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Die internationalen Aufsteiger des Jahres 2001:




Platz
Name
Prozent
1.
Bernard Hopkins
24,79 %
2.
Marco Antonio Barrera
15,81 %
3.
Fres Oquendo
13,03 %
4.
Hasim Rahman
10,26 %
5.
Jameel McCline
10,04 %
6.
Chris Byrd
7,91 %
7.
Fernando Montiel
3,63 %
7.
Francisco Bojado
3,63 %
---
weitere...
10,90 %

von Karsten Knöchlein

Keine große Überraschung stellt die Wahl von Mittelgewichts-Champion Bernard Hopkins zum "Aufsteiger des Jahres 2001" auf internationaler Ebene dar. Stand der Altmeister aufgrund seiner Eigenwilligkeit und den wenig inspirierenden Ring-Auftritten doch jahrelang im sportlichen Hintergrund. Der Sieg gegen P4P-Champion Felix Trinidad änderte diese Situation schlagartig und brachte Hopkins internationale Anerkennung.

• Platz 7 wird von zwei neuen Superstars der Boxszene geteilt. Zum einen geht er an den neuen Superstar des Fliegengewichts und aktuellen WBO-Weltmeister: Fernando Montiel. Montiel verteidigte seinen Titel in Deutschland gegen Zoltan Lunka aus dem Universum-Stall. Wohl ob dieses Auftritts waren die Stärken des kleinen Mexikaners den BP-Lesern noch in bester Erinnerung: Seine Beinarbeit, die Schnelligkeit und seine linke Führungshand wussten zu gefallen. Außerdem boxte Montiel sehr variabel und clever. Es war schlichtweg beindruckend, wie er mit Lunka einen erfahrenen Amateur-Weltmeister in dessen Heimat vorführte und regelrecht auseinandernahm. Danach folgten weitere erfolgreiche Titelverteidigungen gegen Juan Domingo Cordoba und Jose Lopez. Vielleicht klopft demnächst mit Fernando Montiel ein neuer Superstar an die Tür der P4P-Ranglisten - mit erst 22 Jahren könnte noch eine lange und erfolgreiche Karriere vor dem Mexikaner liegen.

• Ebenfalls auf Platz 7 findet sich der neue mexikanische Superstar und bereits jetzt hoch eingestufte Francisco "Panchito" Bojado (Foto). Der erst 18-jährige Bojado war noch im Jahr 2000 Mitglied des Olympia-Teams (Amateurbilanz: 168-15) und startete erst 2001 seine Profi-Karriere. Jeden seiner neun Profi-Kämpfe konnte Bojado gegen außergewöhnlich gute "Aufbaugegner" vorzeitig gewinnen. In den WBO-Rankings steht der Mexikaner bereits auf Rang sechs. Er boxt stets aggressiv, aber zugleich kontrolliert und ist mit einem sehr guten Auge ausgestattet. Es dürfte nicht verwundern, wenn Bojado noch in diesem Jahr eine WM-Chance erhalten würde. Schon jetzt wird er als zukünftiger Weltmeister und legitimer Nachfolger von Julio Cesar Chavez gehandelt. Der junge Mexikaner ist ein absolutes Ausnahmetalent und sollte in jedem Fall im Auge behalten werden.

• Auf dem 6. Platz rangiert im Jahr 2001 der sympathische Ex-WBO-Weltmeister Chris Byrd, dem ein Überraschungssieg gegen den großen Favoriten David Tua gelang. Zuvor hatte der 31-Jährige zudem Maurice Harris und David Vedder überzeugend besiegt. Byrd, der schon gegen Wladimir und Vitali Klitschko kämpfte und gegen Vitali sogar den WBO-Gürtel im Schwergewicht gewann, steht kurz vor einen erneuten WM-Kampf. Auch oder gerade weil er einen unorthodoxen Kampfstil pflegt, ist dem charismatischen Amerikaner noch einiges zuzutrauen.

