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Schlechtesten Kämpfe des Jahres "international" 2006:


Platz
Name
Prozent
1.
Holyfield vs. Oquendo
24,24 %
2.
Lyakhovich vs. Briggs
24,24 %
3.
Tatevosyan vs. Markussen
17,75 %
4.
Branco vs. Siacca
14,72 %
5.
Mayweather vs. Baldomir
6,06 %

von Karsten Fritsche


Selten gab es bei der Umfrage nach den schlechtesten Kämpfen des Jahres so viele Unentschieden, wie 2006. Den ersten Platz teilen sich die Kämpfe zwischen Evander Holyfield und Fres Oquendo sowie Serguei Lyakhovich und Shannon Briggs mit der gleichen Anzahl von Stimmen. Auf dem sechsten Platz sind Marco Antonio Barrera und Rocky Juarez mit ihrem zweiten Aufeinandertreffen zu finden, wie auch Krzysztof Wlodarczyk und Steve Cunningham. Ebenso ist Rang neun durch Junior Witter gegen DeMarcus Corley sowie Acelino Freitas gegen Zahir Raheem doppelt belegt. Im Boxsport führen Unentschieden oft zu Rückkämpfen, doch in diesem Fall werden die Leser von BoxingPress wohl gerne darauf verzichten.

Einen Kampf von Floyd Mayweather Jr. zu den schlechtesten des Jahres zu zählen, mag seinen Anhängern wie Blasphemie erscheinen. Dabei verweisen sie auf das außergewöhnliche boxerische Talent und die Deutlichkeit seiner Siege. Auch gegen Carlos Manuel Baldomir im Kampf um die Titel im Weltergewicht der Verbände WBC, IBO und IBA war es nicht anders. Der „Pretty Boy“ ließ dem Argentinier zu keinem Zeitpunkt eine Chance, die Überraschung zu wiederholen, die ihm zuvor gegen Zab Judah gelungen war. Doch ist dies nicht das erste einseitige Gefecht, das sich in dieser Rubrik wiederfindet. Wie einseitige Kämpfe beim Publikum ankommen, wird oft dadurch entschieden, ob dem klar überlegenen Mann ein vorzeitiger Sieg gelingt. Floyd Mayweather entschied sich zu offensichtlich dafür, die letzten drei Runden nur über die Zeit zu schinden. Hätte er die Offensive gesucht, wäre ihm die Anerkennung sicherlich zu Teil geworden, die er nach dem Kampf so tränenreich einforderte. Dass man auch einstimmige Punktsiege von Floyd Mayweather zur Wahl der schlechtesten Kämpfe des Jahres stellen kann, bestätigen immerhin 6,06 % der BoxingPress-Leser.

Neben den einseitigen Kämpfen sind es oft die unsauberen, mit viel Halten und Klammern ausgetragenen Gefechte, die den Boxsportanhängern negativ in Erinnerung bleiben. Silvio Brancos Sieg über Manny Siaca ist ein typischer Vertreter dieser Rubrik, denn er hatte zwölf zerfahrene Runden zu bieten, von denen Branco auf allen drei Punktzetteln elf gewann. Was nicht geboten wurde, waren Spannung, Höhepunkte und flüssige Aktionen. Die Auszeichnung Weltmeisterschaftskampf im Halbschwergewicht nach Version der WBA hatte der Kampf nicht verdient. Der vierte Platz in dieser Umfrage und 14,72 % der Stimmen sind angemessener.

17,75 % der Leser wählten die Rückkehr des Halbschwergewichtlers Rudy Markussen gegen Sergey Tatevosyan. Auch vor seiner Ringabstinenz gehörte der Däne nicht gerade zu den Filigrantechnikern und Faustfechtern, doch zählen im Ring auch andere Tugenden. Gegen Tatevosyan war dem „Hardhitter“ der Ringrost deutlich anzusehen. Mit seiner Führhand wußte Markussen nichts anzufangen und so agierte er zumeist einarmig. Seine Schwinger trafen viel zu selten und so ließ der 29-Jährige zunehmend Kraft, während Tatevosyan nicht viel mehr tat, als geschlossen zu bleiben und gelegentlich zu kontern. In der siebten Runde musste Markussen nach einer Linken zu Boden, konnte den Kampf aber fortsetzen. Kurz darauf ging er jedoch aufs Knie, ohne weitere Wirkungstreffer erhalten zu haben und ließ sich auszählen. Zu diesem Zeitpunkt lag der Kopenhagener bei allen drei Punktrichtern vorn, doch er gab völlig erschöpft auf. Rudy Markussen hatte sich selbst geschlagen.

