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Die internationalen "Kämpfe des Jahres 2002":


Platz
Name
Prozent
1.
Gatti vs. Ward I
27,59 %
2.
De La Hoya vs. Vargas
18,57 %
3.
Lewis vs. Tyson
13,40 %
4.
Morales vs. Ayala
9,55 %
5.
Mosley vs. Forrest I
9,42 %
6.
Barrera vs. Tapia
5,70 %
7.
Calzaghe vs. Brewer
4,77 %
8.
Castillo vs. Mayweather I
1,99 %
9.
Dorin vs. Balbi I
1,72 %
10.
Diaz vs. Delgado
1,46 %
10.
Botha vs. Etienne
1,46 %
---
weitere...
4,39 %

von Karsten Knöchlein

Auch das Boxjahr 2002 bescherte den Fans wieder einige spektakuläre und dramatische Kämpfe. Die Wahl zum besten "internationalen Kampf des Jahres" fiel dieses Mal jedoch nicht schwer. Mit 27,59 % aller Stimmen setzte sich das erste
Aufeinandertreffen zwischen Arturo "Thunder" Gatti und "Irish" Mickey Ward unangefochten auf den Spitzenplatz.

Juan Diaz vs. Roy Delgado hieß das Duell zweier Talente im Leichtgewicht, das die Boxingpress-User im vergangenen Jahr auf Platz 10 wählten. Damit outen sich unsere Leser wieder einmal als intime Kenner der Szene, denn der Kampf war nicht im deutschen Fernsehen zu sehen. Juan "Baby Bull" Diaz wird derzeit von vielen Box-Experten als vielversprechendes Talent gehandelt und dass dies wohl zutrifft, bewies der US-Boy in einem verbissenen Duell gegen seinen Landsmann Delgado eindrucksvoll. Von Beginn an attackierte der erst 19-jährige Diaz seinen Kontrahenten mit Serien von Schlägen. Der zu diesem Zeitpunkt ebenfalls noch ungeschlagene Delgado hielt tapfer dagegen und versuchte alles, um ebenfalls den Ring als Sieger zu verlassen. Aber in Runde sechs musste sich der 24-Jährige trotz beherzten Widerstands geschlagen geben. Man darf nun gespannt sein, wie es mit dem Jungtalent Juan "Baby Bull" Diaz weitergehen wird.

Ebenfalls auf Platz 10 wurde das Schwergewichts-Duell zwischen Francois Botha und Clifford Etienne gewählt. In einem unterhaltsamen Kampf musste Etienne in Runde fünf und sechs zu Boden. Doch der US-Amerikaner fand immer wieder zurück in den Kampf, der meist einem offenen Schlagabtausch glich. Am Ende gab es mit 95-93 Botha, 94-94, 94-94 ein leistungsgerechtes Unentschieden.

• Im ersten WM-Kampf seiner Profikarriere konnte sich der Rumäne Leonard Dorin den WBA-Titel im Leichtgewicht gegen Raul Balbi sichern. Dieser Kampf konnte den neunten Platz belegen. Über zwölf Runden hinweg konnten die Zuschauer einen wilden und bedingungslosen Brawl sehen. Zunächst hatte der Argentinier Balbi die Vorteile auf seiner Seite und konnte Dorin immer wieder mit genauen Schlägen und Kombinationen treffen. Das Gesicht des Rumänen blutete seither stark, doch der als sehr widerstandsfähig geltende Dorin drehte den Kampf in den letzten Runden noch zu seinen Gunsten herum. Am Ende werteten die Punktrichter nach einer echten "Ringschlacht" mit 115:112, 114:113 für Dorin und mit 115:112 für Balbi nur denkbar knapp für den neuen Titelträger. Dorin landete 476 von 1083 Schlägen, Balbi traf bei bei 927 Versuchen insgesamt 345 im Ziel.

