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Die
internationalen Aufsteiger des Jahres 2002:
|
Platz
|
Name
|
Prozent
|
|
1.
|
Chris
Byrd
|
31,66
%
|
|
2.
|
Acelino
Freitas
|
16,78
%
|
|
3.
|
Jean-Marc
Mormeck
|
10,69
%
|
|
4.
|
Eric
Lucas
|
9,20
%
|
|
5.
|
Wayne
Braithwaite
|
5,82
%
|
|
6.
|
Antonio
Tarver
|
5,28
%
|
|
7.
|
Alexander
Munoz
|
2,84
%
|
|
7.
|
Richard
Hatton
|
2,84
%
|
|
9.
|
Miguel
Cotto
|
2,57
%
|
|
10.
|
Scott
Harrison
|
2,30
%
|
|
11.
|
weitere...
|
10,02
%
|
von Jörg
Lüdemann
Mit erheblichem
Abstand gewann Schwergewichtler Chris
Byrd die Wahl zum "Aufsteiger des Jahres 2002" auf internationaler
Ebene. Sein Gewinn des vakanten IBF-WM-Gürtels im Dezember gegen
Altmeister Evander
Holyfield führte ein für den US-Amerikaner ansonsten
fast ereignisloses Boxjahr doch noch zu einem versöhnlichen Ende.
Auf
Platz 10 wählten die BoxingPress-Leser den neuen schottischen WBO-Federgewichts-Weltmeister
Scott
Harrison. Der Schotte entthronte im vergangenen Oktober
den Istvan Kovacs-Bezwinger Julio
Pablo Chacon über zwölf Runden nach Punkten.
Harrison ließ von Beginn an keinen Zweifel an seiner Entschlossenheit
aufkommen und drängte Chacon dank harter Treffer immer wieder in die Defensive.
Der 25-Jährige ist seither der erste Vertreter seines Landes, der
sich einen WM-Gürtel im Federgewicht umlegen durfte. Zuvor hatte sich
Harrison in den vergangenen Jahren gegen solide Gegner kontinuierlich
verbessert und bis in die erweiterte Weltspitze hochgeboxt. Dabei halfen
ihm seine Konditionsstärke und seine starke Physis, eine gewisse
boxerische Eindimensionalität zu kompensieren. Im Frühjahr wartet
nun gleich bei seiner ersten Pflichtverteidigung ein ganz harter Brocken
auf den Schotten: Ex-Champ Wayne
McCullough wird Harrison zweifellos vor eine ganz harte Prüfung
stellen.
Hätte es eine Abstimmung zum "Newcomer des Jahres" gegeben
- Miguel
Angel Cotto hätte diese Kategorie mit an Sicherheit
grenzender Wahrscheinlichkeit gewonnen. Doch die gute Konkurrenz unter
den internationalen Aufsteigern verhalf dem Puerto-Ricaner im Jahr 2002
vorerst nur auf den neunten Platz. Dabei scheint der Juniorweltergewichtler
auf dem Weg zur Spitze kaum mehr aufzuhalten. Mit beeindruckender Konstanz
und einer angesichts seiner 22 Jahre bemerkenswerten Abgebrühtheit,
schraubte Cotto im letzten Jahr insgesamt sieben durchaus ordentliche
Gegner auseinander. Der Puerto-Ricaner wird in Mexico bereits mit dem
legendären Julio
Cesar Chavez verglichen, von dem Henry Maske im
Sport1-
Interview nicht weiß, ob er immer noch boxt. Doch Cotto kann
diesem Vergleich bislang standhalten: Der 22-Jährige bringt boxerisch
scheinbar alles mit, um noch im Jahr 2003 den ersten Weltmeister-Gürtel
zu erobern. Hinzu kommt eine mehr als solide Deckung, hinter der sich
ein Kinn befindet, das einiges wegstecken kann. Cotto boxt druckvoll,
aber nie überhastet und zermürbt seine Gegner konsequent und kompromisslos.
