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Chagaev stürzt 2,13 Meter-Riesen Valuev

Von Wolfgang Schiffbauer und Frank Bleydorn


Valuev nicht mehr WBA-Weltmeister

Der Usbeke Ruslan Chagaev (auf Foto oben links) ist neuer WBA-Weltmeister im Schwergewicht. Der Schützling von Michael Timm bezwang am Samstag in der Porsche-Arena in Stuttgart den bisherigen Titelträger Nikolay Valuev trotz erheblicher Reichweitennachteile knapp nach Punkten (114:114, 115:113 und 117:111).



1. Kampf: Tomislav Juric Grgic vs. Lukasz Janik, Cruisergewicht, angesetzt auf vier Runden

Lukasz Janik hatte im Aufeinandertreffen gegen Tomislav Juric Grgic zunächst einige Mühe. Denn der Kroate versuchte, den 22-Jährigen gleich zu Beginn mit aggressiven Attacken unter Druck zu setzen. Doch Mitte der ersten Runde nahm der Pole die Ringmitte für sich ein und begann den Fight mit der linken Führhand zu kontrollieren. Mit einem sauberen linken Haken zum Kopf sorgte Janik noch im ersten Durchgang für einen harten Treffer. Trotz einer Cutverletzung über dem rechten Auge hielt seine Überlegenheit auch in der zweiten Runde an. Zwar versuchte sein Kontrahent, mit rechten Schwingern zum Erfolg zu kommen, doch die Angriffe des 25-Jährigen verpufften meist auf der Deckung des Gegners. Lukasz Janik verbuchte hingegen mit seinen Haken zum Körper des Konkurrenten harte Treffer für sich. Mit einer Rechten zum Kopf schickte er seinen Gegner schließlich zu Boden. Der Ringrichter Ernst Salzgeber brach den Kampf daraufhin ab.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Runde Lukasz Janik


2. Kampf: Colin Wilson vs. Oleg Platov, IBF-Intercontinental Meisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Um die IBF-Intercontinental Meisterschaft im Schwergewicht standen sich in Stuttgart der in Belgien lebende Ukrainer Oleg Platov und der Herausforderer Colin Wilson gegenüber. Der Titelverteidiger legte zu Beginn ein hohes Tempo vor. Mit kräftigen rechten Schwingern und Geraden setzte der 24-Jährige den an Reichweite überlegenen Australier unter Druck. Mit einem linken Haken zum Körper schickte er den Rechtsausleger noch in der ersten Runde zu Boden. Obwohl ein frühes Ende möglich schien, zeigte Wilson ein großes Kämpferherz. Auch wenn Platov in der Folge immer wieder harte Hände ins Ziel brachte, verstand es sein 34-jähriger Kontrahent, den Gegner immer besser auf Distanz zu halten. Dabei verbuchte auch Wilson mit der linken Schlaghand einige gute Treffer für sich. In der siebten Runde schienen die linken Haken des Titelverteidigers zum Körper des Widersachers Wirkung zu zeigen, doch der Australier hielt sich auf den Beinen. Trotz nachlassender Kräfte legte Platov ab dem neunten Durchgang noch einmal zu. In Runde zehn folgte dann eine überraschende Hakenserie von Colin Wilson. Der IBF-Intercontinental Champion antwortete darauf mit einer Rechts-links-rechts-Kombination und einer Rechten zum Kinn, die den Gegner erneut in den Ringstaub schickte. Ringrichter Dave Parris zählte Wilson daraufhin nach einer Minute und 43 Sekunden aus.
Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der zehnten Runde Oleg Platov


3. Kampf: Ferenc Zsalek vs. Alexander Frenkel, Cruisergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Alexander Frenkel knockte seinen Gegner nach nur einer Minute und 31 Sekunden aus. Zuvor hatte er das Kampfgeschehen gegen Ferenc Zsalek von der ersten Sekunde an bestimmt. Mit einem linken Aufwärtshaken gefolgt von einer Rechten zum Kopf des Konkurrenten sorgte der 22-Jährige schnell für den ersten Niederschlag. Nachdem sein Kontrahent wieder auf den Beinen war, setzte der Schützling von Trainer Ulli Wegner nach. Nach einer Rechten ging sein Kontrahent erneut zu Boden, so dass Ringrichter Ingo Barrabas den Ungarn auszählte.