• Im Superfedergewicht lange Jahre die Nummer eins, stieg Floyd Mayweather ins Leichtgewicht auf und forderte prompt Jose Luis Castillo, den WBC-Champion und wohl besten Leichtgewichtler heraus. In einem knappen und am Ende heißdiskutierten Kampf, gewann Floyd Mayweather die WBC-Krone im Leichtgewicht mit 115-111, 115-111, 116-111. Viele Beobachter hatten am Ende Castillo knapp vorne gesehen. Der Mexikaner hatte die Anfangsrunden gebraucht, um sich auf den Jab und die schnellen Hände des US-Amerikaners einzustellen. Dies gelang Castillo jedoch mit zunehmender Kampfesdauer immer besser. Der WBC-Weltmeister attackierte vor allem den Körper seines Herausforderers, was Mayweather überhaupt nicht zu behagen schien. Zudem schnitt ihm Castillo den Weg ab und stellte Mayweather immer wieder erfolgreich an den Seilen.

• Der Waliser WBO-Mittelgewichts-Champion Joe Calzaghe sicherte sich mit seinem Sieg gegen den Ex-Weltmeister Charles Brewer seine zehnten Titelverteidigung und den siebten Platz zum "Fight of the Year 2002". In Cardiff, Wales, gewann Calzaghe einen mitreißenden Kampf über zwölf Runden verdient nach Punkten. Die Punktrichter entschieden zwar einstimmig zugunsten von Calzaghe (117-112, 118-111, 119-109), doch jede Runde des Duells war hart umkämpft und ein Leckerbissen für die Zuschauer.

Marco Antonio Barrera vs. Johnny Tapia hieß eines der besten Federgewichtsduelle im vergangenen Jahr. Beide Boxer sind privat befreundet, doch im Ring war davon wenig zu spüren. Im MGM Grand Casino in Las Vegas boxte Barrera hochkonzentriert, doch Tapia bewies mit einer beeindruckenden Energieleistung, dass er trotz seiner 35 Jahre noch in der erweiterten Weltspitze mitmischen kann. Am Ende jedoch konnte sich Barrera den Sieg sichern und seinen Status als König des Federgewichts verteidigen.

• Mit 9,42 % wurde das erste Aufeinandertreffen des ehemaligen P4P-Superstars Shane Mosley gegen Vernon Forrest auf Platz fünf gewählt. Seine letzte Niederlage hatte Mosley als Amateur ausgerechnet gegen Forrest bezogen und trotzdem galt der US-Amerikaner als klarer Favorit. Umso überraschender war es, dass Forrest Mosley so deutlich und mit einfachsten boxerischen Mitteln (Reichweite, Jab, Schlaghand) dominieren und nach Punkten schlagen konnte. In der zweiten Runde gelangen Forrest zwei schwere Niederschläge gegen Mosley, von denen sich "Sugar" im gesamten Kampfverlauf nicht mehr erholen sollte. Mosley war zuvor in seiner gesamten Amateur- und Profi-Laufbahn nie am Boden gewesen. Mosley stand im weiteren Kampfverlauf mehrfach vor dem KO und konnte sich nur mit viel Kämpferherz über die Zeit retten. Dramatik pur und die erste große Boxüberraschung des Jahres 2002.

• Auch das auf Platz vier gewählte Federgewichts-Duell zwischen Erik Morales und Paulie Ayala hatte es in sich. Ayala, der eine Gewichtsklasse aufgestiegen war, kämpfte mit viel Herz und absolvierte einen grandiosen Kampf. Nachdem der US-Amerikaner das Duell in der ersten Kampfeshälfte durch seine überlegene Schnelligkeit noch ausgeglichen hatte gestalten können, setzte sich schließlich die enorme physische Überlegenheit von "El terrible" Morales durch. Die Zuschauer quittierten das attraktive Duell anschließend mit standing ovations. Nun bleibt abzuwarten, wie es mit den beiden großartigen Boxern im Jahr 2003 weitergehen wird. Ayala will ins Superbantamgewicht zurückkehren, Morales plant einen Aufstieg ins Superfedergewicht.

