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Sidon ist deutscher Schwergewichts-Meister
Aus Gießen berichten Arne Leyenberg und Ingo Barrabas



Andreas Sidon (Foto) ist neuer internationaler deutscher Meister im Schwergewicht. Vor 850 Zuschauern bezwang der ehemalige Kickboxweltmeister in seiner Heimatstadt Gießen seinen Gegner Farhad Chaanoune aus Dresden durch technischen K.o. in der zehnten Runde. Nach 50 Sekunden des letzten Durchgangs brach Ringrichter Kurt Stroer das Duell ab, Sidon sicherte sich damit den vakanten Titel.

An dieser Stelle gibt es ein Novum in der Geschichte von Boxingpress - unsere beiden Mitarbeiter haben den Kampf unabhängig voneinander vor Ort gesehen und schätzen den Verlauf sehr unterschiedlich ein. Daher bieten wir dem interessierten Leser beide Kampfberichte, um aufzuzeigen, wie vielseitig die Meinungen zu diesem Duell sein können...


Arne Leyenberg - In einem dramatischen Kampf gab letztlich die Kondition den Ausschlag zugunsten des Lokalmatadoren. Obwohl bereits 38 Jahre alt und damit acht Jahre älter als sein Gegner, war Sidon in der Lage zehn Runden lang Druck zu machen, ging unentwegt nach vorne und schlug harte Kombinationen zu Kopf und Körper. Besonders der linke Leberhaken hinterließ Wirkung und raubte Chaanoune die Luft. In der neunten Runde musste der gebürtige Algerier zweimal zu Boden, zu diesem Zeitpunkt lag er nach Punkten bereits uneinholbar hinten.

Seine Taktik sah es vor, Sidon an den Seilen zu stellen und bereits in den Anfangsrunden vorzeitig zu besiegen. Doch sein Gegner überstand alle brenzligen Situationen dank der Erfahrung aus Kampfsportkarriere und 15 Profikämpfen. Ein Cut Sidons über dem rechten Auge ließ bei Chaanoune noch einmal Hoffnung aufkommen, doch musste er sich am Samstag abend dem besser konditionierten Boxer geschlagen geben.

"Sidon war nicht das Problem, sondern meine fehlende Kondition," gab er auf der anschließenden Pressekonferenz zu. "Meine Beine waren wie Blei." Seine schlechte Verfassung führte der Dresdner auf die kurze Vorbereitungszeit zurück. Erst vor einer Woche war Chaanoune für den verletzten Ralf Packheiser eingesprungen.

Andreas Sidon war nach dem Kampf "überglücklich, endlich gehört mir der Titel." Durch die vielen Absagen von Rene Monse "habe ich schon nicht mehr daran geglaubt." Im Falle einer Niederlage hätte er "höchstwahrscheinlich" seine Karriere beendet. Vor dem Kampf hatte Sidon noch gesagt, "wenn ich verliere, nehme ich noch im Ring Zyankali." Dazu kam es wegen des klaren Sieges nicht, es kann weitergehen für den Hessen. "Ich bin noch lange nicht am Ende, nun sollen die Großen Deutschlands endlich gegen mich antreten."

Chaanoune zählt sicherlich nicht zu diesen, obwohl er den mehrmaligen deutschen Meister Mario Schießer im vergangenen Jahr nach Punkten schlagen konnte. Andreas Sidon aber ist mit dem Meistergürtel in der Hand und einem eindrucksvollen Sieg mehr, weiter auf dem Weg nach oben.


Ingo Barrabas - Um 22.45 Uhr war es dann soweit. Der Hauptkampf um die vakante Internationale Schwergewichtsmeisterschaft wurde ausgeboxt. Nachdem Rene Monse den gegen Willi Fischer gewonnenen und einmal gegen Ralf Packheiser verteidigten Titel nicht gegen den offiziellen Herausforder Andreas Sidon verteidigen konnte, wurde der Titel für vakant erklärt. Um diesen sollten ursprünglich Sidon und Packheiser kämpfen. Der Berliner verletzte sich jedoch letzte Woche im Training und musste den Kampf absagen. Für ihn sprang der Neuprofi Farhat Chaanoune ein.