Welcher Teufel hat Serguei Lyakhovich geritten, ein drittes Mal in Folge den Jab zum Körper von Shannon Briggs zu schlagen, wo er doch schon bei den ersten beiden Versuchen mit der Rechten gekontert wurde? Leichtsinn kann es nicht gewesen sein, denn während der gesamten elf Runden zuvor hatte der Schwergewichtsweltmeister der WBO gehörigen Respekt vor der oft gerühmten Schlagkraft seines Herausforderers gezeigt und den Kampf entsprechend vorsichtig, ja geradezu zögerlich gestaltet. Wenn Lyakhovich in jener zwölften Runde müde war, dann lag es daran, dass Briggs ihn eingelullt hatte. Körperliche Erschöpfung kommt nicht in Frage, da der Kampf in sehr beschaulichem Tempo geführt wurde. Der Weißrusse hatte von Beginn an seinem Gegner die Initiative überlassen und kämpfte im Rückwärtsgang, doch auch Shannon Briggs war nicht gewillt, eine schärfere Gangart anzuschlagen. Offensichtlich wollte der Kämpfer aus Brooklyn sich die Kräfte gut einteilen, wodurch ein ausgesprochen ereignisarmes Duell entstand. Bis zu dem Treffer mit der Rechten des US-Amerikaners, der zum ersten Niederschlag führte, geschah nichts, was erwähnt werden müßte. Als Lyakhovich wieder auf die Beine kam, setzte Briggs sofort nach und erzielte zwei weitere Niederschläge, bevor Ringrichter Robert Ferrera den Kampf eine Sekunde vor Ende der zwölften Runde stoppte. Eine Schwergewichtsweltmeisterschaft noch in der letzten Sekunde zu gewinnen, klingt wie die Heldentat aus einem Drehbuch, doch kann die Spannung im finalen Durchgang nicht über elf gähnend langweilige Runden hinwegtäuschen. Mit 24,24 % der abgegebenen Stimmen belegt der Kampf daher völlig zu recht den ersten Platz, auch wenn er sich diesen Rang mit einem weiteren Schwergewichtsduell teilen muss.


Ebenfalls 24,24 % wählten das Duell zwischen Evander Holyfield und Fres Oquendo zum schlechtesten Kampf des Jahres. Dabei begann es vielversprechend, als „The Real Deal“ seinen Gegner mit dem ersten Treffer zu Boden schickte. Im weiteren Verlauf verflachte das Geschehen im Ring aber zunehmend. Holyfield war von der gebotenen Leistung wohl selbst nicht allzu angetan, denn anschließend warf er Oquendo vor, zu defensiv agiert zu haben. Aber er sagte auch, dass zu einem Kampf immer zwei gehören und daher muss sich der vierfache Exweltmeister an die eigene Nase fassen. Mit 44 Jahren hat Holyfield nicht mehr die Ausdauer, einen Boxkampf über die volle Rundenzahl an sich zu reißen, selbst wenn der Gegner ihm das Kampfgeschen überlässt. Mit Jabs und vereinzelten Rechten konnte Oquendo genug Akzente setzen, dass ihn einige Beobachter sogar vorne sahen, obwohl der 33-jährige vornehmlich darauf bedacht war, den Schlagabtausch zu vermeiden. Die Regenerationspausen seines älteren Gegners zu nutzen, versäumte er jedoch. So trugen beide Boxer ihren Teil zu einem schwachen Kampf bei, an den wohl im voraus niemand hohe Erwartungen gestellt hatte. Die Zeiten des Fres Oquendo als hoffnungsvoller Herausforderer sind lange vorbei und Holyfields Quest nach dem fünften Weltmeistertitel im Schwergewicht ist schon viel länger zur Farce geworden. In einer Zeit der Titelinflation sollte sich doch jemand finden, der ihm den ersehnten Gürtel schenkt, damit uns solche Kämpfe zukünftig erspart bleiben.

