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Robert Stieglitz
vs.
Alejandro Berrio II


Vor-Ort-Bericht von Frank Bleydorn und Andreas Kämpfe
Fotos von Daniel Hiller



Am Sonnabend trafen sich die Freunde des Faustkampfes in der Hansestadt Rostock. Als Hauptkämpfer agierten der Mecklenburger Sebastian Sylvester in einem Kampf um den WBA-Intercontinental Titel im Mittelgewicht und der Magdeburger Robert Stieglitz in seinem ersten Weltmeisterschaftskampf um den IBF-Titel im Supermittelgewicht. Dabei waren die beiden Protagonisten unterschiedlich erfolgreich.


1. Kampf: Alexander Mozalev vs. Andrzej Wawrzyk, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Der ungeschlagene Andrzej Wawrzyk bestimmte den Kampf von Anfang an durch solides, aber nicht überragendes Boxen. Es gelang ihm nicht, seinen unkonventionell kämpfenden Gegner zu stellen und klare, harte Treffer zu setzen. Alexander Mozalev hingegen suchte sein Glück in vereinzelten überfallartigen Attacken, die jedoch an Genauigkeit zu wünschen übrig ließen. So verlief der Kampf bis in die Schlussrunde. Dort nahm Mozalev sein Herz noch einmal in beide Fäuste und traf seinen bisher überlegenen Gegner mit einer harten rechten Hand, so dass Wawrzyk schwer getroffen in die Seile fiel. Mozalev setzte weiter nach und sein Gegner ging zu Boden, wo er folgerichtig angezählt wurde. Zwar stand Wawrzyk bei „Acht“ wieder, jedoch wirkte er noch mitgenommen. Ringrichter Ingo Barrabas gab den Kampf wieder frei, nur um ihn sofort wieder zu unterbrechen, da Wawrzyk seinen Mundschutz verloren und selbst falsch wieder eingesetzt hatte. Die so gewonnenen Sekunden hatten sicher ihren Anteil daran, daß er den Kampf fortsetzen konnte. Mozalev griff zwar nochmals an, konnte aber keinen weiteren Wirkungstreffer erzielen, so dass die Punktrichter entscheiden mussten. Diese hatten zu Recht Andrzej Wawrzyk vorne, allerdings hielt es der Veranstalter leider während des gesamten Abends nicht für nötig, die Zuschauer über die genauen Punktstände zu informieren.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Andrzej Wawrzyk


2. Kampf: Pavel Lotah vs. Karo Murat, Supermittelgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Im Kampf gegen den Letten Pavel Lotah sah es für den 23-jährigen Karo Murat(Foto) zunächst nach einem vorzeitigen Sieg aus. Zu deutlich war die Überlegenheit des in Kitzingen aufgewachsenen Boxprofis in der Anfangsphase. Immer wieder traf er ständig im Vorwärtsgang agierend mit genauen linken Haken zum Körper. Aber auch seine rechten Hände fanden häufig das gewünschte Ziel. Lotah zeigte allerdings großartige Nehmerqualitäten und kam noch in der ersten Runde selbst mit einem gefährlichen linken Schwinger durch. Zwar war das Tempo in der Folge nicht mehr so hoch wie zu Beginn, doch an der deutlichen Überlegenheit Murats änderte sich nichts. Im vierten Durchgang stellte der in Berlin trainierende Supermittelgewichtler den 20-jährigen Konkurrenten mit einem Schlaghagel in der blauen Ecke, doch der Lette ging nicht zu Boden. Bis zur sechsten Runde kassierte Lotah weitere harte Treffer, ein KO-Sieg blieb Karo Murat jedoch verwehrt.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Karo Murat