Dieser hatte zwar im September vergangenen Jahres sein Debüt gegen eben jenen Packheiser nach Punkten verloren (alle Beobachter sprachen von einer mehr als strittigen Niederlage) danach aber Mario Schießer mehrmals am Rande des KO gehabt und schließlich durch Punktentscheid, sowie zwei weitere Kämpfe durch TKO gewinnen können. Sein Rekord somit: 3-1, 2 KO's. Für Sidon bedeutete die kurzfristige Verpflichtung Chaanounes nicht nur eine Aufwertung der Meisterschaft, sondern auch eine viel schwerere Aufgabe, als gegen Packheiser. Soviel zur Vorgeschichte. 

Der Kampfverlauf: Wie erwartet eröffnete der 31jährige Algerier den Kampf offensiv und drängte den Lokalmatadoren Andreas Sidon ein ums andere Mal am Seil fest. Schwere Schwinger und Haken brachten den Giessener in Verlegenheit. Die bombastische Stimmung kippte, vielen Sidon-Fans schnürte das Entsetzen förmlich die Kehlen zu. Sidon brachte zwar seinerseits Führhände und bearbeitete von Beginn an den Körper des Algeriers, insbesondere mit dem Leberhaken, konnte aber viele Treffer nicht vermeiden. Die erste Runde ging mit 10:9 an Chaanoune, der auch die beiden weiteren Durchgänge mit gleicher Kampfesführung gewinnen konnte.

Sidon schluckte die Treffer am Seil, seine stärkste Waffe bis dahin war der Leberhaken. Folgen der Schlagwirkung waren bei Chaanoune nicht zu spüren, bzw. zu sehen, bei Andreas Sidon öffnete sich ein Cut über dem rechten Auge. Die Verletzung wurde aber in der Ecke gut behandelt. In der vierten Runde kam der Lokalmatador dann endlich besser in den Kampf. Die Führhand kam exakter und häufiger als zuvor, auch setzte Sidon seine Beinarbeit mehr und mehr ein. Körpertreffer kamen wie in den vorangegangenen Durchgängen gut ins Ziel. Brandgefährliche Aktionen mit schweren Heumachern vom Algerier waren aber immer noch allgegenwärtig.

Langsam aber sicher bekamen die Sidon-Fans die Halle wieder in ihre Gewalt und trieben ihren 38jährigen Schützling nach vorne. Vierte Runde unentschieden; Gesamtpunkte 40:37 Vorteil Chaanoune. In der fünften und sechsten Runde ein anderes Kampfbild. Sidon war nun der Aggressor, verteilte hinter einer gut arbeitenden Führhand gute Hakenserien zu Kopf und Körper. Chaanoune war nun auch erstmals von der Schlagkraft Sidons beeindruckt, schenkte aber auch weiterhin mit wuchtigen Schlägen ein. Nach der sechsten Runde stand der Kampf auf des Messers Schneide.

"Deutschlands George Foreman" hatte nun deutlich Oberwasser gewonnen, die in den ersten Runden verteilten Körpertreffer machten sich beim Algerier zusehends bemerkbar, er atmete tief. Kurz vor Ende der Runde hatte Sidon mit einer Vielzahl von Treffern Farhat Chaanoune am Rande einer Niederlage. Von den klaren Treffern flog sein Kopf mehrmals nach hinten, er taumelte in die Seile. Kurz vor einer möglichen finalen Aktion von Sidon kam das Rundenende. Sidon hatte zumindest nach Punkten gleichgezogen.

In der achten Runde erwartete jeder Beobachter das Ende. Die einminütige Pause hatte Chaanoune jedoch genutzt und gewann diesen achten Durchgang, als er Sidon erneut mit schweren Treffern durchrüttelte, dieser am Seil festgenagelt wurde. Für die Fans ein wahres Wechselbad der Gefühle. In der neunten Runde drehte dann aber Andreas Sidon richtig auf, schlug wuchtige Treffer zum Kopf des Algeriers, der taumelnd ins Seil und dann auf den Boden sank. Nach dem obligatorischen Anzählen war Sidon nicht mehr zu halten und schlug Chaanoune mit einer Serie weiterer Haken nieder. Der Algerier war nun deutlichst angeschlagen und stand bei "8" wieder auf wackeligen Beinen. Der Gong rettete ihn vor weiteren Angriffen.

