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Am
Samstag fand im ausverkauften Burg-Wächter Castello in Düsseldorf
einmal mehr eine „Universum Champions Night“ statt, in dessen
Rahmen Felix
Sturm (Foto) seinen WBA-Titel im Mittelgewicht gegen
Jamie Pittman verteidigte. Zwar drängte sich
der unerfahrene Australier nicht gerade als Herausforderer auf und zählt
auch ganz sicher nicht zu den stärksten Boxern der Welt, die Felix
Sturm laut eigener Aussage nur noch boxen will, doch der Rechtsausleger
lieferte durch seine beherzte und engagierte Leistung immerhin einen kurzweiligen
Kampf ab. Apropos Rechtsauslage: Das Motto der Veranstaltung hätte
durchaus „Links gegen Rechts“ lauten können, denn in
sieben der zehn angesetzten Duellen standen sich Athleten mit unterschiedlicher
Auslage gegenüber.
1. Kampf: Mary Ortega vs. Elena Miftode, Fliegengewicht, angesetzt
auf acht Runden
Am Freitag vor dem Kampf gab es beim Wiegen kleinere Komplikationen,
als sich herausstellte, dass die Rumänin Elena
Miftode, die zwei Tage zuvor geheiratet hatte, das Gewichtslimit
von 50,8 kg übertraf und damit beinahe zwei Kilogramm schwerer war
als Mary
Ortega. Da sie zudem auch größer war, hatte Miftode
die körperlichen Vorteile auf ihrer Seite. Doch im Ring stellte sich
schnell heraus, dass dies absolut unerheblich war. Die deutlich erfahrenere
Athletin aus den USA setzte ihre Gegnerin sofort unter Druck. Allerdings
agierte sie ebenso ungestüm wie druckvoll, weshalb ihre Angriffe
zunächst meist verpufften. Erst als die 27-Jährige, die unter
anderem schon mit Elena Reid, Stephanie Dobbs
und Hollie Dunaway im Ring gestanden hatte, etwas lockerer
wurde und dafür genauer schlug, erzielte sie die gewünschte
Wirkung. Dann traf sie jedoch fast nach Belieben. Miftode schien ohne
Gegenmittel zu sein und drehte schließlich in der Ringecke stehend
ab, woraufhin Ringrichter Manfred Küchler den einseitigen
Kampf abbrach.
Da sowohl Susi Kentikian als auch ihr Trainer Magomed
Schaburow in der Halle waren und sich den Kampf ansahen, kann
man vermuten, dass Mary Ortega als kommende Gegnerin für die „Killer-Queen“
im Gespräch ist.
Offizielles Urteil: Siegerin durch technischen KO nach 1:21 Minuten in
Runde eins Mary Ortega
2. Kampf: Maurice Weber vs. Daniel Käfer, Deutsche Meisterschaft
im Superweltergewicht, angesetzt auf zehn Runden
Nachdem sich die zwei Boxer im November 2007 ein sehr enges und packendes
Duell geliefert hatten, das Maurice
Weber schmeichelhaft nach Punkten zuerkannt worden war und
er sich damit den Titel des deutschen Meisters im Superweltergewicht gesichert
hatte, stand am Samstag der Rückkampf an. Allerdings verlief das
zweite Duell wesentlich einseitiger, was vor allem an einem gut eingestellten
Maurice Weber lag. Während der Rechtsausleger Daniel
Käfer (Foto) erneut Druck zu machen versuchte
und oft nach vorn marschierte, bewegte sich der Athlet aus dem Spotlight-Boxing
Team dieses Mal wesentlich mehr und setzte auf punktgenaue Konter. Spätestens
zum Ende der zweiten Runde wurde die Überlegenheit des Leverkuseners
immer deutlicher, der vor allem die Rechte wiederholt ins Ziel brachte.