Der
junge Puerto-Ricaner ist ein absolutes Ausnahmetalent und dürfte
in naher Zukunft weiter auf sich aufmerksam machen. Bereits im neuen Jahr
untermauerte Cotto mit einem KO-Sieg in Runde elf über Ex-Weltmeister
Cesar
Bazan seine
Ambitionen auf einen WM-Kampf.
Den 7. Platz teilen sich dieses Mal mit Ricky
Hatton ebenfalls ein aufstrebender Juniorweltergewichtler
und mit Alexander
Munoz (Foto) ein neuer Weltmeister aus Venezuela. Dass
sich Munoz bislang vor allem im Kampf gegen asiatische Gegner hervortat,
ist wohl primär auf die Gewichtsklasse zurückzuführen,
in der der 23-Jährige aktiv ist - das Superfliegengewicht. Nachdem
die Boxöffentlichkeit bis Anfang 2002 keinerlei Notiz von Munoz genommen
hatte, da dieser fast ausschließlich in seiner Heimat Venezuela
geboxt hatte, änderte sich dies im März schlagartig. In Japan
gelang es dem schlagstarken Munoz, den erfahrenen Weltmeister Celes
Kobayashi insgesamt fünfmal zu Boden zu schicken, ehe der Kampf
in der achten Runde zu seinen Gunsten abgebrochen wurde. Den verzweifelten
Plan der Japaner, den WM-Gürtel in ihrem Land zu behalten, durchkreuzte
Munoz durch einen vernichtenden Zweitrunden-KO im Juli gegen den bis dahin
ungeschlagenen Eiji Kojima. Seither stand der Venezuelaner allerdings
nicht mehr im Ring. Seine Knockout-Power (23 KO's in 23 Kämpfen)
steht außer Frage. Zweifel an seinen boxerischen Fähigkeiten
bleiben jedoch bestehen, denn in seinem WM-Kämpfen agierte Munoz
streckenweise noch viel zu wild und unpräzise.
Für
den Briten
Ricky
Hatton könnte das Jahr 2002 als ein Jahr der Stagnation
gewertet werden – je nach Bewertungsmaßstab. Wie im Vorjahr besiegte
der "Hitman" mit Mikhail Krivolapov, Eamonn Magee,
Stephen Smith und Joe Hutchinson sehr solide Gegner, kam
seinem großen Ziel, einem WM-Kampf gegen den unumstrittenen Champion
Kostya Tszyu, damit jedoch nur ein kleines Stück näher.
Dennoch können die stetigen sportlichen Herausforderungen der Weiterentwicklung
Hattons mit Sicherheit nicht geschadet haben. Der 24-Jährige Brite
überzeugte
auch 2002 mit seiner Schlagkraft, seinem unbändigen Willen und einem
variablen Schlagrepertoire. Seine WM-Chance wird nicht mehr allzu lange
auf sich warten lassen.
Der sechstplatzierte US-Amerikaner Antonio
Tarver galt in der Szene lange Zeit als zu phlegmatisch
und trainingsfaul. Obwohl zu Amateurzeiten ein hochdekorierter Star, wollte
dem Halbschwergewichtler bei den Profis der Durchbruch nicht recht gelingen.
Die Initialzündung kam schließlich im Jahr 2002 in Form eines
Trainerwechsels. Ex-Weltmeister Buddy McGirt nahm Tarver unter
seine Fittiche und dies sehr erfolgreich. Der von vielen US-Fachjournalisten
zum "Trainer des Jahres" gewählte McGirt motivierte den
mittlerweile 34-Jährigen zu einem neuen Anlauf zu Titelehren. Mit
zwei sehr überzeugenden Siegen gegen Reggie Johnson und Eric
Harding, zwei Boxer von internationaler Klasse, katapultierte sich
Tarver an die vordersten Ranglistenpositionen im Halbschwergewicht. Dabei
beeindruckte der US-Amerikaner vor allem durch eine stark verbesserte
Physis, ein vielseitiges Schlagarsenal und den unbedingten Siegeswillen,
den man so lange bei ihm vermisste. Der verdiente Lohn: Im März wird
Tarver gegen Montell
Griffin um die vakante IBF-Krone im Halbschwergewicht boxen.