• Das Mega-Schwergewichtsduell zwischen Lennox Lewis und "Iron" Mike Tyson wählten immerhin 13,40 % der BoxingPress-Leser auf Platz 3. In der ersten Runde konnte Tyson noch gut mithalten, aber dann nahm sein Gegner das Zepter in die Hand und dominierte das Geschehen im Ring. Nach weniger als 24 Minuten hieß der alte und neue Weltmeister Lennox Lewis, der seinen Kontrahenten eindrucksvoll in dessen Schranken verwies. Mit seinem Sieg über den letzten verbliebenen Weltklasse-Schwergewichtler seiner Ära hat sich Lewis in der Box-Geschichte unsterblich gemacht. In Anbetracht der Vorgeschichte und der boxhistorischen Bedeutung dieses Kampfes, verlief das Duell allerdings etwas enttäuschend, weil zu einseitig.

• Der lang erwartete Fight zwischen den Erzrivalen Oscar De La Hoya und Fernando Vargas erfüllte die Erwartungen aller Boxfans und landete dem entsprechend auf Platz zwei der BoxingPress-Umfrage. Dieses Gefecht war eine bis zur letzten Minute offene Ringschlacht, die der "Golden Boy" nach einem dramatischen Kampf am Ende durch TKO in Runde elf verdient für sich entscheiden konnte. Der 29-Jährige hatte zuvor einige bange Momente zu überstehen, denn Vargas zeigte vor allem in der ersten Kampfeshälfte eine überaus couragierte Leistung. De La Hoya kassierte in diesem Duell so viele Treffer, wie schon lange nicht mehr. Trotzdem gelang es ihm, sich den achten WM-Titel in der fünften Gewichtsklasse zu sichern. Nach dem Kampf wurde Vargas des Dopings überführt und für 9 Monate gesperrt.

• Wie fast immer, wenn es um den Kampf des Jahres geht, darf eine Person nicht fehlen. Und diese Person belegte auch prompt den ersten Platz bei der Wahl zum "Internationalen Kampf des Jahres 2002". Die Rede ist von Arturo "Thunder" Gatti, dem es mit seinem ersten Aufeinandertreffen gegen "Irish" Mickey Ward gelang, einen der besten und spektakulärsten Kämpfe aller Zeiten zu absolvieren. Wer diesen Kampf gesehen hat, wird wissen, warum er mit 27,59 % aller Stimmen diese Wahl gewann. Gatti und Ward waren schon zuvor für actionreiche Kämpfe bekannt. Die Erwartungen waren also sehr hoch - doch die beiden Fan-Lieblinge übertrafen sie einmal mehr. Mehr als 6.000 begeisterte Zuschauer in der Mohegan Sun Arena erlebten m 18. Mai des vergangenen Jahres eine mit unglaublicher Verbissenheit geführte Ringschlacht, die "Irish" Mickey Ward am Ende durch zwei Punktabzüge gegen Gatti knapp für sich entscheiden konnte. Aber unabhängig vom Kampfausgang, wird dieser Fight allen Boxfans noch viele Jahre in Erinnerung bleiben. Der Kampf reiht sich damit nahtlos in die Reihe der großen Ringschlachten des Arturo Gatti ein. Im nicht so dramatischen Rückkampf konnte der Italo-Kanadier seinen Kontrahenten dann klar nach Punkten besiegen.


