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Internationale
Kämpfe des Jahres 2006:
| Platz |
Name |
Prozent |
| 1. |
Adamek
vs. Briggs 2 |
38,98
% |
| 2. |
Lyakhovich
vs. Brewster |
17,74
% |
| 3. |
Pacquaio
vs. Morales 2 |
13,80 % |
| 4. |
Valero
vs. Mosquera |
5,33
% |
| 5. |
Woods
vs. Johnson 3 |
5,11
% |
| 6. |
Monshipour
vs. Sithchachawal |
4,82 % |
| 7. |
Gatti
vs. Damgaard |
4,74
% |
| 8. |
Haye
vs. Fraggomeni |
2,26
% |
| 9. |
Williams
vs. Matthysse |
1,61
% |
| 10. |
Kyowa
vs. Mayol |
1,39
% |
von
Thorsten Fritsche
Nachdem es im letzten Jahr für das Duell zwischen Tomasz
Adamek und Paul
Briggs „nur“ zum zweiten Platz in der BP-Jahresumfrage
gereicht hatte, ist der Rückkampf zwischen den beiden Halbschwergewichtlern
von den BoxingPress-Lesern mit deutlichem Abstand zum internationalen
Kampf des Jahres 2006 gewählt worden. Den zweiten Platz belegt –
man höre und staune – ein Schwergewichtsduell. Dabei gilt die
Gewichtsklasse derzeit als so schwach wie nie und das sicher nicht ganz
zu Unrecht. Doch Lamon Brewster und Serguei Lyakhovich zeigten den Kollegen
ihrer Gewichtsklasse, wie es geht. Auf Rang drei folgt ein weiterer Rückkampf:
Manny Pacquiaos vorzeitiger Sieg über Erik Morales in deren zweitem
Aufeinandertreffen. Auch hier gibt es eine kleine Steigerung zum vierten
Platz des ersten Kampfes zwischen den beiden Boxern aus dem Jahr 2005.
Aber rollen wir das Feld ab Platz zehn von unten auf:
Kleine Männer ganz groß: 1,39 % der Leserstimmen und Platz
zehn gab es für das rasante Duell zwischen WBC-Strohgewichtsweltmeister
Eagle
Kyowa und dessen Herausforderer Rodel
Mayol von den Philippinen. Dabei hatte der Champion aus Thailand
alle Hände voll zu tun, um sich den Punktsieg zu sichern. Der schlagstarke
Mayol lieferte ihm einen Schlagabtausch nach dem anderen und hatte bis
Runde vier noch die Oberhand. Deshalb bedrängte Mayol auch den Ringrichter,
das Gefecht fortsetzen zu dürfen, als dieser den Herausforderer in
Runde vier wegen Verletzungen an beiden Augen aus dem Kampf nehmen wollte,
der somit in einem no contest geendet wäre. Doch dies schien das
Startsignal für Kyowa zu sein, der aufdrehte und in den verbleibenden
Runden derart auf Mayol eindrosch, dass dieser sich nach dem Kampf in
der Umkleidekabine übergeben musste.
In seinem Duell gegen den Argentinier Walter
Dario Matthysse stellte Paul
Williams klar, warum er den Spitznamen „The Punisher“
trägt. Dabei legte der hochaufgeschossene Weltergewichtler eine beeindruckende
Schlagfrequenz an den Tag und ließ auch bei heftigster Gegenwehr
zu keinem Zeitpunkt Anzeichen von Ermüdung erkennen. Matthysse hielt
zunächst noch dagegen, doch wurde der Druck ab Mitte des Kampfes
zu hoch. Schließlich kam das vorzeitige Ende in Runde zehn, als
der Ringrichter das Gefecht abbrach. Für diesen Kraftakt gab es 1,61
% und Platz neun in der diesjährigen Umfrage.
Eine ähnliche Energieleistung lieferten Europameister
David Haye und dessen Herausforderer Giacobbe
Fragomeni in ihrem Cruisergewichtsduell ab. Der Italiener
machte den Eindruck, schier unermüdlich zu sein, als er dem Briten
permanent auf den Füßen stand und ihn durch den Ring vor sich
her trieb. Dabei steckte er zwar oft genauso viel ein, wie er austeilte,
aber diese Taktik bereitete dem „Hayemaker“ sichtliche Probleme
und er konnte seine Schlagkraft lange Zeit nicht entfalten. In Runde neun
hatte Fragomeni sein Pulver dann aber doch verschossen und verlor durch
technischen KO. 2,26 % der Wähler entschieden sich für diese
aufreibende Ringschlacht und verhalfen ihr immerhin zu Platz acht.