Auf den 5. Platz wählten die Boxingpress-Leser den neuen WBC-Cruisergewichts-Weltmeister
Wayne
Braithwaite aus Guyana. Wäre er nicht das Opfer einer
schier endlosen Aneinanderreihung von Kampfabsagen geworden, hätten
die Boxfans im Jahr 2002 wohl mehr als einen WM-Kampf des talentierten
27-Jährigen sehen können. Der ursprünglich für den
April angesetzte WM-Kampf gegen den Italiener Vincenzo Cantatore
um den (von Juan Carlos Gomez niedergelegten) WBC-Titel, fand erst
im Oktober statt. Braithwaite zeigte im italienischen Campione D'Italia
eine sehr entschlossene Vorstellung und gewann den Kampf in der zehnten
Runde durch TKO. Dabei setzte der 27-Jährige sein breitgefächertes
Schlagarsenal geschickt ein, schlug sehr gefährliche Aufwärtshaken
und zeigte gute Meidbewegungen. Die Tatsache, dass Braithwaite seine Deckungslücken
im Infight und überraschende konditionelle Mängel in den späteren
Runden fast noch zum Verhängnis wurden, beweist, dass der Mann aus
Guyana noch an sich wird arbeiten müssen, um seinen Titel auch über
das neue Jahr hinaus verteidigen zu können.
Platz
4 ging an einen als verletzungsanfällig bekannten Boxer, den viele
Beobachter 1999 schon abgeschrieben hatten. Doch WBC-Supermittelgewichts-Weltmeister
Eric
Lucas stellte bereits mit seinem Titelgewinn über den Briten
Glenn
Catley im Juli 2001 unter Beweis, dass mit ihm noch zu rechnen
sein sollte. Im zweiten Jahr seiner Regentschaft gelangen dem 31-jährigen
Kanadier dann zwei Punktsiege über die US-Amerikaner Vinny
Pazienza und Omar
Sheika. Vor allem der klare Sieg über den gefährlichen
Brawler Sheika beseitigte die letzten Zweifel an den Fähigkeiten
des Weltmeisters. Lucas befindet sich in einer beeindruckenden Spätform
seiner Karriere. Der 31-Jährige beherrscht seine Gegner sowohl im
Infight, als auch aus der Distanz, und hat sich zu einem Weltmeister ohne
offensichtliche Schwächen entwickelt. Ob es Konterboxer Markus
Beyer im April gelingen wird, den Höhenflug des Kanadiers zu
stoppen? Manches spricht dagegen.
Auf Platz 3 landete mit 10,69% der Franzose Jean-Marc
Mormeck. Wie auch der fünftplatzierte Braithwaite
kam Mormeck erst im vergangenen Jahr zu Titelehren. Der 30-Jährige
bezwang den Veteran Virgil Hill - zur Überraschung vieler
Experten. Mit einem vorzeitigen Erfolg über den zähen Kanadier
Dale Brown bestätigte der Franzose im zweiten Halbjahr 2002
seinen Aufwärtstrend. Die wirklichen sportlichen Herausforderungen
fehlen jedoch bislang im Rekord des Weltmeisters. Die Schwächen Mormecks,
der erst spät mit dem Boxen anfing, sind nicht zu übersehen.