Die nationalen "Kämpfe des Jahres 2002":


Platz
Name
Prozent
1.
Petkovic vs. May
25,66 %
2.
Michalczewski vs. Hall II
23,45 %
3.
Klitschko vs. Mercer
13,79 %
4.
Trabant vs. Bladt
9,93 %
5.
Häussler vs. Catley
8,14 %
6.
Hoffmann vs. Sauer
5,93 %
7.
Konecny vs. Gevor II
4,69 %
8.
Krasniqi vs. Monse
4,55 %
9.
Krajnc vs. Simon
3,86 %

von Dirk Stahns

Bei der Umfrage zum besten "nationalen Kampf des Jahres 2002" kam es zu einem echten Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen dem Rematch zwischen Dariusz Michalczewski und Richard Hall und dem rein deutschen Cruisergewichtsduell Alexander Petkovic vs. Rüdiger May, wobei der zweitgenannte Fight am Schluss in der Bewertung unserer Leser mit nur gut zwei Prozentpunkten knapp vorne lag.

Auf Platz neun der Wahl landete der Kampf zwischen Armand Krajnc und dem Namibianer Harry Simon. Der in Deutschland boxende Schwede verlor dabei seinen WBO-Titel im Mittelgewicht und musste sich nach dem Kampf zudem auch noch von seinem Promoter Klaus-Peter Kohl heftige, und wohl berechtigte Vorwürfe bezüglich seiner Vorbereitung anhören. Im weitern Verlauf des Jahres kam es sogar noch schlimmer für Krajnc, denn er verlor seinen nächsten, eigentlich als Aufbaukampf gedachten, Kampf sogar durch KO. Simon hingegen brachte auch der Sieg kein Glück, da er seit diesem Kampf vor allem durch zwei schwere Autounfälle für Schlagzeilen gesorgt hat und inzwischen seinen Titel wegen Inaktivität abgeben musste.

Einen Europameisterschafts-Kampf im Schwergewicht mit rein deutscher Beteiligung hatte es lange nicht mehr gegeben. Der Kampf zwischen Luan Krasniqi und Rene Monse belegt Platz acht und war durchaus ansehnlich und gutklassig, auch wenn beide Boxer nicht zur erweiterten Weltspitze in ihrer Gewichtsklasse zählten, wie das mitunter bei früheren Kämpfen um die Europameisterschaft im Schwergewicht der Fall war. Der Kampf lebte daher auch mehr von der Dramatik, als von der boxerischen Klasse der Kontrahenten, wobei vor allem der als Außenseiter geltende Monse die Zuschauer überraschte, in dem er Krasniqi in der zweiten Runde mit einer linken Geraden kurzzeitig auf die Bretter schicken konnte. Allerdings konnte Krasniqi, der vor allem zu Beginn des Kampfes ziemlich sorglos agierte und seinen Gegner offensichtlich unterschätzt hatte, auf Grund seiner besseren Kondition den Kampf doch noch umbiegen und sich somit als erster Deutscher seit Jürgen Blin 1972 den EM Gürtel umschnallen. Lange erfreuen konnte er sich an diesem aber bekanntlich nicht…

Das Rematch der beiden Halbmittelgewichtler Lukas Konecny (SES) und Khoren Gevorgyen (Universum) landete auf Platz sieben dieser Umfrage. Die siebte Runde war es auch, in der Ringrichter Joachim Jacobsen den abwechslungsreichen Kampf um die Internationale Deutsche Meisterschaft wegen einer Cutverletzung Gevors zu Gunsten von Konecny abbrach. Zuvor hatten die beide Boxer eindrucksvoll ihren Siegeswillen und ihr zweifellos vorhandenes Talent demonstriert. Die Zuschauer in der Cottbusser Lausitzarena waren zu Recht begeistert.

Eine besondere Brisanz erhielt der sechstplatzierte Kampf zwischen Timo Hoffmann und Balu Sauer um den internationalen deutschen Meistertitel im Schwergewicht dadurch, dass bei den früheren Schwergewichts-Begegnungen zwischen den beiden großen Boxställen in Deutschland, Sauerland und Universum, ersterer zwei herbe Niederlagen einstecken musste. Es lag nun an Hoffmann, die Scharte für Sauerland zumindest etwas auszuwetzen. Hoffmann, der bei diesem Kampf zum ersten Mal von Manfred Wolke betreut wurde, enttäuschte seine Fans und seinen Promoter nicht und gewann diesen Kampf in überzeugender Manier. Offenbar hatten ihm sein Trainer und der damit verbundene Ortswechsel gut getan.