In den beiden folgenden Durchgängen gelang Weber sogar jeweils ein
Niederschlag, womit er seinen Punktevorsprung noch weiter ausbaute. Käfer
biss sich zwar durch und überstand schließlich die volle Distanz,
doch er fand nicht wirklich ein Mittel gegen den boxerisch variableren
und schnelleren Gegner. In den Durchgängen acht und neun stemmte
sich der Hallenser noch einmal gegen die drohende Niederlage, doch Weber
blieb weiterhin Herr der Lage und landete die Mehrzahl an Treffern. Schließlich
gewann der Spotlight-Boxer den insgesamt einseitigen, aber dennoch unterhaltsamen
Kampf verdient deutlich mit 100:88, 99:89 und 100:88 nach Punkten. Mit
dieser guten Leistung wetzte er die Scharte aus dem ersten Duell aus.
Offizielles Urteil: einstimmiger Sieger nach Punkten Maurice Weber
3. Kampf: Patrick Dobroschi vs. Stefan Stanko, Halbschwergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Das Duell zwischen „Gelegenheitsboxer“ Patrick
Dobroschi und „Aufbaugegner“ Stefan
Stanko geriet nicht gerade zum Boxleckerbissen. Stanko, Veteran
aus 54 Niederlagen, agierte mit langen, oft geschobenen Händen aus
der Distanz, wirkte aber recht steif und bot bei seiner Länge von
1,95 m und seinem aufrechten Stand jede Menge Trefferfläche. Allerdings
hatte der selbsternannte „Prince“ Dobroschi seine Mühe,
an den langarmigen Slowaken heranzukommen. Am besten gelang ihm dies in
der ersten Runde mit eingesprungenen linken Haken, die mehrfach laut klatschend
ihr Ziel fanden. In Runde zwei brachte der 28-jährige Dobroschi dann
eine rechte Schlaghand an den Kopf des zehn Zentimeter größeren
Gegners unter, die ihn fällte. Zunächst konnte Stanko den Kampf
fortsetzen, doch nach einem weiteren Niederschlag nur wenig später
gab er sich endgültig besiegt.
Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO nach 2:17 Minuten in Runde
zwei Patrick Dobroschi
4. Kampf: Markus Tomala vs. Viktor Szalai, Schwergewicht, angesetzt
auf vier Runden
Der 24-jährige Markus
Tomala, geboren in Polen, doch inzwischen wohnhaft in Düsseldorf-Holthausen,
gab am Samstag vor heimischem Publikum sein Debüt als Profiboxer.
Von Beginn an machte der Schützling von Connie Mittermeier deutlich,
wer Chef im Ring war und setzte seinen wenig austrainierten, dafür
aber umso stärker tätowierten Kontrahenten aus Ungarn unter
Druck. Tomala jagte den Rechtsausleger Viktor
Szalai förmlich durch den Ring, der darauf bedacht schien,
sich nicht stellen zu lassen. Dabei erwies sich Tomala zwar als erfreulich
beweglich, zeigte aber auch, dass er es noch nicht richtig verstand, wie
man einem Gegner den Weg abschneidet. Dennoch gelang ihm zum Ende der
Eröffnungsrunde der erste Niederschlag. Im zweiten Durchgang schickte
der Debütant den Gastboxer gleich noch zwei Mal mit Treffern seiner
Schlaghand auf die Bretter, woraufhin Ringrichter Arno Pokrandt
Szalai aus dem Kampf nahm.
Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO nach 1:07 in Runde zwei
Markus Tomala
5. Kampf: Julia Sahin vs. Yahaira Martinez, WIBF-Weltmeisterschaft
im Juniorfliegengewicht, angesetzt auf zehn Runden
Nachdem Probleme mit den Knien Julia
Sahin zu einer längeren Pause gezwungen hatten, wollte
sie nun endlich wieder boxen. Tatsächlich war ihr die Freude am Boxen
schon auf dem Weg zum Ring anzusehen. Den Kampfnamen „Sunshine“
trägt die Kölnerin nicht ohne Grund. Selten sieht man eine Boxerin
so unbekümmert und strahlend vor einem wichtigen Kampf. Doch mit
dem ersten Gong war der Spaß vorbei. Yahaira
Martinez hatte den langen Weg von Puerto Rico nach Düsseldorf
angetreten, um einen Weltmeistertitel zu gewinnen. Die Rechtsauslegerin
ergriff sofort die Initiative und sicherte sich die erste Runde durch
viel Aktivität, ohne dabei planlos oder überhastet zu agieren.