Jameel McCline sicherte sich den 5. Platz. Wer hätte noch im Jahr 2000 damit gerechnet, dass McCline ein Jahr später Gegner wie Michael Grant und den hochgehandelten Lance "Goofi" Whitaker schlagen würde. McCline tummelte sich über Jahre hinweg im großen Becken der "Heavyweight Explosions" von Promoter Cedric Kushner, ohne dabei bedeutend in Erscheinung treten zu können. Doch "Big Time" McCline, der erst vor sechs Jahren mit dem Boxen begann und sich lange Zeit als Sparringspartner ein Zubrot verdiente, erwies sich als äußerst lernfähig und katapultierte sich im vergangenen Jahr ins Rampenlicht der verzweifelt nach Talenten suchenden Schwergewichts-Szene. Man darf gespannt sein, ob McCline in diesem Jahr ähnliche Siege gelingen werden - er wird u.a. als potentieller Gegner für den WBO-Champion Wladimir Klitschko gehandelt. McCline hat zweifellos Talent, doch die Boxingpress-Redaktion ist sich einig, dass ihm der ganz große Wurf mangels boxerischem Hintergrund und fehlender Schnelligkeit wohl nicht gelingen wird.

• Auf den 4. Platz wählten die Boxingpress-Leser den Bezwinger von Lennox Lewis, Hasim "The Rock" Rahman. Im April 2001 gelang Rahman die große Sensation, als er den besten Schwergewichtler der letzten Jahre in Runde fünf vorzeitig stoppen konnte. Sein KO-Sieg in Südafrika gegen einen überheblichen Lewis war sicherlich eine der größten Überraschungen der letzten Jahre. Allerdings wurde Rahman bald klar, dass seine Chancen gegen einen motivierten Lewis in Normalform eher gering sein sollten. Im Rückkampf wurde der US-Amerikaner von Lewis dominiert und verlor in der 4. Runde seinerseits vorzeitig. Man muss abwarten, ob Rahman nur eine Eintagsfliege war oder nicht. Zur Zeit gibt es Spekulationen, dass der 28-Jährige als nächstes gegen Evander Holyfield boxen soll.

• Platz 3-6 gingen allesamt an Schwergewichtler. Fres Oquendo konnte sich mit seinen Siegen über Clifford Etienne, Obed Sullivan und David Izon den 3. Platz sichern und dürfte wohl kurz vor seinem ersten WM-Kampf stehen. Ein Kampf gegen WBO-Weltmeister Wladimir Klitschko war schon seit einiger Zeit im Gespräch, doch Oquendo kündigte bereits an, es lieber gegen kleinere Schwergewichtler wie Chris Byrd oder John Ruiz versuchen zu wollen. Eine realistische Einschätzung, denn aufgrund seiner körperlichen Parameter dürfte Oquendo gegen die richtig "schweren Jungs" deutlich mehr Probleme bekommen. Dennoch bleibt der Puerto-Ricaner weiterhin ungeschlagen und somit einer der wenigen Hoffnungsträger in der Division.

• Auf Platz 2 wurde der neue Federgewichts-Superstar Marco Antonio Barrera gewählt und das wohl zu Recht, denn immerhin hat Barrera im vergangenen Jahr niemand anderen als den bis dato ungeschlagenen "Prince" Naseem Hamed überzeugend bezwungen. Er dominierte den Prinzen über die komplette Distanz und holte sich am Ende einen klaren und verdienten Punksieg. Nicht viele hatten dem als schlagstark, aber technisch limitiert geltenden Mexikaner im Vorfeld eine Chance gegen Hamed eingeräumt. Aber Barrera bewies eindrucksvoll seine Zugehörigkeit zur Weltspitze. Im Februar wird er seinen Rückkampf gegen den WBC-Federgewichts-Weltmeister Erik Morales bestreiten - ein weiterer Leckerbissen für die Boxfans aus aller Welt. Kann Barrera seine offene Rechnung mit Morales begleichen, winkt zum Jahresende ein Rückkampf gegen Naseem Hamed.

• Wenig überraschend, dass der 1. Platz bei der Wahl zum "Internationalen Aufsteiger des Jahres" an den neuen Superstar der Boxszene geht. 24,79 % der Leserschaft wählten Bernard "The Executioner" Hopkins. Diese Wahl beruht sicherlich darauf, dass Hopkins seine boxerischen Qualitäten in den vergangenen Jahren selten unter Beweis stellte bzw. stellen musste. Der Philly-Fighter tat vielfach nur das Nötigste, um zu gewinnen. Seine großen Fähigkeiten waren oft nur zu erahnen - bis zum Jahr 2001. Hopkins gewann das von Don King organisierte Turnier im Mittelgewicht und bezwang dabei die Parallel-Weltmeister Keith Holmes und den Puertoricanischen Superstar Felix Trinidad. Viele Experten hatten Hopkins keinen Sieg gegen den bis dahin ungeschlagenen Trinidad zugetraut, aber dem Underdog gelang die Überraschung mit einer boxerischen Glanzleistung. Über weite Strecken führte der 37-Jährige seinen Gegner regelrecht vor und besiegte den P4P-Superstar am Ende sogar vorzeitig - damit hatten die wenigsten Boxfans gerechnet. Das neue Jahr wird zeigen, ob Hopkins jetzt am Ende seiner Karriere gewillt ist, sich gegen starke Gegner ein boxerisches Denkmal zu setzen.