Mit schweren Schritten ging er in seine Ecke, wurde dort von Sekundant Werner Papke angefeuert. Wegen der beiden Niederschläge lag Sidon nach Punkten knapp in Führung, also musste Chaanoune diese letzte Runde gewinnen. So begann er auch, wurde aber sofort von Sidon klassisch ausgekontert und nach knapp 1 min erneut neidergeschlagen. Ringrichter Kurt Stroer brach den Kampf ohne zu zählen ab. Die Zuschauer waren nicht mehr zu bändigen, applaudierten und jubelten minutenlang. Andreas Sidon zelebrierte im Ring seinen größten Triumph, schulterte Cheftrainer Detlef Loritz und trug ihn durch den Ring. 

Andreas Sidon, als Spätstarter bekannt, hatte es geschafft: Die erwarteten schweren Treffer Chaanounes überstehen, Körpertreffer setzen und in der zweiten Kampfeshälfte aufdrehen. Diese Körpertreffer brachten ihm schließlich den Sieg. Größten Respekt verdienen beide Kämpfer für ihre gezeigten Leistungen. Andreas Sidon eröffnen sich mit diesem wichtigen Sieg nochmals gute Optionen, dem Verlierer Chaanoune kann man nur zu einem großen Kampf gratulieren und hoffen, dass er diese Form noch oft unter Beweis stellt.


Vom Rahmenprogramm in Giessen berichtet Ingo Barrabas:

In der fast ausverkauften Giessener Kongresshalle wurden neben dem Hauptkampf um die vakante Internationale Deutsche Meisterschaft im Schwergewicht noch sechs weitere attraktive Kämpfe unter dem Motto "Die Nacht der Gladiatoren" geboten.

Im ersten Duell standen sich die beiden Federgewichts - Debütanten Omit Nasrati aus Mayen und Hamed Karimi aus Dinslaken in einem 4 Runder gegenüber. Nasrati begann sehr druckvoll, schlug gute Körper- und Kopfhaken. Karimi versuchte seinerseits, aus der Distanz zu arbeiten, wurde aber von einem linken Kopfhaken getroffen und musste bis acht angezählt werden. Nasrati versuchte nun, die Entscheidung herbeizuführen und deckte den Dinslakener mit einem Schlaghagel ein, der den zweiten Niederschlag zur Folge hatte. Ringrichter Jürgen von Bellinghofen brach den Kampf daraufhin ab. Somit ein TKO1-Sieg nach 2:55 min. für Omit Nasrati aus Mayen.

Danach folgte ein 4 Runden-Kampf zwischen der Schwergewichtshoffnung Yalla Krüger (4-1, 3 KO's), mittlerweile in Berlin trainierend, und dem Debütanten Frank Dunklau aus Herford. Krüger, mit einem Gewicht von 112 kg, begann druckvoll und bestimmte die Aktionen mit seiner Führhand, kam dazu im Infight mit guten Haken ins Ziel. Dem 108 kg schweren Rechtsauslegers Dunklau fehlte das Timing, zudem blutete er aus der Nase und fand kein Mittel um die Aktionen des Wahlberliners zu stören und selbst klare Treffer zu setzen. Dieses Kampfbild setzte sich in der zweiten Runde fort. Im dritten Durchgang witterte Yalla Krüger die Chance eines vorzeitigen Sieges und forcierte nochmals das Tempo. Nach einem linken Körpertreffer musste Dunklau zu Boden, rettete sich aber in die Rundenpause. In der vierten und letzten Runde kämpfte der tapfere 32jährige Herforder nur noch ums "Überleben", versuchte die kritischen Situationen mit Halten und Klammern zu überstehen. Mit harten Kopftreffern brachte Yalla Krüger seinen Gegner nochmals ins Wanken und mit einem Körpertreffer schließlich auf den Ringboden. Kurt Stroer brach den Kampf nach 2:14 min. der 4. Runde ab, Sieger durch TKO 4 der 25jährige Yalla Krüger aus Berlin. Stimmen zum Kampf:

Yalla Krüger: "Ich habe erst kurzfristig von der Rechtsauslage meines Gegners erfahren, hatte einige Schwierigkeiten mich darauf einzustellen. Ab der zweiten Runde bin ich dann besser ins Gefecht gekommen und konnte meine Schnelligkeit ausspielen. Die Körpertreffer haben dem tapferen Dunklau wohl die Kraft geraubt. Rein von dem Ergebnis gesehen kann man zufrieden sein. Ich muss aber weiter an mir arbeiten" Mit seinen im "BoxSport" gemachten Aussagen konfrontiert, er wolle lieber Afrikameister als Deutscher Meister werden, meinte Krüger: "Was einige Journalisten halt so wiedergeben...., selbstverständlich würde ich auch gerne Deutscher Meister werden. Aber jetzt danach zu schreien wäre vermessen. Ich muss und werde noch einiges lernen. Danach wird man weitersehen"

Frank Dunklau: "Kompliment an Yalla Krüger. Er hat mir gezeigt, wie hoch die Früchte bei den Profis hängen. Mit meiner stärksten Waffe, der Führhand, bin ich praktisch nicht ins Ziel gekommen. Viele seiner Treffer waren hart. Er hat mich richtig mürbe gemacht. Obwohl ich schon 22 Jahre boxe ist die Umstellung von den Amateuren zu den Profis größer als wir im Team gedacht haben. In Zukunft werde ich mich mehr auf die Haken konzentrieren. Vom Ergebnis bin ich natürlich etwas enttäuscht. Eine Punktniederlage wäre in Ordnung gewesen, mit einem 'TKO by' bei den Profis zu starten ist sicher nicht wünschenswert. Aber ich werde weiter arbeiten und mich für die nächste Aufgabe wieder voll motivieren. Mein nächster Kampf soll dann im Herbst steigen, den werde ich dann hoffentlich siegreich gestalten. Ich habe viel hinzugelernt heute Abend; jetzt gilt es diese Erfahrung im Training umzusetzen"

Nach den schweren Jungs folgte der erste Hauptkampf: Die Internationale Deutsche Frauenmeisterschaft im Fliegengewicht (Limit 49,998 kg) zwischen der Titelverteidigerin Nadja Loritz (Foto) aus Koblenz und der Herausforderin Ramona Gughie aus Rumänien. Loritz, mit Reichweitenvorteilen ausgestattet, begann sehr druckvoll, setzte ihrer Kontrahentin mit Führhänden zu, verschaffte sich viel Respekt. Ab Mitte der ersten Runde setzte die Titelverteidigerin auch gute Körperhaken, die ihre Wirkung bei Gughie nicht verfehlten. Nach einer schönen Körper-Kopf-Kombination brachte ein Aufwärtshaken von Loritz kurz vor der Rundenpause die Rumänin ins wanken. Das Publikum spendete viel Beifall.

In der zweiten Runde marschierte die Titelverteidigerin weiter, diktierte das Geschehen von der Ringmitte aus, punktete erneut mit ihrer Führhand und setzte jetzt auch mit der Schlaghand nach. Ramona Gughie war deutlich beeindruckt und musste Mitte der zweiten Runde von Referee Heinrich Mühmert angezählt werden. In dieser Phase arbeitete die Koblenzerin ohne zu überhasten weiter und brachte die Herausforderin mit schweren Körpertreffern in arge Bedrängnis. Kurz vor dem Gong folgte ein weiterer Niederschlag, der Trainer von Gughie warf daraufhin das Handtuch. Die Siegerehrung wurde vom Jubel der begeisterten Zuschauer begleitet. Dieser Kampf war Werbung für das Frauenboxen! Mit ihrem TKO 2-Sieg und der erfolgreichen Titelverteidigung dürfte Nadja Loritz in WIBF Rangliste ( z.Z. Nr. 5 ) in naher Zukunft weiter nach oben klettern. WIBF Weltmeisterin in diesem Limit ist Regina Halmich, die sich bei ihrer Gegnerauswahl auch gerne vor der "eigenen Haustür", sprich in Deutschland umsehen kann. Stimmen zum Titelkampf:

Nadja Loritz: "Ich bin glücklich. Jede Titelverteidigung ist schwer. Ich habe gut trainiert und von Beginn an unser gemeinsames erarbeitetes Konzept umgesetzt. Mit der Führhand habe ich mir Respekt verschafft. Der Einsatz der Schlaghand war dann Kampfentscheidend, die Körpertreffer taten ihr übriges.... Bei der Vorbereitung hat mir das Sparring mit den "Jungs" sehr gut getan. Man braucht einfach die Härte des Sparrings, um im Kampf gewappnet zu sein. Jetzt benötige ich noch zwei, drei Kämpfe um ganz oben anklopfen zu können. Mein Traum wäre eine WIBF Meisterschaft gegen Regina Halmich. Ich respektiere Regina. Sie hat ihren Weltmeistertitel schon zig mal verteidigt, sehr oft auch auf einem sehr hohen Niveau. Aber ich denke, dass ich nach weiterer harter Arbeit in einem Duell nicht ganz chancenlos wäre. Und ein Kampf zwischen zwei Deutschen würde doch auch das Publikum vom Hocker reißen. Nebenbei, die Zuschauer sind doch heute auf den Geschmack gekommen, oder?"

Ramona Gughie: "Ich bin enttäuscht. Ich habe gegen die harten Treffer einfach kein Mittel gefunden. Meine Taktik aus der Distanz zum Erfolg zu kommen, hat überhaupt nicht geklappt."

Im vierten Kampf des Abends standen sich in einem Weltergewichtsduell Debütant Sped Matzakovic aus Polen und Turgay Uzun (6-2-1, 1 KO) aus Koblenz gegenüber. In dem hochklassigen Gefecht setzte der 26jährige Koblenzer die Akzente, schlug gute linke Führhände, präsentierte sehr gute Beinarbeit und setzte mit trockenen Körper-Kopf-Kombinationen nach. Ein ums andere Mal ließ sich Uzun am Seil "festnageln", ließ die Schläge des Gastboxers zumeist an seiner geschlossenen Doppeldeckung abprallen, um dann selbst in die sich bietenden Deckungslücken des Polen zu schlagen - und zu punkten. Dieses Kampfbild der ersten Runde setzte sich unter großem Applaus der Zuschauer auch in den Abschnitten zwei und drei fort.

In der letzten Runde boxte Uzun (Foto) dann vor Augen eines Punktsieges auf Sicherheit und ging kein großes Risiko mehr ein. Diese Runde ging an den Gast aus Polen, der in diesem Abschnitt der aktivere war und mehr Hände im Ziel hatte. Boxingpress wertete den Kampf 39:37 für den Koblenzer Uzun. Das anschließend verkündete Urteil "Unentschieden" kann nur die Frage aufwerfen, welchen Kampf die Punktrichter gesehen haben. Der Kampf war spannend, mit fast gleichwertigen Akteuren. Matzakovic aus Polen war jede Mark seiner Börse wert, dennoch war Turgay Uzun der dominierende Mann, brachte die Vielzahl von klaren Treffern. Wie soll denn dann ein Boxer noch nach Punkten gewinnen, wenn er nicht so boxt wie Uzun? Oder anders: Wird ein Gastboxer, der zwar fast, aber eben nur fast gleichwertig ist und alles gibt, automatisch mit einem Unentschieden belohnt?  Wie sich später herausstellte, hatte ein Punktrichter dem Gastboxer Matzakovic eine 10:8 Runde gegeben, weil er nach einem Abtauchmanöver von Uzun einen Niederschlag gesehen haben wollte. Die Handschuhe berührten nicht den Boden, ebenso griff der Ringrichter nicht ein..... Aus Sicht von Boxingpress handelt es sich bei dem Urteil um ein klares ("politisches"?) Fehlurteil. Vielleicht wird auf kleineren Veranstaltungen des Gastboxern zurückgegeben, was ihnen auf Großveranstaltungen genommen wird!? Dementsprechend waren die Stimmen nach dem Kampf u.a. von

