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Oktay Urkal vs. Vivian Harris

Der Bericht

Aus Berlin berichtet Goran Djordjevic & Fotos von M. Kurt Saygin


Es sollte die Nacht der Nächte für den mittlerweile 34-jährigen Berliner werden. Nach seinem Kampf gegen Kostya Tszyu (BP-Nr. 1) bot sich Oktay Urkal (BP-Nr. 6, Foto oben) nun die zweite und wahrscheinlich auch letzte WM-Chance. Die Prominenz war geladen und ca. 4000 Zuschauer in der Max-Schmeling-Halle zu Berlin warteten gespannt, ob es dem Lokalmatador gelingen würde, den amtierenden WBA-Weltmeister Vivian Harris (BP-Nr. 7) zu entrohnen. Doch zunächst einmal galt es das von Hagen Doering zusammengestellte Mammutprogramm zu bewältigen. Denn mit 11 Kämpfen über insgesamt 84 Runden war nicht nur bei den sportlichen Protagonisten Kondition gefragt.

1. Kampf: Pedro Miranda (Spanien) vs. Muzaffer Tosun (Deutschland), WBA- Internationale Meisterschaft im Leichgewicht (angesetzt auf zwölf Runden)

Der erste Kampf des Abends zwischen Muzaffer Tosun (auf Foto links) und dem Spanier Pedro Miranda (auf Foto rechts)um die Internationale Meisterschaft der WBA war zugleich auch einer der spannendsten.
In den ersten beiden Runden gelang es dem kleineren Tosun immer wieder, durch schnelle Beinarbeit in die Halbdistanz und den Infight zu kommen, wo er mit kurzen Haken und Eins-zwei-Kombinationen zu punkten wusste. Danach schien der spanische Titelträger allerdings die richtige Distanz zum Herausforderer gefunden zu haben. Mit einem soliden Aufbau über die Führhand konnte er immer öfter die Doppeldeckung seines Gegner für harte Kopf- und Körpertreffer öffnen. Nachdem Tosun in der vierten Runde durch einen schweren rechten Haken an die Schläfe zu Boden musste, schien der Kampf ein schnelles Ende gefunden zu haben, doch angefeuert durch das Berliner Publikum richtete sich der 28-Jährige noch mal auf. In den folgenden Runden bewies der aus Berlin stammende Türke eine hervorragende Kampfmoral und marschierte weiter nach vorne. Über eine solide Doppeldeckung und Pendelbewegung schob er sich immer wieder an den Mann heran und vermochte im Infight den Spanier ein ums andere Mal gut zu treffen. Aber auch Miranda hatte mit dem Jab und kurzen Haken ein für sich erfolgreiches Konzept gefunden, so dass die Vielzahl der Runden eng und hart umkämpft waren. Der Niederschlag und einige gute Runden zur Mitte des Kampfes bescherten dem Titelträger am Ende jedoch einen klaren Punktsieg, der bei vielen Fans im Saal für viel Unmut sorgte, hatten sie den Kampf doch etwas enger gesehen.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Pedro Miranda

2. Kampf: Alexander Zaitsev (Russland) vs. Vitali Tsypko (Ukraine), WBA- Internationale Meisterschaft im Supermittelgewicht (angesetzt auf zwölf Runden)

Relativ deutlich und weniger spannend verlief das Aufeinandertreffen zwischen Vitali Tsypko und dem Russen Alexander Zaitsev. Der bei Sauerland unter Vertrag stehende Ukrainer dominierte den Kampf über weite Strecken. Eine gute rechte Führhand sowie kurze schnelle Eins-zwei-Kombinationen zu Kopf und Körper reichten aus, um die Doppeldeckung des ehemaligen Europameisters Zaitsev zu durchdringen. Tsypko konnte am Ende einen ungefährdeten und einstimmigen Punktsieg für sich zu verbuchen. Mit nunmehr 13 Siegen ist Tsypko weiterhin ungeschlagen, ein ernsthafter Prüfstein war Zaistev jedoch nicht.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Vitali Tsypko

