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Fehlentscheidung des Jahres 2006:


Platz
Name
Prozent
1.
Toney vs. Peter I
24,23 %
2.
Lacy vs. Tsypko
18,50 %
3.
Holyfield vs. Oquendo
12,33 %
4.
Sam vs. Montana
11,96 %
5.
Charr vs. Carrion
9,69 %


von Peter Selzer

Am 01.01.2007 waren sich viele deutsche Bundesbürger sicher! Das Kreuz bei der letzten Bundestagswahl war eine Fehlentscheidung. Aber was soll man tun? Lohnt es sich noch, seinen Unmut kundzutun? Nachdem der Alkohol die Zunge etwas gelöst hat, kann man seine Kritik in der Familie und am Stammtisch äußern, aber im wirklichen Leben akzeptiert man die Mehrwertsteuer oder die Krankenkassenbeiträge. Genauso ist es beim Boxsport, in der Halle schreit man sich den Zorn von der Seele, aber wenn ein paar Tage ins Land gezogen sind, erinnert man sich nur noch an den Sieger. Bis zu dem Zeitpunkt, wenn BoxingPress nach der Fehlentscheidung des Jahres fragt.


Hier die Top Ten des letzten Jahres:

Auf einen geteilten neunten Platz (1,76 % aller abgegeben Stimmen) gelangen die Gefechte von Sultan Ibragimov gegen Ray Austin und Koki Kameda gegen Juan Jose Landaeta.
Dem japanischen Weltmeister Kameda, der in Mitteleuropa nur bedingt bekannt ist, wurde der vakante Titel im Leicht-Fliegengewicht zugesprochen und die Tatsache, dass der Kampf in seinem Heimatland stattfand, war dem Ergebnis zumindest nicht abträglich.
Die Entscheidung im Kampf der schweren Jungs Ibragimov und Austin hatte zumindest den Vorteil, dass niemand als Verlierer aus dem Ringgehen musste. Austin bekommt nun eine erneute Chance gegen Wladimir Klitschko, Ibragimov darf mit dem Weltmeister Shannon Briggs in den Ring.

Auf Platz acht (2,64 %) gelangt der Kampf Juan Manuel Marquez gegen Chris John, wobei sich der Altmeister Marquez selbst um den Sieg brachte, weil er in dem relativ ausgeglichenen Kampf mehrere unnötige Punktabzüge hinnehmen musste.

Platz sieben (6,17 %) geht an das dritte Gefecht von Clinton Woods gegen Glen Johnson. Der Kampf der beiden Boxer, die zweifelsfrei das „Who is Who“ der Halbschwergewichtsklasse darstellen, war ausgeglichen und Johnson kann man als unglücklichen Verlierer bezeichnen, ein Fehlurteil war es aber eher nicht.?

Den sechsten Platz (8,81%) belegt der Kampf Wladimir Sidorenko gegen Ricardo Cordoba. Bei diesem Kampf kann man dem Veranstalter wirklich nicht vorwerfen, er habe den Heimboxer bevorteilt. Sidorenko war seinem Gegner eigentlich in allen Belangen überlegen, doch sah nur ein Ringrichter die Fertigkeiten des Bantamgewichtlers. Sofern man der Ansicht ist, dass der in Hamburg lebende Ukrainer benachteiligt wurde, darf man sich in absehbarer Zeit entweder bestätigt fühlen oder den Hut vor Cordoba ziehen, denn die Revanche wird Mitte März in Stuttgart stattfinden.

Auf Platz fünf (9,69 %) wurde das Gefecht zwischen Manuel Charr und Pedro Carrion gewählt. Man darf sich wirklich fragen, ob es für ein emporstrebendes Talent nicht manchmal besser wäre, wenn es rechtzeitig auf den Boden der Tatsachen zurückgeführt werden würde. Manuel Charr ist ein junger Mann, dem in Deutschland der Weg in der Königsklasse geebnet werden soll, nur ist ein Fall auf den Boden der Tatsachen meist härter, je länger er dauert. Anzumerken ist, dass der BoxingPress-Gastautor Ingo Barrabas, der in diesem Kampf Punktrichter war, den Deutsch-Libanesen nicht als Sieger sah.

Platz vier (11,45 %) für den Kampf zwischen Sinan Samil Sam und Saul Montana. Die recht hohe Platzierung dieses Kampfes ist wohl primär mit der Tatsache zu erklären, dass Sam-Kämpfe im deutschen Fernsehen übertragen werden und der deutsche Zuschauer als sehr kritisch bekannt ist. Diese kritische Haltung darf jedoch nicht dazu führen, dass man einen knappen Sieg schon als Niederlage wertet.

Der Bronzeplatz (12,33 %) geht an das Gefecht Evander Holyfield gegen Fres Oquendo. Eines ist sicher, der legendäre Holyfield zeigte bei diesem Kampf die beste Leitung seit mehreren Jahren, er wollte kämpfen! Nur hätte er sich dann einen anderen Gegner aussuchen müssen, denn wenn es einen Boxer gibt, der den Sven-Ottke-Gedächtnispreis verdient hätte, dann ist es Fres Oquendo. Man muss schon lange suchen, bis man einen Boxer findet, der einen noch unansehnlicheren Kampfstil hat als der Puertoricaner. Er klammert, vermeidet den Kampf und würgt sich zum Sieg. Dieser wurde ihm im Kampf gegen Holyfield verwehrt. Ob dies zutreffend war, ist sicherlich diskutabel, traurig ist es aber in keiner Weise.

Silber (18,50 %) geht an den Kampf von Jeff Lacy gegen Vitali Tsypko. Auch hier fällt es schwer, von einer Fehlentscheidung zu sprechen. Es war ein unglaublich harter Fight und auch Tsypko hätte den Sieg verdient, doch auch dann hätten vielleicht amerikanische Zuschauer von einem ungerechten Urteil gesprochen. Eine Revanche könnte klären, wer sich als wahrer Sieger fühlen darf.

Die meisten Leser (24,23 %) werteten den Kampf von James Toney gegen Samuel Peter als die offenkundigste Fehlentscheidung des vergangenen Jahres. Der Autor dieses Artikels sah auch den ehemaligen Mittelgewichtler Toney als Sieger, doch blieb er gelassen, als das Punkturteil verkündet wurde. Vielleicht haben die Interviews des begnadeten Boxers Toney auch dazu geführt, dass dies der Kampf mit den meisten Stimmen ist, aber Toney würde sich wohl selbst dann noch als Sieger sehen, sollte er am Boden liegend ausgezählt werden und irgendwie würde man es ihm auch glauben. Peter ging den Weg der Revanche und da sah wohl jeder den Nigerianer als Sieger, bis auf Toney, der wieder von einem Skandal sprach (und einige glauben es ihm auch).
Donnerstag, 15. Februar 2007


 
     

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