Der Franzose boxt zu offen, kassiert zuviel, agiert oft sehr statisch
und kennt meist nur den Infight. Ein gut ausgebildeter Boxer dürfte
gute Chancen besitzen, den Franzosen aus der Distanz zu bezwingen. Trotzdem
darf Mormeck nicht unterschätzt werden. Der Weltmeister verfügt
über ordentliche Schlagkraft, gute Aufwärtshaken und sehr gute
Pendelbewegungen im Oberkörper. Außerdem sind seine Nehmerqualitäten
und sein ausgeprägter Siegeswillen beachtlich. Über wieviel
Potential Mormeck tatsächlich verfügt, dürfte sich spätestens
in diesem Frühjahr klären, wenn seine Pflichtverteidigung gegen
den bärenstarken Ukrainer Alexander
Gurov ansteht.
Den zweiten Platz unter den internationalen Aufsteigern belegte mit 16,78%
der schlagstarke Brasilianer Acelino
Freitas. Gleich zu Jahresbeginn 2002 bekam WBO-Champ Freitas
die Chance, im Kampf gegen WBA-Weltmeister Joel Casamayor aus Kuba
den stärksten Superfedergewichtler der Welt zu ermitteln. Viele Beobachter
rechneten fest damit, dass der boxerisch hervorragend geschulte Casamayor
dem als KO-Schläger geltenden Brasilianer dessen Grenzen aufzeigen
würde. Doch Freitas arbeitete im Vorfeld hart an seinen Schwächen
in der Defensive und in der Kampfesführung. Er wurde dafür belohnt.
Im Januar gelang dem 27-Jährigen ein knapper Punktsieg gegen den
zuvor ungeschlagenen Casamayor, zeigte dabei bisher ungekanntes, boxerisches
Können. Dies bestätigte sich auch im August, als Freitas dem
unbequemen Rechtsausleger Daniel Attah aus Nigeria dessen erste
Niederlage beibrachte. Im vergangenen Jahr zeigte sich: Der Brasilianer
boxt inzwischen abgeklärter als noch vor zwei Jahren. Freitas hat
stark an seiner Beinarbeit und seinen Schlagkombinationen gearbeitet.
Ein Konditions- und Kraftprotz war der Weltmeister ohnehin schon seit
jeher. Im Superfedergewicht gehen ihm nun mittlerweile die Gegner aus.
Vieles deutet daher im neuen Jahr auf einen Rückkampf gegen Casamayor
und danach auf einen Aufstieg ins Leichtgewicht hin. Dort wartet "Pretty
Boy" Floyd
Mayweather, den Freitas schon mehrfach herausgefordert
hat.
Mit 31,66% sicherte sich Chris
Byrd den Titel "Internationaler Aufsteiger des Jahres
2002" mit deutlichem Vorsprung. Dabei war das vergangene Jahr für
den symphatischen US-Amerikaner überwiegend ein Jahr im Wartestand.
Nachdem sich der 31-Jährige mit seinen Siegen über Maurice
Harris und David Tua Ende 2001 bis zum Pflichtherausforderer
des damaligen IBF-Weltmeisters Lennox
Lewis geboxt hatte, schien die große Frustration
einzusetzen. Denn Lewis pausierte nach seinem erfolgreichen Rückkampf
gegen Hasim Rahman bis zur Jahresmitte, ehe er zunächst seiner
WBC-Pflichtverteidigung gegen Mike Tyson nachkam. Danach hielt
sich der Brite wochenlang bedeckt, bis er schließlich bekannt gab,
keinen Sinn in einer Titelverteidigung gegen den "Vogel" Byrd
zu sehen. Lewis gab den IBF-Gürtel auf und ließ sich diese
Geste von Byrd-Promoter Don King mit einem beträchtlichen
Sümmchen versüßen. Chris Byrd bestritt unterdessen nur
einen Aufbaukampf und musste bis zum 14. Dezember warten, ehe er, gut
zwei Jahre nach seinem Titelverlust gegen Wladimir Klitschko, seine
neue WM-Chance bekam. Seinen mittlerweile 40-jährigen Gegner, Evander
Holyfield, hatte Byrd über weite Strecken des Kampfes sicher
im Griff. Der 32-Jährige frustrierte den erfahrenen Veteran mit seinem
unorthodoxen Stil zusehends und sammelte mit seinem kraftlosen, aber effektiven
rechten Jab Runde für Runde auf den Punktzetteln. Am Ende sprang
ein klarer, aber unspektakulärer Punktsieg für Byrd heraus.