Auch der zweite Durchgang gehörte der Gastboxerin, die mit einem
Haken kurzzeitig Wirkung erzielte. Allerdings kam es in der Runde auch
zu einem Kopfstoß, den Julia Sahin sichtlich spürte. Martinez
nutzte die Gelegenheit, um noch gleich mit einer Hakenserie nachzusetzen.
Erst in der dritten Runde gelang es der Weltmeisterin, besser in den Kampf
zu finden. In der Nahdistanz waren die oft weiten Schläge der Gegnerin
wirkungslos, während Sahin mit kurzen Schlägen durch die Mitte
klar ihr Ziel fand. Diese Schwäche der Puertoricanerin nutzte sie
in den folgenden Runden rigoros aus und punktete immer wieder mit mehreren
Treffern in Folge. Martinez blieb dabei jedoch immer gefährlich,
allerdings nicht mit Schlägen, sondern durch ihr sehr tiefes Abducken,
weshalb oft die Gefahr von Kopfstößen entstand. Auch nach einem
Punktabzug in Runde fünf durch Ringrichter Daniel van de
Wiele ließ Martinez nicht davon ab, was dazu führte,
dass Julia Sahin sie nach eigenen Attacken oft herunter drückte.
Nach dem Kopfstoß zu Beginn des Kampfes war dies verständlich,
wenn auch nicht fair. So wurde der Kampf sehr zerfahren und unsauber,
aber dennoch mit hohem Tempo geführt. Dabei landete die Titelverteidigerin
mit kurzen Serien in der Nahdistanz die Mehrzahl der Treffer. Allerdings
blieben die Runden eng, da Martinez sofort wieder mit ihren Haken zur
Stelle war, wenn es Sahin nicht gelang, dicht genug aufzuschließen.
Folglich gingen die Runden acht und neun an die Herausforderin, als die
Boxerin von Trainer Michael Timm zwischen ihren Aktionen
zu lange Pausen einlegte. Zum Ende der Runde neun meldete sich „Sunshine“
mit einer sehenswerten Kombination zu Körper und Kopf zurück
und konnte in einer aktionsgeladenen Abschlussrunde noch einmal mehr Akzente
setzen.
Am Ende verteidigte Julia Sahin verdient ihren Weltmeistertitel der WIBF
mit 98:93, 96:94 und 97:92 auf den Punktezetteln. Yahaira Martinez zeigte
sich über die Deutlichkeit des Ergebnisses enttäuscht und äußerte
die Hoffnung, in Deutschland eine weitere Titelchance zu bekommen.
Offizielles Ergebnis: einstimmige Siegerin nach Punkten Julia Sahin
6. Kampf: Gennady Golovkin vs. Ian Gardner, Mittelgewicht, angesetzt
auf acht Runden
In seinem elften Profikampf bekam es der ehemalige Amateurweltmeister
Gennady Golovkin mit dem unbequemen Ian
Gardner zu tun. Nicht nur die Rechtsauslage des Kanadiers
machte ihm zu schaffen. Schnell wurde deutlich, dass sich Golovkin vor
allem mit der größeren Reichweite schwer tat. Während
Gardner mit ganzen Salven gestupster Führhände und schnellen
Beinen die Distanz aufrecht hielt, konnte Golovkin nur vereinzelt seinen
Jab landen. Ab Runde zwei setzte der Kasache auf die unvorbereitete Schlaghand
und übernahm damit den Vorwärtsgang. Kurzzeitig konnte Golovkin
sogar Wirkung erzielen, woraufhin sein Gegner die Seile entlang flüchtete,
bis er gegen den Ringrichter Arno Pokrandt prallte, der das Tempo des
Kanadiers nicht mitgehen konnte.
Auch in den folgenden Runden behielt Gennady Golovkin den Vorwärtsgang
bei und setzte vornehmlich auf seine Schlaghand. Nur vereinzelt konnte
er Treffer setzen, da sich Gardner mit guter Beinarbeit und unorthodoxen
Meidbewegungen zu verteidigen wusste. Zur Not griff der Boxer aus Halifax
auch mal zu, wenn sein Gegner ihm zu nah kam, was ihm in der sechsten
Runde einen Punktabzug einbrachte. Aber auch Golovkin hatte einen Anteil
daran, dass der Kampf immer zerfahrender wurde, da er zunehmend planlos
auf den Gegner auflief, ohne Treffer zu landen. Er hatte deutlich den
Faden verloren und in den letzten beiden Runden war es Gardner, der mehr
Akzente setzte. Dennoch reichte es für den Boxer aus dem Universum-Stall
am Ende für einen Punktsieg. Mit zweimal 78:73 und einmal 77:74 fuhr
Golovkin einen glanzlosen Arbeitssieg ein.
