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Die internationalen "Absteiger des Jahres 2002":
von
Andreas Kämpfe Auf Platz 10 findet sich in diesems Jahr mit 3,04% der Stimmen Hector Camacho Jr. wieder. Galt Camacho vor Jahresfrist noch als hoffnungsvolles Talent im Superleichtgewicht, verlor er zu Beginn des Jahres 2002 überraschend gegen Omar Weis nach Punkten. Danach ging der Puertoricaner erst einmal sechs Monate in Klausur und quälte sich dann gegen den besseren Journeyman Arturo Urena über 12 Runden. Zum Abschluss des Jahres gönnte er sich dann noch einen kurzrundigen KO-Sieg gegen Fred Ladd, der gerade noch zu den Top 250 der Welt zu zählen ist. Camacho steht nun an einem Wendepunkt seiner noch jungen Karriere. Boxerisch scheint er so manches von seinem berühmten Vater Hector Camacho Sr. geerbt zu haben, jedoch verfügt er für einen Boxer mit dem Kampfnamen "Macho" über reichlich wenig "Cojones". Den 9. Platz eroberte sich mit 4,89% der Stimmen etwas überraschend Schwergewichtler Kirk Johnson. Der Kanadier bekam 2002 endlich seinen lang ersehnten WM-Kampf gegen John Ruiz und zeigte den Boxfans auf der ganzen Welt alles, was sie nicht sehen wollten. Tiefschläge, Kopfstöße und Klammern prägten das Gewürge im Ring, das nun wirklich nicht mehr als Boxkampf bezeichnen werden konnte. Dazu passend verlor Johnson den Kampf auch durch Disqualifikation in Runde 10, nachdem er wieder einmal einen Schlag "tief" ansetzte. Der Kampf war ein neuer Tiefpunkt in der Geschichte des einst angesehenen WBA-Schwergewichtstitels. Den Verlauf des Jahres 2002 erzielte der Kanadier dann noch einen nicht weiter erwähnenswerten KO-Sieg gegen Jeremy Bates. Auf Johnson wartet 2003 vielleicht schon ein weiterer Weltmeisterschaftskampf. Er wird immer wieder als Gegner von Wladimir Klitschko gehandelt. Sollte er dann eine ähnliche Leitung wie gegen Ruiz abliefern, wird man ihn sicher auch im nächsten Jahr in dieser Liste nicht vermissen müssen. Mit seinem 8. Platz und 5,16% der Stimmen dürfte Fres Oquendo mehr als gut bedient sein. Im Frühjahr 2002 stellte sich der puerto-ricanische Schwergewichtler mit David Tua erstmals einem Gegner aus der absoluten Weltspitze und überzeugte acht Runden lang, ehe ihn in der neunten Runde erst der Leichtsinn und dann die Faust von Tua überkamen. Klar nach Punkten in Führung liegend, musste "The Big O" aus dem Kampf genommen werden und aus war der Traum auf einen baldigen WM-Kampf. Im Dezember kehrte der Don-King-Schützling in den Ring zurück und zeigte, dass er aus seiner Niederlage nicht viel gelernt hatte. Zwar konnte Oquendo seinen Kampf gegen den mittelmäßigen George Arias durch verletzungsbedingten Abbruch in Runde 11 gewinnen, aber Oquendo präsentierte sich in einer dermaßen schlechten körperlichen und boxerischen Verfassung, dass er im Publikum nur ungläubiges Kopfschütteln auslöste. 5,82% der Stimmen und damit einen 7. Platz gab es dieses Jahr für Virgil Hill. Stieg der mittlerweile 39-jährige Hill noch im Dezember 2000, als er den WBA-Titel im Cruisergewicht gewann, wie Phoenix aus der Asche auf, glich seine erste Titelverteidigung im Februar 2002 gegen Jean-Marc Mormeck einem Waterloo. Der ehemalige Maske-Bezwinger hatte nicht den Hauch einer Chance und wurde von Mormeck nach allen Regeln der Kunst verprügelt. "Quicksilver" wirkte nur noch wie ein Schatten seiner früheren Tage und verlor folgerichtig vorzeitig. Zu allem Überfluss war auch noch seine Dopingprobe positiv. Egal welches leistungssteigernde Mittel der gute Virgil da genommen hat, geholfen hat es jedenfalls