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Die internationalen Aufsteiger des Jahres 2002:



Platz
Name
Prozent
1.
Chris Byrd
31,66 %
2.
Acelino Freitas
16,78 %
3.
Jean-Marc Mormeck
10,69 %
4.
Eric Lucas
9,20 %
5.
Wayne Braithwaite
5,82 %
6.
Antonio Tarver
5,28 %
7.
Alexander Munoz
2,84 %
7.
Richard Hatton
2,84 %
9.
Miguel Cotto
2,57 %
10.
Scott Harrison
2,30 %
11.
weitere...
10,02 %

von Jörg Lüdemann

Mit erheblichem Abstand gewann Schwergewichtler Chris Byrd die Wahl zum "Aufsteiger des Jahres 2002" auf internationaler Ebene. Sein Gewinn des vakanten IBF-WM-Gürtels im Dezember gegen Altmeister Evander Holyfield führte ein für den US-Amerikaner ansonsten fast ereignisloses Boxjahr doch noch zu einem versöhnlichen Ende.

• Auf Platz 10 wählten die BoxingPress-Leser den neuen schottischen WBO-Federgewichts-Weltmeister Scott Harrison. Der Schotte entthronte im vergangenen Oktober den Istvan Kovacs-Bezwinger Julio Pablo Chacon über zwölf Runden nach Punkten. Harrison ließ von Beginn an keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit aufkommen und drängte Chacon dank harter Treffer immer wieder in die Defensive. Der 25-Jährige ist seither der erste Vertreter seines Landes, der sich einen WM-Gürtel im Federgewicht umlegen durfte. Zuvor hatte sich Harrison in den vergangenen Jahren gegen solide Gegner kontinuierlich verbessert und bis in die erweiterte Weltspitze hochgeboxt. Dabei halfen ihm seine Konditionsstärke und seine starke Physis, eine gewisse boxerische Eindimensionalität zu kompensieren. Im Frühjahr wartet nun gleich bei seiner ersten Pflichtverteidigung ein ganz harter Brocken auf den Schotten: Ex-Champ Wayne McCullough wird Harrison zweifellos vor eine ganz harte Prüfung stellen.

• Hätte es eine Abstimmung zum "Newcomer des Jahres" gegeben - Miguel Angel Cotto hätte diese Kategorie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit gewonnen. Doch die gute Konkurrenz unter den internationalen Aufsteigern verhalf dem Puerto-Ricaner im Jahr 2002 vorerst nur auf den neunten Platz. Dabei scheint der Juniorweltergewichtler auf dem Weg zur Spitze kaum mehr aufzuhalten. Mit beeindruckender Konstanz und einer angesichts seiner 22 Jahre bemerkenswerten Abgebrühtheit, schraubte Cotto im letzten Jahr insgesamt sieben durchaus ordentliche Gegner auseinander. Der Puerto-Ricaner wird in Mexico bereits mit dem legendären Julio Cesar Chavez verglichen, von dem Henry Maske im Sport1- Interview nicht weiß, ob er immer noch boxt. Doch Cotto kann diesem Vergleich bislang standhalten: Der 22-Jährige bringt boxerisch scheinbar alles mit, um noch im Jahr 2003 den ersten Weltmeister-Gürtel zu erobern. Hinzu kommt eine mehr als solide Deckung, hinter der sich ein Kinn befindet, das einiges wegstecken kann. Cotto boxt druckvoll, aber nie überhastet und zermürbt seine Gegner konsequent und kompromisslos. Der junge Puerto-Ricaner ist ein absolutes Ausnahmetalent und dürfte in naher Zukunft weiter auf sich aufmerksam machen. Bereits im neuen Jahr untermauerte Cotto mit einem KO-Sieg in Runde elf über Ex-Weltmeister Cesar Bazan seine Ambitionen auf einen WM-Kampf.