Offizielles Urteil: Sieger durch KO in der ersten Runde Alexander Frenkel


4. Kampf: Albert Starikov vs. Michel Trabant, Weltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Nach elfmonatiger Kampfpause tat sich Ex-Europameister Michel Trabant gegen Albert Starikov aus Estland zunächst schwer. Dem 28-jährigen Deutschen war seine Nervosität deutlich anzumerken. Dennoch dominierte er den Kampf weitgehend mit seiner linken Führhand. In der Vorwärtsbewegung agierend nutzte er dabei seine Reichweitenvorteile. Ab der zweiten Runde kam Trabant häufiger mit seinen Schlagkombinationen zum Gegner durch. Auch die linken Haken zum Körper fanden mehrfach das gewünschte Ziel. Ab dem dritten Durchgang wurde Starikov jedoch deutlich stärker. Mit einem rechten Aufwärtshaken verbuchte er dabei einen harten Treffer. In Runde vier attackierte er seinen Gegner mit einer Linken zum Kopf. In der Folge bekam Trabant den Fight wieder besser in den Griff. Sein Gegner agierte zwischenzeitlich noch einmal mit überfallartigen Hakenserien. Wirklich gefährlich wurde es für Michel Trabant jedoch nicht.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Michel Trabant


5. Kampf: Ante Lovric vs. Andrzej Wawrzyk, Schwergewicht, angesetzt auf vier Runden

Der polnische Schwergewichtler Andrzej Wawrzyk traf in Stuttgart auf Ante Lovric. Der Kroate versuchte, das Geschehen mit ersten Hakenserien an sich zu reißen. Doch der Konkurrent aus Krakau lauerte geschickt auf Deckungslücken beim Gegner. Mit einer Rechten zum Körper schickte der 19-Jährige seinen Widersacher noch in der ersten Runde an den Seilen in den Ringstaub. Im zweiten Durchgang agierte Wawrzyk von der Ringmitte aus sehr druckvoll. Mit linken und rechten Haken brachte er den 24-jährigen Gegner gleich mehrfach in Bedrängnis. Nach einer Vielzahl von Treffern ging der in Split lebende Schwergewichtler erneut zu Boden. Daraufhin signalisierte die kroatische Seite die Aufgabe. Ringrichter Ernst Salzgeber brach den Fight somit nach einer Minute und vier Sekunden ab.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO in der zweiten Runde Andrzej Wawrzyk


6. Kampf: Hector Alfredo Avila vs. Yoan Pablo Hernandez, Cruisergewicht, angesetzt auf acht Runden

Der 22-jährige Kubaner Yoan Pablo Hernandez sollte eigentlich sein Talent in Stuttgart unter Beweis stellen. Doch sein argentinischer Gegner Hector Alfredo Avila wollte diesen Plan durchkreuzen. So entwickelte sich ein spannendes Gefecht. Hernandez war der aktivere Boxer mit den besseren Treffern. Sein neun Jahre älterer Kontrahent zeigte sich jedoch unbeeindruckt und konnte selber gute Schläge zum Kopf des Kubaners landen. In Durchgang sieben wirkte der Sauerland-Cruisergewichtler gar leicht angeschlagen, rettete sich aber in die Rundenpause. Nach acht hart umkämpften Runden siegte Hernandez zwar verdient, aber zu überzeugen vermochte er nicht. Er lauerte zu sehr auf den KO und nutzte selten sein boxerisches Können - ein Sieg mit der Brechstange für den Kubaner.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Yoan Pablo Hernandez


7. Kampf: Paolo Ferrara vs. Francesco Pianeta, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Im zehnten Profikampf der zehnte Erfolg für den Sauerland-Boxer Francesco Pianeta - ein glanzloser Sieg jedoch. Gegen den erfahrenen Paolo Ferrara konnte der 22-jährige Rechtsausleger nur in den ersten zwei Runden wirklich überzeugen. Es sah anfangs sogar nach einem vorzeitigen Sieg für den von Michael Kopzog trainierten Schwergewichtler aus. Doch Ferrara kämpfte sich zurück in das Gefecht, gewann die Oberhand und setzte Pianeta immer wieder mit harten Treffern zu. Ein Punktabzug für mehrmalige Kopfstöße in der siebten Runde und die starke Anfangsphase Pianetas waren nach acht harten Runden allerdings genug für einen sehr engen Punktsieg mit 2:1-Richterstimmen zu Gunsten des jungen Pianeta.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten Francesco Pianeta