Einige in dieser Umfragekategorie unter "weitere" aufgeführte Boxer, die nur wenige Prozente erhielten, sind ebenfalls eine Erwähnung wert:

Ricky Hatton – Mit Richard "Hitman" Hatton kommt endlich wieder ein echtes Talent aus England. Er begann seine Profi-Karriere 1997 und hat inzwischen einen makelosen Kampfrekord vorzuweisen 27 Siegen bei 23 KO's vorzuweisen. Hatton schlug im vergangenen Jahr solide Gegner wie Jason Rowland, Freddie Pendleton und Justin Rowsell vorzeitig und überzeugte mit seiner Schlagkraft, seinem unbändigen Willen und einem variablen Schlagrepertoire. Bei der WBO steht Hatton bereits auf den 3. Platz und man kann davon ausgehen, dass er in Kürze einen WM-Titelkampf gegen den WBO-Champion DeMarcus Corley bekommen wird. Dort hätte der Brite sicherlich gute Chancen, wenngleich Corley nicht zu unterschätzen ist.

Eric Lucas – Wer hätte gedacht, dass der 30-jährige Kanadier doch noch zu Weltmeister-Ehren kommen würde. 1996 erhielt Lucas gegen Fabrice Tiozzo und Roy Jones einen Titelkampf, aber er ließ beide Chancen ungenutzt und ging als Verlierer aus dem Ring. Nach vielen Verletzungen und Enttäuschungen bekam Eric Lucas dann 2001 einen erneuten WM-Kampf, nachdem Weltmeister Dave Hilton wegen diverser Sexual-Delikte ins Gefängnis musste. Lucas nutzte seine Chance diesmal und stoppte Glenn Catley, gegen den er 1999 noch verloren hatte, überraschend deutlich in der siebten Runde durch KO. Danach folgte eine gelungene erste Titelverteidigung gegen den südafrikanischen Ex-Titelträger Dingaan Thobela. Lucas' nächster Gegner am 1. März heißt nun Vinny Paz. Gewinnt der Kanadier auch diesen Kampf, wird der anschließende Gegner wohl Markus Beyer aus dem Sauerland-Stall sein.

Oscar De La Hoya – Was soll man zu ODLH noch sagen? Nach den sportlichen Rückschlägen gegen Weltklasse-Boxer wie Felix Trinidad und Shane Mosley konnte es 2001 praktisch nur wieder aufwärts gehen. Das erste "Opfer" des Golden Boy im Jahr 2001 hieß Arturo "Thunder" Gatti, den Oscar in fünf Runden auseinandernahm. Anschließend stieg ODLH ins Superweltergewicht auf und forderte den spanischen WBC-Champion Javier Castillejo heraus, den er klar nach Punkten besiegen konnte. De La Hoya bleibt ein absoluter Ausnahmeboxer, der auch im nächsten Jahr sein Können beweisen wird. Am 4. Mai trifft der "Golden Boy" auf den WBA-Champion Fernando Vargas. Dieses Duell verspricht ein absolutes Highlight zu werden - beide Boxer verspüren alles andere als Symphatie füreinander. Für ODLH würde ein Sieg den bereits achten WM-Gürtel bedeuten, obgleich er den zweifachen Weltmeister Vargas nicht unterschätzen sollte.

Julio Pablo Chacon – Der Argentinier ist wohl einer der Überraschungs-Weltmeister 2001, denn im Juni gelang Chacon die große Sensation. Er besiegte den damaligen WBO-Champion und UBP-Boxer Istvan "KoKo" Kovacs. Es folgten erfolgreiche Titelverteidigungen gegen Gegner von eher durchschnittlichem Format. Chacon ist sicherlich ein solider Boxer und keine Eintagsfliege, wird aber gegen die Top-Leute des Federgewichts nicht bestehen können. Bereits gegen Victor Polo geriet der Argentinier zu Beginn des Jahres das erste Mal ins Straucheln, blieb aber am Ende siegreich.