Ein schönes Happy-End für den intelligenten Boxer, der sicher
auch im neuen Jahr seinen Herausforderern viele Rätsel aufgeben wird.
Einige in
dieser Umfragekategorie unter "weitere..." aufgeführte
Boxer, die nur wenige Prozente erhielten, sind trotzdem eine Erwähnung
wert: Der US-Schwergewichtler DaVarryl
Williamson bahnte sich seinen Weg durch solide Gegnerschaft
und scheint auch im neuen Jahr dort weiterzumachen. Oscar
Larios aus Mexiko gewann den WBC-Titel im Superbantamgewicht
gegen Willie Jorrin. Auch Juniorweltergewichtler Vivian
Harris, Leichtgewichtler Leonard
Dorin, Superbantamgewichtler Joan
Guzman, Weltergewichtler Ricardo
Mayorga und Bantamgewichtler Cruz
Carbajal kamen - manches Mal überraschend - zu Weltmeister-Ehren.
Erwähnung finden müssen außerdem zwei weitere, sehr vielversprechende
Talente aus den USA, die im vergangenen Jahr bereits nachhaltig auf sich
aufmerksam machen konnten: Ricardo
Williams gilt bereits als zukünftiger Weltmeister
im Juniorweltergewicht und auch der charismatische Mittelgewichtler Jermain
Taylor sollte den Boxfans weltweit schon bald ein Begriff
sein.
Die
Aufsteiger des Jahres 2002 "national":

|
Platz
|
Name
|
Prozent
|
|
1.
|
Timo
Hoffmann
|
22,4
%
|
|
2.
|
Michel
Trabant
|
18,4
%
|
|
3.
|
Danilo
Häußler
|
17,6
%
|
|
4.
|
Robert
Stieglitz
|
8,8
%
|
|
4.
|
Thomas
Ulrich
|
8,8
%
|
|
6.
|
Sinan
Samil Sam
|
8,0
%
|
|
7.
|
Alexander
Petkovic
|
7,2
%
|
|
8.
|
Lukas
Konecny
|
6,4
%
|
|
9.
|
Mario
Veit
|
2,4
%
|
von Arne
Leyenberg
Ein
spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten sich Timo
Hoffmann, Michel
Trabant und Danilo
Häußler bei der Wahl zum "nationalen Aufsteiger
des Jahres 2002". Am Ende hatte Hoffmann die Nase wohl deshalb vorn,
weil die Fangemeinde des symphatischen Schwergewichtlers in Deutschland
immer weiter bzw. am stärksten wächst.
Ein
Boxer aus dem Hause Universum, dem bis vor kurzem wohl die wenigsten irgendeinen
Platz in dieser Kategorie zugetraut hätten, ist Mario
Veit. In letzter Minute machte sich Veit selbst zu einem
Aufsteiger des abgelaufenen Jahres, indem er den hoch gehandelten Malik
Dziarra am 21. Dezember vorzeitig besiegte. Oder ist es doch eher
Trainer Fritz Sdunek, dem der Lorbeer für diesen Sieg gebührt?
Ein gewaltiger Leistungssprung war bei Veit gegen Dziarra auszumachen.
Der früher oftmals zögerliche, mit sich selbst hadernde Veit
ging nach vorne, boxte aggressiv und suchte die Entscheidung. Kein Vergleich
mehr zu seinem Auftritt als Herausforderer um die WBO-WM im April 2001
gegen Joe Calzaghe. Damals war Veit in der ersten Runde K.o. gegangen.
