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Tyson
KO1 Etienne -
Kurzbericht & Vorgeplänkel
von Jörg Lüdemann

Die
Chronik der Ereignisse
Sonntag,
16. Februar: Gerüchte um Kampfabsage
Der für den kommenden Samstag geplante Kampf zwischen Ex-Weltmeister "Iron"
Mike
Tyson (BP-Nr.5) und seinem US-Landsmann Clifford
Etienne muss womöglich abgesagt bzw. verschoben werden. Tyson
hat aufgrund gesundheitlicher Probleme seit einigen Tagen kein Training
mehr absolviert. Der 35-Jährige leidet bereits seit geraumer Zeit
an erheblichen Rückenbeschwerden. Hinzu kommt diesmal das Gerücht, dass
Tyson sich im Gesicht tätowieren ließ und infolgedessen nun an einer Entzündung
mit grippeähnlichen Symptomen leidet. "Wir hören jede Menge Gerüchte
und Stories aus dem Tyson-Lager. Eventuell müssen wir nach einem anderen
Termin suchen," sagte TV-Producer Jay Larkin. Es wäre
bei weitem nicht die erste Kampfabsage Tysons...
Montag,
17. Februar: Offizielle Absage aus dem Tyson-Lager
Der
Kampf zwischen Ex-Weltmeister "Iron" Mike
Tyson (BP-Nr.5) und seinem US-Landsmann Clifford
Etienne ist nun offiziell abgesagt. Offizieller Grund: Tyson ist
an einer Grippe erkrankt und konnte schon in den letzten Tagen kein Training
absolvieren. Deshalb musste der 36 Jahre alte Ex-Champion absagen. Ein
Nachholtermin wurde noch nicht terminiert. Tyson gab sich in einer offiziellen
Stellungnahme enttäuscht über seine krankheitsbedingte Absage. "Es
tut mir leid für meine Fans in Memphis und in der ganzen Welt, aber ich
bin nicht 100 Prozent fit. Ich kann nicht zeigen, wozu ich in der Lage
bin. Die letzten fünf Tage lag ich mit einer Grippe im Bett. Ich hoffe,
der Fight wird bald nachgeholt," so der US-Amerikaner. Sein Trainer
Freddie Roach begrüßte die Kampfabsage: "Es ist in
seinem besten Interesse, nicht anzutreten. Wenn er sich nicht hundertprozentig
fühlt, sollte er nicht kämpfen. Denn wenn er gegen jemanden wie Etienne
verlieren würde, dann wäre alles vorbei," sagte Roach. Ob er Tyson
auch zukünftig noch trainieren werde, ließ der Coach hingegen offen. Denn
die Begleitumstände dieser Kampfabsage Tysons sind - wie so oft -
zweifelhaft. Angeblich hatte sich der 36-Jährige vor zehn Tagen eine
Gesichtstätowierung mit afrikanischen Kriegssymbolen machen lassen,
die nun womöglich zu den grippeartigen Symptomen geführt hat.
Ob
der Kampf gegen Etienne nun überhaupt noch stattfinden wird, ist
offen. "Wir wissen zu diesem Zeitpunkt noch nicht, ob der Fight
zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt wird," erklärte Showtime-Sprecherin
Marina Capurro. Tyson sollte sich mit einer überzeugenden Leistung
gegen Etienne für einen Rückkampf gegen Schwergewichts-Weltmeister
Lennox
Lewis (Foto, BP-Nr.1) empfehlen. Ob es nach der Absage
nun zu einem erneuten Aufeinandertreffen der beiden kommt, ist abzuwarten.
Womöglich richtet Lewis sein Augenmerk, auch im Hinblick auf weitere
mögliche kurzfristig Absagen Tysons, nun wieder auf den WBC-Weltranglisten-Ersten
Vitali
Klitschko (BP-Nr.6). Adrian Ogun, Lewis' Manager,
hatte erst in der vergangenen Woche erklärt: "Der Kampf gegen
Vitali ist überhaupt nicht vom Tisch. Wir stehen nach wie vor in engen
Verhandlungen mit Universum-Manager Klaus-Peter Kohl. Nach dem Tyson-Kampf
werden wir unsere endgültige Entscheidung bekannt geben."
Dienstag,
18. Februar: Meinungsumschwung bei Tyson
Verrückte
Boxwelt: Der vor nicht einmal 24 Stunden abgesagte Schwergewichtskampf
zwischen Ex-Weltmeister "Iron" Mike
Tyson (BP-Nr.5) und seinem US-Landsmann Clifford
Etienne soll nun doch wie ursprünglich geplant am Samstag stattfinden.