Der Gewinn der internationalen deutschen Meisterschaft war für Hoffmann der erste Schritt in das für ihn recht erfolgreiche Jahr 2002, in dem er gegen Ross Puritty und Dick Ryan noch zwei weitere durchaus respektable Siege erboxen konnte. Das lässt für 2003 aus deutscher Sicht auf einiges hoffen. Zumindest ein Kampf um die Europameisterschaft im Schwergewicht dürfte für Hoffmann im Bereich des möglichen sein.

Den fünften Platz dieser Umfrage belegt der erste Kampf zwischen Danilo Häußler und dem Bezwinger von Markus Beyer, dem Engländer Glenn Catley. Der Deutsche stand in seiner zweiten Titelverteidigung seines Europameisterschaftstitels im Supermittelgewicht vor seiner bislang schwierigsten Aufgabe und es gab nicht wenige, die zweifelten, ob er Catley gewachsen wäre. Es war daher nicht überraschend, dass der Kampf äußerst eng verlief, wobei Häußler mehr Treffer anbringen, während der Herausforderer die härteren für sich verbuchen konnte. Die härteren Treffer von Catley machten sich bei Häußler auch schnell in Form von Nasenbluten und Cuts bemerkbar. Der Europameister musste sogar in Runde acht zu Boden, wobei er eher auf Grund einer falschen Fußstellung aus dem Gleichgewicht geriet, als dass es die Schlagwirkung war, die Häußler auf den Ringboden schickte.

Häußler wurde jedoch angezählt und hatte daher neben den angesprochenen Verletzungen, auch noch mit dem Nachteil einer 10:8 gewerteten Runde für Catley zu leben. Doch durch einen furiosen Schlussspurt konnte der Deutsche das Blatt noch wenden, begünstigt dadurch, dass Catley in der letzten Runde zum zweiten Mal wegen eines Kopfstoßes verwarnt wurde. Dieser Sieg stellt wohl bislang das Highlight in Häußlers Karriere dar. Der Rückkampf gegen Catley verlief im neuen Jahr ähnlich dramatisch, wiederum mit dem besseren Ende für den Deutschen.

Den vierten Platz belegte der EM-Kampf im Weltergewicht zwischen dem Berliner Michel Trabant und dem amtierenden Europameister Christian Bladt aus Dänemark. Trabant hatte einen guten Start und hielt Bladt mit seiner linken Führhand gut in Schach. Ab der dritten Runde jedoch verschaffte sich der Däne mit mehreren harten Aufwärtshaken und Schlaghänden, die Trabant durchrüttelten, ein sichtbares Übergewicht. Es dauerte mehrere Runden, bis Trabant zurück zu seiner boxerischen Linie fand. Zudem profitierte der Deutsche von der Überheblichkeit seines Gegners, der es nur noch auf den entscheidenden Konterschlag abgesehen hatte. Ab der neunten Runde baute Bladt konditionell überraschend stark ab, so dass Trabant den Kampf schließlich vollends in den Griff bekam und die Schlußrunden klar diktierte. Mehrfach stand der dänische Titelträger vor einem Niederschlag, doch Trabant blieb vorsichtig und brachte seinen Punkt-Vorsprung über die vollen zwölf Runden. Am Ende werteten die Punktrichter mit 117:112, 117:112 und 117:111 verdient für den neuen Europameister im Weltergewicht.

