Zurück
Boxforen
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Robert Stieglitz
vs.
Yuri Tsarenko
- Der Bericht


Von Sebastian Gutknecht & Patrick Haas



Robert Stieglitz (BP-Talent) bleibt auch in seinem 24. Profikampf ungeschlagen. In der altehrwürdigen Magdeburger Hermann-Gieseler-Halle besiegte er den kurzfristig für Julio Cesar Green eingesprungenen Yuri Tsarenko klar nach Punkten. Zuvor sollten die rund 1800 Zuschauer allerdings noch einige interessante Vorkämpfe erleben. Zu unserem ausführlichen Vor-Ort-Bericht von der 27. SES- Profiboxgala... Hier Klicken:


1. Ilian Ares gegen Ondra Skala, vier Runden, Weltergewicht


Den Anfang machte der 19-Jährige Berliner Ilian Ares (Foto) gegen Ondra Skala aus Tschechien. Für sein junges Alter hatte sich Ares eine gute Taktik zurechtgelegt und bearbeitete seinen Gegner von Beginn an mit harten Körpertreffern, da dieser sich hinter einer soliden Doppeldeckung verschanzte und den Körper bereitwillig preisgab. So gestaltete sich der Kampf in den ersten beiden Runden aufgrund der höheren Schlagfrequenz von Skala relativ ausgeglichen, wobei beide Boxer mehr auf die Deckung des Gegners trafen, als ins eigentliche Ziel. In den letzten beiden Runden dominierte Ares den Kampf nach Belieben, wobei er seinem Gegner mit Körpertreffern häufig die Luft nahm. Folgerichtig musste Skala in der vierten Runde einmal zu Boden. Der gebürtige Bulgare Ares deutete bei seinem einstimmigen Punktsieg mit guter Deckung, geschickter Taktik und präziser Arbeit zum Körper sein Potential an.


2. Marco Schulze gegen Ryszard Kraz, sechs Runden, Superweltergewicht

Vorboxen war nun angesagt für den 27-Jährigen Berliner Marco Schulze (Foto). Schulze wird am 16. Oktober auf den SES-Profi Normen Schuster treffen, der dementsprechend interessiert zusah. Nach anfänglichen Schwierigkeiten sah Schuster einen ungefährdeten Sieg des ungeschlagenen Berliners, der mit lautstarkem Anhang angereist war. Schulze hatte seine stärksten Momente, wenn er sich an den Gegner ranschieben konnte und seine Haken abfeuerte. In Runde fünf erzielte der Deutsche dann den einzigen Niederschlag des Kampfes, als er seinen polnischen Gegner mit einem schönen Konter zum Körper erwischte. Häufig sagt man im Fussball: „Der hat sein linkes Bein nur, damit er nicht umfällt“. Ähnlich fokussiert ist Marco Schulze auf seine starke rechte Schlaghand, doch wie sich später am Abend zeigen sollte, ist dies nicht unbedingt die schlechteste Waffe gegen Normen Schuster. Doch dies ist Zukunftsmusik und diesmal hieß der einstimmige Punktsieger Marco Schulze.


3. Enrico Rausch gegen Marek Oravsky, vier Runden, Schwergewicht


Zu einem kleinen Kuriosum kam es nun im Gefecht zwischen Enrico Rausch (Foto) und Marek Oravsky aus Tschechien. Nach kurzem Abtasten musste der sehr aufrecht, ja fast schon in leichter Rücklage boxende Mann aus Pilzen in der ersten Runde durch eine Kombination des 26-Jährigen Berliners zu Boden, infolgedessen er, sich die linke Schulter haltend, durch den Ring hüpfte, um dann mit schmerzverzerrtem Gesicht zu Boden zu sinken. Da wohl eindeutig Schlagwirkung mit im Spiel war, begann Ringrichter Andreas Schweiger auch sogleich den Tschechen anzuzählen, der keine Anstalten machte, bis zehn wieder auf die Beine zu kommen. Noch bevor jedoch Rausch jubeln konnte, änderte der Offizielle seine Strategie, ordnete eine Verletzungsauszeit an und zog den Ringarzt zu Rate, der sich nun nach dem Rundengong Oravskys Schulter anschaute, zunächst aber nichts feststellen konnte. Dessen Wehklagen zufolge musste man schon eine ausgekugelte Schulter, einen Gelenktrümmerbruch oder noch Schlimmeres befürchten. Umso überraschender war es, dass er, als ob nichts gewesen wäre, ohne Probleme den zweiten Durchgang in Angriff nehmen konnte. Nach einer weitestgehend ereignislosen zweiten Runde, die der Tscheche wie vor der Verletzung absolvierte, stellte der Ringarzt in der Pause nun doch eine Sehnen- oder Bänderverletzung fest, woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach.