John Michael Johnson – Der "Favoriten-Killer" Johnson hat auch im letzten Jahr zugeschlagen. Er besiegte den kurz vor einem WM-Kampf stehenden Augie Sanchez nach nur 31 Sekunden in der ersten Runde. Ausserdem gelangen Johnson im Jahr 2001 teils überraschende Siege gegen gute Gegner wie Harold Grey, Antonio "Chelo" Diaz und David Murillo. Schon 1994 schaffte Johnson eine Sensation, denn er war der erste Boxer, der den bis dato unbesiegten Junior "Poison" Jones bezwingen konnte. Vieles deutet darauf hin, dass der nächste Gegner von Johnson nun der starke Australier Robbie Peden sein wird. Dieser Ausscheidungskampf der IBF wird bestimmen, wer der nächste Gegner von IBF-Champion Manuel Medina werden wird. Auch gegen Peden wird Johnson wieder nur der Außenseiter sein, aber genau diese Rolle scheint dem US-Amerikaner ja zu liegen.

Werfen wir noch einen Blick zurück auf die Boxingpress-Umfrage des Jahres 2000: Zwei der dort auf den ersten Positionen gewählten Boxer haben im Jahr 2001 empfindliche Niederlagen einstecken müssen. Vorjahressieger Clifford Etienne bot eine sehr bescheidene Vorstellung gegen Fres Oquendo und verlor vorzeitig. Damit muss sich der US-Amerikaner im Schwergewicht erst einmal wieder hinten anstellen. Der Zweitplatzierte Wladimir Klitschko boxte im vergangenen Jahr nur zweimal und trat dabei nicht so auffällig in Erscheinung, wie noch bei seinem Titelgewinn im Jahr 2000. Zab Judah, letztes Jahr noch auf Platz drei platziert, bekam 2001 von Kostya Tsyzu eindrucksvoll seine Grenzen aufgezeigt. Seine miserablen Nehmerfähigkeiten werden dem exzellenten Techniker Judah in den nächsten Jahren sicherlich noch den ein oder anderen Streich spielen.


Der Aufsteiger des Jahres 2001 "national":


Platz
Name
Prozent
1.
Oktay Urkal
39,24 %
2.
Danilo Häussler
30,38 %
3.
Luan Krasniqi
15,19 %
4.
Jürgen Brähmer
12,66 %
5.
Dirk Dzemski
2,53 %

von Dr. Constantin Hofmann

Ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich Oktay Urkal und Danilo Häußler im Kampf um den nationalen Aufsteiger des Jahres 2001. Am Ende hatte Urkal die Nase wohl deshalb vorn, weil er seine Fähigkeiten in den USA gegen den unbestrittenen Juniorweltergewichts-Champion Kostya Tszyu überzeugend nachwies. Schwergewichtler Luan Krasniqi fand sich auf dem Bronzeplatz ein.

Auf Platz 5 wurde der Mittelgewichtler Dirk Dzemski aus dem Steinforth-Stall gewählt, der zwar 2001 Internationaler Deutscher sowie NBA Intercontinental Meister wurde, aber noch keine wirklich namhaften Gegner geboxt hat. Dennoch stand der 29-Jährige im Jahr 2001 insgesamt sieben Mal im Ring und erhielt durch zahlreiche TV-Übertragungen seiner Kämpfe die verdiente Aufmerksamkeit. Dzemski's offensiver Kampfstil weiß zu gefallen, für einen Weltmeister-Titel wird es vermutlich aber nicht reichen.

Etwas überraschend für die Boxingpress-Redaktion kommt die Platzierung von Jürgen Brähmer - "nur" auf dem vierten Rang der nationalen Aufsteiger, lag er doch im letzten Jahr noch auf Platz 1. Möglicherweise sehen unsere Leser den Supermittelgewichtler Brähmer aber schon als etablierten Universum-Kämpfer an, der nicht mehr unter die Kategorie "junge Talente" fällt. Würde Brähmer jetzt endlich vernünftige Gegner boxen anstatt kurz vor dem Kampf engagiertes "Fallobst", ließe sich vielleicht auch eine Feststellung treffen, ob der Junge das Zeug zum Weltmeister hat oder ein ewiges Talent bleiben wird.