Das Duell mit Dziarra war Veits erster Kampf unter der sportlichen Leitung
von Trainer Sdunek. Jean-Marcel Nartz, der die Veranstaltung in
Cottbus kurz vor Weihnachten organisiert hatte, wollte den "besten
Mario aller Zeiten" gesehen haben. Und er war nicht der einzige.
Lukas
Konecny war mit acht Kämpfen im Jahr 2002 einer der aktivsten
deutschen Berufsboxer. Bereits im April sicherte er sich in beeindruckender
Manier den Titel des Internationalen Deutschen Meisters im Halbmittelgewicht.
Artur Drinej setzte er von Anfang an unter Druck, diesem war der
Berliner nicht gewachsen. Schon in der dritten Runde war Schluss. Im Anschluss
an diesen Sieg folgten drei Erfolge Konecnys über Gegner, deren Kampfrekorde
zusammengerechnet sich wie folgt lesen: Null Siege, 29 Niederlagen und
ein Unentschieden. Auf den nächsten ernstzunehmenden Gegner traf
Konecny im September: Koren Gevor aus dem Hamburger Universum-Stall.
Der Sprung schien zu groß, nach starkem Beginn baute der Magdeburger
schnell ab. In der siebten Runde stießen die Boxer mit den Köpfen
zusammen, ein Cut über dem linken Auge Gevors machte eine Fortsetzung
des Duells unmöglich. Nach Punkten lag Konecny noch in Front, technischer
Punktsieg. Drei Monate später folgte der Rückkampf. Konecny
und Gevor lieferten sich abermals ein mitreißendes Duell, dessen
Ende mindestens ebenso unglücklich ausfiel wie beim ersten Aufeinandertreffen.
Gevor blutete erneut zu stark aus einem Riss über dem Auge. Obwohl
auch hier die Punkte hätten ausgezählt werden müssen- diesmal
hätte wohl Gevor gewonnen- wurde der Kampf zu Gunsten Konecnys abgebrochen.
Technischer K.o. in der achten Runde.
Alexander
Petkovic ging als Gewinner aus einem Kampf hervor, der
eigentlich keinen Sieger hatte. Sein Duell mit Rüdiger May
im Juli 2002 endete Unentschieden. Doch dem Urteilsspruch waren zwölf
denkwürdige Runden in der Dortmunder Westfalenhalle vorausgegangen.
Besonders brisant war der Kampf, weil es sich mal wieder um ein Stallduell
zwischen den beiden größten deutschen Boxunternehmen, Universum
und Sauerland Event, handelte. Mit einem beeindruckenden rechten Haken
hatte Petkovic seinen Gegner in der zehnten Runde zu Boden geschickt,
doch May kam zurück. Der "BoxSport" schrieb damals: "Gegen
den Puncher Petkovic war er wieder einmal als Außenseiter angetreten
und hatte all sein Herz und seine Kampfkraft in den dramatischen zwölf
Runden demonstriert. Ein Kampf, der zwei Sieger verdient gehabt hätte."
Dem boxerischen Highlight von Dortmund folgte das Highlight für den
Boxer. Im Dezember durfte Petkovic im Rahmen der WBO-Weltmeisterschaft
Wladimir Klitschko gegen Jameel McCline in Las Vegas in
den Ring steigen. John Battle wurde von Petkovic ausgeboxt, in
der sechsten Runde wurde das ungleiche Duell gestoppt. Insgesamt absolvierte
Petkovic 2002 fünf Kämpfe.
