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Die schlechtesten Kämpfe des Jahres 2001 auf internationaler Ebene:
von
Karsten Knöchlein Auf Platz 2 landete wieder einmal ein Auftritt von "Iron Mike": Mike Tyson vs. Brian Nielsen. Wirklich kein boxerischer Leckerbissen, denn Nielsen fand im ganzen Kampf kein Konzept gegen einen übergewichtigen Tyson und verlor Runde um Runde, eher er in der 7. Runde aufgab. Ermüdend war zudem, dass Nielsen ständig versuchte, "Iron Mike" mit schmutzigen Tricks aus dem Konzept zubringen. Man kann nur hoffen, dass es jetzt endlich zum Kampf gegen Lennox Lewis kommt, damit der Boxfan von weiteren, ermüdenden Aufbaukämpfen verschont bleibt. Auch Bernard Hopkins, der neue Superstar des Mittelgewichts, muß leider eine kleine Niederlage einstecken, denn sein Kampf gegen Keith Holmes wurde an die dritte Position der Umfrage gewählt. Hopkins hatte in seiner Karriere schon einige Langeweiler abgeliefert, doch der Kampf gegen Holmes war der zweifelhafte Höhepunkt. Dies lag allerdings auch und vor allem an Holmes, der sich zwölf Runden lang auf der Flucht befand, während Hopkins nur auf die wenigen Gelegenheiten wartete, seinen Gegner am Seil zu stellen und in ein Infight-Duell zu verwickeln. Dass es dabei zu einigen Tiefschlägen und Fouls kam, setzte der Unansehnlichkeit des Kampfes die Krone auf. Auch Tim Witherspoon vs. Monte Barrett und Roy Jones vs. Julio Gonzalez erhielten von den BP-Usern einige Stimmen. Während Witherspoon und Barrett es über zehn Runden hinweg zu beinahe gar keinen Kampfhandlungen kommen ließen, war der Kampf zwischen Jones und Gonzalez so einseitig, wie die meisten der Jones-Kämpfe. Besonders enttäuschend war jedoch, dass es Jones wiederum nicht gelang, seine drückende Überlegenheit in einen vorzeitigen Sieg umzusetzen.
Die
schlechtesten Kämpfe des Jahres 2001 auf nationaler Ebene:
von Dr. Constantin
Hofmann
Um Unprofessionalität geht es auch im zweitplatzierten schlechtesten Kampf des Jahres, Joe Calzaghe vs. Mario Veit. Unprofessionell war dabei nicht ein Boxer, sondern die Aufbaupolitik der Verantwortlichen des Universum-Boxstalls, die einen Mann wie Mario Veit sehenden Auges ins Verderben rennen ließen. Seinen auf dem Papier imposanten Kampfrekord von 30-0 hatte der Cottbusser ausschließlich gegen Fallobst und Aufbaugegner erboxt. In seinem Rekord fand sich kein einziger Supermittelgewichtler von zumindest durchschnittlichem Niveau. Trotz seiner dreißig Profikämpfe war Mario Veit letztlich ein ungeprüfter Herausforderer. Und genau diesen Mann ließ Universum gegen die Nr. 1 im Supermittelgewicht, den WBO-Weltmeister Joe Calzaghe aus Großbritannien antreten. Obwohl Veit sich physisch zweifellos in hervorragender Verfassung befand, kam es so, wie die meisten Experten befürchtet hatten: Veit ging mit Pauken und Trompeten unter, und zwar noch schneller als erwartet. Bereits in der ersten Runde war alles aus. Schon nach einer Minute fing sich der ängstlich wirkende Veit einen linken Haken des Weltmeisters ein und musste zu Boden. Von da ab nur noch im Rückwärtsgang boxend, fand sich Veit nach kurzer Zeit erneut im Ringstaub wieder. Schwer mitgenommen rappelte er sich noch einmal auf, wurde dann aber nach einer weiteren Schlagserie von Calzaghe vom Ringrichter Nelson zu Recht aus dem Kampf genommen.