4,74 % der Wählerstimmen konnte der bis dato letzte siegreiche Auftritt
Arturo Gattis auf sich vereinigen und landete somit
auf Rang sieben. Für sein Debüt im Weltergewicht nach der mehr
als deutlichen Niederlage gegen Floyd Mayweather Jr. hatte sich „Thunder“
Gatti in
Thomas Damgaard einen erfahrenen, aber sicher schlagbaren
Kontrahenten ausgeguckt. Dementsprechend deutlich dominierte er auch den
Kampf und präsentierte einmal mehr seine alten Qualitäten: fighten,
schlagen und rackern bis zum Umfallen. Doch den Gefallen – nämlich
umzufallen – wollte Damgaard seinem Gegner partout nicht tun. Obwohl
er zahlreiche Volltreffer nahm, die sein Gesicht deutlich zeichneten,
ging er einfach nicht zu Boden und setzte das Gefecht solange fort, bis
Ringrichter Lindsay Paige ein Einsehen hatte und das ungleiche Duell in
Runde elf abbrach.
Mahyar
Monshipour gegen Somsak
Sithchachawal. „Wie bitte, wer?“, werden viele
jetzt sicher fragen. Und genau das ist wahrscheinlich der Grund, warum
sich dieser Insidertipp mit lediglich 4,82 % und Platz sechs begnügen
muss, obwohl der Kampf um die WBA-Krone im Superbantamgewicht für
viele, die ihn gesehen haben, der heimliche Kampf des Jahres ist. Und
das sicher zu Recht. Monshipour, der Weltmeister, griff gleich zu Beginn
an, musste jedoch früh im ersten Durchgang einen Niederschlag hinnehmen.
Im Verlauf der gesamten knapp zehn Runden, die der Kampf dauerte, befanden
sich die beiden Boxer nahezu permanent direkt voreinander und tauschten
unzählige Schläge aus. Dabei agierte der Franzose meist im Vorwärtsgang
und übte den Druck aus, während sein Gegner aus Thailand die
Mehrzahl der deutlichen Treffer landete. Beide Boxer wirkten mehr als
einmal von den Schlägen des anderen beeindruckt. Ab Runde neun schienen
den unablässig nach vorn marschierenden Weltmeister jedoch die Kräfte
allmählich zu verlassen. Zu Beginn des zehnten Durchgangs wankte
er schon leicht in die Ringmitte und fiel nach 1:48 Minuten in einem Schlaghagel
Sithchachawals schwer angeschlagen in die Seile, was den Ringrichter John
Coyle dazu nötigte, das Duell zu beenden. Für Freunde echter
Ringschlachten ist dieser Kampf ein Muss!
Mit 5,11 % der BP-Leserstimmen landete der dritte Kampf zwischen Clinton
Woods und Glen
Johnson auf Platz fünf der Jahresumfrage. Bereits im
November 2003 waren die beiden Boxer aufeinandergetroffen und trennten
sich mit einem sehr kontroversen Unentschieden. Nicht wenige hatten den
Jamaikaner Johnson vorn gesehen. Dieser bekam seine Genugtuung, als ihm
im zweiten Duell im Februar 2004 der verdiente Punktsieg zugesprochen
wurde und der Weltmeistergürtel der IBF im Halbschwergewicht im zweiten
Anlauf ihm gehörte. Zum dritten Kampf im September letzten Jahres
hatten sich die Vorzeichen geändert: Inzwischen war der Engländer
im Besitz des IBF-Titels. Nach seinem furiosen Start entglitt dem Herausforderer
Johnson der Kampf zunehmend und Woods gewann die mittleren Runden. Als
es fast schien, als ob der Jamaikaner sein Pulver verschossen hätte,
schüttelte er den Weltmeister mit einer Schlagserie in Runde neun
kräftig durch. Doch Woods biss die Zähne zusammen und brachte
den Kampf knapp, aber erfolgreich mit einer geteilten Punktentscheidung
zu seinen Gunsten zu Ende. Glen Johnson sah das freilich anders und ist
mit dieser Meinung nicht allein.