Offizielles Urteil: einstimmiger Sieger nach Punkten Gennady Golovkin
7. Kampf: Manuel Charr vs. Aleksandrs Selezens, Schwergewicht,
angesetzt auf vier Runden
Nach fast zweijähriger Pause bestritt Manuel
Charr (Foto) sein Comeback gegen den Litauer Aleksandrs
Selezens. Charr wirkte von Beginn an sehr fest und brauchte
eine Weile, bis er die ersten Schläge abfeuerte. Anstatt den Gegner
mit dem Jab auf Distanz zu halten, schob Charr ihn durch den Ring. Selezens
arbeitete derweil überwiegend zum Körper, allerdings ohne klare
Treffer zu setzen. Gegen Ende der Eröffnungsrunde fand der Gelsenkirchener
mit einem langen Cross und rechten Aufwärtshaken sein Ziel. Auch
im weiteren Kampfverlauf waren diese Schläge Charrs beste Waffen.
Seine Linke kam nur gelegentlich als Körperhaken zum Einsatz. Selezens
verließen ab der dritten Runde deutlich die Kräfte und so begnügte
er sich mit gelegentlichen Einzelschlägen. Taumelnd und klammernd
konnte er sich über die Zeit retten, da es dem „Diamond Boy“
nicht gelang, die Erschöpfung des Gegners auszunutzen.
Offizielles Urteil: einstimmiger Sieger nach Punkten Manuel Charr
8. Kampf: Jürgen Brähmer vs. Karim Bennama, Halbschwergewicht,
angesetzt auf zehn Runden
Dass Universum Box Promotion für sein ehemaliges „Jahrhunderttalent“
Jürgen
Brähmer händeringend einen Weltmeistertitel sucht,
ist oft genug vom Promoter klargestellt worden. Wie dabei der Wechsel
vom Supermittelgewicht ins Halbschwergewicht helfen soll, wo Brähmer
doch in seiner angestammten Gewichtsklasse als Ranglistenerster beim Verband
WBA Pflichtherausforderer von Anthony Mundine war, bleibt
jedoch fraglich. Mundine verhandelt jetzt mit dem Dänen Mikkel
Kessler, nachdem man in Hamburg auf das Recht einer Herausforderung
verzichtet hat. Ob Brähmer den Stallkollegen Zsolt Erdei
bei der WBO beerben soll, wenn dieser einmal in Rente geht, oder Danny
Green, der kürzlich die Handschuhe und den Weltmeistergürtel
der WBA im Halbschwergewicht an den Nagel gehängt hat, kann der interessierte
Beobachter nur abwarten. Also wenden wir uns vom Buchstabensalat der Verbände
ab und dem Boxen zu.
Der Kampf am Samstag war ohne Frage ein Test, wie Jürgen Brähmer
(Foto) sich im Halbschwergewicht zurecht finden würde und
der Gegner, Karim
Bennama, war dafür passend ausgesucht. Brähmer
erwischte den besseren Start und begann in der ersten Runde mit locker
geschlagenen Kombinationen, wobei sich bereits zeigte, dass er seinem
Gegenüber an Schnelligkeit klar überlegen war. Die besten Treffer
setzte der Schweriner mit der rechten Führhand als Haken in die Rippen,
kam aber auch in Runde drei mit der Schlaghand gut zum Kopf durch und
fast schien es, als würde er Bennama zermürben. Doch der Franzose
fand im vierten Durchgang besser in den Kampf, als er aktiver wurde, dichter
an Brähmer heran rückte und fast etwas Druck aufbauen konnte.