Der dritte Platz in der Wahl unserer Leser für den schlechtesten Kampf 2001, ein weiterer Erstrunden-KO, hätte nach Meinung von Teilen der Boxingpress-Redaktion durchaus noch höher platziert sein dürfen. Denn während Mario Veit grundsätzlich zum Kämpfen und Siegen gekommen war, war bei Mario Lupp weder das eine noch das andere der Fall. Felix Sturm war bei einer Veranstaltung im Hamburger Universum-Gym der Gegner abhanden gekommen und so wurde kurzfristig Lupp verpflichtet. Dieser ließ sich in der ersten Runde ohne erkennbare Treffer zu Boden fallen und auszählen. Sicherlich hatte niemand in der Halle erwartet, dass Lupp sich als ebenbürtiger Gegner von Felix Sturm präsentieren würde. Dazu hatte der Mann, der seit Jahren als Verlierer eingekauft wird, bereits zuvor schon traurige Bekanntheit erlangt. Doch wie tief muss das Selbstwertgefühl eines Boxers sinken, wenn er nicht einmal versucht, seine Chance zu nutzen, und wenn es nur ist, um den Zuschauern einen Gegenwert für ihr Eintrittsgeld zu liefern? Platz 4 in der Wahl unserer Leser fiel auf das Duell zwischen dem Berliner "enfant terrible" Graciano Rocchigiani und Willard Lewis aus Kanada. Vermutlich ist die Enttäuschung unserer Leser über Rockys körperliche Verfassung und die Wahl seines Gegners verantwortlich für diese Wahl. Lewis hatte seine letzten vier Kämpfe verloren und trat an mit einem Gewicht von ca. 83 kg, was bereits zeigte, dass er kein echter Cruisergewichtler sein konnte, denn normalerweise bleibt kein Boxer freiwillig 3 kg unter dem Gewichtslimit. Rocky selbst trat im Cruisergewicht an, weil er aufgrund von Disziplinlosigkeit und mangelndem Training das Halbschwergewicht nicht mehr bringen konnte. Anstatt sich dann wenigstens zu einem überzeugenden vorzeitigen Sieg zu boxen, mühte sich der nicht austrainierte Berliner zu einem langweiligen und wenig glanzvollen Punktsieg. Wenn Rocky jemals in seinem Boxerleben noch einen vernünftigen Kampf machen will, dann muss es ihm nicht nur gelingen, dem Knast fern zu bleiben, sondern sich auch wieder runter ins Halbschwergewicht zu trainieren. Das eine dürfte ihm so schwerfallen wie das andere. Im Cruisergewicht ist er jedenfalls chancenlos im Kampf um einen Titel. Rene Monse gegen Ralf Packheiser um die Internationale Deutsche Meisterschaft im Schwergewicht, Platz 5 in der Wahl unserer Leser, hätte eigentlich ein guter Kampf werden können. Doch statt dessen entschied Monse das langweilige Duell nach 8 Runden umstritten für sich. Beide Boxer verbrachten die meiste Zeit des Kampfes mit zögerlichem Schattenboxen, ehe sich bei Monse ein Cut auftat. Nach mehreren Treffern von Packheiser an die verletzte Stelle, drehte sich Monse einfach ab und gab damit -eigentlich- den Kampf nach den Statuten auf. Denn nur der Ringrichter oder der Ringarzt können einen Kampf aufgrund einer Verletzung offiziell abbrechen. Doch in Magdeburg hatte der Lokalmatador "Glück" und die Punktzettel wurden herangezogen. Dort lag Monse knapp vorn. Ein Beispiel für das Niveau, auf dem sich die deutsche Schwergewichtsszene leider bewegt. Platz 6 geht an den Kampf zwischen Markus Beyer und dem US-Amerikaner Shannon Landberg. Dieser Kampf war sportlich nicht wirklich schlecht, Beyer erzielte einen verdienten Punktsieg. Aber gemessen an den hochtrabenden Weltmeisterschaftsambitionen des Deutschen hätte dieser mehr zeigen müssen. Natürlich ist Landberg ein gerissener Ringveteran, der nicht so ohne weiteres auszuknocken ist. Aber Beyer glänzte nicht, Beyer tat das gerade Notwendige. Das mag reichen gegen Landberg; um gegen Leute wie Eric Lucas oder Byron Mitchell zu bestehen, wird der Deutsche aus dem Sauerland-Stall mehr zeigen müssen. Mit dem Leistungsniveau seiner Vorstellung gegen Landberg wird er nicht als Nachfolger von Sven Ottke präsentiert werden können. Für Teile der Boxingpress-Redaktion nicht ganz verständlich ist die Wahl des Kampfes Sven Ottke vs. James Butler (Platz 7) zu den schlechtesten Kämpfen 2001. Denn schlecht war dieser Kampf im Grunde nicht. Spricht vielleicht aus manchem unserer Leser die nicht zustande gekommene Schadenfreude, dass der vermeintlich starke Nr.1-Herausforderer Butler dem Deutschen in seiner Pflichtverteidigung nichts anhaben konnte? Ottke hatte den oft mit wilden Schwingern angreifenden Amerikaner den gesamten Kampf über im Griff und kontrollierte den zusehends verzweifelter werdenden Butler nach Belieben. Möglicherweise waren auch die ausbleibenden Niederschläge in den 12 Runden für die Wahl mitverantwortlich. Auf dem achten Platz schließlich findet sich der Kampf von Alexander Dimitrenko gegen Marcus Johnson. Der Ukrainer, frisch zum Universum-Boxstall geholt, absolvierte sein Profidebüt nicht nur in einem für ihn fremden Land, sondern auch gleich vor mehreren tausend Zuschauern und einer aufmerksamen Öffentlichkeit live im Fernsehen. Mit diesem Druck und dem allgemeinen Hype um ihn wurde der junge Ukrainer nicht fertig. Selten zuvor hat die Boxingpress-Redaktion in einem 4-Runden-Kampf so viele Innenhände und Schläge in den Nacken des Gegners gesehen wie an diesem Abend von Dimitrenko. Die ständig rutschende Hose seines amerikanischen Gegners machte den Kampf endgültig zur Lachnummer. Vom hochgelobten großen Talent des jungen Universum-Boxers war nichts zu erkennen. Dimitrenko agierte weder technisch besonders gut noch schien er über eine ordentliche Schlagkraft zu verfügen. Zudem kassierte er viele unnötige Treffer eines körperlich klar unterlegenen Gegners. Sollte es beim Anwerben etwa gereicht haben, dass er jung, groß und ukrainisch war? Wenn dies ausreichende Kriterien wären, hätten die Klitschkos sicherlich schon viele Nachfolger gefunden...
Und
hier weiter zu
den "KO's,
Comeback's und Überraschungen des Jahres 2001"...
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