Donnerstag 15. Februar 2007


Schlechtesten Kämpfe des Jahres "national" 2006:


Platz
Name
Prozent
1.
Schulz vs. Minto
67,89 %
2.
Dimitrenko vs. Zumbrun
11,79 %
3.
Valuev vs. Barrett
10,16 %
4.
Chagaev vs. Virchis
5,28 %
5.
Schulze vs. Miyeyusho
2,44 %
5.
Dzinziruk vs. Nadirbegov
2,44 %

von Karsten Fritsche

Mit klarem Abstand wurde die Begegnung zwischen Axel Schulz (Foto) und Brian Minto zum schlechtesten Kampf des Jahres 2006 national gewählt. Der US-Amerikaner bot eine fehlerlose Leistung, während Schulz im Ring eher wie ein Teilnehmer beim Promiboxen aussah. Bei einem so einseitigen Kampfverlauf ist das Umfrageergebnis nicht verwunderlich. Weit abgeschlagen auf Platz zwei der Umfrage liegt ein weiterer Kampf, den man als Mismatch ansehen muss, auch wenn Alexander Dimitrenko gegen Billy Zumbrun über die vollen zwölf Runden gehen musste. Auf dem dritten Rang findet sich die Titelverteidigung von Nikolay Valuev gegen Monte Barrett wieder, die zumindest bezüglich der Körpergröße sehr ungleich besetzt war.

Den fünften Platz teilen sich zwei Kämpfe mit jeweils 2,44 % der abegebenen Stimmen, die sehr einseitig verliefen. Sergiy Dzinziruk hatte bei der Verteidigung seines WBO-Weltmeistertitels im Superweltergewicht mit Alisultan Nadirbegov eine vergleichsweise einfache Aufgabe vor sich. Der Ukrainer geriet während der zwölf Runden nie ernstlich in Gefahr und boxte einen klaren Punktsieg heraus, obwohl der Dynamo selbigen offensichtlich in der Umkleidekabine gelassen hatte. Der war für den Sieg auch nicht erforderlich, denn mehr als eine Ehrenrunde auf zwei der Punktzettelwar für den russischen Herausforderer nicht drin.

Auch für Marco Schulze hatte man in Ramadhan Miyeyusho einen passenden Gegner ausgesucht. Der gebürtige Berliner hatte die Intercontinental Meisterschaft im Superweltergewicht der IBF gegen Humberto Aranda verloren, als er von einem beweglichen und clever boxenden Mann ausgepunktet wurde. Bei Schulzes Versuch, den Titel zurückzugewinnen, zeigte sich Miyeyusho zwar ebenfalls schnell auf den Füßen, doch dem Boxer aus Tansania fehlten die Schlagkraft und die Übersicht, um Schulze auf Distanz zu halten. Bereits zum Ende der zweiten Runde musste der 23-Jährige nach einem Haken zu Boden. Zwar konnte er das Gefecht fortsetzen, doch im folgenden Durchgang war er mit dem Druck, den sein Gegner ausübte, klar überfordert. Nach einem Volltreffer Schulzes zur Mitte der dritten Runde war das Gefecht für den chancenlosen Miyeyusho zu Ende.


Platz vier belegt das Duell der Knockouter, das der „Weiße Tyson“ Ruslan Chagaev und der „Hunter“ Vladimir Virchis austragen sollten. Der Kampf fand statt, ein Duell der Knockouter gab es jedoch nicht, denn dafür agierten beide Athleten im Ring viel zu zögerlich. Der gegenseitige Respekt vor der Schlagkraft des anderen war wohl zu groß, oder man kannte sich zu gut. Wahrscheinlich hat auch der Trauerfall in Chagaevs Familie eine wichtige Rolle gespielt. Erst im zwölften Durchgang versuchten beide mit etwas mehr Entschlossenheit, den knappen Kampf zu ihren Gunsten zu gestalten. Bis dahin war so wenig Aktion zu sehen gewesen, dass sich der Fernsehpartner ZDF mit einer auffällig kurzen Zusammenfassung begnügte, obwohl es um zwei interkontinentale Titel ging. Ruslan Chagaev gewann nicht unumstritten und äußerst knapp per Mehrheitsentscheidung.


