Zurück
Forum
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Die internationalen "Absteiger des Jahres 2001":


Platz
Name
Prozent
1.
Herbie Hide
21,78 %
2.
David Tua
13,74 %
3.
Michael Grant
11,84 %
4.
David Reid
8,67 %
5.
Naseem Hamed
8,25 %
6.
Evander Holyfield
7,82 %
7.
Michael Bennett
4,86 %
7.
Felix Trinidad
4,86 %
9.
Zab Judah
4,23 %
10.
Henry Akinwande
2,75 %
---
weitere...
11,21 %


von Steffen Kuhnt

Die Liste der von den BoxingPress-Lesern gewählten "Absteiger des Jahres 2001" wird nicht nur eindeutig von Schwergewichtlern dominiert, sondern offenbart auch einige Überraschungen, was Zusammensetzung und Reihenfolge angeht:

• Auf Platz Nr. 10 wählten unsere Leser mit 2,75 % Henry Akinwande. Zwar stehen für "Huggin’ Henry" im vergangenen Jahr immerhin zwei Siege und eine KO-Niederlage zu Buche, diese wiegt jedoch in den Augen vieler Fans wohl weitaus schwerer als Erfolge über Leute wie Maurice Harris oder Peter McNeeley. Zwar lag Akinwande auch gegen Oliver McCall auf den Punktezetteln vorn, eine schwere Rechte des "Atomic Bulls" in der letzten Runde verurteilte dies jedoch zur Bedeutungslosigkeit. Aufgrund seines absolut unattraktiven Stils dürfte es der Brite nunmehr schwer haben, in Zukunft noch lukrative Angebote zu bekommen.

Zab Judah dürfte nach seiner letzten Vorstellung überglücklich sein, mit gerade einmal 4,23 % nur Platz 9 zu belegen. Vom gehypten Möchtegern-Star zur Lachnummer ohne Stil bedurfte es nur zweier schwerer rechter Hände seines letzten Gegners Kostya Tszyu. Mit seinen Unsportlichkeiten im Ring hat der Rechtsausleger viele Fans verloren. Judahs Talent bleibt unumstritten, aber angesichts des hohen Leistungslevels gerade in dieser Gewichtsklasse (Halbweltergewicht) erscheinen einige Fragezeichen hinter den Zukunftsaussichten des Mannes aus Brooklyn durchaus angebracht.

Nicht unbedingt die Niederlage an sich, sehr wohl jedoch die Klarheit derselben waren eine Überraschung, als Felix Trinidad von Bernard Hopkins seine Grenzen aufgezeigt bekam. Hopkins bescherte sein Erfolg den Titel des "Boxers des Jahres", während sich Tito nunmehr in der Absteiger-Liste wiederfindet. Mit 4,86 % liegt er hier gleichauf mit Schwergewichtler Michael Bennett, wobei man objektiv sagen muß, daß der Ex-Olympionike wahrscheinlich weitaus tiefer abgestiegen ist als der Mega-Star aus Puerto Rico, zeugen doch KO-Niederlagen gegen absolut unbekannte Gegner kaum von nennenswertem Star-Potential.

Es ist immer eine traurige Sache, wenn ganz Große eines Sports nicht wissen, wann es Zeit ist, aufzuhören. Nach zwei knappen Kämpfen gegen John Ruiz sollte nunmehr auch Evander Holyfield erkannt haben, daß er diesen Zeitpunkt wohl um mindestens ein Jahr verpaßt hat, die Erfahrung lehrt jedoch, daß dem kaum so sein wird. Für seine Verhältnisse schwache Leistungen gegen einen Gegner, der in seiner guten Zeit kaum drei Runden überstanden hätte waren den BoxingPress-Lesern immerhin 7,82% ihrer Stimmen und somit Platz 6 wert.

Hochmut kommt vor dem Fall – und daß vor allem von sich selbst mehr als überzeugte Charaktere besonders tief stürzen, bekam "Prince" Naseem Hamed im vergangenen Jahr deutlich zu spüren. Gegen Marco Antonio Barrera hatte der Brite fast nie eine Chance und wurde von dem von vielen Fans und Experten in diesem Match sehr unterschätzten Mexikaner nach allen Regeln der Kunst vorgeführt – Platz 5 mit 8,25% waren nur eine Folge davon, ist es doch in den vergangenen Monaten mehr als ruhig um den selbsternannten Prinzen geworden.

