krüger
(4-1, 3 KO's), mittlerweile in Berlin trainierend, und dem Debütanten
Frank Dunklau aus Herford. Krüger, mit einem Gewicht von 112 kg,
begann druckvoll und bestimmte die Aktionen mit seiner Führhand, kam dazu
im Infight mit guten Haken ins Ziel. Dem 108 kg schweren Rechtsauslegers
Dunklau fehlte das Timing, zudem blutete er aus der Nase und fand kein
Mittel um die Aktionen des Wahlberliners zu stören und selbst klare Treffer
zu setzen. Dieses Kampfbild setzte sich in der zweiten Runde fort. Im
dritten Durchgang witterte Yalla Krüger die Chance eines vorzeitigen Sieges
und forcierte nochmals das Tempo. Nach einem linken Körpertreffer musste
Dunklau zu Boden, rettete sich aber in die Rundenpause. In der vierten
und letzten Runde kämpfte der tapfere 32jährige Herforder nur noch ums
"Überleben", versuchte die kritischen Situationen mit Halten
und Klammern zu überstehen. Mit harten Kopftreffern brachte Yalla Krüger
seinen Gegner nochmals ins Wanken und mit einem Körpertreffer schließlich
auf den Ringboden. Kurt Stroer brach den Kampf nach 2:14 min. der
4. Runde ab, Sieger durch TKO 4 der 25jährige Yalla Krüger aus Berlin.
Stimmen zum Kampf:
Yalla
Krüger: "Ich habe erst kurzfristig von der Rechtsauslage meines
Gegners erfahren, hatte einige Schwierigkeiten mich darauf einzustellen.
Ab der zweiten Runde bin ich dann besser ins Gefecht gekommen und konnte
meine Schnelligkeit ausspielen. Die Körpertreffer haben dem tapferen Dunklau
wohl die Kraft geraubt. Rein von dem Ergebnis gesehen kann man zufrieden
sein. Ich muss aber weiter an mir arbeiten" Mit seinen im "BoxSport"
gemachten Aussagen konfrontiert, er wolle lieber Afrikameister als Deutscher
Meister werden, meinte Krüger: "Was einige Journalisten halt so
wiedergeben...., selbstverständlich würde ich auch gerne Deutscher Meister
werden. Aber jetzt danach zu schreien wäre vermessen. Ich muss und werde
noch einiges lernen. Danach wird man weitersehen"
Frank
Dunklau: "Kompliment an Yalla Krüger. Er hat mir gezeigt,
wie hoch die Früchte bei den Profis hängen. Mit meiner stärksten Waffe,
der Führhand, bin ich praktisch nicht ins Ziel gekommen. Viele seiner
Treffer waren hart. Er hat mich richtig mürbe gemacht. Obwohl ich schon
22 Jahre boxe ist die Umstellung von den Amateuren zu den Profis größer
als wir im Team gedacht haben. In Zukunft werde ich mich mehr auf die
Haken konzentrieren. Vom Ergebnis bin ich natürlich etwas enttäuscht.
Eine Punktniederlage wäre in Ordnung gewesen, mit einem 'TKO by' bei den
Profis zu starten ist sicher nicht wünschenswert. Aber ich werde weiter
arbeiten und mich für die nächste Aufgabe wieder voll motivieren. Mein
nächster Kampf soll dann im Herbst steigen, den werde ich dann hoffentlich
siegreich gestalten. Ich habe viel hinzugelernt heute Abend; jetzt gilt
es diese Erfahrung im Training umzusetzen"
Nach
den schweren Jungs folgte der erste Hauptkampf: Die Internationale Deutsche
Frauenmeisterschaft im Fliegengewicht (Limit 49,998 kg) zwischen der Titelverteidigerin
Nadja Loritz (Foto) aus Koblenz und der Herausforderin Ramona
Gughie aus Rumänien. Loritz, mit Reichweitenvorteilen ausgestattet,
begann sehr druckvoll, setzte ihrer Kontrahentin mit Führhänden zu, verschaffte
sich viel Respekt. Ab Mitte der ersten Runde setzte die Titelverteidigerin
auch gute Körperhaken, die ihre Wirkung bei Gughie nicht verfehlten. Nach
einer schönen Körper-Kopf-Kombination brachte ein Aufwärtshaken von Loritz
kurz vor der Rundenpause die Rumänin ins wanken. Das Publikum spendete
viel Beifall.
In der zweiten
Runde marschierte die Titelverteidigerin weiter, diktierte das Geschehen
von der Ringmitte aus, punktete erneut mit ihrer Führhand und setzte jetzt
auch mit der Schlaghand nach. Ramona Gughie war deutlich beeindruckt und
musste Mitte der zweiten Runde von Referee Heinrich Mühmert angezählt
werden. In dieser Phase arbeitete die Koblenzerin ohne zu überhasten weiter
und brachte die Herausforderin mit schweren Körpertreffern in arge Bedrängnis.