Turgay Uzun: "Ich bin natürlich enttäuscht. Was hätte ich denn noch anders machen sollen? Ich war aktiver, hatte die klareren Treffer, auch eine höhere Anzahl. Also, wenn es nach diesem Kampfmuster ein Unentschieden gibt, hätte ich doch nie einen Punktsieg erringen können. Das Urteil ist ein Witz. Der Kampf an sich ist gut für mich verlaufen. Mit meinen Aktionen am Ringseil habe ich auf Lücken in seiner Deckung gewartet und habe dann diese ausgenutzt. Ich fühle mich klar als moralischer Sieger. Das ein Punktrichter eine Abtauchaktion von mir als Niederschlag gewertet hat, will ich hier nicht kommentieren. Im Nachhinein ist man natürlich immer schlauer: Meine Ecke hat mir mehrmals gesagt, ich soll Matzakovic KO schlagen. Ich hätte sicherlich auch die Chance auf einen vorzeitigen Sieg gehabt. Aber man muss auch immer das Risiko abwägen. Ich habe nach meinem Empfinden klar nach Punkten geführt. Da gehe ich doch nicht in der letzten Runde ein Risiko ein. Der Gegner kann ja auch hinlangen."

Im fünften Kampf des Abends gab es ein Rematch zwischen dem Koblenzer 18jährigen Youngstar Marco Ruhmann (4-0, 4 KO's) und dem Routinier Christian-Ion Velea (10-19, 4 KO's) aus Rumänien. Ruhmann (Foto) hatte im November vergangen Jahres einen spektakulären TKO-Sieg über Velea erringen können. Velea gab damals aber an, er hätte ein problematische Vorbereitung gehabt und sei weit unter Wert geschlagen worden. Auch dieses Gefecht zeigte über die komplette Distanz von vier Runden ein gleiches Muster: Der 32jährige Velea boxte aktiv mit der Führhand, lief um seinen Opponenten herum und versuchte mit überfallartigen Angriffen erfolgreich Treffer anzubringen. Im ersten Durchgang gelang ihm dies noch recht gut, mit Fortdauer des Kampfes konnte Ruhmann zwar wenige, dafür aber klare Treffer setzen. Volltreffer waren auf beiden Seiten keine dabei. Boxingpress wertete 39:38 für Ruhmann (die erste Runde für Velea, die zweite Unentschieden, die beiden letzten Durchgänge für Ruhmann). Offiziell wurde der einstimmige Punktsieg dann auch kurze Zeit später verkündet. Marco Ruhmann bleibt ungeschlagen, jetzt bei 5 Siegen mit vier Knockouts. Der Sieger zu seinem Kampf:

Marco Ruhmann: "Ich hatte Christian Velea das Rematch versprochen. Die Vorbereitung lief für mich nicht optimal, ich habe in den vergangenen Wochen mit einer schweren Grippe zu kämpfen gehabt. Das soll jetzt aber keine Ausrede sein. Ich war nicht so überzeugend, wie beim ersten Aufeinandertreffen. Ich habe mir meine Kräfte genau eingeteilt und zwar nicht so viele aber dafür die klaren Treffer anbringen können. Auch wenn man sagen muss, dass Velea mir das Leben schwer gemacht hat. Er war ja wahnsinnig aktiv, ohne jedoch klar durchzukommen. Ich bin froh, dass die Punktrichter die deutlichen Treffer gewertet haben....."

Im letzten Kampf vor der Internationalen Meisterschaft im Schwergewicht standen sich Inan Faik (2-0, 0 KO's) aus Heilbronn und Debütant Halim Gulurez aus Witten in einem 4-Runder im Leichtgewicht gegenüber. Beide Boxer kämpften sehr verbissen. Viele Aktionen wurden durch Halten und Klammern unterbrochen. Schwerstarbeit für Heinrich Mühmert. Letztendlich setzte sich Inan Faik verdient als Punktsieger durch und bleibt weiterhin ungeschlagen.

Fazit: Die "Nacht der Gladiatoren" von Gießen war perfekt durchorganisiert. Ein straffes Programm mit ausgeglichenen, spannenden und gutklassigen Kämpfen war absolut sehenswert. Neben den Siegern im Ring, gab es auch noch andere, die FLP-Cheftrainer Detlef Loritz nicht vernachlässigen will:

"Der Boxsport und die Zuschauer sind die Gewinner dieses Kampftages."

Boxingpress kann sich dem nur anschließen!

 

 

 
     

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