Es scheint so, als stellte die schwere Niederlage gegen Felix Trinidad das de-facto-Ende der Karriere von David Reid dar. Einstmals ein umjubelter Goldmedaillengewinner, ist der "American Dream" heute nur noch ein mittelmäßiger Boxer unter vielen. Die nächste Niederlage scheint nur noch eine Frage der Zeit zu sein, denn sehr schwache Leistungen gegen Journeymen, gekrönt von einer KO-Niederlage gegen Sam Hill können nichts Gutes bedeuten, und man kann nur hoffen, daß zumindest die Gesundheit eines sympathischen jungen Mannes nicht so nachhaltig geschädigt wird wie seine Position in seinem "Job". Auf Platz 4 (8,67 %) wird die Luft langsam dünn für Reid...

Zwei herbe KO-Niederlagen in Folge stehen nunmehr für Michael Grant zu Buche, und nicht einmal seine überzeugtesten Fans dürften diesen nun noch als designierten Thronerben im Schwergewicht bezeichnen. Der erste Treffer seines Gegners Jameel McCline bedeutete das vorläufige Ende seines Comebacks, und Grant muß sich jetzt wohl auf schwer absehbare Zeit damit abfinden, erheblich kleinere Brötchen zu backen. Plazierung: #3 mit 11,84%, Zukunftsfaktor: sehr fragwürdig. Vollends abschreiben sollte man den US-Amerikaner angesichts mangelnder Konkurrenz im Schwergewicht jedoch nicht.

Nach seiner klaren WM-Niederlage gegen Champion Lennox Lewis hatte David Tua in diesem Jahr einiges wiedergutzumachen. Nach einem insgesamt eher durchwachsenem KO-Sieg über Danell Nicholson wurde er jedoch von einem physisch klar unterlegenen Chris Byrd erneut boxerisch vorgeführt und gilt seitdem in Expertenkreisen nicht mehr als einer der führenden Contender seiner Division. Zwar wird der gebürtige Samoaner auch in Zukunft schon allein aufgrund seiner Schlagkraft ein gefährlicher Gegner für die meisten Schwergewichtler sein, für mehr oder in diesem Fall besser gesagt weniger als Platz 2 (13,74 %) in den BoxingPress-Charts reicht es momentan aber nicht.

"Gewinner" in der Kategorie "Absteiger des Jahres" ist nach Ansicht der BoxingPress-Umfrageteilnehmer mit stolzen 21,78 % Herbie Hide. Noch vor wenigen Jahren galt Hide als gefürchteter Puncher, der in allen Schwergewichts-Rankings unter den Top10 auftauchte. Doch es ist eine Sache, verängstigte Gegner zu verprügeln, wie dies der Brite sehr gut beherrschte, eine völlig andere jedoch, für echte Gegenwehr gewappnet zu sein. Nach seiner Niederlage gegen Vitali Klitschko schien sein Comeback (KO3 gegen Alexej Osokin) zunächst planmäßig zu verlaufen, nur um dann gegen Journeyman Joseph Chingangu (!!) bereits in Runde 2 demütigend zu enden. Für den "tanzenden Zerstörer" scheint die Zeit reif zu sein, seine Karriereplanung ernsthaft neu zu überdenken...

Nicht in den Top-10 enthalten, aber ebenfalls erwähnt wurden Oleg Maskaev, Carl Thompson, Pernell Whitaker, Glenn Catley, Mike Tyson, Diego Corrales (eigentlich ein 100%iger Kandidat für einen Spitzenplatz), Cesar Bazan, Robert Davis und Lehlohonolo Ledwaba.

Es fällt auf, dass Naseem Hamed, Felix Trinidad und Zab Judah trotz ihrer desaströsen Niederlagen nicht an der Spitze der Absteiger auftauchen. Dies dürfte entscheidend damit zusammenhängen, dass alle drei Boxer gegen absolute Weltklasse-Gegner im Ring standen und eine Niederlage einkalkuliert werden musste. Die BoxingPress-Leser scheinen dies honoriert zu haben.

Werfen wir noch einen Blick zurück auf die Absteiger des Jahres 2000: Evander Holyfield, Michael Grant und David Tua "gelang" es, sich in diesem Jahr erneut zu platzieren. Dabei verzeichneten Grant und Tua die wohl größte Abwärtsentwicklung. Hatte man ihnen im Jahr 2000 nach ihren Niederlagen gegen Lennox Lewis vorerst nur das Prädikat "Weltklasse" entziehen müssen, zeigte sich im vergangenen Jahr, dass vielleicht auch eine Einstufung in die "Internationale Klasse" nicht mehr zutreffen mag.