nicht. Im Herbst erzielte der Ex-Weltmeister im Halbschwer- und Cruisergewicht zwar noch zwei Siege gegen Carlos Bates und den unsäglichen Joey DeGrandis, jedoch vermögen diese Siege nur noch den kühnsten Optimisten von der Erkenntnis zu befreien, dass Virgil Hill endgültig "over the hill" ist. Auf Platz 6 findet sich mit 6,35% der Stimmen sorgen dafür, dass WBO-Cruisergewichtschampion Johnny Nelson auf dieser Liste nicht fehlen darf. Damit schaffte er das Novum, sich als erster Boxer in die Absteiger-Ranglisten vorzuarbeiten, ohne dabei einen Kampf verloren zu haben. Aber wie konnte es dazu kommen? Sicherlich dürfte Nelsons Kampfstil nicht unschuldig sein, schlägt er doch als Schlafmittel Hausmittelchen wie Baldrian um Längen. 2002 boxte der Sheffielder zunächst gegen Ezra Sellers und musste dabei schon einmal zu Boden. Trotzdem gewann er den Kampf später noch durch TKO, ein Erfolg, der ihm Monate später gegen Guillermo Jones versagt blieb. Zwar behielt Nelson seinen Titel durch ein Unentschieden nach 12 Runden, jedoch war das Urteil für den Titelträger mehr als schmeichelhaft. Die Mehrzahl der neutralen Beobachter hatte den Kampf für Jones gewertet und egal ob es der Champions- oder Heimbonus war, der Nelson den Titel behalten ließ, die BP-User waren offensichtlich nicht bereit, diesen ebenfalls zu gewähren.
Beim ersten Aufeinandertreffen im Januar galt der De La Hoya-Bezwinger noch als klarer Favorit, bis in Runde zwei die knallharte Rechte von "Viper" Forrest das erste Mal voll einschlug. Mosley ging zum ersten Mal in seiner Profilaufbahn zu Boden und überstand die Runde nur mit einer großen kämpferischen Leistung. Zwar kam Shane noch über die Runden, aber der Kampf und sein Titel waren verloren. Forrest hatte bewiesen, dass man einen Shane Mosley mit relativ einfachen boxerischen Mitteln, nämlich einem konsequent geschlagenen Jab und einer präzisen Schlaghand, besiegen kann. Auch den Rückkampf konnte "Sugar" nicht gewinnen, auch wenn das Ringgefecht der beiden diesmal deutlich ausgeglichener ablief. Mittlerweile hat sich der US-Boy dafür entschieden, ins Superweltergewicht aufzusteigen und dort im Sommer einen großen Zahltag im Rückkampf gegen Oscar De La Hoya einzustreichen. Nach zwei Niederlagen kommt die große Börse - auch das gibt es nur im Boxgeschäft.
Offensichtlich stürzte diese Niederlage den "schwedischen Löwen" in eine Sinnkrise, denn knapp fünf Monate nach der ersten Niederlage seiner Profikarriere versuchte sich Krajnc als Clown. Leider tat er dies in einem Boxring und dazu noch gegen einen international völlig unbedeutenden und genauso humorlosen Sergey Tatevosyan, der dem Spektakel in der siebten Runde ein vorzeitiges Ende setzte und somit Krajncs Traum von einem erneuten Titelkampf jäh beendete. Für den fast 30-Jährigen scheint der Zug damit endgültig abgefahren zu sein, insbesondere da sein Management in seiner Gewichtsklasse mit Felix Sturm schon das nächste Talent sanktioniert.
So lässt sich wohl auch das Wahlergebnis erklären. Die User sind nicht bereit, einen zukünftigen Hall of Famer dabei zuzusehen, wie er sich gegen Top25 Boxer quält. Holyfield sollte seine Nahkampffähigkeiten in Zukunft dazu einsetzen, seine fußballmannschaft-große an Nachwuchs voll zu machen und die Boxhandschuhe an den Nagel hängen. Allerdings hat der 40-Jährige, der wohl nur älter, nicht aber weiser wird, bereits angekündigt, seine Karriere fortsetzen zu wollen. Insofern sind die Chancen nicht schlecht, dass man Evander Holyfield auch nächstes Jahr wieder in dieser Kategorie finden wird.
