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Tajbert holt EU-Titel
von Thorsten Fritsche
Am Freitag fand in der Sporthalle Alsterdorf in Hamburg die erste ProSieben
Fight Night des Jahres statt. Im ersten Hauptkampf des Abends trat Vitali
Tajbert (Foto) gegen den Spanier Jesus
Garcia Escalona an, um sich dessen EU-Titel im Superfedergewicht
zu holen. Damit griff der 25-Jährige in seinem 15. Kampf zum ersten
Titel. Den zweiten Hauptkampf bestritt Doppelweltmeisterin Susi
Kentikian gegen Sarah
Goodson von den Philippinen. Nachdem sich die „Killer-Queen“
bei ihrem letzten Auftritt im Ring zusätzlich zum Gürtel der
WBA auch noch den der WIBF geholt hatte, stand nun die erste Titelverteidigung
auf dem Programm. In weiteren Kämpfen waren Schwergewichtler
Sebastian Köber und Mittelgewichtler
Gennady Golovkin zu sehen.
Der
erste Kampf im Rahmen der Fernsehübertragung auf ProSieben war das
Aufeinandertreffen zwischen Jesus Garcia Escalona, EU-Champion im Superfedergewicht,
und Vitali Tajbert vom Spotlight-Boxing Team. Dabei startete der Athlet
aus Stuttgart furios, indem er seinem Gegner schon nach wenigen Sekunden
mit harten Körpertreffern zusetzte, die Escalona tatsächlich
zu beeindrucken schienen. Tajbert entpuppte sich schnell als der schneller
und präziser schlagende Mann und sicherte sich damit die Eröffnungsrunde.
Doch ab Durchgang zwei legte der Titelverteidiger aus Spanien den Vorwärtsgang
ein, was sich während der kommenden elf Runden kaum mehr ändern
sollte. Unablässig marschierte der „kleine Panzer“ („El
Tranquecito“) nach vorn , setzte den Deutschen unter Druck und feuerte
beinahe Schläge ab. Zwar waren etliche davon eher ungenau, doch Escalona
kam auch immer wieder durch, was schon recht bald Kampfspuren in Tajberts
Gesicht verdeutlichen. Dennoch gelang es dem Spotlight-Boxer zunächst
noch Dank gut platzierter Konter, die zu klaren Treffern führten,
die Mehrzahl der Runden für sich zu entscheiden. Allerdings gönnte
sich Tajbert zum Ende des dritten Durchgangs eine Fahrlässigkeit,
als er seine Hände zu früh fallen ließ und mit dem Gong
zum Rundenende einen Wirkungstreffer kassierte.
Ab Durchgang fünf schien der andauernde Druck und die pausenlosen
Attacken „El Tranquecitos“ allmählich Tribut beim Herausforderer
zu zollen. Tajbert wirkte nun müder und ließ sich immer wieder
allzu sehr in die Defensive drängen, weshalb er kaum mehr eigene
Aktionen zeigte. Deshalb gelang es Escalona, sich die meisten der mittleren
Runden in diesem temporeichen und intensiv geführten Gefecht zu sichern.
Allerdings kam Tajbert in Durchgang sieben noch einmal zu mehreren guten
Treffern, die den Titelverteidiger ordentlich durchrüttelten. Jedoch
schien es für den Spotlight-Boxer unmöglich, den spanischen
„Panzer“ in seinem Vorwärtsmarsch zu stoppen.
Erst ab Runde neun wendete sich das Blatt langsam wieder zugunsten Tajberts,
als Escalona allmählich müder zu werden schien und der Deutsche
wieder vermehrt zu eigenen Aktionen kam. Tajberts Konter trafen nun öfter
und schienen bei Escalona Wirkung zu hinterlassen, auch wenn dieser noch
immer unablässig nach vorn marschierte. In Durchgang zehn ließ
ein linker Haken des Stuttgarters den Titelverteidiger sogar kurz einknicken.
In Runde elf hatte Tajbert dann deutlich mehr Freiraum, was er dazu nutzte,
sich mehr zu bewegen und Escalona öfter ins Leere schlagen zu lassen.
Offensichtlich wurden dem Spanier dann doch allmählich die Beine
schwer.
In der letzten Runde gaben beide Boxer noch einmal richtig Gas. Auch Escalona
schien seine letzten Reserven zu mobilisieren, um seinem Gegner jetzt
wieder dichter auf den Füßen zu stehen. In den letzten Sekunden
des Kampfes lieferten sich beide Boxer einen offenen Schlagabtausch, der
das Publikum hörbar begeisterte, auch wenn keinem der beiden Boxer
ein entscheidender Treffer gelang.