8. Kampf: Ivica Perkovic vs. René Dettweiler, Schwergewicht, angesetzt auf acht Runden

Von Beginn an dominierte René Dettweiler im Kampf gegen seinen Kontrahenten Ivica Perkovic. Mit seiner rechten Führhand versuchte er, den Kroaten unter Druck zu setzen. Ab der dritten Runde zeigte der von Manfred Wolke trainierte Schwergewichtler mehr Aggressivität. Gegen seinen unorthodox kämpfenden Widersacher agierte er jetzt vermehrt mit der linken Schlaghand. Ab dem vierten Durchgang wurde der meist aus der Rückwärtsbewegung heraus boxende Perkovic mutiger und versuchte, selbst zu Treffern zu kommen. Ende der fünften Runde geriet der 32-Jährige jedoch an den Seilen unter Druck und kassierte einige linke Hände. In der Folge wurde die Überlegenheit Dettweilers wieder deutlicher. Im siebten Durchgang erhielt sein Gegner eine Verwarnung, nachdem er immer wieder mit den Kopf agiert und geklammert hatte. Weil Perkovic seinen unsauberen Kampfstil auch in der Schlussrunde nicht abstellte, wurde er von Ringrichter Josef Temml disqualifiziert.

Offizielles Urteil: Sieger durch Disqualifikation in der achten Runde René Dettweiler


9. Kampf: Karlheinz Scheibe vs. Dominik Britsch, Superweltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Mit nur 19 Jahren gilt Dominik Britsch bereits als großes Talent im Sauerland-Stall. Der aus Neckarsulm stammende Abiturient zeigte erneut eine gute Leistung in Stuttgart. Der 36-jährige Frankfurter Karlheinz Scheibe hatte zu keinem Zeitpunkt eine Chance gegen seinen jungen, technisch versierten Kontrahenten. Britsch boxte Scheibe aus, setzte ihm mit schnellen Kombinationen zu, konnte ihn aber nicht beeindrucken. So ging der Kampf über die volle Distanz, mit Britsch als verdientem Punktsieger.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Dominik Britsch


10. Kampf: Ruslan Chagaev vs. Nikolay Valuev, WBA-Weltmeisterschaft im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Ruslan Chagaev hat es geschafft. Der Rechtsauleger ist neuer WBA-Weltmeister im Schwergewicht. Zwar übte der 33-jährige Valuev zu Beginn von der Ringmitte aus Druck mit seiner linken Führhand aus, doch der Herausforderer hielt mit überraschenden Angriffen dagegen. Immer wieder überbrückte der 28 Zentimeter kleinere Herausforderer die Distanz und brachte seine linken Schwinger und Haken zum Kopf des Kontrahenten ins Ziel. Ab der dritten Runde erarbeitete sich Chagaev klare Vorteile. Da sein Kontrahent viel zu selten auf seine rechte Schlaghand setzte, geriet der Schützling von Trainer Michael Timm nur selten in Bedrängnis. Nikolay Valuev fand hingegen kein Mittel, den linken Händen seines Gegners auszuweichen. Im siebten Durchgang kam der Titelverteidiger mit seinen rechten Haken zum Körper auf. Doch eine Linke des Gegners kurz vor Ende der Runde brachte den WBA-Weltmeister ins Wanken. In der Folge wirkte Valuev mit seiner Führhand und einigen Links-rechts-Kombinationen gefährlich. Doch Chagaev bewies Standvermögen und Nehmerqualitäten. In der letzten Runde war der 28-jährige Herausforderer noch einmal in der Lage, alle Kräfte zu mobilisieren. Mit harten Händen setzte er Valuev zu, so dass ihm der Sieg nicht mehr zu nehmen war.

Offizielles Urteil: Sieger nach Punkten Ruslan Chagaev


11. Kampf: Sergey Karanevich vs. Enad Licina, Halbschwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Nach dem Höhepunkt des Abends gab es für die verbleibenden Boxfans ein weiteres Talent zu bestaunen. Der 27-jährige Wolke-Schützling Enad Licina beendete den Boxabend mit einem Sechs-Runden-Kampf gegen den Weißrussen Sergey Karanevich. Licina dominierte wie erwartet das Gefecht, setzte schwere und schnelle Hände und ließ Karanevich zu keiner Zeit in das ungleiche Duell kommen. Doch der 24-jährige Weißrusse, der bereits gegen Universum-Boxer Mario Veit und Aleksy Kuziemski im Ring stand, steckte alle Treffer von Licina weg. Nennenswerte Angriffe konnte er jedoch nicht setzen und so ging auch dieser Kampf über die volle Distanz. Der einstimmige Punktsieger Enad Licina hat, laut Manfred Wolke, eine große Zukunft vor sich.

Offizielles Urteil: Sieger (einstimmig) nach Punkten Enad Licina
Montag, 16. April 2007


 
     

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