Die "Vorjahressieger" Andrew Golota, Graciano Rocchigiani und Fabrice Tiozzo sind im Jahr 2001 gar nicht mehr oder nur noch unbedeutend im Ring in Erscheinung getreten. Ihre Karrieren scheinen, bis auf die Tiozzo's, praktisch beendet. Aus den Top9 des Jahres 2000 konnten sich lediglich Oscar De La Hoya und Vitali Klitschko im Jahr 2001 größtenteils rehabilitieren, wovon jedoch auszugehen war. De La Hoya ist inzwischen wieder Weltmeister und auf dem Weg zurück an die P4P-Spitze, Klitschko steht nach Siegen gegen durchschnittliche Gegner vor einem erneuten WM-Kampf in diesem Jahr.


Die "nationalen Absteiger des Jahres 2001":


Platz
Name
Prozent
1.
Graciano Rocchigiani
43,04 %
2.
Thomas Ulrich
20,25 %
3.
Istvan Kovacs
13,92 %
4.
Timo Hoffmann
8,86 %
5.
Rüdiger May
6,33 %
6.
Mario Veit
3,80 %
7.
Nordin Ben Salah
1,27 %
7.
Mario Lupp
1,27 %
7.
Zoltan Lunka
1,27 %

von Ingo Barrabas

Mit riesigem Abstand wählten die BoxingPress-User überraschend Graciano Rocchigiani zum "nationalen Absteiger" des Jahres. Diese Ehre wurde ihm bereits im vergangenen Jahr zuteil, Rocky verteidigt diesen Titel also "erfolgreich"... Auf den weiteren Plätzen folgen Thomas Ulrich und Istvan Kovacs.

Den 7.Platz teilen sich Mario Lupp, Zoltan Lunka und Nordin Ben-Salah. Damit würdigten die BP-Leser die peinlichen Ausstiege von Mario Lupp gegen Stephan Trabant und Felix Sturm. Der Verband tat dies übrigens auch und sperrte den notorischen Verlierer wegen seiner "Verdienste" bis Ende 2002. Fliegengewichtler Zoltan Lunka wurde dagegen bei seinem ersten WM-Anlauf von WBO-Titelträger Fernando Montiel in 7 Runden auseinandergenommen. Damit scheint "die graue Maus" in der Versenkung zu verschwinden. Einen harten sportlichen Abstieg musste auch "Fighting" Nordin Ben Salah erleben, als er gegen den Ex-Weltergewichtler Mxoli Msutu überraschend durch KO in der 9. Runde verlor. Nordin wirkte in diesem Kampf völlig von der Rolle und es wird einige Zeit dauern, bis er sich auch psychisch von diesem Kampf erholt hat.

Wie schon Zoltan Lunka musste auch Mario Veit bei seinem ersten WM-Kampf feststellen, dass die Früchte international höher hängen. Von WBO-Supermittelgewichts-Champ Joe Calzaghe wurde er im April innerhalb einer Runde überrollt. Von den markigen Sprüchen seines Managements blieb nach dem Auftritt auf der Insel nicht mehr viel übrig. Ein Umstand der Veit mehr als Platz 6 hätte einbringen können... Immerhin zeigte der Cottbusser auf nationaler Ebene seine Siegerfähigkeiten und gewann in der zweiten Jahreshälfte Duelle gegen Ahmed Öner und Talel Santiego, nachdem er gegen den Niederländer zuvor Bekanntschaft mit dem Ringboden machte. 

Für Rüdiger May begann das Boxjahr recht erfolgreich, schließlich feierte er Punktsiege gegen Lee Osie, Henri Mobio und Firat Arlsan. Insbesondere der gute Fight gegen den stark eingeschätzten Arslan brachte May Respekt ein, der ihm jedoch bei seinem EM-Kampf gegen Alex Gurov nicht weiterhalf. Konnte Rüdiger May gegen den Ukrainer, der zuvor die Laufbahn seines Bruders beendete, die ersten Runden noch gewinnen, ging er nach den ersten kraftvollen Aktionen des Titelverteidigers in die Defensive und wartete förmlich auf den entscheidenden Schlag, der dann auch nicht mehr lange auf sich warten ließ. Was viele wussten, hat sich in diesem Kampf bestätigt: International wird May keine Rolle spielen, die BP-User würdigten dies mit Platz 5.