3. Kampf: Ramon Earl Hayes (USA) vs. Cengiz Koc (Deutschland), Schwergewicht (angesetzt auf acht Runden)

Auch im nächsten Kampf zwischen Cengiz Koc (auf Foto rechts) und Ramon Earl Haynes (auf Foto links) wollte nicht so recht Spannung aufkommen. Zu nachlässig ging der US-Amerikaner mit seinem Größen- und Gewichtsvorteil um. Nach zwei ersten guten Runden baute Hayes ziemlich schnell ab und beschränkte sich fortan darauf, mit dem Jab die Offensivaktionen von Koc zu stören. Erfolglos, denn seine Größe und sein Gewicht schienen gegen den agil auftretenden Berliner eher nachteilig. Ohne größere Probleme verkürzte Koc die Distanz und platzierte nach guter Vorbereitung mit seinem linken Jab fast beliebig seine Haken. Noch bevor es Hayes möglich war, zu kontern, war Koc schon wieder außer Reichweite oder hatte die Deckung oben. Wirklich gefährlich wurde es für den Wegner-Schützling zu keiner Zeit. Zwar deutete sich der wuchtige linke Haken von Hayes in einigen Situationen an, das Ziel fand er jedoch nie.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Cengiz Koc

4. Kampf: Quinn Navarre (USA) vs. Timo Hoffmann (Deutschland), Schwergewicht (angesetzt auf zehn Runden)

Den kürzesten Kampf des Abends lieferten sich Timo Hoffmann (auf Foto rechts)und Quin Navarre (auf Foto links). Der von Detlef Schulze trainiert Hoffmann überraschte vor allem durch sein engagiertes Auftreten und eine für seine Verhältnisse hohe Agilität. Mit guten Kombinationen aus Jab und rechter Geraden ließ er dem US-Amerikaner zu keiner Zeit die Möglichkeit zur Entfaltung. Mit einer wuchtigen Linken beendete Hoffmann den Kampf dann vorzeitig in Runde zwei. Nach seiner unnötigen Niederlage gegen Henry Akinwande (BP-Nr. 19) scheint sich mit diesem Auftritt langsam so etwas wie Konstanz in Hoffmanns Performance zu mengen.

Offizielles Urteil: Sieger nach KO in Runde zwei Timo Hoffmann

5. Kampf: Tamás Popovics (Ungarn) vs. Kai Kurzawa, Halbschwergewicht (angesetzt auf zehn Runden)


Im nächsten Ringgefecht traf Kai Kurzawa (auf Foto rechts) auf den Ungarn Tamás Popovics (auf Foto links). Nach seinen letzten guten Kämpfen wurde das aus Schwedt stammende Talent mit viel Vorschusslorbeeren bedacht, die er in diesem Kampf jedoch nur teilweise zu bestätigen wusste. Kurzawa agierte streckenweise viel zu zaghaft und setzte trotz guter Kontertreffer selten nach. So ist es auch nicht verwunderlich, dass Popovics zur Mitte des Kampfes mutiger wurde und dem Wolke-Schützling Paroli bot. Dem kleineren und gedrungenen Ungarn gelang es in der Folgezeit immer besser, den Jab von Kurzawa auszupendeln und aus der Halbdistanz zu punkten. Den Großteil der Runden entschied Kurzawa jedoch mit seiner rechten Geraden, gut vorbereitet durch die Führhand, für sich.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Kai Kurzawa

6. Kampf: Marcelo Dominguez (Argentinien) vs. Nikolai Valuev (Russland), Schwergewicht (angesetzt auf zehn Runden)

Als nächstes standen sich Nikolai Valuev und Marcelo Dominguez gegenüber. Dieser Kampf war weniger aufgrund der sportlichen Herausforderung unterhaltsam, sondern zehrte eher von der physischen Unterlegenheit und mitreißenden Leidenschaft des Argentiniers. Trotz 34 cm Größenunterschied ließ sich Dominguez durch die imposante Erscheinung des 211 Zentimeter großen Russen nicht beeindrucken, weshalb das Berliner Publikum den kleinen Wirbelwind aus Südamerika schon nach der ersten Runde ins Herz geschlossen hatte. Zwar dominierte Valuev den Kampf mit seinem linken Jab über weite Strecken, doch gelang es ihm zu selten, den schnellen Argentinier zu stellen und entscheidend zu treffen. Dominguez selber versuchte meist mit überfallartigen Attacken zu Treffern zu kommen, was ihm teilweise auch gelang. Am Ende stand jedoch mit Valuev ein verdienter Sieger nach Punkten fest. Gute Unterhaltung hat dieser Kampf allemal geboten, auch wenn der sportliche Wert diese Sieges wohl eher fragwürdig erscheint.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Nikolai Valuev

7. Kampf: Cristian Oscar Zanabria (Argentinien) vs. Arthur Abraham (Deutschland), Mittelgewicht (angesetzt auf acht Runden)