Kurz vor dem Gong folgte ein weiterer Niederschlag, der Trainer von Gughie
warf daraufhin das Handtuch. Die Siegerehrung wurde vom Jubel der begeisterten
Zuschauer begleitet. Dieser Kampf war Werbung für das Frauenboxen! Mit
ihrem TKO 2-Sieg und der erfolgreichen Titelverteidigung dürfte Nadja
Loritz in WIBF Rangliste ( z.Z. Nr. 5 ) in naher Zukunft weiter nach oben
klettern. WIBF Weltmeisterin in diesem Limit ist Regina Halmich,
die sich bei ihrer Gegnerauswahl auch gerne vor der "eigenen Haustür",
sprich in Deutschland umsehen kann. Stimmen zum Titelkampf:
Nadja
Loritz: "Ich bin glücklich. Jede Titelverteidigung ist schwer.
Ich habe gut trainiert und von Beginn an unser gemeinsames erarbeitetes
Konzept umgesetzt. Mit der Führhand habe ich mir Respekt verschafft. Der
Einsatz der Schlaghand war dann Kampfentscheidend, die Körpertreffer taten
ihr übriges.... Bei der Vorbereitung hat mir das Sparring mit den "Jungs"
sehr gut getan. Man braucht einfach die Härte des Sparrings, um im Kampf
gewappnet zu sein. Jetzt benötige ich noch zwei, drei Kämpfe um ganz oben
anklopfen zu können. Mein Traum wäre eine WIBF Meisterschaft gegen Regina
Halmich. Ich respektiere Regina. Sie hat ihren Weltmeistertitel schon
zig mal verteidigt, sehr oft auch auf einem sehr hohen Niveau. Aber ich
denke, dass ich nach weiterer harter Arbeit in einem Duell nicht ganz
chancenlos wäre. Und ein Kampf zwischen zwei Deutschen würde doch auch
das Publikum vom Hocker reißen. Nebenbei, die Zuschauer sind doch heute
auf den Geschmack gekommen, oder?"
Ramona
Gughie: "Ich bin enttäuscht. Ich habe gegen die harten Treffer
einfach kein Mittel gefunden. Meine Taktik aus der Distanz zum Erfolg
zu kommen, hat überhaupt nicht geklappt."
Im vierten
Kampf des Abends standen sich in einem Weltergewichtsduell Debütant Sped
Matzakovic aus Polen und Turgay Uzun (6-2-1, 1 KO) aus Koblenz
gegenüber. In dem hochklassigen Gefecht setzte der 26jährige Koblenzer
die Akzente, schlug gute linke Führhände, präsentierte sehr gute Beinarbeit
und setzte mit trockenen Körper-Kopf-Kombinationen nach. Ein ums andere
Mal ließ sich Uzun am Seil "festnageln", ließ die Schläge des
Gastboxers zumeist an seiner geschlossenen Doppeldeckung abprallen, um
dann selbst in die sich bietenden Deckungslücken des Polen zu schlagen
- und zu punkten. Dieses Kampfbild der ersten Runde setzte sich unter
großem Applaus der Zuschauer auch in den Abschnitten zwei und drei fort.
In
der letzten Runde boxte Uzun (Foto) dann vor Augen eines Punktsieges
auf Sicherheit und ging kein großes Risiko mehr ein. Diese Runde ging
an den Gast aus Polen, der in diesem Abschnitt der aktivere war und mehr
Hände im Ziel hatte. Boxingpress wertete den Kampf 39:37 für den Koblenzer
Uzun. Das anschließend verkündete Urteil "Unentschieden" kann
nur die Frage aufwerfen, welchen Kampf die Punktrichter gesehen haben.
Der Kampf war spannend, mit fast gleichwertigen Akteuren. Matzakovic aus
Polen war jede Mark seiner Börse wert, dennoch war Turgay Uzun der dominierende
Mann, brachte die Vielzahl von klaren Treffern. Wie soll denn dann ein
Boxer noch nach Punkten gewinnen, wenn er nicht so boxt wie Uzun? Oder
anders: Wird ein Gastboxer, der zwar fast, aber eben nur fast gleichwertig
ist und alles gibt, automatisch mit einem Unentschieden belohnt?
Wie sich später herausstellte, hatte ein Punktrichter dem Gastboxer Matzakovic
eine 10:8 Runde gegeben, weil er nach einem Abtauchmanöver von Uzun einen
Niederschlag gesehen haben wollte. Die Handschuhe berührten nicht den
Boden, ebenso griff der Ringrichter nicht ein..... Aus Sicht von Boxingpress
handelt es sich bei dem Urteil um ein klares ("politisches"?)