Das knappe Punkturteil im Anschluss an die zwölf meist engen und
verbissen umkämpften Runden, spiegelte das Geschehen im Ring passend
wieder. Die beiden Punktrichter Leszek Jankowiak und
Mikael Hook sahen Vitali Tajbert jeweils mit 115:113
knapp vorn, während ihr Kollege Noel Monnet mit
114:114 ein durchaus nachvollziehbares Unentschieden gesehen hatte. Somit
war Vitali Tajbert insgesamt verdienter Sieger durch mehrheitliche Punktentscheidung
und neuer EU-Meister im Superfedergewicht.
Im zweiten Hauptkampf des Abends trat Doppelweltmeisterin Susi Kentikian
gegen Sarah Goodson an, um ihre Gürtel der WBA und WIBF zu verteidigen.
Dabei war die nur 154 cm große Athletin von den Philippinen ebenfalls
Weltmeisterin der WIBF, allerdings im Minimumgewicht. Im Ring stellte
sich dann sehr schnell heraus, dass die Herausfordererin mit dem Kampfnamen
„Thrilla from Manila“ der Aufgabe absolut nicht gewachsen
war. Ihre eigenen Schläge waren wild, ausgesprochen langsam und ließen
sie zudem sehr offen für die Gegenangriffe Kentikians, die jedoch
in der ersten Runde noch sehr verhalten agierte und ihre Kontrahentin
erst einmal genau zu studieren schien. Zum Ende der Eröffnungsrunde
kamen dann jedoch schon die ersten deutlichen Treffer der Weltmeisterin.
Ab Runde zwei fackelte Kentikian dann nicht mehr lange, sondern ging recht
bald nach erfolglosen Angriffsversuchen Goodsons selbst zur Attacke über.
Die Weltmeisterin schlug kurze und genaue Kombinationen, wobei sie geschickt
zwischen Schlägen zu Kopf und Körper variierte. Die deutlichen
Treffer, die Kentikian so scheinbar mühelos erzielte, machten nun
auch Goodsons mangelnde Defensivkünste deutlich. Bereits in Durchgang
zwei war der Kampf völlig einseitig geworden.
Der dritte Durchgang brachte dann auch schon das Ende des ungleichen,
ja eigentlich witzlosen Kampfes. Nach einer langen Schlagserie traf Kentikian
mehrfach zum Körper ihrer Gegnerin und hinterließ sichtlich
Wirkung. Goodson drehte ab, woraufhin Kentikian zu Ringrichter Mikael
Hook hinübersah, doch dieser schien zu träumen und reagierte
in keiner Weise. Erst nachdem die „Killer-Queen“ noch zweimal
nachsetzte, nahm Hook die völlig überforderte Goodson endlich
aus dem Kampf. Susi Kentikian hatte damit ihre beiden WM-Gürtel durch
technischen KO nach 57 Sekunden in Runde drei erstmals erfolgreich verteidigt.
Nach dem Kampf fand Regina Halmich, die sonst meist Phrasen
dreschende Co-Moderatorin an der Seite von Jan Stecker,
die passenden Worte: „Diese Gegnerin war einer Weltmeisterschaft
nicht würdig.“ Vollkommen richtig, Frau Halmich. Diesem
Fazit bleibt nichts mehr hinzuzufügen.
Im Vorprogramm besiegte Schwergewichtler Sebastian Köber in einem
wenig mitreißenden Duell den Engländer Paul
Butlin nach sechs Runden einstimmig über die Punkte.
Zwar fing sich der Deutsche die ein oder andere der wild gekeulten Hände
des Briten, doch er blieb insgesamt klar überlegen und erwies sich
als der technisch besser geschulte Boxer. Jedoch schienen der einmal mehr
etwas steif und verkrampft wirkende Köber seinen Gegner mit keinem
seiner Schläge wirklich beeindrucken zu können.
Ganz anders Mittelgewichtler Gennady Golovkin, der seinen Kontrahenten
Tshepo Mashego aus Südafrika nach 2:04 Minuten
in der ersten Runde durch einen sehenswerten rechten Haken schwer KO schlug.
Der Gastboxer lag derart stark mitgenommen auf den Brettern, dass der
Ringrichter das einzig richtige tat und gar nicht erst anzählte,
sondern den Kampf sofort stoppte.
In weiteren Vorkämpfen schlugen Marcel
Meyerdiercks im Federgewicht
Lubos Priehradnik aus der Slowakei und Vladimir
Tereshkin im Schwergewicht den Ungarn Mihaly
Nemet jeweils einstimmig nach Punkten. Schwergewichtler Dieter
Roth kam zu einem technischen KO-Sieg in Runde fünf
gegen den Portugiesen Humberto
Evora.
Samstag, 01. März 2008
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