Zurück
Forum
Ranglisten
Termine
Ergebnisse
Rekorde
. | ENGLISCH |
 
.
   
 

Valuev zittert sich zum WM-Kampf gegen John Ruiz

von Stefan Strehler und Frank Bleydorn


Der russische Schwergewichtler Nikolay Valuev (BP-Nr. 14, auf Foto oben lins) ist neuer Pflichtherausforderer von WBA-Weltmeister John Ruiz (BP-Nr. 4). Der 32-Jährige setzte sich in der mit 4.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllten EWE ARENA in Oldenburg am Samstag umstritten nach Punkten gegen den Amerikaner Larry Donald (auf Foto oben in der Mitte) durch. Europameister im Schwergewicht blieb Paolo Vidoz. Der Italiener landete einen einstimmigen Punktsieg über den Briten Michael Sprott. Bereits den zweiten WM-Titel gewann die Lokalmatadorin Heidi Hartmann. Die 34-Jährige sicherte sich mit einem KO-Sieg in der ersten Runde nach dem Junior-Mittelgewichtsgürtel auch noch den WIBF-Titel im Mittelgewicht.


1. Kampf: Aleksejs Kosobokovs gegen Pawel Kolodziej, angesetzt auf sechs Runden im Cruisergewicht

Seinen achten Sieg im achten Profifight verbuchte der Pole Pawel Kolodziej im Ringgefecht gegen Aleksejs Kosobokovs. Dabei hatte der Schützling von Trainer Fiodor Lapin zunächst einige Mühe, gegen den Kontrahenten aus Lettland zu glänzen. Denn Kosobokovs war in den ersten drei Minuten aus der Vorwärtsbewegung heraus mit seiner linken Führhand der aktivere Mann im Ring. Im zweiten Durchgang präsentierte sich Kolodziej mit Links-rechts-Kombinationen zum Kopf des Gegners gefährlicher. Zwar überraschte ihn sein 27-jähriger Konkurrent zwischenzeitlich immer wieder mit Konteraktionen und rechten Haken, doch der polnische Cruisergewichtler verschaffte sich durch die höhere Schlagfrequenz ab der dritten Runde ein leichtes Übergewicht. Dabei übte Kolodziej von der Ringmitte mehr Druck auf den in Riga lebenden Athleten aus. In der Schlussphase versuchte Kosobokovs noch einmal zu attackieren. Dabei brachte der Lette auch einige Hände ins Ziel. Jedoch waren die Treffer nicht hart genug, um den einstimmigen Punktsieg von Pawel Kolodziej doch noch zu gefährden.

2. Kampf: Chris Lewallen gegen Cengiz Koc, angesetzt auf acht Runden im Schwergewicht

Seinen 23. Erfolg im 24. Profifight verbuchte Cengiz Koc (Foto). Gegen den Amerikaner Chris Lewallen dominierte der in Berlin lebende Schwergewichtler von Beginn an das Geschehen. Dabei ging der Schützling von Trainer Ulli Wegner sehr aggressiv zu Werke und versuchte, den 25-jährigen Kontrahenten immer wieder in die Ringecken und an die Seile zurück zu drängen. Zwar sorgte Lewallen zunächst mit einem linken Haken auf den Körper für eine gute Aktion, doch Koc meldete sich umgehend mit einem rechten Aufwärtshaken zurück. Wenig später folgte dann bereits die Entscheidung: Nach einem rechten Haken auf den Körper ging der US-Schwergewichtler zu Boden, so dass ihn Ringrichter Klaus Griesel nach nur einer Minute und 42 Sekunden auszählte. Der durch KO in der ersten Runde siegreiche Cengiz Koc soll nun um die Europameisterschaft im Schwergewicht kämpfen.

3. Kampf: Aleksandre Borhovs gegen Mariusz Wach, angesetzt auf vier Runden im Schwergewicht

Einen guten Eindruck hinterließ der polnische Schwergewichtler Mariusz Wach bei seinem ersten Fight in Deutschland. Gegen Aleksandre Borhovs wirkte der Athlet aus Krakau mit seiner linken Führhand von der ersten Sekunde an überlegen. Nur selten konnte sein an Reichweite deutlich unterlegener Kontrahent mit seinen harten rechten Haken dagegen halten. In Runde zwei zeigte sich Wach auch im Infight variabel. Hierbei brachte der 25-Jährige einen harten rechten Haken auf den Körper des Gegners ins Ziel. Obwohl der mit einem großen Kämpferherz ausgestattete Borhovs auch in der Folgezeit sehr beweglich agierte, kam sein Konkurrent aus der Distanz heraus immer wieder mit seiner Linken zu klaren Treffern. Im Schlussdurchgang überraschte der 31-jährige Lette seinen Gegner Mariusz Wach zunächst mit einem rechten Haken ans Kinn. Doch der Pole ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und lag am Ende auf den Wertungszetteln der Punktrichter zurecht einstimmig nach Punkten vorne.