"Mike wachte heute morgen auf und sagte Shelly Finkel, dass er kämpfen
will," sagte Trainer Freddie Roach gegenüber Fightnews.
Tyson soll noch am Dienstagabend in Memphis, dem Austragungsort des Fights,
eintreffen. "Ich werde mit Mike dort sein. Natürlich mache ich
mir Sorgen um ihn, aber ich weiß, dass er wirklich kämpfen will,"
so die Einschätzung des Trainers. "Wir haben zwar seit Mittwoch
nicht trainiert, aber Mike hat eine gute Grundlagenkondition. Wir hatten
fünf gute Wochen. Durch seine Krankheit hat er etwas an Substanz verloren.
Aber wir kommen, um zu gewinnen." Offensichtlich haben sich die
diffusen Krankheitssymptome des Ex-Weltmeisters über Nacht stark
gebessert. "Mike hat die Entscheidung getroffen, den Kampf zu
machen," erklärte Roach. Im gegnerischen Lager hatte man anscheinend
mit der Überraschung gerechnet. Promoter Leslie Bonano und Etienne
trafen trotz der Absage heute in ihrem Hotel ein. Bonano zeigte sich genervt
von der Entwicklung: "Ich habe es euch gesagt: Das war alles nur
ein Trick, ein kompletter Schwachsinn!"
Mittwoch,
19. Februar: Jetzt will Etienne nicht mehr...
Eines
der vermeintlichen "Naturgesetze des Boxens" ist seit dieser
Woche wieder überdeutlich zu bestaunen: Wenn Mike
Tyson (BP-Nr.5) in einem Kampf involviert ist, sind die
kommenden Geschehnisse unvorhersehbar. Nach der Kampfabsage des US-Amerikaners
und seinem kurz darauf folgenden Meinungsumschwung, hat nun sein Gegner
Clifford
Etienne (Foto) angekündigt, nicht mehr gegen den Ex-Weltmeister
im Schwergewicht antreten zu wollen. Etienne zeigte sich gegenüber
einigen Medienvertretern sehr verärgert über die Art und Weise,
mit der er von Tyson und seinem Team in den letzten Tagen verunsichert
worden war. In einem Boxingtalk-Interview sagte der 30-Jährige: "Ich
werde am Samstag nicht gegen ihn kämpfen. Ich habe nicht nach den
Regeln von Mike Tyson zu leben, ich treffe meine eigenen Entscheidungen."
Das Chaos der vergangenen Tage diente nach Ansicht Etiennes einzig dem
Zweck, ihn aus dem Konzept zu bringen. Nach der ursprünglichen Absage
von Tyson sei er nicht mehr in der mentalen Verfassung, um am Samstag
in den Ring zu steigen. "Ich bin ein echter Sportsmann und ich
stehe zu meinem Wort. Ich habe zwei Monate hart trainiert, war bereit
für den Kampf und habe einiges durchgemacht. Dann hat Tyson den Kampf
abgesagt und ich war am Boden zerstört. Die Leute, die wirklich Ahnung
vom Boxen haben, wissen: Wenn man einmal aus diesem Bereich herauskommt,
ist man draußen. Ich habe zwei Monate dafür gearbeitet, meinen
Körper und meinen Geist in diesen Bereich zu bringen." Les
Bonano, Manager von Etienne, bestätigte die Ankündigung seines
Schützling. "Geld bedeutet Clifford nichts. Er wird nicht kämpfen.
Das ist offiziell," berichtete der Manager. Zum kompletten Clifford
Etienne-Interview geht es hier...
Es bleibt eine plausible Vermutung, dass Etienne nur um eine höhere
Kampfbörse pokern will. Andererseits wirkt der US-Amerikaner aber
wild entschlossen, zu seinem Wort zu stehen. Daher sucht man im Tyson-Lager
händeringend einen möglichst gleichwertigen Ersatzgegner. Shannon
Briggs hat sich bereits ins Gespräch gebracht, würde
sofort einspringen. Der Kampf scheint für Tyson nun doch wichtiger,
als es zuvor den Anschein hatte. Motiv dafür dürften auch und
vor allem finanzielle Gründe sein. Nach Premiere-Informationen erhält
der hoch verschuldete Tyson die finanziellen Zuwendungen seines Haussenders
Showtime nicht nur in Form von einmaligen Kampfbörsen, sondern
auch auf monatlicher Basis. Und diese Zahlungen drohte Showtime im Falle
einer Kampfabsage einzustellen.