Sinan
Samil Sam ist auch ein Aufsteiger des Jahres. Aufgestiegen ist
er zum Europameister im Schwergewicht. Dass dieser Titel schon lange nicht
mehr das ist, was er mal war, weiß man nicht zuletzt seitdem Luan
Krasniqi live im deutschen Fernsehen demonstrierte, dass es sich für
diesen blauen Gürtel nicht einmal lohnt, mehr als neun Runden gegen
einen unterdurchschnittlichen Gegner zu boxen. Aber Samil Sam ist der
erste türkische Europameister in der Königsklasse, er bezwang
Krasniqis Angstgegner Przemyslaw Saleta durch technischen K.o.
in der siebten Runde. Ob dieser Schritt für den 28jährigen nicht
zu früh kam, wird das Jahr 2003 zeigen. Trotz seiner für einen
Boxer mit Ambitionen ungewöhnlichen Leibesfülle ist der untersetzte
Universum-Boxer jedoch ein unangenehmer Kämpfer, der es jedem Gegner
schwer machen kann. Gegen Saleta beeindruckte er zudem durch Nehmerfähigkeiten.
Mit dem Briten Danny
Williams wartet jetzt ein starker Pflichtherausforderer.
Robert
Stieglitz stand 2002 achtmal im Ring. Diesen verließ
er auch achtmal als Sieger, zur Belohnung gibt es mit 8,8 Prozent der
Stimmen Platz vier von den Boxingpress-Usern. Zuletzt kletterte Stieglitz
sogar als Juniorenweltmeister der IBF aus dem Seilgeviert, nach einem
Punktsieg über Sergey Karanevich im Oktober. Der 21 Jahre
alte Magdeburger wurde auch im abgelaufenen Jahr behutsam von Promoter
Ulf Steinforth aufgebaut. Stieglitz hat noch viel Zeit zu lernen
und diese scheint man ihm auch zu gewähren.
Thomas
Ulrich, punktgleich mit Stieglitz auf Rang vier, ist einer
dieser Universum-"Problemfälle", die sich in die Arme des
behandelnden Oberarztes, Dr. Fritz Sdunek, begeben haben. Im Juli
2001 war Ulrich gegen Glen Johnson schwer K.o. gegangen. Der sensible
Berliner zweifelte an sich selbst, für ihn war "eine Welt zusammengebrochen".
Doch Sdunek scheint abermals das richtige Heilmittel gefunden zu haben.
Ulrich ist wieder Hauptkämpfer im deutschen Fernsehen und zugleich
Titelträger. Europameister Yawe Davis entthronte er mit einem
K.o.-Sieg in der zweiten Runde. Zugegeben, ein amtierender Champion, der
auch als solcher die Heimreise antreten will, boxt anders. Ganz anders.
Aber für Ulrich war es sicherlich der richtige Gegner zum richtigen
Zeitpunkt. Das ZDF hat mit Ulrich einen gutaussehenden Strahlemann in
der Hauptrolle, bald wird Graciano
Rocchigiani als Bösewicht zum Showdown dazukommen.
Danilo
Häußler ist auch im Jahre 2003 noch Europameister.
Genau wie 2002. Und 2001. Wieso zählt er dann auf Platz drei zu den
Aufsteigern des Jahres, wird sich mancher fragen. Von einigen mag er die
Antwort erhalten, weil er höher nicht aufsteigen könne und es
schon eine Überraschung sei, dass er noch Europameister ist. Andere
werden sagen, dass Häußler im Jahre 2002 seinen Titel dreimal
erfolgreich verteidigt hat. Gegen Mustapha Ilir, Juan Nelongo
Perez und natürlich gegen Glenn Catley, keinen geringeren
als den ehemaligen Weltmeister aus England, der Häußlers Stallgefährten
Markus Beyer als WBC-Champion entthronte. Häußler ist
zum regelmäßigen Hauptkämpfer des Fernsehsenders ARD aufgestiegen,
das steht fest. Auch 2003 soll er das bleiben. Zu Beginn des neuen Jahres
besiegte er Catley erneut.