4. Kampf: Mariana Garcia gegen Heidi Hartmann, angesetzt auf zehn Runden im Mittelgewicht


Erster Höhepunkt des Abends war die WIBF-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht. Um den vakanten Titel stieg Mariana Garcia (auf Foto links) aus der Dominikanischen Republik gegen die Lokalmatadorin Heidi Hartmann (auf Foto rechts) in den Ring. Bereits der Einmarsch der Athletin aus Uplengen bei Oldenburg wurde zu einem wahren Triumphzug. Denn die 34-Jährige konnte auf die lautstarke Unterstützung des Publikums in der EWE ARENA bauen. Ähnlich klar gestalteten sich dann auch die Verhältnisse im Ring. Die an Reichweite überlegene Hartmann übernahm von Beginn an die Regie und drängte ihre gleichaltrige Widersacherin mehrfach an die Ringseile zurück. Mit schnellen Links-rechts-Kombinationen landete sie dabei harte Treffer. Eine Aktion in der roten Ecke sorgte noch im ersten Durchgang für die vorzeitige Entscheidung: Hartmann schloss eine Schlagkombination mit einer Rechten wirkungsvoll ab, so dass Mariana Garcia zu Boden ging. Ringrichter Josef Tremml zählte die Athletin aus San Pedro de Macoris daraufhin nach nur einer Minute und 53 Sekunden aus. Die bei diesem Kampf von Trainer Ulli Wegner betreute Heidi Hartmann sicherte sich durch den KO-Erfolg nach dem WIBF-Gürtel im Junior-Mittelgewicht mit dem Mittelgewichtstitel bereits die zweite WM-Krone.

5. Kampf: Paolo Vidoz gegen Michael Sprott, angesetzt auf zwölf Runden im Schwergewicht

Der zweite Hauptkampf des Abends fand ohne Beteiligung eines deutschen oder in Deutschland ansässigen Boxers statt. Im Duell um den Titel des Europameisters im Schwergewicht standen sich der Engländer Michael Sprott (Foto) und der Italiener Paolo Vidoz gegenüber. Vidoz hatte sich den von Luan Krasniqi (BP-Nr. 10) niedergelegten Titel im Juni dieses Jahres gegen Timo Hoffmann geholt. Mit Sprott stand ihm nun seine erste Pflichtverteidigung bevor. Zu dem Titel „YMCA“ von Village People tänzelnd kam der Europameister in die Halle und hatte das Publikum damit bereits auf seiner Seite.

Die erste Runde begann verhalten, beide versuchten zunächst einmal, ihre Führhand zu etablieren. Leichte Vorteile waren hier dem Briten zu bescheinigen, der einige Male gut zum Körper durchkam. Gegen Ende des Durchgangs gelang es Vidoz, seinen Gegner zwar an den Seilen zu stellen und eine Schlagserie anzubringen, allerdings konnte er hier nichts Zählbares vorbringen. Etwas mehr Aktion zeigten beide Boxer in Runde zwei, vor allem Vidoz erhöhte jetzt merklich den Druck, ohne aber nennenswerte Treffer anbringen zu können. Durchgang drei war von vielen Schlagabtauschen geprägt. Die etwas genaueren Aktionen hatte hier Vidoz auf seiner Seite, der in der letzten Minute der Runde seine besten Momente hatte. Auch die Durchgänge vier und fünf konnte man dem Titelverteidiger zugestehen, der mit guten Meidbewegungen vielen Schläge seines Gegners auswich und Sprott immer wieder an den Seilen stellen konnte.

Etwas besser konnte der 30-jährige Engländer in der sechsten Runde agieren. In der letzen Minute des Durchgangs hatte er die besseren Momente im Schlagabtausch für sich. Auch Runde sieben bot ein ähnliches Bild, mit leichten Vorteilen für den Briten. Vidoz, der wie auch im Kampf gegen Hoffmann nur eine äußerst kurze Vorbereitungszeit hatte, schien sich hier eine Auszeit zu nehmen. In Runde acht und neun nahm der Titelverteidiger aber erneut das Heft in die Hand und konnte sich auf den Punktezetteln absetzen.