Auf Platz 4 rangiert Timo Hoffmann, der sich trotz eigener hoher Ansprüche gegen den Briten Michael Sprott zweimal im Jahr 2001 blamierte. In London verlor Hoffmann gegen den Briten nach Punkten, revanchierte sich im Rückkampf einen Monat später nur durch einen schmeichelhaften Punktsieg. Hoffmann hat weiterhin ein großes Mundwerk, die Umsetzung im Ring dagegen lässt weiter auf sich warten... Mit Manfred Wolke will der Eislebener nun wieder zurück in die Erfolgsspur finden und boxt im März gegen den ungeschlagenen Balu Sauer aus dem Universum-Stall.

Den dritten Platz erzielte der symphatische Ungar Istvan Kovacs, der im Januar erwartungsgemäß gegen Antonio Diaz Federgewichts-Weltmeister nach Version WBO wurde. Doch seine Regentschaft endete schon bei seiner ersten Titelverteidigung. Dabei schockierte weniger die Tatsache, *dass* Kovacs verlor, sondern die brutale Art und Weise. Völlig überheblich und arrogant lächelte der Ungar in seiner Heimatstadt den Herausforderer Chacon aus. Dies allerdings nur bis zur sechsten Runde, denn da war das Gefecht zu Ende. Der Argentinier hatte sich erlaubt zurückzuschlagen, das Lächeln in Kovacs Gesicht wich nach den drei Niederschlägen bitteren Tränen. Nichts war es mit dem vehement geforderten Kampf gegen Prince Hamed. Und wieder einmal hatten sich die vollmundigen Ankündigen eines Hamburger Großgastronomen als Bumerang erwiesen... 

...genauso wie bei dem zweitplatzierten Thomas Ulrich, der von der Mehrzahl der deutschen Medien nach seinem Sieg gegen Gabriel Hernandez als kommender Mann im Halbschwergewicht präsentiert wurde und sich nach seiner deprimierenden KO-Niederlage gegen Glencoffe Johnson nun hinten anstellen darf. Seine anscheinend nicht zu beseitigenden Deckungslücken wurden dem Berliner in dessen Heimatstadt schließlich zum Verhängnis.

• Zum Verhängnis wurde Graciano Rocchigiani dagegen wohl nicht ein schwacher Auftritt im Ring. Gegen Willard Lewis gewann er Anfang 2001 nach Punkten, bot aber eine seiner schlechtesten Leistungen und wirkte völlig ausgebrannt. Dem "Entfant terrible" nehmen aber wohl viele Fans seine Entgleisungen außerhalb des Boxrings übel. Diese gipfelten im vergangenen Jahr in einer erneuten Polizisten-Prügelei, die Rocky schlußendlich in den Knast brachten. So kommt Graciano zu dem zweifelhaften Ruhm seinen Titel als "Absteiger des Jahres" erfolgreich verteidigt zu haben. Rein aus sportlicher Sicht betrachtet hätten den Titel aber auch andere verdient...

Beim Blick zurück auf die nationalen "Absteiger" des Jahres 2000 fällt auf, dass bereits drei Boxer seitdem ihre Profi-Karriere beendet haben. Torsten May, Kim Weber und Zeljko Mavrovic hängten aus sportlichen und gesundheitlichen Gründen die Handschuhe an den Nagel, auch Ahmed Kotiev stieg seither nicht mehr in den Ring. Willi Fischer, Vitali Klitschko und Markus Beyer haben mit mehr oder minder großen sportlichen Erfolgen ihre Karrieren noch einmal in die richtigen Bahnen gebracht. Fischer gewann seinen Comeback-Fight und wurde zugleich "Weltmeister" des kleinen Verbandes WBB. Beyer darf am Ende des Jahres erneut um die WM im Supermittelgewicht boxen, ohne sich dafür über entsprechende sportliche Leistungen qualifiziert zu haben. Klitschko ist ebenfalls auf dem Weg zu einer erneuten WM-Chance.


Und hier geht es zu den "Kämpfen des Jahres 2001"...

 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2002 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.com veröffentlicht werden.
Jeder Verstoß gegen diese Bestimmungen ist urheberrechtswidrig und daher strafbar.
GOWEBCounter by INLINE