Es war aber weiterhin der Deutsche, der zuerst schlug, schneller und ideenreicher
boxte und damit das Heft fest in der Hand behielt. Auch wenn sich Bennama
gelegentlich aufbäumte, wurde er Brähmer nie wirklich gefährlich,
so dass dieser weiter testen konnte. In Runde sieben traf der Schützling
von Trainer Michael Timm mit dem Jab fast nach Belieben, nahm dann plötzlich
den Kopf zwischen die Schultern und suchte den Nahkampf. Wegschieben konnte
er den kräftigeren Athleten aus Blagnac jedoch nicht und so verlegte
sich Brähmer wieder auf die größere Distanz. Auch wenn
er seinen Gegner in Runde acht erneut gut mit Schlägen eindeckte,
schien es nicht so, als könne Brähmer den Franzosen beeindrucken.
Bennama steckte die Treffer weg, ohne Wirkung zu zeigen. In der neunten
Runde drehte er jedoch nach einer Schlaghand zum Kopf ab und ging in die
neutrale Ecke. Ringrichter Manfred Küchler blieb nichts anderes übrig,
als den Kampf abzubrechen. Bennama musste mit einem vollständig zugeschwollenen
Auge in ein Krankenhaus eingeliefert werden.
Brähmer hat seinen Test erfolgreich abgeschlossen, gegen einen Kontrahenten,
der vor allem gut einstecken konnte, selbst aber hölzern und ohne
Finesse agierte. Ob der Sieg den 29-Jährigen in den Ranglisten nach
oben und an Titelchancen im Halbschwergewicht näher bringt, ist eine
Sache der Promoter und Verbände.
Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 1:13 Minuten in Runde neun Jürgen
Brähmer
Vor dem Hauptkampf des Abends erfuhr Weltmeister Felix Sturm musikalische
Unterstützung durch Panik-Rocker Udo Lindenberg
und Band, der live im Ring seine neue Single „Wenn du durchhängst“
sang. Nicht nur der Titel, sondern auch so manche Textzeile dürfte
einem Boxer bekannt vorkommen, der sich wahrscheinlich im Ring oft wünscht
„Stark wie zwei“ zu sein (so der Titel des neuen Lindenberg-Albums).
Auch die Autoren fanden eine Zeile, die ihren Gedanken entsprach, nämlich:
„am Arsch vorbei“. Aber zum Glück ist Musik bekanntlich
noch immer Geschmackssache.
9. Kampf: Felix Sturm vs. Jamie Pittmann, WBA-Weltmeisterschaft
im Mittelgewicht, angesetzt auf zwölf Runden
Im Vorfeld dieses WM-Kampfes gab es von einigen Seiten berechtigte Kritik
an der Gegnerwahl für Felix Sturm, der in der Vergangenheit mehrfach
behauptet hatte, nur noch gegen die besten Boxer seiner Gewichtklasse
antreten zu wollen. Bei allem Respekt vor der Leistung Jamie Pittmans
ist der Australier aber zu diesem illustren Kreis definitiv nicht zu zählen.
Unter den 16 bisherigen Gegnern Pittmans finden sich mehrheitlich ziemlich
unerfahrene Kandidaten mit wenigen Kämpfen und alle von ihnen dürften
mindestens zwei Klassen unter Felix Sturm angesiedelt werden. Ein WM-Kampf
schien für den Mann aus Brisbane schlicht zu früh zu kommen.
Da er sich weder mit einem Sieg über einen namhaften Gegner für
einen Titelkampf empfohlen hatte, noch selbst international einen großen
Namen hat, war die Wahl des Herausforderers ziemlich enttäuschend.
Dennoch weigern sich die Autoren, den Kampf zwischen Sturm und Pittman
schlecht zu machen, denn dafür war er entschieden zu kurzweilig und
unterhaltsam.