Beiden Boxern fehlte es in diesen Durchgängen an Präzision, wobei Vidoz allerdings der etwas aktivere Mann war. Erstmalig am Boden sah sich der Brite in Runde zehn wieder. Vidoz hatte seinen Gegner zu Boden geschubst und Ringrichter Erkki Meronen wertete die Aktion zu Recht nicht als Niederschlag. Augenblicke später landete Vidoz einen guten Treffer mit rechts zum Kopf des Engländers, der sich davon jedoch unbeeindruckt zeigte. Er antwortete sofort mit zwei knallharten Körperhaken und konnte den Durchgang knapp für sich entscheiden. In den letzten beiden Runden machte dann der Italiener alles klar. Der Titelverteidiger zeigte hier die größere Aktivität und hatte letztendlich immer eine Hand mehr im Ziel als sein Kontrahent. Auf den Punktezetteln setzte er sich mit 117:112, 117:112 und 117:113 Punkten einstimmig und verdient durch. Nächster Gegner des Europameisters dürfte nun wohl der Deutsche Cengiz Koc sein.

6. Kampf: Alexander Povetkin gegen John Castle, angesetzt auf vier Runden im Schwergewicht


Seinen dritten professionellen Kampf bestritt der Russe Alexander Povetkin gegen den US-Amerikaner John Castle. Der 26-jährige Schwergewichtler, der als Amateur das Superschwergewicht der letzten Jahre dominierte und sich dort alle wichtigen Titel wie Europameisterschaft, Weltmeisterschaft und Olympiasieg gesichert hatte, brauchte lediglich eine Runde, um seinen Gegner abzufertigen. Povetkin machte von Beginn an Druck und deckte seinen Gegner mit Schlägen aus allen Winkeln ein. 30 Sekunden vor Rundenende hatte er seinen Gegner erstmalig am Boden. Wenige Sekunden später folgte Niederschlag zwei. Castle rettete sich zwar in die Rundenpause, gab den Kampf dann aber wegen eines Kieferbruches auf. Der Sieger durch technischen KO hieß somit Alexander Povetkin

7. Kampf: Arthur Abraham gegen Luis Daniel Parada, angesetzt auf acht Runden im Mittelgewicht

Ebenfalls keinerlei Mühe mit seinem Gegner hatte Publikumsliebling Arthur Abraham (BP-Nr. 6, auf Foto links) aus Armenien mit dem Argentinier Luis Daniel Parada (auf Foto rechts). Abraham dominierte das Gefecht von Beginn an mit knallharten Schlägen, sowohl zum Kopf, als auch zum Körper. Nur selten war Parada in der Lage, seinerseits Aktionen zu starten, zumeist kam nur alibimäßig die Führhand. Ende der zweiten Runde zeigte der Argentinier zwar einen Versuch, selbst eine Offensive zu starten, als er Abraham an den Ringseilen mit einer Schlagserie eindeckte, aber alle Schläge landeten auf der guten Deckung des Armeniers, der im Gegenzug dann einen Niederschlag erzielte. Auch in Durchgang drei und vier diktierte der 25-jährige Schützling von Ulli Wegner das Geschehen und konnte immer wieder mit harten Körpertreffern Wirkung bei seinem Kontrahenten erzielen. In Runde fünf sah sich Ringrichter Klaus Griesel nach zweimaligem Anzählen im Stehen genötigt, das ungleiche Gefecht zu beenden und Arthur Abraham zum Sieger durch technischen KO zu erklären.

8. Kampf: Nikolay Valuev gegen Larry Donald, angesetzt auf zwölf Runden im Schwergewicht

Es folgte der Hauptkampf des Abends, der WM-Ausscheidungskampf des Verbandes WBA im Schwergewicht. Die Begegnung zwischen dem Russen Nikolay Valuev und dem US-Amerikaner Larry Donald sollte den offiziellen Herausforderer des Puertoricaners John Ruiz ermitteln, der den Titel des Weltmeisters innehält. Zwei völlig unterschiedliche Boxer und Boxstile trafen hier aufeinander. Auf der einen Seite der riesige Koloss aus Russland, Valuev, der seine Kämpfe hauptsächlich aufgrund seiner Physis gewinnt, auf der anderen Seite der schnelle, bewegliche Techniker, Donald, der seine Siege boxerisch erkämpft.