19 Kämpfe, 19 KO-Siege, davon 18 in der ersten Runde: Dies war die
Bilanzhttp Edwin
Valeros vor dessen Weltmeisterschaftskampf um die WBA-Krone
im Superfedergewicht und macht unweigerlich klar, warum der Mann aus Venezuela
zu den größten KO-Schlägern der Boxszene zählt. Selbstredend
wollte sein Gegner Vicente
Mosquera sich nicht als weiteres Opfer in diesen Rekord einreihen
lassen, sondern seinen Titel verteidigen. Aber bereits in der ersten Runde
fand er sich gleich zwei Mal auf den Brettern wieder. Jedoch konfrontierte
Mosquera seinen Herausforderer mit einer für diesen völlig neuen
Erfahrung: Er stand wieder auf und brachte den Kampf bis in die dritte
Runde, in der er sogar selbst einen Niederschlag erzielte und darüber
hinaus. Doch „El Inca“ erwies sich dieser Situation als gewachsen
und gewann den Kampf schließlich doch noch durch technischen KO
in Durchgang zehn. 5,33 % der Wähler sahen darin den Kampf des Jahres
und verhalfen ihm zu Platz vier.
Kommen wir zu den Kämpfen, die es auf das Siegerpodest geschafft
haben:
Nachdem schon der erste Kampf zwischen Erik
Morales und
Manny Pacquiao im März 2005 unseren Lesern gefallen
und den vierten Platz in der letztjährigen Umfrage erreicht hatte,
ist das zweite Duell der beiden aus dem Januar 2006 mit 13,80 % dieses
Jahr sogar auf Platz drei gelandet. Bereits im ersten Kampf bewiesen sich
die zwei Boxer einmal mehr als echte Fighter. In den letzten zwei Runden
wechselte der Mexikaner sogar zeitweise in die ungewohnte Rechtsauslage
und fing sich in Durchgang zwölf einige Treffer, die ihn zwar taumeln
ließen, doch nicht zu Boden schickten. Damals siegte er über
die Punkte. Im zweiten Duell genügten die Nehmerfähigkeiten
des Athleten aus Tijuana nicht mehr. Pacquiao hatte sich offensichtlich
besser auf „El Terrible“ eingestellt und kam in Runde zwei
mit einer linken Schlaghand voll durch. Dieses Mal konnten noch die Ringseile
einen Niederschlag verhindern. In den folgenden Durchgängen gewann
Morales durch seine Führhand etwas an Oberhand. Doch ab Runde sechs
war es wieder der „Pacman“, der die besseren Treffer erzielte.
Vor allem mit der Rechten kam er immer wieder ins Ziel und kurz vor dem
Gong zum Rundenende entging Morales einmal mehr nur knapp einem Niederschlag.
Zudem war seine Nase offensichtlich gebrochen. In Runde zehn war es dann
endgültig soweit: Ein wie entfesselt boxender Manny Pacquiao schickte
Erik Morales zum ersten Mal in dessen Karriere wirklich zu Boden. Ein
zweiter Niederschlag folgte und beendete zugleich den Kampf. Im November
2006 standen sich die beiden Boxer ein drittes Mal gegenüber, doch
der Mexikaner hatte seinem Gegenüber endgültig nichts mehr entgegenzusetzen.
Drei Niederschläge in ebenso vielen Runden setzten einem einseitigen
Kampf ein rasches Ende.
Das Schwergewicht ist in den letzten Jahren aufgrund zahlreicher schlicht
langweiliger Kämpfe sicher zu Recht zu einer der derzeit schwächsten
Gewichtsklassen gekürt worden. Allein die vergangenen Umfragen von
BoxingPress zu den schlechtesten Kämpfen des jeweiligen Jahres waren
mit Fights der sogenannten „Königsklasse“ geradezu gespickt.