4. Jan Zaveck gegen Jurijs Boreiko, sechs Runden, Weltergewicht

Alles lief wunderbar für Jan Zaveck (Foto), bis er seinen lettischen Gegner mit der Rechten voll traf. Erst wackelte Jurijs Boreiko, dann jammerte Zaveck. Erneut hatte sich der slowenische SES-Profi an der rechten Schlaghand verletzt. Boreiko machte danach schnell deutlich, dass er kein Boxer der Marke lettischer Taxifahrer ist. Vielmehr witterte er seine Chance und so entwickelte sich ein schöner Brawl, wobei ausgerechnet die Rechte von Zaveck über die Führhand von Boreiko sein effektivster und zugleich schmerzvollster Schlag sein sollte. Während Zaveck seine starken Momente immer zum Beginn der Runden hatte, drehte Boreiko jeweils gegen Ende der Runden auf, wobei ein müder Jan Zaveck mehr Treffer einstecken musste, als ihm lieb sein konnte. Mit einem im wahrsten Sinne des Wortes blauen Auge kam Zaveck am Ende davon und siegte per mehrheitlichen Punktentscheid.


5. Natascha Ragosina gegen Dana Taburkova, vier Runden, Supermittelgewicht

Mit der attraktiven Natascha Ragosina stand im fünften Kampf des Abends vielleicht noch nicht der boxtechnische, für viele jedoch der optische Höhepunkt des Abends auf dem Programm. Gegen Dana Taburkova aus Tschechien zeigte sich die gebürtige Kasachin sehr konzentriert, bestimmte mit verbesserter Beinarbeit von der Ringmitte aus das Geschehen und setzte ihre Kontrahentin von Beginn an unter Druck. Die rechte Schlaghand kam zwar nicht mehr so wild, jedoch auch noch nicht ganz so durchschlagskräftig, wie noch in ihrem Profidebüt. Trotzdem warf die Ecke der Prager Polizistin nach einigen Kopftreffern Ragosinas in der zweiten Runde das Handtuch. Taburkova, die in ihrem ersten Profikampf deutlich überfordert war, nahm die Entscheidung ihrer Betreuer mit einer Mischung aus Unverständnis und Erleichterung auf.


6. Normen Schuster gegen Raimundas Petrauskas, sechs Runden, Superweltergewicht

Mehr Mühe als erwartet hatte nun Normen Schuster (Foto) mit seinem litauischen Kontrahenten. Schon im ersten Durchgang traf Raimundas Petrauskas einige Male klar zum Kopf des Hallensers, musste jedoch nach einer schönen Körper-Kopf-Kombination zum Ende der Runde zu Boden und gab diese so noch mit 8:10 ab. Nachdem der junge Deutsche auch in der zweiten Runde die Defensivarbeit sträflich vernachlässigte, fing er sich eine harte Rechte des Litauers ein, die er jedoch problemlos wegsteckte. Davon, und vielleicht durch die mahnenden Rufe seiner SES-Kollegen Rene Monse und Dirk Dzemski wachgerüttelt, arbeitete Schuster nun konzentrierter hinter der Doppeldeckung, konterte einige Male in die Aktion seines Gegners und konnte damit Runde drei und vier erfolgreicher gestalten. Bevor Schuster den Kampf jedoch völlig unter Kontrolle bekam, wurde er zu Beginn des fünften Durchgangs von einer krachenden Kombination seines litauischen Gegners durchgeschüttelt. In der Schlussphase des Kampfes setzte er aber nochmals die härteren Treffer und gewann so doch noch einstimmig nach Punkten.
Will das SES-Talent auch im nächsten Kampf um die deutsche Meisterschaft erfolgreich bleiben, muss sich Schuster besonders in der Defensive noch deutlich steigern. Das boxerische Talent dazu hat er allemal.