Werfen wir noch einen Blick auf die "Vorjahressieger": Herbie Hide hat seine Karriere beendet. Michael Grant scheint wieder auf dem richtigen Weg zu sein und erzielte im Jahr 2002 fünf KO-Siege gegen Journeymen. Der US-Amerikaner dürfte sich in absehbarer Zeit wieder größere Aufgaben gegenübersehen. David Tua erwartet nach drei KO-Siegen im vergangenen Jahr ein Kampf gegen Hasim Rahman um das Recht des Pflichtherausforderers nach IBF-Version.
Die
"nationalen Absteiger des Jahres 2002":
von Ingo Barrabas Einen Abstieg der besonderen Art musste Stephan Trabant im Jahr 2002 hinnehmen. Wurde er im Dezember 2001 mit einem Punktsieg über Mondli Mbonambi noch Junioren-Weltmeister der IBF, so stand er im September gegen Roman Aramian von Beginn an auf verlorenem Posten. Trabant verlor gegen den Koblenzer zwar nur nach Punkten, doch stand er im letzten Durchgang vor dem Knockout und erbrach kurz vor Rundenende. Mit 21 Jahren und einem Rekord von 34-3-2 (24) scheint Trabant völlig ausgebrannt und dem Rücktritt näher, als einem erneuten Ringauftritt. Marcel Beyer würde das Jahr 2002 vermutlich auch am liebsten vergessen. Im März 2002 ging der bis dahin ungeschlagene Schwergewichtler gegen Donovan Luff völlig überraschend KO und konnte auch einen Kampf um die Deutsche Meisterschaft gegen Andreas Sidon nicht für sich entscheiden. Gegen den Box-Opa Sidon stand Beyer in der letzten Runde kurz vor dem Ende, ehe er sich seine zweite Niederlage als Profi abholen durfte. Zu seinen beiden Niederlagen kam dann auch das berufliche Aus im Sauerland-Stall. Laut eigenen Aussagen will Beyer weiterboxen, über einen Rahmenboxer wird der 24-Jährige aber wohl nicht mehr hinauskommen. Sportlich am Ende ist auch Armand Krajnc, der sich bereits unter den "internationalen Absteigern" wiederfindet. Nach ausgezeichneten Leistungen über Jason Matthews, Jonathan Corn, Bert Schenk und Paolo Roberto verlor der Schwede im April 2002 seinen WBO-WM-Gürtel im Mittelgewicht an Harry Simon. Die Punktniederlage wurde noch als Unfall deklariert, es hieß, Krajnc habe das Training schleifen lassen. Doch im Comebackfight im September kam das endgültige Aus für den 29-Jährigen. Gegen Sergey Tatevosyan brachte Krajnc kein Bein an die Erde, wirkte wie ein Schatten vergangener Zeiten und verlor durch KO in der siebten Runde. Nach dieser schwachen und desolaten Leistung wird es für Krajnc schwer werden, wieder oben anzuklopfen. Eher wahrscheinlich ist sein Rücktritt mit einem Rekord von 26-2 (19) und vier erfolgreichen Titelverteidigungen. Für den Schweden, der nie als trainingsfleißig galt, das Maximum einer Boxerlaufbahn...
Die erste freiwillige Titelverteidigung über einen recycelten Przemyslaw Saleta sollte nur eine Durchgangsstation für weitere, höhere Aufgaben werden. Doch Krasniqi scheiterte in seinem ersten Auftritt als Hauptkämpfer kläglich. Acht Runden dominierte er den Polen, ehe er völlig erschöpft und frustriert aufgab, und damit den sicheren Sieg verschenkte. Obwohl Krasniqi jahrelang zusammen mit Lennox Lewis trainierte und auch im Vorprogramm des britischen Superstars boxte, hatte der Rottweiler seine Psyche nicht im Griff, scheiterte an seinem dünnen Nervenkostüm oder seiner Arroganz. Krasniqi, der nie als einfach trainierbar galt, wird wohl noch eine Zeit den Rahmen von Universum-Veranstaltungen füllen, ehe er hauptberuflich seiner Tätigkeit als Übersetzer beim Gericht in Rottweil nachkommen wird.
Und
hier geht es zu
den besten "Kämpfen des Jahres 2002"...
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