3. Kampf: Mayala Mbungi vs. Vladimir Povetkin, Halbschwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Mit Vladimir Povetkin stieg der jüngere Bruder der Schwergewichtshoffnung Alexander Povetkin erstmals in einen Profiboxring. Dabei konnte der Russe allerdings nur bedingt überzeugen. Seinen bis dahin sieglosen Gegner konnte Povetkin nie in Gefahr bringen, da er nicht in der Lage war, Kombinationen zu setzen oder mit harten Einzelschlägen Wirkung zu erzielen. Zwar kontrollierte er alle Runden, was aber bei einem bisher sieglosen Gegner auch nicht anders zu erwarten war. Nach vier zumeist ereignisarmen Runden mussten die Punktrichter entscheiden und erklärten Vladimir Povetkin zum Sieger.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Vladimir Povetkin


4. Kampf: Sandris Tomson vs. Thomas Troelenberg, Mittelgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der Internationale Deutsche Meister im Superweltergewicht Thomas Troelenberg (auf Foto rechts) schien gegen den 30-jährigen Sandris Tomson (auf Foto links) zunächst mit seiner linken Führhand aktiver. Doch der Lette hielt ab der zweiten Runde mit seinen unorthodoxen linken Haken zum Körper kräftig dagegen. Ab dem dritten Durchgang wirkten die Angriffsaktionen Troelenbergs flüssiger. Er kam jetzt häufiger mit seinen Links-rechts-Kombinationen durch und stellte den Gegner in Runde vier an den Seilen. In der Schlussphase trumpfte Tomson noch einmal kräftig auf. Im sechsten Durchgang setzte er alles auf eine Karte und rüttelte den Deutschen mit einem harten rechten Schwinger kräftig durch. Nach dieser Schrecksekunde behielt Troelenberg trotzdem die Übersicht und lag am Ende auf den Wertungszetteln der Punktrichter deutlich mit 59:55, 59:55 und 59:57 vorne.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Thomas Troelenberg


5. Kampf: Janis Chernouskis vs. Damian Jonak, Superweltergewicht, angesetzt auf sechs Runden.


Damian Jonak zeigte schon in der ersten Runde, wer Chef im Ring ist. Er bestimmte klar das Geschehen im Ring und bearbeitete seinen Gegner mit schönen Kombinationen zu Kopf und Körper. Janis Chernouskis versuchte zuerst noch mit zu schlagen, erkannte aber früh, dass er auf verlorenem Posten stand. So wollte er spätestens ab der dritten Runde nur noch über die Zeit kommen und verließ sich dabei auf seine schnellen Beine. Jonak setzte zwar über die gesamte Zeit nach und es gelang ihm auch immer wieder, seinen Gegner in der Ecke zu stellen, echte Schlagwirkung konnte er aber nicht erzielen. So mussten auch hier die Punktrichter nach sechs einseitigen Runden entscheiden und werteten einstimmig für Damian Jonak.

Offizielles Urteil: Sieger einstimmig nach Punkten Damian Jonak


6. Kampf: Tipton Walker vs. René Dettweiler, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Nach der Niederlage gegen EU-Champion Michael Sprott im November letzten Jahres verbuchte Schwergewichtler René Dettweiler (Foto) wieder einen Sieg. Sein Gegner, der Amerikaner Tipton Walker, überraschte den Deutschen zunächst mit einer harten Rechten zum Kopf. Doch der Treffer rüttelte den Schützling von Trainer Manfred Wolke förmlich wach. Denn in der Folge war es der in Lübz geborene Rechtsausleger, der mit seiner rechten Führhand starken Druck ausübte. Noch im ersten Durchgang kam Dettweiler zudem mit harten Rechts-links-Kombinationen durch, die den 28-jährigen Kontrahenten mehrfach ins Wanken brachten. Ab der zweiten Runde ließ die Schlagfrequenz des 23-Jährigen zwar etwas nach, dennoch blieb er überlegen. In der vierten Runde schickte Dettweiler seinen Gegner mit einer harten Linken zum Kopf schwer zu Boden. Bei dieser Aktion zog sich der Amerikaner einen schweren Cut am rechten Auge zu, so dass Ringrichter Leszek Jankowiak den Kampf nach 47 Sekunden des Durchgangs beendete.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der vierten Runde René Dettweiler