• Den 7. Platz teilen sich dieses Mal mit Ricky Hatton ebenfalls ein aufstrebender Juniorweltergewichtler und mit Alexander Munoz (Foto) ein neuer Weltmeister aus Venezuela. Dass sich Munoz bislang vor allem im Kampf gegen asiatische Gegner hervortat, ist wohl primär auf die Gewichtsklasse zurückzuführen, in der der 23-Jährige aktiv ist - das Superfliegengewicht. Nachdem die Boxöffentlichkeit bis Anfang 2002 keinerlei Notiz von Munoz genommen hatte, da dieser fast ausschließlich in seiner Heimat Venezuela geboxt hatte, änderte sich dies im März schlagartig. In Japan gelang es dem schlagstarken Munoz, den erfahrenen Weltmeister Celes Kobayashi insgesamt fünfmal zu Boden zu schicken, ehe der Kampf in der achten Runde zu seinen Gunsten abgebrochen wurde. Den verzweifelten Plan der Japaner, den WM-Gürtel in ihrem Land zu behalten, durchkreuzte Munoz durch einen vernichtenden Zweitrunden-KO im Juli gegen den bis dahin ungeschlagenen Eiji Kojima. Seither stand der Venezuelaner allerdings nicht mehr im Ring. Seine Knockout-Power (23 KO's in 23 Kämpfen) steht außer Frage. Zweifel an seinen boxerischen Fähigkeiten bleiben jedoch bestehen, denn in seinem WM-Kämpfen agierte Munoz streckenweise noch viel zu wild und unpräzise.

Für den Briten Ricky Hatton könnte das Jahr 2002 als ein Jahr der Stagnation gewertet werden – je nach Bewertungsmaßstab. Wie im Vorjahr besiegte der "Hitman" mit Mikhail Krivolapov, Eamonn Magee, Stephen Smith und Joe Hutchinson sehr solide Gegner, kam seinem großen Ziel, einem WM-Kampf gegen den unumstrittenen Champion Kostya Tszyu, damit jedoch nur ein kleines Stück näher. Dennoch können die stetigen sportlichen Herausforderungen der Weiterentwicklung Hattons mit Sicherheit nicht geschadet haben. Der 24-Jährige Brite
überzeugte auch 2002 mit seiner Schlagkraft, seinem unbändigen Willen und einem variablen Schlagrepertoire. Seine WM-Chance wird nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen.

Der sechstplatzierte US-Amerikaner Antonio Tarver galt in der Szene lange Zeit als zu phlegmatisch und trainingsfaul. Obwohl zu Amateurzeiten ein hochdekorierter Star, wollte dem Halbschwergewichtler bei den Profis der Durchbruch nicht recht gelingen. Die Initialzündung kam schließlich im Jahr 2002 in Form eines Trainerwechsels. Ex-Weltmeister Buddy McGirt nahm Tarver unter seine Fittiche und dies sehr erfolgreich. Der von vielen US-Fachjournalisten zum "Trainer des Jahres" gewählte McGirt motivierte den mittlerweile 34-Jährigen zu einem neuen Anlauf zu Titelehren. Mit zwei sehr überzeugenden Siegen gegen Reggie Johnson und Eric Harding, zwei Boxer von internationaler Klasse, katapultierte sich Tarver an die vordersten Ranglistenpositionen im Halbschwergewicht. Dabei beeindruckte der US-Amerikaner vor allem durch eine stark verbesserte Physis, ein vielseitiges Schlagarsenal und den unbedingten Siegeswillen, den man so lange bei ihm vermisste. Der verdiente Lohn: Im März wird Tarver gegen Montell Griffin um die vakante IBF-Krone im Halbschwergewicht boxen.

• Auf den 5. Platz wählten die Boxingpress-Leser den neuen WBC-Cruisergewichts-Weltmeister Wayne Braithwaite aus Guyana. Wäre er nicht das Opfer einer schier endlosen Aneinanderreihung von Kampfabsagen geworden, hätten die Boxfans im Jahr 2002 wohl mehr als einen WM-Kampf des talentierten 27-Jährigen sehen können. Der ursprünglich für den April angesetzte WM-Kampf gegen den Italiener Vincenzo Cantatore um den (von Juan Carlos Gomez niedergelegten) WBC-Titel, fand erst im Oktober statt. Braithwaite zeigte im italienischen Campione D'Italia eine sehr entschlossene Vorstellung und gewann den Kampf in der zehnten Runde durch TKO. Dabei setzte der 27-Jährige sein breitgefächertes Schlagarsenal geschickt ein, schlug sehr gefährliche Aufwärtshaken und zeigte gute Meidbewegungen. Die Tatsache, dass Braithwaite seine Deckungslücken im Infight und überraschende konditionelle Mängel in den späteren Runden fast noch zum Verhängnis wurden, beweist, dass der Mann aus Guyana noch an sich wird arbeiten müssen, um seinen Titel auch über das neue Jahr hinaus verteidigen zu können.