Beide Boxer waren von Beginn an sehr aktiv und versuchten den Kampf an
sich zu reißen. Meistens agierten sie in der Mitte des Rings und
schlugen Eins-zwei-Kombinationen, deutliche Treffer blieben aber zunächst
rar, da beide Athleten auf ihre Deckung achteten. Felix Sturm erwischte
einen guten Start in die zweite Runde, doch es dauerte nicht lange und
auch Pittman kam zu guten Aktionen, als er den Weltmeister an den Ringseilen
stellen konnte. Jedoch zeigte sich jetzt schon, dass Sturm wieder beweglicher
agierte, anstatt wie in seinem letzten Kampf gegen Randy Griffin
mit erhobenen Fäusten einfach dazustehen und den Gegner schlagen
zu lassen. Prompt sah der Weltmeister wieder besser aus als zuletzt und
entzog sich den langen Händen des Rechtsauslegers Pittman immer öfter
durch schnelle Meidbewegungen. Allerdings kam es in Runde zwei auch zu
einem Kopfstoß, der über dem rechten Auge des Australiers eine
Platzwunde öffnete.
Auch in den folgenden beiden Durchgängen setzte sich das hohe Tempo
der beiden Eröffnungsrunden fort. Die Überlegenheit des Champions
wurde nun zusehends deutlicher, der ab Runde vier vermehrt mit Aufwärtshaken
und Körpertreffern zum Erfolg kam. Pittman gab zwischendurch immer
wieder Gas, vor allem dann, wenn er hart getroffen worden war, doch ihm
fehlte die Genauigkeit und das Timing, mit dem der Weltmeister aufwarten
konnte. Hier wurde die fehlende Erfahrung des Herausforderers deutlich
erkennbar. Zudem schien Sturm ihn mit seinem Jab zusehends zu zermürben.
In Runde fünf warf Pittman noch einmal alles nach vorn und brachte
vor allem seine linke Schlaghand, die mehrfach ihr Ziel fand. Sturm landete
Mitte der Runde einen schweren Haken zum Körper, der den Australier
auf die Bretter schickte. Zudem schwoll das rechte Auge Pittmans immer
stärker an und sich langsam schloss. Doch der Herausforderer rappelte
sich wieder hoch und fightete den Rest der Runde beherzt zurück.
Allerdings schien er bereits schwer zu atmen.
Nach dem Gong folgte Pittman seinem Gegner sogar in dessen Ecke und rief
ihm etwas hinterher. Jedoch keineswegs Beschimpfungen, wie ZDF-Kommentator
Günther-Peter Ploog leichtfertig behauptete. In
der Tat dürfte dieser die Worte des Australiers gar nicht gehört
haben. Auf der Pressekonferenz darauf angesprochen, erklärte Pittman
schmunzelnd: „Ich habe ihm (Felix Sturm) gesagt, dass
er mich zwar gut getroffen hat, aber so leicht nicht los wird. Ich wollte
ihn mit Psycho-Tricks aus dem Konzept bringen, aber er ist ein echter
Champion. Er hat mich einfach ignoriert.“
Im
sechsten Durchgang konnte man dem Herausforderer ansehen, dass er dem
hohen Tempo der ersten Runden Tribut zollen musste. Offensichtlich erkannte
dies auch Felix Sturm, der den Druck daraufhin erhöhte und Pittman
mit Aufwärtshaken anklingelte. Nach einer kurzen Unterbrechung durch
Ringrichter Russell Mora, in der das stark geschwollene
Auge Pittmans vom Ringarzt untersucht wurde, konnte der Kampf fortgesetzt
werden. Der Athlet aus Brisbane drehte noch einmal richtig auf, konnte
jedoch keinen nennenswerten Erfolg erzielen. Stattdessen wurde er vom
Weltmeister noch einmal mit zwei Haken zu Boden geschickt.
Auch zu Beginn der Runde sieben stürmte Pittman nochmals nach vorn,
doch es dauerte nicht lange und das Strohfeuer fand in Sturms Gegenangriffen
ein jähes Ende. Der Leverkusener ließ die Fäuste fliegen
und schlug seinen Kontrahenten mit einer Kombination zum dritten Mal nieder,
woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach. Zu diesem Zeitpunkt war das
rechte Auge des Australiers inzwischen komplett zugeschwollen.
Offizielles Urteil: Sieger durch technischen KO nach 0:36 Minuten in Runde
sieben Felix Sturm
Auf der Pressekonferenz nach der Veranstaltung lobten
Jamie Pittman und sein Trainer Felix Sturm als echten Champion und bezeichneten
ihn als den derzeit boxerisch stärksten Weltmeister im Mittelgewicht.