7. Kampf: Konstantin Onofrei vs. Timo Hoffmann, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden


„Die deutsche Eiche“ Timo Hoffmann (auf Foto links) gab sich nach ihrem überzeugenden Sieg gegen Cengiz Koc die Ehre und wollte sich weiter für höhere Aufgaben empfehlen. Hoffmanns Gegner, der ehemalige Internationale Deutsche Meister Konstantin Onofrei (auf Foto rechts), war seit fast zwei Jahren inaktiv und klarer Außenseiter. Der Kampf begann in etwa so, wie man es erwarten musste. Hoffmann nutzte seine Reichweitenvorteile, um mit dem Jab und der vereinzelt nachgezogenen Rechten zu punkten, während Onofrei versuchte, sich an seinen Gegner heranzuschieben und im Infight Akzente zu setzen. Dabei blieb Onofrei allerdings zu passiv, um Hoffmann ernsthaft unter Druck zu setzen. So gingen die ersten Runden an den Deutschen, obwohl dieser Probleme mit seinem Distanzgefühl hatte. In der vierten Runde traf Hoffmann dann besser und setzte seine Schlaghand besser ein. Diese Schlaghand war es auch, die letztendlich den Kampf entschied. Eine rechte Gerade traf Onofrei im Gesicht und er ging sofort zu Boden, wo er von Ringrichter Klaus Griesel ausgezählt wurde.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der vierten Runde Timo Hoffmann


8. Kampf: Remigijus Ziausys vs. Alexander Frenkel, Cruisergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Remigijus Ziausys zeigte gegen Alexander Frenkel (Foto) zunächst eine starke Leistung. Immer wieder befreite sich der Lette mit guter Beinarbeit vom Druck des Kontrahenten und ging selbst mit linken Haken zum Körper in die Offensive. Frenkel musste bis zur zweiten Runde auf Deckungslücken beim Gegner warten. Diese nutzte der in Würzburg aufgewachsene Cruisergewichtler dann allerdings gnadenlos. Zunächst sorgte er an den Ringseilen für einen Niederschlag. Wenig später tauchte Frenkel geschickt unter einer Rechten des Gegners durch, um ihn anschließend selbst mit einem krachenden rechten Aufwärtshaken zu Boden zu schicken. Ringrichter Ingo Barrabas brach den Kampf daraufhin nach zwei Minuten und 34 Sekunden ab. Der 22-jährige Ziausys blieb nach dem harten Treffer noch einige Zeit auf dem Ringboden liegen. Doch nach kurzer ärztlicher Versorgung stand er wieder auf und verließ letztendlich unbeschadet den Ring.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Runde Alexander Frenkel


9. Kampf: David Bosticevs. Alexander Povetkin, Schwergewicht, angesetzt auf zehn Runden

Das vielleicht aktuell größte Talent im Schwergewicht Alexander Povetkin (auf Foto rechts) ließ auch in Rostock nichts anbrennen. Gegen David „The Boss“ Bostice machte der Russe schon in der Eröffnungsrunde Druck und kam mit einigen harten Kombinationen durch. Aber auch der Amerikaner wollte nichts schuldig bleiben und nutzte die Deckungslücken seines Gegners für einige gute Treffer. Trotzdem ging der erste Durchgang klar an Povetkin, der seinen Widerpart am Ende der Runde in ernsten Schwierigkeiten hatte. Auch in der zweiten Runde nutzte Alexander Povetkin seine Schnelligkeit aus, um den Kampf zu bestimmen und die besseren Treffer zu setzen. Mit einem schönen linken Hacken gelang es ihm dann kurz vor Rundenende, Bostice zu beeindrucken. Povetkin setzte nach, schlug auf seinen an den Seilen stehenden Gegner ein und konnte dabei einige harte rechte Hände unterbringen. Bostice schlug zwar vereinzelt zurück, jedoch hatte Leszek Jankowiak genug gesehen und beendete den Kampf. Eine grenzwertige Entscheidung, da Bostice nicht verteidigungsunfähig schien.
Alexander Povetkin hat erneut gezeigt, dass mit ihm in Zukunft zu rechnen ist. Selbsternannte Weltmeisterschaftanwärter haben sich mit David Bostice im letzten Jahr noch über die Runden gequält, Povetkin erledigte dies in zwei Runden.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Alexander Povetkin