• Platz 4 ging an einen als verletzungsanfällig bekannten Boxer, den viele Beobachter 1999 schon abgeschrieben hatten. Doch WBC-Supermittelgewichts-Weltmeister Eric Lucas stellte bereits mit seinem Titelgewinn über den Briten Glenn Catley im Juli 2001 unter Beweis, dass mit ihm noch zu rechnen sein sollte. Im zweiten Jahr seiner Regentschaft gelangen dem 31-jährigen Kanadier dann zwei Punktsiege über die US-Amerikaner Vinny Pazienza und Omar Sheika. Vor allem der klare Sieg über den gefährlichen Brawler Sheika beseitigte die letzten Zweifel an den Fähigkeiten des Weltmeisters. Lucas befindet sich in einer beeindruckenden Spätform seiner Karriere. Der 31-Jährige beherrscht seine Gegner sowohl im Infight, als auch aus der Distanz, und hat sich zu einem Weltmeister ohne offensichtliche Schwächen entwickelt. Ob es Konterboxer Markus Beyer im April gelingen wird, den Höhenflug des Kanadiers zu stoppen? Manches spricht dagegen.

• Auf Platz 3 landete mit 10,69% der Franzose Jean-Marc Mormeck. Wie auch der fünftplatzierte Braithwaite kam Mormeck erst im vergangenen Jahr zu Titelehren. Der 30-Jährige bezwang den Veteran Virgil Hill - zur Überraschung vieler Experten. Mit einem vorzeitigen Erfolg über den zähen Kanadier Dale Brown bestätigte der Franzose im zweiten Halbjahr 2002 seinen Aufwärtstrend. Die wirklichen sportlichen Herausforderungen fehlen jedoch bislang im Rekord des Weltmeisters. Die Schwächen Mormecks, der erst spät mit dem Boxen anfing, sind nicht zu übersehen. Der Franzose boxt zu offen, kassiert zuviel, agiert oft sehr statisch und kennt meist nur den Infight. Ein gut ausgebildeter Boxer dürfte gute Chancen besitzen, den Franzosen aus der Distanz zu bezwingen. Trotzdem darf Mormeck nicht unterschätzt werden. Der Weltmeister verfügt über ordentliche Schlagkraft, gute Aufwärtshaken und sehr gute Pendelbewegungen im Oberkörper. Außerdem sind seine Nehmerqualitäten und sein ausgeprägter Siegeswillen beachtlich. Über wieviel Potential Mormeck tatsächlich verfügt, dürfte sich spätestens in diesem Frühjahr klären, wenn seine Pflichtverteidigung gegen den bärenstarken Ukrainer Alexander Gurov ansteht.

• Den zweiten Platz unter den internationalen Aufsteigern belegte mit 16,78% der schlagstarke Brasilianer Acelino Freitas. Gleich zu Jahresbeginn 2002 bekam WBO-Champ Freitas die Chance, im Kampf gegen WBA-Weltmeister Joel Casamayor aus Kuba den stärksten Superfedergewichtler der Welt zu ermitteln. Viele Beobachter rechneten fest damit, dass der boxerisch hervorragend geschulte Casamayor dem als KO-Schläger geltenden Brasilianer dessen Grenzen aufzeigen würde. Doch Freitas arbeitete im Vorfeld hart an seinen Schwächen in der Defensive und in der Kampfesführung. Er wurde dafür belohnt. Im Januar gelang dem 27-Jährigen ein knapper Punktsieg gegen den zuvor ungeschlagenen Casamayor, zeigte dabei bisher ungekanntes, boxerisches Können. Dies bestätigte sich auch im August, als Freitas dem unbequemen Rechtsausleger Daniel Attah aus Nigeria dessen erste Niederlage beibrachte. Im vergangenen Jahr zeigte sich: Der Brasilianer boxt inzwischen abgeklärter als noch vor zwei Jahren. Freitas hat stark an seiner Beinarbeit und seinen Schlagkombinationen gearbeitet. Ein Konditions- und Kraftprotz war der Weltmeister ohnehin schon seit jeher. Im Superfedergewicht gehen ihm nun mittlerweile die Gegner aus. Vieles deutet daher im neuen Jahr auf einen Rückkampf gegen Casamayor und danach auf einen Aufstieg ins Leichtgewicht hin. Dort wartet "Pretty Boy" Floyd Mayweather, den Freitas schon mehrfach herausgefordert hat.