Mittwoch,
19. Februar: Etienne besinnt sich, der Kampf steht
Wäre
in dieser Woche nicht der nächste Gegner von WBO-Weltmeister Dariusz
Michalczewski bekannt gegeben worden, so hätte sich die BoxingPress-Redaktion
ernsthaft mit dem Gedanken auseinander setzen müssen, ihren Namen vorübergehend
in "Tysonpress" abzuändern. Denn wenn ein Kampf von Ex-Weltmeister
Mike
Tyson (BP-Nr.5) bevorsteht - und sei er noch so unbedeutend
- scheinen die Gesetze des Boxsports vorübergehend außer Kraft
gesetzt. Wie US-amerikanische Medien nun berichten, hat der Kampf zwischen
Tyson und Clifford
Etienne außerhalb des Seilgevierts vorläufig mit einem
Unentschieden geendet. Denn nachdem Tyson in dieser Woche das Duell bereits
einmal abgesagt und sich dann wieder umentschieden hatte, vollzog nun auch
Etienne denselben beachtlichen Meinungswechsel. Seinen vollmundigen Ankündigen
vor wenigen Stunden ("Ich werde am Samstag nicht gegen ihn kämpfen.
Ich habe nicht nach den Regeln von Mike Tyson zu leben, ich treffe meine
eigenen Entscheidungen.") ließ der US-Amerikaner keine Taten
folgen. Ganz im Gegenteil: Auch Etienne wird - vorausgesetzt, dieses Possenspiel
vollzieht keine weitere unerwartete Wendung - am Samstag in den Ring der
Pyramid-Arena in Memphis steigen. Der 30-Jährige teilte seinem Manager
Les Bonano mit, er werde nun doch ins Gym zurückkehren und am
Samstag gegen Tyson antreten. Alle Beteiligten zeigten sich erleichtert,
dass es nun wohl doch wie geplant zu diesem Aufeinandertreffen kommen wird.
Samstag,
22. Februar: Tyson gewinnt durch KO in Runde eins
Ex-Weltmeister
Mike
Tyson (BP-Nr.5) ist wieder im Geschäft. Der 36-Jährige
besiegte seinen Aufbaugegner Clifford
Etienne in der Pyramid Arena zu Memphis durch KO nach 49 Sekunden
in Runde eins. Seine Fans erlebten ihr Idol in der Kürze der Zeit
sehr aggressiv und beweglich im Ring, dennoch besitzt der Kampf wenig
Aussagekraft. Etienne, der zunächst gut mitgehalten und Tyson auch
getroffen hatte, ging beim ersten klaren Treffer schwer zu Boden. Ein
kurzer rechter Haken Tysons besiegelte das vorzeitige Ende des US-Amerikaners,
der danach keinerlei Anstalten mehr machte, rechtzeitig vom Ringboden
aufzustehen. Immerhin hatte Etienne die Muße, am Boden liegend seinen
Mundschutz herauszunehmen - ein offensichtliches Zeichen dafür, dass
der überforderte 30-Jährige im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte
entschied, den Kampf nicht noch einmal aufnehmen zu wollen.
Dieser
schnelle Sieg ist ein wichtiger Erfolg für Tyson, der erneut seine
immense Schlagkraft unter Beweis stellte, ansonsten aber wenig Aufschluss
über seine noch vorhandenen Fähigkeiten lieferte. Weit aussagekräftiger
präsentierte sich "Iron Mike" im Postfight-Interview. Auf
die Frage nach einem nun möglichen Rematch gegen Weltmeister Lennox
Lewis (Foto, BP-Nr.1) entgegnete Tyson: "Ich habe
kein Interesse, wieder von ihm verprügelt zu werden. Ich brauche
zwei weitere Kämpfe, bevor ich nochmal gegen ihn antrete,"
so Tyson. Dies legt zum einen die Vermutung nahe, dass der Ex-Champ seine
derzeitigen Möglichkeiten realistisch einzuschätzen weiß
und vorerst lieber ein oder zwei sichere Zahltage hinter sich bringen
will. Zum anderen darf man nun den kommenden Wochen entspannt entgegen
sehen, in denen Lewis offiziell bekanntgeben will, gegen wen sein nächster
Kampf stattfinden wird.
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