2002
war auch ein äußerst erfolgreiches Jahr für Michel
Trabant, das dokumentieren 18,4 Prozent der Stimmen und
Platz zwei in der Aufsteiger-Rangliste. Mit seinem Sieg im Europameisterschafts-Kampf
über Christian Bladt hat Trabant den Kreis der Talente verlassen
und ist in die internationale Klasse aufgestiegen. In Danzig hatte der
24 Jahre alte Berliner seinen dänischen Gegner souverän ausgepunktet,
vier Monate später bewies er bei seiner ersten Titelverteidigung,
dass er auch das Herz eines Champions hat. Gegner Jozsef Matolcsi
hatte ihm zu Beginn des Duells mächtig zugesetzt, Trabant blutete
aus zwei Cuts über den Augen. Doch "Trabi", der Fighter,
bewahrte einen kühlen Kopf, kämpfte sich zurück und siegte.
Durch technischen K.o. in der fünften Runde.
Trabant
ist schon seit sieben Jahren Berufsboxer. Obwohl er den Weg ins Profilager
nicht als hochdekorierter Amateurboxer antrat, stand er von Anbeginn an
im Licht der Öffentlichkeit. Mit 17 Jahren einen Profivertrag zu
unterschreiben, sorgte 1995 noch für Aufsehen. Zumal Trabant nun
in Diensten des Branchenführers "Universum Box-Promotion"
stand, dessen Macher es geschickt verstanden, den schweigsamen Berliner
zu vermarkten. So war Trabant die nächsten Jahre stets in deutschen
Boxringen und Gazetten präsent, ohne allerdings die ganz großen
Schlagzeilen zu produzieren. Zu Beginn des Jahres 2002 hätte man
es wohl niemandem verübeln können, Trabant das viel zitierte
Prädikat des "ewigen Talents" zu verleihen. Mit seinen
Kämpfen gegen Bladt und Matolcsi hat Trabant jedoch bewiesen, dass
man nicht zwangsweise ein erfolgreicher, in Hunderten von Kämpfen
erprobter Amateur gewesen sein muss, um als Berufsboxer zu Titelehren
zu kommen. Sein Weg des behutsamen Aufbaus und der gründlichen Ausbildung
scheint der richtige gewesen zu sein. Trabant hatte als Neuprofi von 17
Jahren viel Zeit und diese hat man ihm gegeben.
Timo
Hoffmann schließlich ist mit 22,4 Prozent aller Stimmen
der Aufsteiger des Jahres aus nationaler Sicht. Drei Siege gelangen Hoffmann
im Jahr 2002 und damit untermauerte der Eislebener seinen Wandel vom belächelten
"Riesenbaby" zur neuen deutschen Schwergewichtshoffnung. Die
Gründe dafür liegen wohl gleichermaßen bei seiner sportlichen
Entwicklung unter der Anleitung von Trainer Manfred Wolke als auch
am Mangel an konkurrenzfähigen Schwergewichtlern in Deutschland.
Hoffmann besiegte zunächst Universum-Boxer Balu Sauer im März,
punktete dann drei Monate später den ehemaligen Klitschko-Bezwinger
Ross Puritty aus und schlug schließlich im September den
hoffnungslos unterlegenen Dick Ryan K.o..
Mit dem Gewinn
des IBF-Interkontinental-Titels hat der Mann aus dem Sauerland-Stall schon
mehr erreicht, als es ihm viele Kritiker zu Beginn seiner Profikarriere
zugetraut hätten. Die vorzeitigen Siege über Sauer und Ryan
waren spektakulär und haben dazu beigetragen, dass Hoffmann sicherlich
auch 2003 zu den deutschen Publikumslieblingen gehören wird. Die
einzige Niederlage 2002 musste der 28-Jährige nach seinem eigentlich
klaren Sieg über Puritty gegen Ringsprecherin Christine Neubauer
einstecken. Die TV-Mimin hatte die Punktwertungen fälschlicherweise
zugunsten des Amerikaners vorgelesen und sich ihm nächsten Moment
wieder korrigiert. Aber war das nicht doch eher Neubauers K.o.-Niederlage?
Und
hier geht es weiter mit den "Absteigern des Jahres 2002"...
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