Dass es auch anders geht, bewiesen Lamon
Brewster und Serguei
Lyakhovich in ihrem Duell um den Weltmeistertitel nach Version
der WBO vom April 2006. 17,74 % der Wählerstimmen und ein zweiter
Platz sind der Lohn dafür. Dabei war der Kampf im Vorfeld gegenüber
dem zwei Wochen zuvor stattfindenden Duell zwischen Hasim Rahman und James
Toney um den WBC-Titel deutlich weniger beachtet worden. Doch was der
Titelverteidiger Brewster und sein Herausforderer aus Weißrussland
nach zwei eher verhaltenen Eröffnungsrunden ablieferten , war eindeutig
das Beste, was das Schwergewicht 2006 zu bieten hatte. Lyakhovich zeigte
deutlich, was andere Herausforderer Brewsters vermuten ließen, nämlich
dass der Champion auszuboxen war. Immer wieder griff er mit schnellen
Führhänden und Körper-Kopf-Kombinationen den Weltmeister,
der mit Rekordgewicht angetreten war, überraschend an. In Runde fünf
landete Brewster jedoch zahlreiche harte Treffer und schickte seinen Gegner
schwer angeschlagen in die Seile, doch dieser bewies beeindruckende Nehmerfähigkeiten.
Im folgenden Durchgang klingelte dann Lyakhovih seinen Widersacher an,
nur um kurz vor Rundenende selbst wieder damit an der Reihe zu sein, Wirkungstreffer
zu kassieren. So wogte der aktionsgeladene Kampf hin und her, wobei die
Runden aus unerfindlichen Gründen mehrfach zu früh abgebrochenen
wurden. Durchgang sieben brachte dann einen Niederschlag zugunsten Brewsters,
doch Lyakhovich setzte das Gefecht nicht nur weiter fort, sondern übernahm
zunehmend die Kontrolle über einen sichtlich ermüdenden Brewster.
Mit dieser beherzten Leistung sicherte er sich einen verdienten und einstimmigen
Punktsieg sowie den WBO-Titel im Schwergewicht. Weit weniger beherzt zeigte
er sich dafür in seiner ersten Titelverteidigung im November 2006
gegen Shannon Briggs, die er durch TKO in Runde zwölf
verlor.
Der Sinn von Rückkämpfen ist, einen hervorragenden Kampf zu
wiederholen, wenn nicht sogar zu toppen. Nicht nur nach diesem Kriterium
war das zweite Duell zwischen dem Polen Tomasz
Adamek und dem Australier Paul
Briggs ein voller Erfolg. Während das erste Aufeinandertreffen
im Mai 2005 sich noch mit Platz zwei der damaligen Jahresumfrage begnügen
musste, findet sich die Neuauflage vom Oktober 2006 mit stolzen 38,98
% der Wählerstimmen auf Platz eins wieder. Geblieben sind jedoch
ein enger, rasanter Kampfverlauf und ein kontrovers diskutierter Sieger
nach Punkten. Bereits 2005 sahen einige Zuschauer den Australier vorn,
als sich Adamek, vom Kampf deutlich gezeichnet, den vakanten Weltmeistertitel
im Halbschwergewicht nach Version des WBC sicherte. Dementsprechend wollte
Briggs im zweiten Anlauf keine Zweifel aufkommen lassen und griff an.
Alles schien nach Wunsch zu laufen, als er den Weltmeister bereits in
Runde eins am Boden hatte. Adameks Defensive erwies sich an diesem Tag
alles andere als sattelfest und so schlugen immer wieder harte Schläge
des Herausforderers ein. Zwar kam der Pole selbst wiederholt mit schnellen
Geraden durch, doch Briggs blieb zunächst überlegen und zog
das Tempo weiter an. Ab Runde sieben fand der Titelverteidiger besser
in den Kampf und es entwickelte sich ein offenes Gefecht mit zahlreichen
Schlagwechseln, in dem Adamek allmählich die Oberhand gewann. Briggs
kam in den Runden zehn und elf noch einmal auf, bevor das packende Gefecht
in der letzten Runde mit einem fast durchgehenden Schlagabtausch ein furioses
Ende fand. Erneut gewann Tomasz Adamek nach mehrheitlicher Punktentscheidung,
womit sich Paul Briggs und etliche Zuschauer keinesfalls einverstanden
zeigten. Vielleicht wäre dies ein Grund für ein drittes Duell.
Vielleicht sind sich die beiden Boxer aber auch zu gleichwertig, um einen
klaren Sieger zu ermitteln. Doch zumindest stünden die Chancen gut,
einen weiteren Kandidaten für den Kampf des Jahres geboten zu bekommen.
Das zweite Aufeinandertreffen der beiden Boxer ist jedenfalls verdienter
Sieger des Jahres 2006 in dieser Kategorie.
Mittwoch, 07. Februar 2007
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