Auf Platz drei unserer Umfrage landete der Kampf Wladimir Klitschkos gegen den alten Haudegen Ray Mercer um die Weltmeisterschaft im Schwergewicht nach Version der WBO, im Trump Taj Mahal in Atlantic City. Der damals 41-jährige Mercer, der schon mehrmals als Gegner des jüngeren Klitschkos im Gespräch war, galt zu diesem Zeitpunkt immer noch als gefährlicher Gegner, da ihm der Ruf vorauseilte, über ein exzellentes Kinn zu verfügen und zudem auf Grund seiner Schlagkraft stets in der Lage zu sein, fast jeden Gegner auszuknocken.

Der jüngere Klitschko verschwendete daran aber keinen Gedanken und hatte sich offenbar vorgenommen, das Publikum in den USA endgültig von seinen Fähigkeiten zu überzeugen. Entgegen seiner sonstigen Art, einen Kampf vorsichtig und abwartend zu beginnen, legte er von Beginn an los wie die Feuerwehr und schickte den amerikanischen Herausforderer schon in der ersten Runde mit einem linken Haken zu Boden. Zwar erholte sich Mercer noch einmal von dem frühen Niederschlag, doch es zeigte sich schnell, dass er seinem deutlich jüngeren Kontrahenten nicht gewachsen war. Er leistete kaum noch Widerstand und kassierte einen schweren Treffer nach dem anderen. Schließlich brach der Ringrichter den Kampf nach einer erneuten Schlagserie des Weltmeisters ab, um den alten Mann vor weiteren Schlägen zu bewahren.

Für Wladimir Klitschko war dieser Sieg wohl bislang einer der wichtigsten in seiner noch jungen Karriere. Denn den in den USA immer noch respektierten Mercer vor eigenen Publikum so zu demontieren, sorgte nicht nur beim Publikum, sondern auch bei amerikanischen Boxexperten sowie der Fachpresse für gehörig Respekt und Anerkennung. Allerdings hinterließ der ungewohnt offensive Kampfstil des WBO–Weltmeisters auch seine Spuren. So hatte er die eine oder andere Führhand Mercers einstecken müssen, was sich recht schnell durch einige gut sichtbare Schwellungen im Gesicht des Ukrainers bemerkbar gemacht hatte.

Unter dem Strich jedoch war es eine der besten Vorstellungen des Hoffnungsträgers im Schwergewicht, was vor allem seinen ungewohnt offensiven Kampfstil zuzuschreiben sein dürfte. Man kann nur hoffen, dass man weitere Kämpfe dieser Art, vom jüngeren Klitschko zu sehen bekommt. Auch in Sachen Gegnerwahl, ein Thema bei dem im Zusammenhang mit den Klitschkos teilweise berechtigte Kritik aufgekommen ist, war der Kampf gegen Mercer durchaus ein Schritt in die richtige Richtung, hin zu Gegnern, die durchaus eine echte Herausforderung darstellen könnten, auch wenn Mercer seinen Vorschusslorbeeren damals nicht gerecht werden konnte.

Ein heißer Favorit auf den Titel des besten Kampfes 2002 aus nationaler Sicht, war sicherlich die zweite Auflage des Gefechtes zwischen Dariusz Michalczewski und Richard Hall um den WBO-Gürtel im Halbschwergewicht. Die BoxingPress Leser entschieden sich mit 23,45 % ihrer Stimmen jedoch anders, wobei der Abstand zum Erstplatzierten denkbar knapp ausgefallen ist.

Michalczewski, der zum ersten Mal als Profi unter polnischer Flagge in den Ring marschierte, hatte wie schon im ersten Kampf erhebliche Probleme mit seinem Herausforderer und vor allem in den Anfangsrunden sah es so aus, als könnte Hall die ganz große Sensation gelingen. Er legte vom ersten Gong an ein Tempo vor, dass den Weltmeister sichtbar beeindruckte und dem er nicht gewachsen schien. Schon in der ersten Runde öffnete sich ein Cut am rechten Auge des Deutsch-Polen und das linke begann stark anzuschwellen. Auch in den folgenden Runden fand der Weltmeister einfach nicht in den Kampf und musste teilweise schwere Treffer einstecken, wobei die Schwellung an Michalczewskis Auge immer größer wurde und es ungewiss war, wie lange er mit diesem Handikap hätte weiterboxen können.