Fehlurteil. Vielleicht wird auf kleineren Veranstaltungen des Gastboxern
zurückgegeben, was ihnen auf Großveranstaltungen genommen wird!? Dementsprechend
waren die Stimmen nach dem Kampf u.a. von
Turgay
Uzun: "Ich bin natürlich enttäuscht. Was hätte ich denn noch
anders machen sollen? Ich war aktiver, hatte die klareren Treffer, auch
eine höhere Anzahl. Also, wenn es nach diesem Kampfmuster ein Unentschieden
gibt, hätte ich doch nie einen Punktsieg erringen können. Das Urteil ist
ein Witz. Der Kampf an sich ist gut für mich verlaufen. Mit meinen Aktionen
am Ringseil habe ich auf Lücken in seiner Deckung gewartet und habe dann
diese ausgenutzt. Ich fühle mich klar als moralischer Sieger. Das ein
Punktrichter eine Abtauchaktion von mir als Niederschlag gewertet hat,
will ich hier nicht kommentieren. Im Nachhinein ist man natürlich immer
schlauer: Meine Ecke hat mir mehrmals gesagt, ich soll Matzakovic KO schlagen.
Ich hätte sicherlich auch die Chance auf einen vorzeitigen Sieg gehabt.
Aber man muss auch immer das Risiko abwägen. Ich habe nach meinem Empfinden
klar nach Punkten geführt. Da gehe ich doch nicht in der letzten Runde
ein Risiko ein. Der Gegner kann ja auch hinlangen."
Im
fünften Kampf des Abends gab es ein Rematch zwischen dem Koblenzer 18jährigen
Youngstar Marco Ruhmann (4-0, 4 KO's) und dem Routinier Christian-Ion
Velea (10-19, 4 KO's) aus Rumänien. Ruhmann (Foto) hatte im
November vergangen Jahres einen spektakulären TKO-Sieg über Velea erringen
können. Velea gab damals aber an, er hätte ein problematische Vorbereitung
gehabt und sei weit unter Wert geschlagen worden. Auch dieses Gefecht
zeigte über die komplette Distanz von vier Runden ein gleiches Muster:
Der 32jährige Velea boxte aktiv mit der Führhand, lief um seinen Opponenten
herum und versuchte mit überfallartigen Angriffen erfolgreich Treffer
anzubringen. Im ersten Durchgang gelang ihm dies noch recht gut, mit Fortdauer
des Kampfes konnte Ruhmann zwar wenige, dafür aber klare Treffer setzen.
Volltreffer waren auf beiden Seiten keine dabei. Boxingpress wertete 39:38
für Ruhmann (die erste Runde für Velea, die zweite Unentschieden, die
beiden letzten Durchgänge für Ruhmann). Offiziell wurde der einstimmige
Punktsieg dann auch kurze Zeit später verkündet. Marco Ruhmann bleibt
ungeschlagen, jetzt bei 5 Siegen mit vier Knockouts. Der Sieger zu seinem
Kampf:
Marco
Ruhmann: "Ich hatte Christian Velea das Rematch versprochen.
Die Vorbereitung lief für mich nicht optimal, ich habe in den vergangenen
Wochen mit einer schweren Grippe zu kämpfen gehabt. Das soll jetzt aber
keine Ausrede sein. Ich war nicht so überzeugend, wie beim ersten Aufeinandertreffen.
Ich habe mir meine Kräfte genau eingeteilt und zwar nicht so viele aber
dafür die klaren Treffer anbringen können. Auch wenn man sagen muss, dass
Velea mir das Leben schwer gemacht hat. Er war ja wahnsinnig aktiv, ohne
jedoch klar durchzukommen. Ich bin froh, dass die Punktrichter die deutlichen
Treffer gewertet haben....."
Im letzten
Kampf vor der Internationalen Meisterschaft im Schwergewicht standen sich
Inan Faik (2-0, 0 KO's) aus Heilbronn und Debütant Halim Gulurez
aus Witten in einem 4-Runder im Leichtgewicht gegenüber. Beide Boxer kämpften
sehr verbissen. Viele Aktionen wurden durch Halten und Klammern unterbrochen.
Schwerstarbeit für Heinrich Mühmert. Letztendlich setzte sich Inan Faik
verdient als Punktsieger durch und bleibt weiterhin ungeschlagen.
Fazit: Die
"Nacht der Gladiatoren" von Gießen war perfekt durchorganisiert.
Ein straffes Programm mit ausgeglichenen, spannenden und gutklassigen
Kämpfen war absolut sehenswert. Neben den Siegern im Ring, gab es auch
noch andere, die FLP-Cheftrainer Detlef Loritz nicht vernachlässigen
will:
"Der
Boxsport und die Zuschauer sind die Gewinner dieses Kampftages."
Boxingpress
kann sich dem nur anschließen!
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