• Mit 31,66% sicherte sich Chris Byrd den Titel "Internationaler Aufsteiger des Jahres 2002" mit deutlichem Vorsprung. Dabei war das vergangene Jahr für den symphatischen US-Amerikaner überwiegend ein Jahr im Wartestand. Nachdem sich der 31-Jährige mit seinen Siegen über Maurice Harris und David Tua Ende 2001 bis zum Pflichtherausforderer des damaligen IBF-Weltmeisters Lennox Lewis geboxt hatte, schien die große Frustration einzusetzen. Denn Lewis pausierte nach seinem erfolgreichen Rückkampf gegen Hasim Rahman bis zur Jahresmitte, ehe er zunächst seiner WBC-Pflichtverteidigung gegen Mike Tyson nachkam. Danach hielt sich der Brite wochenlang bedeckt, bis er schließlich bekannt gab, keinen Sinn in einer Titelverteidigung gegen den "Vogel" Byrd zu sehen. Lewis gab den IBF-Gürtel auf und ließ sich diese Geste von Byrd-Promoter Don King mit einem beträchtlichen Sümmchen versüßen. Chris Byrd bestritt unterdessen nur einen Aufbaukampf und musste bis zum 14. Dezember warten, ehe er, gut zwei Jahre nach seinem Titelverlust gegen Wladimir Klitschko, seine neue WM-Chance bekam. Seinen mittlerweile 40-jährigen Gegner, Evander Holyfield, hatte Byrd über weite Strecken des Kampfes sicher im Griff. Der 32-Jährige frustrierte den erfahrenen Veteran mit seinem unorthodoxen Stil zusehends und sammelte mit seinem kraftlosen, aber effektiven rechten Jab Runde für Runde auf den Punktzetteln. Am Ende sprang ein klarer, aber unspektakulärer Punktsieg für Byrd heraus. Ein schönes Happy-End für den intelligenten Boxer, der sicher auch im neuen Jahr seinen Herausforderern viele Rätsel aufgeben wird.

Einige in dieser Umfragekategorie unter "weitere..." aufgeführte Boxer, die nur wenige Prozente erhielten, sind trotzdem eine Erwähnung wert: Der US-Schwergewichtler DaVarryl Williamson bahnte sich seinen Weg durch solide Gegnerschaft und scheint auch im neuen Jahr dort weiterzumachen. Oscar Larios aus Mexiko gewann den WBC-Titel im Superbantamgewicht gegen Willie Jorrin. Auch Juniorweltergewichtler Vivian Harris, Leichtgewichtler Leonard Dorin, Superbantamgewichtler Joan Guzman, Weltergewichtler Ricardo Mayorga und Bantamgewichtler Cruz Carbajal kamen - manches Mal überraschend - zu Weltmeister-Ehren. Erwähnung finden müssen außerdem zwei weitere, sehr vielversprechende Talente aus den USA, die im vergangenen Jahr bereits nachhaltig auf sich aufmerksam machen konnten: Ricardo Williams gilt bereits als zukünftiger Weltmeister im Juniorweltergewicht und auch der charismatische Mittelgewichtler Jermain Taylor sollte den Boxfans weltweit schon bald ein Begriff sein.


Die Aufsteiger des Jahres 2002 "national":


Platz
Name
Prozent
1.
Timo Hoffmann
22,4 %
2.
Michel Trabant
18,4 %
3.
Danilo Häußler
17,6 %
4.
Robert Stieglitz
8,8 %
4.
Thomas Ulrich
8,8 %
6.
Sinan Samil Sam
8,0 %
7.
Alexander Petkovic
7,2 %
8.
Lukas Konecny
6,4 %
9.
Mario Veit
2,4 %

von Arne Leyenberg

Ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich Timo Hoffmann, Michel Trabant und Danilo Häußler bei der Wahl zum "nationalen Aufsteiger des Jahres 2002". Am Ende hatte Hoffmann die Nase wohl deshalb vorn, weil die Fangemeinde des symphatischen Schwergewichtlers in Deutschland immer weiter bzw. am stärksten wächst.

