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Ulrich vs. Rocchigiani - Pressetraining und Vorschau
aus Stuttgart berichtet Dr. Constantin Hofmann


Ein Festzelt auf dem Cannstatter Wasen, Ort des Stuttgarter Frühlingsfestes, war Schauplatz des Pressetrainings für den bevorstehenden Universum-Kampfabend am Samstag in der Hanns-Martin-Schleyer-Halle. Während Graciano Rocchigiani auch an diesem Tag wie schon auf der Pressekonferenz (BoxingPress berichtete) die Rolle des Spielverderbers spielte und dem Publikum nichts zeigte, demonstrierten die anderen drei Hauptakteure, darunter Rocky-Gegner Thomas Ulrich (BP-Nr.17), umso mehr von ihrem Können.

Den Anfang machte Silke Weickenmeier, die sich freundlich, gutgelaunt und in bester Verfassung zeigte. Auf die Playboy-Fotos von Regina Halmich angesprochen meinte sie, dass sie sich so etwas durchaus auch vorstellen könne, schließlich habe sie als austrainierte Sportlerin nichts zu verbergen. Im Training zeigte sie Seilspringen und Pratzenarbeit.

Die aus Bulgarien stammende blonde Daisy Lang warf sich zunächst mit Trainer Michael Timm gegenseitig die Pratzen zu und überzeugte danach durch aggressive Pratzenarbeit. Sie sagte, sie freue sich sehr, wieder in Stuttgart zu kämpfen, wo sie schon einmal geboxt habe. Auf die Frage, ob ihre Verletzung gut ausgeheilt sei oder es diesmal wieder ein Unentschieden gegen Weickenmeier gebe, meinte Lang, sie werde die Antwort hierauf am Samstag im Ring geben.

Das Interesse des Bierzeltpublikums richtete sich dann, ebenso wie das der Pressevertreter, auf Rocky, der mit bandagierten Händen zusammen mit seinem Bruder und Trainer Ralf Rocchigiani in den Ring kletterte. Wer sich dann jedoch erste Aufschlüsse über die derzeitigen körperlichen Fähigkeiten Rockys erhoffte, wurde enttäuscht: Der Berliner spielte auch an diesem Tag die Rolle des "Bad Boy" und erklärte, er werde nichts im Ring zeigen. Grund hierfür sei, dass für diesen Tag um 16.30 Uhr sein persönliches Training angesetzt sei und ihm das zweieinhalb Stunden früher stattfindende Schautraining daher nicht in den Kram passe. Immerhin ließ er sich noch einige Statements entlocken: Er rechne mit einem Kampf über 12 Runden; wenn es zu seinen Gunsten früher vorbei sei, sei ihm das auch recht. Er freue sich auf den Kampf und sei zuversichtlich. Trainer Ralf ergänzte, man habe das Training im Wesentlichen abgeschlossen und werde nur noch am Donnerstag einen lockeren Lauf machen.

Als letzter der vier Hauptkämpfer des kommenden Samstags betrat Thomas Ulrich mit Trainer Fritz Sdunek den Ring. Ulrich machte zuerst Seilspringen, anschließend das schon von Daisy Lang bekannte Zuwerfen der Pratzen und dann die berüchtigte Konzentrationsübung von Sdunek, bei der Ulrich einen vom Trainer gehaltenen und plötzlich losgelassenen Tennisball auffangen musste, wobei er die Hände in der Ausgangsposition über den Händen von Sdunek hielt. Dies ist wesentlich schwieriger als es aussieht und darf gerne zu Hause ausprobiert werden. Zuletzt zeigte Ulrich dann schnelle aggressive Pratzenarbeit, die beim Publikum Gefallen fand angesichts des bis dahin doch eher actionarmen Schautrainings und der enttäuschenden Vorstellung Rockys.

Im Interview mit Jean-Marcel Nartz wurde dieser nach seiner Einschätzung gefragt, ob denn der Kampf am Samstag wirklich Rocchigianis letzter Auftritt im Ring werden würde. Nartz dazu: "Wenn Rocky am Samstag verliert, hört er auf. Wenn er gewinnt und die 31 Millionen US-Dollar vom WBC erhält, hört er auch auf. Wenn er aber gewinnt und die 31 Millionen nicht kriegt, dann boxt er weiter.". Nartz rechnet selbst nicht damit, dass Rocky vom WBC (World Boxing Council) noch Geld sieht. Der Ausgang des Duells mit Ulrich am Samstag sei dagegen völlig offen. Nartz bestätigte, dass ihn mit Rocky eine gewisse emotionale Beziehung verbinde, schließlich handele es sich bei dem Berliner Charakterboxer um einen langjährigen Weggefährten.

Angesichts der Auftritte Rockys in dieser Woche in Stuttgart bleibt dem interessierten Boxfan nur die Hoffnung, dass der Berliner es in sportlicher Hinsicht noch einmal wissen will und ernsthaft in diesen Kampf geht. Nichts wäre für den deutschen Boxsport schädlicher als ein schlecht vorbereiteter Rocky, der nach einigen Runden mit einer "Ick bin satt"-Mentalität aus dem Kampf aussteigt. Ein großer Sportler wie Graciano Rocchigiani, dem sicherlich manches Mal in seiner Karriere übel mitgespielt wurde, sollte sich einen würdigen Abgang verschaffen und zumindest alles tun für einen Sieg. Ob Rocky den Kampf dann tatsächlich gewinnt, ist für seine boxerische Lebensleistung nicht mehr entscheidend.

Die BoxingPress-Redaktion geht aufgrund der Frische, der besseren Kondition, des Ehrgeizes und des Hungers von Thomas Ulrich, für den es in diesem Kampf um viel mehr geht als um den WBC-Intercontinental-Titel, von einem deutlichen Sieg von Ulrich aus, möglicherweise sogar vorzeitig in den hinteren Runden, falls Rocky das Tempo von Ulrich nicht bis zum Schluss mitgehen kann. Die Routine, Erfahrung und seine kompakte Doppeldeckung mag Rocchigiani helfen, über die Runden zu kommen. Ob der Mann, der nur noch wegen des Geldes boxt, den erforderlichen Willen zum Sieg hat, darf bezweifelt werden. Die Jugend und die Schlagkraft Ulrichs müssten sich aller Voraussicht nach durchsetzen.

 

 
     

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