7. Dirk Thielecke gegen Roman Kaloczai, vier Runden, Schwergewicht

Richtig gemütlich ging es hingegen im Profidebüt des 31-Jährigen Lokalmatadoren Dirk Thielecke zu. Völlig entspannt trottete der schlaksige Riese mit der Struwwelpeter-Frisur hinter seinem tschechischen Gegner her. Als Roman Kaloczai sich zur Erheiterung des Publikums entschloss, ein paar Mätzchen über die vermeintlich nicht vorhandene Schlagkraft des Neulinges zu machen, war es auch schon um ihn geschehen.
Nach einer krachenden Kombination ging der Tscheche zu Boden. Nach der nächsten Schlagserie von Thielecke war dann bereits Schluss für Kaloczai. Ringrichter Andreas Schweiger brach den Kampf in der zweiten Runde ab. Die normale Nervosität beim ersten Profiboxkampf legte der Magdeburger Kickboxer nicht an den Tag und siegte letztendlich mit schlafwandlerischer Sicherheit.


8. Malik „D“ Dziarra gegen Ibrahim Uzunkaya, zehn Runden, Supermittelgewicht


Im ersten Hauptkampf über zehn Runden um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Supermittelgewicht trafen Malik „D“ Dziarra (Foto) und Ibrahim Uzunkaya aufeinander. Beide Boxer waren mit einer ordentlichen KO-Quote ausgestattet, so dass man von einem vorzeitigen Ende ausgehen konnte. Die Zuschauer sollten nicht enttäuscht werden. In Runde vier kam Malik D mit einem wunderschönen rechten Aufwärtshaken in der Mitte voll durch. Wenige Sekunden später befand sich ein angeschlagener Ibrahim Uzunkaya erstmals am Boden. Es dauerte nicht lange, bevor der Magdeburger SES-Profi mit einem weiteren Volltreffer durchkam, diesmal ein kurzer rechter Haken, der Uzunkaya wieder zu Boden schickte. Ein zweites Mal konnte sich der Berliner berappeln, doch nach einem weiteren Schlaghagel mit einer links-rechts-links Kombination, die ihr Ziel fand, hatte der Ringrichter ein Einsehen und brach den Kampf berechtigterweise ab. In den vorangegangenen Runden hatten die Zuschauer einen sehr kontrollierten Lokalmatadoren erlebt, der die besseren Einzeltreffer mit seiner Rechten setzte, während Uzunkaya das höhere Tempo vorlegte. Am Ende setzte sich die größere Erfahrung und bessere Technik von Malik D. durch.


9. Robert Stieglitz gegen Yuri Tsarenko, zwölf Runden, Supermittelgewicht

Im neunten und letzten Kampf des Abends stand nun der „Main Event“ auf dem Programm. Im Kampf um die interkontinentale Meisterschaft im Supermittelgewicht nach Version der IBF standen sich Lokalmatador Robert Stieglitz (Foto, BP-Talent) und Yuri Tsarenko aus Weißrussland gegenüber. Tsarenko hatte kurzfristig Julio Cesar Green ersetzen müssen, da es laut Veranstalter Ulf Steinforth Probleme mit der Visaerteilung beim Mann aus der Dominikanischen Republik gab.

Trainer Werner Kirsch hatte seinem erst 23-jährigen Schützling mit auf den Weg gegeben, den erfahrenen Mann trotz seines nicht ganz perfekten Kampfrekords keinesfalls zu unterschätzen. So begann der gebürtige Russe ruhig und konzentriert, hauptsächlich mit Jab aus einer sicheren Doppeldeckung heraus agierend, um dann die erste Runde mit einer sauberen Kombination abzuschließen. Da der Weißrusse in den ersten Runden auch nicht gleich alles auf eine Karte setzen wollte, erlebten die etwa 1800 Zuschauer in der mittlerweile sehr gut gefüllten Hermann-Gieseler-Halle zunächst ein wenig ereignisreiches Gefecht. Stimmung kam dann erstmals auf, als Stieglitz seinen Gegner in der vierten Runde an den Seilen stellen und einige harte Treffer anbringen konnte. Tsarenko zeigte sich davon jedoch, wie schon zuvor, völlig unbeeindruckt. Oftmals hatte er für gute Aktionen des Deutschen nur ein Lächeln übrig, um dann langsam wegzutänzeln und aus einer leichten Seitwärtsbewegung eine Führhand hochschnellen zu lassen.