Ein Boxer aus dem Hause Universum, dem bis vor kurzem wohl die wenigsten irgendeinen Platz in dieser Kategorie zugetraut hätten, ist Mario Veit. In letzter Minute machte sich Veit selbst zu einem Aufsteiger des abgelaufenen Jahres, indem er den hoch gehandelten Malik Dziarra am 21. Dezember vorzeitig besiegte. Oder ist es doch eher Trainer Fritz Sdunek, dem der Lorbeer für diesen Sieg gebührt? Ein gewaltiger Leistungssprung war bei Veit gegen Dziarra auszumachen. Der früher oftmals zögerliche, mit sich selbst hadernde Veit ging nach vorne, boxte aggressiv und suchte die Entscheidung. Kein Vergleich mehr zu seinem Auftritt als Herausforderer um die WBO-WM im April 2001 gegen Joe Calzaghe. Damals war Veit in der ersten Runde K.o. gegangen. Das Duell mit Dziarra war Veits erster Kampf unter der sportlichen Leitung von Trainer Sdunek. Jean-Marcel Nartz, der die Veranstaltung in Cottbus kurz vor Weihnachten organisiert hatte, wollte den "besten Mario aller Zeiten" gesehen haben. Und er war nicht der einzige.

Lukas Konecny war mit acht Kämpfen im Jahr 2002 einer der aktivsten deutschen Berufsboxer. Bereits im April sicherte er sich in beeindruckender Manier den Titel des Internationalen Deutschen Meisters im Halbmittelgewicht. Artur Drinej setzte er von Anfang an unter Druck, diesem war der Berliner nicht gewachsen. Schon in der dritten Runde war Schluss. Im Anschluss an diesen Sieg folgten drei Erfolge Konecnys über Gegner, deren Kampfrekorde zusammengerechnet sich wie folgt lesen: Null Siege, 29 Niederlagen und ein Unentschieden. Auf den nächsten ernstzunehmenden Gegner traf Konecny im September: Koren Gevor aus dem Hamburger Universum-Stall. Der Sprung schien zu groß, nach starkem Beginn baute der Magdeburger schnell ab. In der siebten Runde stießen die Boxer mit den Köpfen zusammen, ein Cut über dem linken Auge Gevors machte eine Fortsetzung des Duells unmöglich. Nach Punkten lag Konecny noch in Front, technischer Punktsieg. Drei Monate später folgte der Rückkampf. Konecny und Gevor lieferten sich abermals ein mitreißendes Duell, dessen Ende mindestens ebenso unglücklich ausfiel wie beim ersten Aufeinandertreffen. Gevor blutete erneut zu stark aus einem Riss über dem Auge. Obwohl auch hier die Punkte hätten ausgezählt werden müssen- diesmal hätte wohl Gevor gewonnen- wurde der Kampf zu Gunsten Konecnys abgebrochen. Technischer K.o. in der achten Runde.

Alexander Petkovic ging als Gewinner aus einem Kampf hervor, der eigentlich keinen Sieger hatte. Sein Duell mit Rüdiger May im Juli 2002 endete Unentschieden. Doch dem Urteilsspruch waren zwölf denkwürdige Runden in der Dortmunder Westfalenhalle vorausgegangen. Besonders brisant war der Kampf, weil es sich mal wieder um ein Stallduell zwischen den beiden größten deutschen Boxunternehmen, Universum und Sauerland Event, handelte. Mit einem beeindruckenden rechten Haken hatte Petkovic seinen Gegner in der zehnten Runde zu Boden geschickt, doch May kam zurück. Der "BoxSport" schrieb damals: "Gegen den Puncher Petkovic war er wieder einmal als Außenseiter angetreten und hatte all sein Herz und seine Kampfkraft in den dramatischen zwölf Runden demonstriert. Ein Kampf, der zwei Sieger verdient gehabt hätte." Dem boxerischen Highlight von Dortmund folgte das Highlight für den Boxer. Im Dezember durfte Petkovic im Rahmen der WBO-Weltmeisterschaft Wladimir Klitschko gegen Jameel McCline in Las Vegas in den Ring steigen. John Battle wurde von Petkovic ausgeboxt, in der sechsten Runde wurde das ungleiche Duell gestoppt. Insgesamt absolvierte Petkovic 2002 fünf Kämpfe.