Beide erklärten, in dem Kampf viel gelernt zu haben. Auf sein zugeschwollenes
Auge angesprochen, antwortete Pittman: „Der Kopfstoß hat
mit dazu beigetragen, aber so etwas passiert einfach beim Boxen. Hauptsächlich
war aber der Jab von Felix dafür verantwortlich. Der war besser.“
Auf die weitere Zukunft und ein mögliches Duell zwischen Felix Sturm
und Arthur Abraham angesprochen, meinte Promoter Klaus-Peter
Kohl (auf Foto links): „Diese Angebote von
Herrn Sauerland kommen immer dann, wenn sie genau wissen, dass wir als
nächstes eine Pflichtverteidigung machen müssen. Felix muss
als nächstes gegen den Sieger aus dem Duell zwischen Sebastian Sylvester
und Javier Castillejo antreten. Wir haben uns nie versteckt und sind immer
mit unseren guten Boxern angetreten, während Sauerland stets die
Leute geschickt hat, die er loswerden wollte, wie zum Beispiel Timo Hoffmann.“
„Allerdings wundert mich, dass alle nur nach Abraham fragen.
In den USA gibt es Kelly Pavlik, der zwei WM-Gürtel hält. Für
mich ist er die Nummer eins im Mittelgewicht, die es zu schlagen gilt.
Wenn wir die Chance auf einen Kampf mit Pavlik bekämen, hätte
dies Vorrang vor allem anderen“, fuhr der Universum-Chef fort.
Felix Sturm sagte dazu: „Es ist leicht in den Dschungel zu rennen
und zu rufen, was man alles machen möchte und dann passiert doch
nichts. Damit schadet man jedoch dem Boxen. Ich möchte Arthur Abraham
nicht schlecht reden, er ist ein guter Champion. Doch eigentlich hat er
nur seine Schlagkraft, mit der er Kämpfe entscheiden kann. Sein letzter
Gegner (Elvin Ayala), der nicht gerade zur Weltspitze gehört,
hat gezeigt, welche Probleme Abraham mit beweglichen Boxern hat. Der hat
ihm mehr Probleme bereitet, als es hätte sein dürfen. Wenn Arthur
Abraham und ich 24 Runden gegeneinander boxen, würde ich 24 davon
gewinnen.“
10. Kampf: Vladimir Tereshkin vs. Adnan Serin, Schwergewicht,
angesetzt auf sechs Runden
Nach dem Hauptkampf gab es noch ein Duell im Schwergewicht zwischen dem
20 Jahre jungen Vladimir
Tereshkin vom Spotlight-Boxing Team und dem deutlich erfahreneren
Adnan Serin aus Aachen. Allerdings war der Kampf
wenig dazu angetan, die Leute in der Halle zu halten. Tereshkin wechselte
mehrfach die Auslage und stupste seine Führhand heraus, während
der kleinere Serin bemüht war, in den Infight zu kommen. Ab Runde
zwei gelang dies dem 32-Jährigen auch immer öfter, was meist
ein unansehnliches Geschiebe zur Folge hatte. Zunächst behielt der
Spotlight-Boxer noch die Oberhand, doch insgesamt fiel ihm wenig ein,
wie er seinen Gegner auf Distanz halten und punkten konnte. Ab dem dritten
Durchgang nahm Serin ihm zusehends die Kontrolle über den Kampf ab,
ohne jedoch selbst allzu häufig klare Treffer zu landen. So wogte
das eher müde Duell hin und her, während beide Boxer meist nur
Einzelschläge brachten und ansonsten viel miteinander rangen. Erst
in Runde fünf sah Tereshkin wieder bemühter aus, den Kampf an
sich zu reißen und schlug mehr Kombinationen. Jedoch gehörte
die sechste Runde dann wieder dem „Ista Man“ und seinen wuchtigen
Haken.
Wie sang Udo Lindenberg noch am Ende seines Songs? „Auch der härteste
Scheiß geht irgendwann wieder vorbei.“ Zum Glück auch
dieser Kampf, den die drei Punktrichter einstimmig und gerecht mit dreimal
57:57 unentschieden werteten.
Offizielles Urteil: unentschieden
Montag,
07. April 2008
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