10. Kampf: Robert Stieglitz vs. Alejandro Berrio, IBF-Weltmeisterschaft im Supermittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Vor dem WM-Fight nach Version der IBF schienen die Sympathien der Zuschauer klar verteilt: Während der Magdeburger Robert Stieglitz (auf Foto rechts) die Stadthalle Rostock unter dem Jubel der Zuschauer betrat, tönten beim Einmarsch von Alejandro Berrio (auf Foto links) einige Pfiffe durch das Rund der Arena. Doch der 30-jährige Kolumbianer, der sich noch im Dezember 2005 gegen den Schützling von SES-Trainer Werner Kirsch geschlagen geben musste, beeindruckte das Publikum durch eine Glanzleistung. Nachdem sich der 25-jährige Stieglitz im ersten Durchgang leichte Vorteile erarbeitet hatte, fand sein Gegner immer besser in den Kampf. In der dritten Runde kam Berrio mit einer harten Rechten zum Kopf des Konkurrenten durch, so dass Stieglitz zu Boden musste. Wenig später schickte er seinen Widersacher noch einmal mit einer Rechten zur Schläfe in den Ringstaub. Zwar gab Ringrichter Remigio Ruggeri den Kampf noch einmal frei, doch nach weiteren harten Treffern Berrios brach der Referee den Fight nach zwei Minuten und 37 Sekunden zu Gunsten des Kolumbianers ab.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der dritten Runde Alejandro Berrio


11. Kampf: Alessio Furlan vs. Sebastian Sylvester, WBA- Intercontinental Meisterschaft im Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Lokalmatador Sebastian Sylvester (Foto) sollte ursprünglich gegen Amin Asikainen um die Europameisterschaft boxen, aber der Finne verletzte sich im Training und so wurde kurzfristig Journeyman Alessio Furlan als Gegner verpflichtet, was der Stimmung in der Stadthalle aber keinen Abbruch tat. Sylvester begann den Kampf so, wie man ihn kennt. Er marschierte nach vorne, schlug seinen Jab und die rechte Gerade und trieb so seinen Gegner vor sich her. Dabei landete er von Anfang an harte Treffer mit beiden Händen, die der Italiener allerdings problemlos wegzustecken schien. Offensiv kam von Furlan nicht viel, seine wenigen Treffer schienen den Mecklenburger Sylvester nicht zu stören, es fehlte einfach an den boxerischen Fähigkeiten, um den weiter angreifenden „Hurrikan“ auszukontern. Sylvester marschierte so Runde um Runde und konnte in der siebten Runde mit einer sauberen rechten Geraden einen Niederschlag erzielen. Furlan erholte sich allerdings und boxte weiter. In der zehnten Runde gab es dann noch eine kleine Schrecksekunde für die anwesenden Fans, als sich Sylvester nach einen Zusammenstoß der Köpfe einen Cut zuzog, jedoch weitermachen konnte. Nachdem Furlan auch nach weiteren harten Treffern nicht zu Boden ging, wurde die Schlussrunde eingeläutet, die statt des obligatorischen „Touch Gloves“ mit einer festen Umarmung begann. Diese Liebesbekundung hielt den „Hurrikan“ nicht davon ab, weiter nachzusetzen und diesmal waren seine Bemühungen von Erfolg gekrönt. Nach einer harten Rechten stellte er den Italiener an den Seilen und nach einem Schlaghagel hatte Ringrichter Daniel Talon genug gesehen und beendete den Kampf.
Sylvester brachte eine gute Leistung, jedoch darf man nicht vergessen, dass mit Asikainen ein anderes Kaliber als Alessio Furlan als nächster Gegner wartet. Dort wird man dann sehen, wie weit Sylvester wirklich ist.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zwölften Runde Sebastian Sylvester
Dienstag, 06. März 2007

 
     

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