Sinan Samil Sam ist auch ein Aufsteiger des Jahres. Aufgestiegen ist er zum Europameister im Schwergewicht. Dass dieser Titel schon lange nicht mehr das ist, was er mal war, weiß man nicht zuletzt seitdem Luan Krasniqi live im deutschen Fernsehen demonstrierte, dass es sich für diesen blauen Gürtel nicht einmal lohnt, mehr als neun Runden gegen einen unterdurchschnittlichen Gegner zu boxen. Aber Samil Sam ist der erste türkische Europameister in der Königsklasse, er bezwang Krasniqis Angstgegner Przemyslaw Saleta durch technischen K.o. in der siebten Runde. Ob dieser Schritt für den 28jährigen nicht zu früh kam, wird das Jahr 2003 zeigen. Trotz seiner für einen Boxer mit Ambitionen ungewöhnlichen Leibesfülle ist der untersetzte Universum-Boxer jedoch ein unangenehmer Kämpfer, der es jedem Gegner schwer machen kann. Gegen Saleta beeindruckte er zudem durch Nehmerfähigkeiten. Mit dem Briten Danny Williams wartet jetzt ein starker Pflichtherausforderer.

Robert Stieglitz stand 2002 achtmal im Ring. Diesen verließ er auch achtmal als Sieger, zur Belohnung gibt es mit 8,8 Prozent der Stimmen Platz vier von den Boxingpress-Usern. Zuletzt kletterte Stieglitz sogar als Juniorenweltmeister der IBF aus dem Seilgeviert, nach einem Punktsieg über Sergey Karanevich im Oktober. Der 21 Jahre alte Magdeburger wurde auch im abgelaufenen Jahr behutsam von Promoter Ulf Steinforth aufgebaut. Stieglitz hat noch viel Zeit zu lernen und diese scheint man ihm auch zu gewähren.

Thomas Ulrich, punktgleich mit Stieglitz auf Rang vier, ist einer dieser Universum-"Problemfälle", die sich in die Arme des behandelnden Oberarztes, Dr. Fritz Sdunek, begeben haben. Im Juli 2001 war Ulrich gegen Glen Johnson schwer K.o. gegangen. Der sensible Berliner zweifelte an sich selbst, für ihn war "eine Welt zusammengebrochen". Doch Sdunek scheint abermals das richtige Heilmittel gefunden zu haben. Ulrich ist wieder Hauptkämpfer im deutschen Fernsehen und zugleich Titelträger. Europameister Yawe Davis entthronte er mit einem K.o.-Sieg in der zweiten Runde. Zugegeben, ein amtierender Champion, der auch als solcher die Heimreise antreten will, boxt anders. Ganz anders. Aber für Ulrich war es sicherlich der richtige Gegner zum richtigen Zeitpunkt. Das ZDF hat mit Ulrich einen gutaussehenden Strahlemann in der Hauptrolle, bald wird Graciano Rocchigiani als Bösewicht zum Showdown dazukommen.

Danilo Häußler ist auch im Jahre 2003 noch Europameister. Genau wie 2002. Und 2001. Wieso zählt er dann auf Platz drei zu den Aufsteigern des Jahres, wird sich mancher fragen. Von einigen mag er die Antwort erhalten, weil er höher nicht aufsteigen könne und es schon eine Überraschung sei, dass er noch Europameister ist. Andere werden sagen, dass Häußler im Jahre 2002 seinen Titel dreimal erfolgreich verteidigt hat. Gegen Mustapha Ilir, Juan Nelongo Perez und natürlich gegen Glenn Catley, keinen geringeren als den ehemaligen Weltmeister aus England, der Häußlers Stallgefährten Markus Beyer als WBC-Champion entthronte. Häußler ist zum regelmäßigen Hauptkämpfer des Fernsehsenders ARD aufgestiegen, das steht fest. Auch 2003 soll er das bleiben. Zu Beginn des neuen Jahres besiegte er Catley erneut.