Die gute Platzierung von Luan Krasniqi auf Rang drei lässt sich nicht mit dem Gewinn der Europameisterschaft im Schwergewicht am 5. Januar 2002 gegen Rene Monse erklären, denn dieser Kampf hatte zum Zeitpunkt unserer Leserumfrage im Dezember 2001 noch nicht stattgefunden. Möglicherweise hat der Rottweiler Krasniqi hier etwas von seinen vielfältigen Vorschusslorbeeren profitiert, denn im EM-Kampf konnte er trotz seines letztlich verdienten Punktsiegs nicht überzeugen. Ob unsere Leser Krasniqi auf Platz drei gewählt hätten, wenn sie von der überheblichen, aber wenig dominanten Kampfesführung von Krasniqi gegen Monse gewusst hätten? Oder sollte der KO-Sieg über den eher mittelmäßigen Rene Hanl, mit dem Krasniqi im Juli 2001 Deutscher Meister wurde, unsere Leser zu dieser Wahl bewegt haben? Auch in diesem Fall scheint die erhöhte TV-Präsenz des Schwergewichtlers seit seinem Wechsel aus England eine beeinflussende Rolle gespielt haben.

Auf Platz 2 findet sich mit Danilo Häußler ein Manfred Wolke-Schützling, der durch einen beherzten Kampf im Januar 2001 gegen den Russen Andrei Shkalikov den Europameistertitel im Supermittelgewicht holen konnte. Hinter einer soliden Doppeldeckung verschanzt erkämpfte er einen Punktsieg, den einige Beobachter als glücklich bezeichneten, der aber sicherlich nicht unverdient war. Der Sieg von Häußler demonstriert nicht nur die starke deutsche Besetzung des Supermittelgewichts (u.a. Sven Ottke, Markus Beyer, Jürgen Brähmer), sondern stellt auch einen persönlichen Triumph von Trainer Manfred Wolke dar, der nach Jahren in der Versenkung wie "Phoenix aus der Asche" emporstieg und dies zu einem Zeitpunkt, als viele den eher langweiligen "Wolke-Stil" (aus einer stets geschlossenen Deckung mit Distanzboxen einen Punktsieg einfahren) schon als überholt ansahen. Für die Zuschauer nicht immer sonderlich ansehnlich, tritt Häußler mit diesem Stil in die (noch recht großen) Fußstapfen von Henry Maske und Axel Schulz. In seiner ersten Titelverteidigung gegen den Italiener Vincenzo Imparato konnte Häußler allerdings nicht besonders glänzen. Seine Bewährungsprobe wird dieses Jahr kommen, wenn er gegen den Pflichtherausforderer Glenn Catley antreten muss, den Mann also, der Markus Beyer im Kampf um die WBC-WM ausknockte.

Ein Mann hat unsere Leser mit deutlichem Abstand vor den anderen Boxern im letzten Jahr am meisten beeindruckt: der Deutsch-Türke Oktay Urkal aus Berlin. Der Superleichtgewichtler, der meist eine deutsche und eine türkische Flagge auf seinen Boxershorts trägt, hatte in seinem ersten WM-Kampf im Juni 2001 die Sensation nur knapp verpasst. Der ehemalige Europameister unterlag dem favorisierten Titelträger Kostya Tszyu im Kampf um die WBA/WBC-Weltmeisterschaft nur knapp nach Punkten. Würde der "Ali aus Kreuzberg" über eine größere Schlaghärte verfügen, wäre der Titelgewinn möglich gewesen. Obwohl der Australier letztlich zwar knapp, aber verdient nach Punkten gewann, hatte der deutsche Silbermedaillengewinner von Atlanta 1996 die Herzen der Zuschauer und unserer Leser mit seinem couragierten Kampfstil gewonnen. Ein verdienter erster Platz in unserer Umfrage. Dies nicht zuletzt auch wegen seines Mutes, bei Promoter Klaus-Peter Kohl auf den Tisch zu hauen und unter Androhung sonst getrennter Wege einen WM-Kampf zu fordern. Getrennte Wege ging man später allerdings trotzdem.

Werfen wir noch einen Blick zurück auf die Boxingpress-Umfrage 2000: Die dort unter "nationale Aufsteiger" aufgeführten Timo Hoffmann, Thomas Ulrich und Istvan Kovacs sind wohl aufgrund ihrer Niederlagen nicht mehr in der Liste unserer Leser. Wladimir Klitschko und Armand Krajnc hingegen haben sich zu anerkannten (WBO-)Titelträgern gemausert und den Bereich der "Aufsteiger" längst in Richtung Spitze verlassen.


Und hier geht zu den "Absteigern des Jahres 2001"...

 
     

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