Die erste Runde verlief recht ereignisarm. Der Riese aus St. Petersburg machte, wie man es erwarten konnte, Druck und versuchte seinen Gegner zu stellen. Donald bewegte sich außerhalb der Reichweite seines Kontrahenten und wartete auf die Gelegenheit für einen Konter. Insgesamt, aufgrund der offensiveren Ausrichtung des Russen eine knappe Runde für ihn. Etwas besser ins Geschehen fand Larry Donald in Durchgang zwei, als es ihm teilweise gut gelang, die Distanz für seine Führhand herzustellen. Gegen Ende der Runde versuchte Valuev zwar mit einem Kraftakt, Eindruck zu schinden, doch konnte sein 38-jähriger Kontrahent dank guter Meidbewegungen Schaden verhindern. Durchgang drei verlief wiederum knapp zu Gunsten des Favoriten, der erheblich mehr Schlaghärte aufzuweisen hatte. Sowohl mit der Führhand, als auch mit der Schlaghand erfolgreich, konnte Donald Runde vier für sich verbuchen. Auch der nächste Durchgang begann vielversprechend für den Mann aus Cincinnati, jedoch waren die druckvolleren Aktionen auf Seiten Valuevs.

Ab Runde sechs wurde Donald, der eigentlich dafür bekannt ist, sich von physisch bevorteilten Gegnern, beeindrucken zu lassen, immer mutiger. Mit schnellen Schlagserien am Mann, guter Arbeit mit dem Jab und immer häufiger auch mit der Schlaghand punktete der US-Amerikaner in den folgenden Durchgängen. Runde neun verlief wieder ausgeglichener, Donald mit den klareren Aktionen, Valuev druckvoller. In Durchgang zehn kam der US-Amerikaner wieder mit seinen schnellen Schlagserien zum Zuge. Die beiden Schlussrunden konnte man als recht offen bezeichnen, wobei Valuev stets mit Kraftakten gefährlich blieb, Donald dagegen mit den besseren Treffern aufwarten konnte. Das Urteil des Kampfgerichtes verlief dann in einer Mehrheitsentscheidung mit 114:114, 115:113 und 117:112 zu Gunsten des 32-jährigen Valuev und wurde von einem gellenden Pfeifkonzert des Oldenburger Publikums begleitet, dass den Oldie aus den Vereinigten Staaten vorne gesehen hatte. Auch der Autor dieses Artikels stimmt diesem Eindruck zu und wertete wie folgt:

Die BoxingPress-Scorecard
Runden
Valuev
Donald
1
10
9
2
9
10
3
10
9
4
9
10
5
10
9
6
9
10
7
9
10
8
9
10
9
10
10
10
9
10
11
10
9
12
9
10
Gesamt
113
116


Viele Runden waren aufgrund der unterschiedlichen Kampfstile der beiden Boxer schwer zu werten. Es ist wohl nicht angebracht, bei dem Urteil von einem Skandal zu sprechen. Boxästheten dürfte es aber schwer fallen, den Sieg des russischen Riesen nachzuvollziehen. So war auch das Statement von Manager Wilfried Sauerland in der Pressekonferenz nach dem Kampf nicht verwunderlich. Der 65-Jährige sagte: "Nikolay Valuev soll jetzt erst einmal am 17. Dezember gegen John Ruiz um die WBA-Weltmeisterschaft kämpfen. Danach ist es durchaus vorstellbar, dass wir Larry Donald ein Rematch einräumen."

Montag, 03. Oktober 2005


 
     

BoxingPress.de - Alle Rechte vorbehalten
© 2005 - Alle Elemente sowie das Layout dieser Seiten unterliegen den Copyrightbestimmungen nach deutschem Recht. Kein Teil dieser Seiten darf in irgendeiner Form an anderer Stelle ohne die ausdrückliche Erlaubnis von BoxingPress.de veröffentlicht werden.
 

All photos ALLSPORT / AFP / ROGER WILLIAMS / SECONDSOUT.COM / KURT SAYGIN - BoxingPress ist um vollständigen Urhebernachweis auf seinen Internetseiten bemüht. Sollte sich auf einer unserer Seiten dennoch eine ungekennzeichnete, aber durch Copyright eines Dritten geschützte Graphik befinden, so konnte das Copyright von uns nicht festgestellt werden. Sollte Bildmaterial einmal nicht mit einem entsprechenden Urhebernachweis ausgezeichnet sein, bitten wir den Betreffenden, sich bei der Redaktion zu melden. Im Falle einer solchen unbeabsichtigten Copyrightverletzung werden wir das entsprechende Objekt nach Benachrichtigung aus der Internetseite entfernen bzw. mit dem entsprechenden Copyright kenntlich machen.
GOWEBCounter by INLINE