Als dann „Vater Abrahams“ Schlumpflied durch die Halle tönte, war klar, welcher Kampf nun folgen sollte. Das noch junge Mittelgewichtstalent Arthur Abraham (auf Foto rechts) gegen Christian Oscar Zanabria aus Argentinien war die nächste Paarung. Völlig konträr zum lustigen und unterhaltsamen Einmarsch präsentierte sich der gebürtige Armenier äußerst konzentriert und erbarmungslos im Ring. Zanabria war es nicht vorbehalten, Abrahams Serie von neun Siegen und neun KOs zu unterbrechen. Hinter einer mehr als soliden Doppeldeckung, welche die zaghafte Offensivbemühung des Argentiniers nur selten erfolgreich enden ließ, beherrschte der Schützling Ulli Wegners (auf Foto links) von Beginn an das Geschehen im Ring. Mit Kraft in beiden Fäusten ausgestatt, zermürbte er seinen Gegner mit dem Jab und öffnete dessen Deckung für wiederum kraftvolle Körpertreffer. Nur der typisch hispanische "Machismo" sorgte dafür, dass Zanabria erst in der fünften Runde nach vier schweren Körpertreffern zu Boden ging und vom Ringrichter ausgezählt wurde. Ein sicherlich erfolgreicher Abend, der zumindest in Ansätzen das Potential Abrahams zeigte. Wieviel jedoch wirklich in ihm steckt, wird die zukünftige Gegnerschaft zeigen müssen, denn für eine ernste Standortbestimmung war Zanabria einfach zu unterlegen.

Offizielles Urteil: Sieger nach KO in Runde fünf Arthur Abraham

8. Kampf: Vivian Harris (USA) vs. Oktay Urkal (Deutschland), WBA- Weltmeisterschaft im Superleichtgewicht (angesetzt auf zwölf Runden)

Nun war es endlich soweit, der Kampf, auf den alle gewartet hatten, konnte beginnen. Und Urkal wollte gleich von Beginn an zeigen, dass dies für ihn der wichtigste Kampf in seiner Karriere sein sollte. Nach einem eher verhaltenen Beginn und gutem Führhandboxen des Weltmeisters fand der Berliner dann zu Beginn der zweiten Runde besser in den Kampf und war durch gute Beinarbeit schnell an seinem Gegner dran. Aus dem Infight konnte er der Runde auch aufgrund guter Treffer seinen Stempel aufdrücken. Dass Urkal in diesen Situationen meist viel zu offen in den Mann ging, sollte sich dann in der dritten Runde rächen, als Harris den heranpreschenden Urkal mit einer linke Geraden abfing und zu Boden schickte.

In der vierten Runde kam der Jab des gebürtigen Guyaners unverständlicherweise immer seltener, was der 34-jährige Herausforderer wieder dazu nutzte, um am Mann zu punkten. Der Kampf entwickelte nun ein gehöriges Tempo. Urkal versuchte fortan, die Distanz zu Harris zu überbrücken und vornehmlich aus der Nahdistanz zu treffen, während sich der Weltmeister auf seine Reflexe, das Kontern und den Jab verließ. In der achten Runde bestrafte Ringrichter Stanley Christodoulou den Weltmeister wegen wiederholtem Tiefschlagens zu Recht mit einem Punktabzug. Davon eher motiviert ging Harris nun konzentrierter zu Werke, schaffte es endgültig, seinen Jab zu etablieren und entschied im letzten Drittel des Kampfes die Mehrzahl der Runden für sich. Am Ende hieß der Sieger durch einen Mehrheitsentscheid Vivian Harris, was angesichts der vielen knappen Runden und der insgesamt konstanteren Leistung des Amerikaners durchaus gerechtfertigt ist. Der Autor wertete den Kampf 113:113 unentschieden.

Die Punktrichter werteten:

Cesar Ramos (Puerto Rico): 115:112
Gustavo Padilla (Panama): 114:112
José Martinez (Spanien): 113:113

Weitere Ergebnisse:

Patrick Dobroschi aus Deutschland besiegt Ferenc Zsálek aus Ungarn einstimmig nach Punkten.
Mathias Kempe aus Deutschland gewinnt durch technischen KO in der dritten Runde gegen Mihály Krátki aus Ungarn.
Und Ali Yildrim (Deutschland) siegt durch KO in der ersten Runde über Sladko Cizicz (Deutschland).



 
     

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