Doch ab der fünften Runde vermochte der als notorischer Spätstarter bekannte Weltmeister vor allem durch seine konditionelle Stärke und seinen Kampfgeist den Kampf zu drehen, während Hall gleichzeitig seinem enormen Anfangstempo Tribut zollen musste. Schließlich konnte der "Tiger" seinen Kontrahenten in der zehnten Runde nach einem schweren linken Haken stellen, worauf der Ringrichter Rudy Battle Hall aus dem Kampf nahm.

Dieses Ende trübte leider den ansonsten packenden und spannenden Kampf. Denn der Herausforderer schien, wie schon beim Abbruch im ersten Kampf der beiden, noch verteidigungsfähig zu sein. Außerdem musste sich Michalczewski die durchaus berechtigte Frage gefallen lassen, ob es denn nicht angesichts seiner Verletzungen angebracht gewesen wäre, den Kampf zu seinen Ungunsten vorzeitig zu beenden, zumal er nach eigenem Bekunden kaum noch etwas sehen konnte.

Nichtsdestotrotz bekamen die Zuschauer in der Halle und vor dem Fernseher ein sehr unterhaltsamen Kampf zu sehen, was sich schließlich auch im Ergebnis dieser Umfrage widerspiegelt. Allerdings sollte sich Michalczewski für seine Kämpfe in diesem Jahr wieder etwas mehr auf seine boxerischen Fähigkeiten besinnen, anstatt in erster Linie auf seine kämpferischen Tugenden und seine Kondition zu vertrauen. Es ist fraglich, wie lange seine Gesundheit bei weiteren Kämpfen dieser Art noch mitspielt.

Das Unentschieden zwischen den beiden deutschen Cruisergewichtlern Alexander Petkovic und Rüdiger May ist mit 25,66 % aller Stimmen der Gewinner der BoxingPress-Wahl zum "nationalen Kampf des Jahres 2002". In diesem sehr hochklassigen und spannenden Stallduell zwischen Sauerland (May) und Universum (Petkovic) gab es nach zwölf Runden keinen Sieger. Die Zuschauer in der Dortmunder Westfalenhalle standen trotzdem auf ihren Stühlen. Selten hatte man in Deutschland in den vergangenen Jahren eine derart dramatische und verbissene Auseinandersetzung zweier deutscher Boxer gesehen. Der bisher noch ungeschlagene Petkovic wirkte zu Beginn offensiver und bestimmte das Tempo. Im Verlauf des Kampfes wurde der 27-jährige May zunehmend stärker und kontrollierte seinen Gegner zeitweise mit seiner linken Führhand.

In der Folgezeit war der Kampf sehr ausgeglichen. In der achten Runde setzte der Kölner wieder die klareren Wirkungstreffer, bevor er im gleichen Durchgang von seinem 22-jährigen Gegner mit einer Links-Rechts-Kombination schwer erwischt wurde. In Runde zehn musste May nach einem rechten Aufwärtshaken von Petkovic zu Boden, zeigte im Anschluss jedoch eine Energieleistung und brachte seinerseits Petkovic schwer in Bedrängnis. In den letzten beiden Runden des Aufeinandertreffens gaben beide Boxer noch einmal alles und zeigten weiterhin einen packenden Kampf. Die Punktrichter werteten den Fight mit 114:114, 113:113 und 114:113 für May insgesamt unentschieden. "Das war Werbung für den Boxsport," erklärte Rüdiger May nach Ende des Kampfes zu Recht.

 


Und hier geht es zu den schlechtesten "Kämpfen des Jahres 2002"...

 
     

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