Kämpfe mit Nikolay Valuev waren in den letzten Jahren schon regelmäßig in dieser Rubrik zu finden. Allein aufgrund des enormen Größenunterschieds zwischen dem Riesen aus St. Petersburg und seinen Gegnern sind die Auseinandersetzungen oft zerfahren und von Ringereinlagen beherrscht. Dies galt auch für die erste Titelverteidigung Valuevs auf amerikanischem Boden, mit dem Motto „Jagd auf Roter Oktober“. Dass man mit Monte Barrett einen Herausforderer wählte, der seit über einem Jahr nicht mehr angetreten war, versprach nicht gerade ein hochklassiges und ausgeglichenes Duell. Der US-Amerikaner verkündete vor dem Kampfabend, dass er wüßte, wie Valuev zu bezwingen sei. Doch seine Überfallangriffe in den ersten Runden verpufften wirkungslos und Barrett rieb sich beim Schieben und Klammern genauso auf, wie die früheren Gegner des Russen. Dieser bot ebenfalls das übliche Bild, mit unsauberen Treffern und vielem Halten. Erst mit zunehmender Ermüdung des Gegners traf Valuev immer besser und konnte drei Niederschläge erzielen, bevor Barretts Trainer James Bashir das Handtuch warf. Bis dahin hatte sich der Schwergewichtsweltmeister der WBA sichtlich mit einem tapferen, aber klar unterlegenen Monte Barrett abmühen müssen. 10,16 % der BoxingPress-Leser wählten den Kampf unter die schlechtesten des Jahres. „Im Westen nichts Neues“ wäre das passendere Motto gewesen.


Auf Rang zwei der Umfrage findet sich der Sieg von Alexander Dimitrenko über Billy Zumbrun. 120:105, 119:107 und 120:106 lautete das offizielle Urteil zu Gunsten des Ukrainers, der in Durchgang eins einen Niederschlag erzielen konnte und selbst kaum Treffer einstecken mußte. Mit seinem Jab bestimmte Dimitrenko den Kampf, fand auch immer wieder sein Ziel, wenn er nachsetzte und bewegte sich leichtfüßig, wie selten. Gegen Billy „The Kid“ Zumbrun ließ es sich auch locker und selbstbewusst auftreten, denn der 34-Jährige aus Ogden hatte mit dem Schützling von Trainer Fritz Sdunek nichts im Ring zu suchen. Das galt auch schon für Gonzalo Omar Basile, dessen Niederlage hier an gleicher Stelle stehen könnte, wenn es denn zu einem Kampf gekommen wäre. Da fragt sich der geneigte Boxfan nach dem Sinn solcher Kampfansetzungen. Fehlt es im Universum Gym an Sparringspartnern?


Die Suche nach Idolen, hohen Einschaltquoten und willkommenen Finanzspritzen hat schon zu einigen überflüssigen Comebacks in den Ring geführt. Aus sportlicher Sicht lässt sich die Rückkehr von Axel Schulz nicht anders bezeichnen. Mehr als eine passable Runde hatte der frühere Boxer aus Frankfurt an der Oder nicht zu bieten, bevor er von Brian Minto förmlich überrollt wurde. Der US-Amerikaner war aktiver, frischer, schneller und seine Schläge kamen mit deutlich mehr Zug. Folglich war der technische Knockout in der sechsten Runde mehr als verdient, denn ab dem zweiten Durchgang hatte Minto seinen klar unterlegenen Gegner durchschaut und dessen Schwächen gnadenlos ausgenutzt. Mit realistischer Einschätzung war auch nicht mehr von Axel Schulz zu erwarten gewesen, denn nicht jeder hat das Zeug zu einem späten Comeback an die Weltspitze, wie es George Foreman geschafft hat. Dies sollte auch Schulz erkannt haben, der vor dem Kampf behauptete, er würde nicht nur wegen der Börse antreten. Man mag ihm beim ersten Versuch noch glauben, dass er sich nur überschätzt hat, aber bei einer Fortsetzung der Karriere hat Deutschlands symphatischster Verlierer keinen Kredit mehr. Gewiss hat auch der enorme Druck, der auf Axel Schulz ruhte, zu der schlechten Leistung geführt. Auch vor seiner siebenjährigen Pause vom Boxsport war der Schwergewichtler daran immer wieder gescheitert. Wenn es sich der 38-Jährige nochmal beweisen will, dann bitte auch unter der Bezeichnung Promiboxen. Buhrufe und Spott hat Schulz nach dem Kampf schon genug erhalten. Der erste Platz in dieser Umfrage, mit überwältigenden 67,89 % der abgegebenen Stimmen, kommt daher nicht überraschend.

Donnerstag, 15. Februar 2007


 
     

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