Dass die Zuschauer mit der gezeigten Leistung zufrieden waren, zeigte sich spätestens in der siebten Runde, als nach einigen blitzschnell vorgetragenen Eins-Zwei-Kombinationen enthusiastischer Applaus aufbrandete und "Robert, Robert"-Sprechchöre angestimmt wurden. Dass der 23-Jährige präzise, boxanalytische Anweisungen des Magdeburger Fachpublikums, wie „Robert, hau ihn um!“ oder „Mach ihn platt!“ auch im weiteren Kampfverlauf nicht zu dessen vollster Zufriedenheit umsetzen konnte, lag vor allem am Kinn des Weißrussen, das ihn bei bisher 35 Kämpfen und immerhin zwölf Punktniederlagen noch nie im Stich ließ. Dass der SES-Mann allerdings dafür auch zu unvariabel boxte, um einmal die Deckung seines Gegners zu öffnen und sich auf die vom Trainer verordnete kontrollierte Offensive beschränkte, die kaum über die erwähnten Eins-Zwei-Kombinationen hinaus ging, soll auch nicht unerwähnt bleiben. In Anbetracht der Nehmerfähigkeiten dieses Gegners ist die Marschroute von Werner Kirsch aber sehr gut nachzuvollziehen. So zeigte sich der Trainer auch nach dem Kampf vollends zufrieden darüber, dass sein Schützling endlich einmal auf die, von ihm kritisierten, zu vielen wilden Aktionen verzichtete und bei geringer Aussicht auf den KO-Erfolg im Ring nicht alles auf eine Karte setzte.

So endete der Kampf, wie er begonnen hatte, mit einem wenig ambitionierten Yuri Tsarenko, auch wenn dieser zum Schluss durch wenige gute Konter noch vereinzelt Akzente setzen konnte, und einem durch schnelle Einzelaktionen kontrollierenden Robert Stieglitz. Auch die Punktrichter waren sich über den Kampfverlauf einig und punkteten alle drei einhellig 117:111 für den Deutschen, der damit im 24. Profikampf den 24. Sieg einfährt und sich somit für höhere Aufgaben empfiehlt.

Die Autoren des Artikels werteten den Kampf 119:109 für Stieglitz.


Ergebnisse in Kurzform:

Ilian Ares PS Ondra Skala

Marco Schulze PS Richard Krasz

Enrico Rausch TKO 3 Marek Oravsky

Jan Zaveck PS Juris Boreiko

Natascha Ragosina TKO 2 Dana Taburkova

Norman Schuster PS Raimundas Petrauskas

Dirk Thielecke TKO2 Roman Kaloczai

Malik D. TKO 4 Ibrahim Uzunkaya

Robert Stieglitz PS Yuri Tsarenko
Sonntag 19. September 2004

 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2004 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.de veröffentlicht werden.


All photos ALLSPORT / AFP / ROGER WILLIAMS / SECONDSOUT.COM / KURT SAYGIN - BoxingPress ist um vollständigen Urhebernachweis auf seinen Internetseiten bemüht. Sollte sich auf einer unserer Seiten dennoch eine ungekennzeichnete, aber durch Copyright eines Dritten geschützte Graphik befinden, so konnte das Copyright von uns nicht festgestellt werden. Sollte Bildmaterial einmal nicht mit einem entsprechenden Urhebernachweis ausgezeichnet sein, bitten wir den Betreffenden, sich bei der Redaktion zu melden. Im Falle einer solchen unbeabsichtigten Copyrightverletzung werden wir das entsprechende Objekt nach Benachrichtigung aus der Internetseite entfernen bzw. mit dem entsprechenden Copyright kenntlich machen.
GOWEBCounter by INLINE