2002 war auch ein äußerst erfolgreiches Jahr für Michel Trabant, das dokumentieren 18,4 Prozent der Stimmen und Platz zwei in der Aufsteiger-Rangliste. Mit seinem Sieg im Europameisterschafts-Kampf über Christian Bladt hat Trabant den Kreis der Talente verlassen und ist in die internationale Klasse aufgestiegen. In Danzig hatte der 24 Jahre alte Berliner seinen dänischen Gegner souverän ausgepunktet, vier Monate später bewies er bei seiner ersten Titelverteidigung, dass er auch das Herz eines Champions hat. Gegner Jozsef Matolcsi hatte ihm zu Beginn des Duells mächtig zugesetzt, Trabant blutete aus zwei Cuts über den Augen. Doch "Trabi", der Fighter, bewahrte einen kühlen Kopf, kämpfte sich zurück und siegte. Durch technischen K.o. in der fünften Runde.

Trabant ist schon seit sieben Jahren Berufsboxer. Obwohl er den Weg ins Profilager nicht als hochdekorierter Amateurboxer antrat, stand er von Anbeginn an im Licht der Öffentlichkeit. Mit 17 Jahren einen Profivertrag zu unterschreiben, sorgte 1995 noch für Aufsehen. Zumal Trabant nun in Diensten des Branchenführers "Universum Box-Promotion" stand, dessen Macher es geschickt verstanden, den schweigsamen Berliner zu vermarkten. So war Trabant die nächsten Jahre stets in deutschen Boxringen und Gazetten präsent, ohne allerdings die ganz großen Schlagzeilen zu produzieren. Zu Beginn des Jahres 2002 hätte man es wohl niemandem verübeln können, Trabant das viel zitierte Prädikat des "ewigen Talents" zu verleihen. Mit seinen Kämpfen gegen Bladt und Matolcsi hat Trabant jedoch bewiesen, dass man nicht zwangsweise ein erfolgreicher, in Hunderten von Kämpfen erprobter Amateur gewesen sein muss, um als Berufsboxer zu Titelehren zu kommen. Sein Weg des behutsamen Aufbaus und der gründlichen Ausbildung scheint der richtige gewesen zu sein. Trabant hatte als Neuprofi von 17 Jahren viel Zeit und diese hat man ihm gegeben.

Timo Hoffmann schließlich ist mit 22,4 Prozent aller Stimmen der Aufsteiger des Jahres aus nationaler Sicht. Drei Siege gelangen Hoffmann im Jahr 2002 und damit untermauerte der Eislebener seinen Wandel vom belächelten "Riesenbaby" zur neuen deutschen Schwergewichtshoffnung. Die Gründe dafür liegen wohl gleichermaßen bei seiner sportlichen Entwicklung unter der Anleitung von Trainer Manfred Wolke als auch am Mangel an konkurrenzfähigen Schwergewichtlern in Deutschland. Hoffmann besiegte zunächst Universum-Boxer Balu Sauer im März, punktete dann drei Monate später den ehemaligen Klitschko-Bezwinger Ross Puritty aus und schlug schließlich im September den hoffnungslos unterlegenen Dick Ryan K.o..

Mit dem Gewinn des IBF-Interkontinental-Titels hat der Mann aus dem Sauerland-Stall schon mehr erreicht, als es ihm viele Kritiker zu Beginn seiner Profikarriere zugetraut hätten. Die vorzeitigen Siege über Sauer und Ryan waren spektakulär und haben dazu beigetragen, dass Hoffmann sicherlich auch 2003 zu den deutschen Publikumslieblingen gehören wird. Die einzige Niederlage 2002 musste der 28-Jährige nach seinem eigentlich klaren Sieg über Puritty gegen Ringsprecherin Christine Neubauer einstecken. Die TV-Mimin hatte die Punktwertungen fälschlicherweise zugunsten des Amerikaners vorgelesen und sich ihm nächsten Moment wieder korrigiert. Aber war das nicht doch eher Neubauers K.o.-Niederlage?


Und hier geht es weiter mit den "Absteigern des Jahres 2002"...

 
     

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