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Der russische
Schwergewichtler Nikolay Valuev (BP-Nr. 14, auf Foto oben lins) ist neuer Pflichtherausforderer
von WBA-Weltmeister
John Ruiz (BP-Nr. 4). Der 32-Jährige setzte sich in
der mit 4.000 Zuschauern bis auf den letzten Platz gefüllten EWE
ARENA in Oldenburg am Samstag umstritten nach Punkten gegen den Amerikaner
Larry
Donald (auf Foto oben in der Mitte) durch. Europameister
im Schwergewicht blieb Paolo
Vidoz. Der Italiener landete einen einstimmigen Punktsieg über
den Briten Michael
Sprott. Bereits den zweiten WM-Titel gewann die Lokalmatadorin
Heidi
Hartmann. Die 34-Jährige sicherte sich mit einem KO-Sieg
in der ersten Runde nach dem Junior-Mittelgewichtsgürtel auch noch
den WIBF-Titel im Mittelgewicht.
1. Kampf: Aleksejs
Kosobokovs gegen Pawel
Kolodziej, angesetzt auf sechs Runden im Cruisergewicht
Seinen achten Sieg im achten Profifight verbuchte der Pole Pawel
Kolodziej im Ringgefecht gegen Aleksejs
Kosobokovs. Dabei hatte der Schützling von Trainer Fiodor
Lapin zunächst einige Mühe, gegen den Kontrahenten aus Lettland
zu glänzen. Denn Kosobokovs war in den ersten drei Minuten aus der
Vorwärtsbewegung heraus mit seiner linken Führhand der aktivere
Mann im Ring. Im zweiten Durchgang präsentierte sich Kolodziej mit
Links-rechts-Kombinationen zum Kopf des Gegners gefährlicher. Zwar
überraschte ihn sein 27-jähriger Konkurrent zwischenzeitlich
immer wieder mit Konteraktionen und rechten Haken, doch der polnische
Cruisergewichtler verschaffte sich durch die höhere Schlagfrequenz
ab der dritten Runde ein leichtes Übergewicht. Dabei übte Kolodziej
von der Ringmitte mehr Druck auf den in Riga lebenden Athleten aus. In
der Schlussphase versuchte Kosobokovs noch einmal zu attackieren. Dabei
brachte der Lette auch einige Hände ins Ziel. Jedoch waren die Treffer
nicht hart genug, um den einstimmigen Punktsieg von Pawel Kolodziej doch
noch zu gefährden.
2. Kampf: Chris
Lewallen gegen Cengiz
Koc, angesetzt auf acht Runden im Schwergewicht
Seinen
23. Erfolg im 24. Profifight verbuchte Cengiz
Koc (Foto). Gegen den Amerikaner Chris
Lewallen dominierte der in Berlin lebende Schwergewichtler von
Beginn an das Geschehen. Dabei ging der Schützling von Trainer Ulli
Wegner sehr aggressiv zu Werke und versuchte, den 25-jährigen
Kontrahenten immer wieder in die Ringecken und an die Seile zurück
zu drängen. Zwar sorgte Lewallen zunächst mit einem linken Haken
auf den Körper für eine gute Aktion, doch Koc meldete sich umgehend
mit einem rechten Aufwärtshaken zurück. Wenig später folgte
dann bereits die Entscheidung: Nach einem rechten Haken auf den Körper
ging der US-Schwergewichtler zu Boden, so dass ihn Ringrichter Klaus
Griesel nach nur einer Minute und 42 Sekunden auszählte. Der
durch KO in der ersten Runde siegreiche Cengiz Koc soll nun um die Europameisterschaft
im Schwergewicht kämpfen.
3. Kampf: Aleksandre
Borhovs gegen Mariusz
Wach, angesetzt auf vier Runden im Schwergewicht
Einen guten Eindruck hinterließ der polnische Schwergewichtler Mariusz
Wach bei seinem ersten Fight in Deutschland. Gegen Aleksandre
Borhovs wirkte der Athlet aus Krakau mit seiner linken Führhand
von der ersten Sekunde an überlegen. Nur selten konnte sein an Reichweite
deutlich unterlegener Kontrahent mit seinen harten rechten Haken dagegen
halten. In Runde zwei zeigte sich Wach auch im Infight variabel. Hierbei
brachte der 25-Jährige einen harten rechten Haken auf den Körper
des Gegners ins Ziel. Obwohl der mit einem großen Kämpferherz
ausgestattete Borhovs auch in der Folgezeit sehr beweglich agierte, kam
sein Konkurrent aus der Distanz heraus immer wieder mit seiner Linken
zu klaren Treffern. Im Schlussdurchgang überraschte der 31-jährige
Lette seinen Gegner Mariusz Wach zunächst mit einem rechten Haken
ans Kinn. Doch der Pole ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und
lag am Ende auf den Wertungszetteln der Punktrichter zurecht einstimmig
nach Punkten vorne.
4. Kampf: Mariana
Garcia gegen Heidi
Hartmann, angesetzt auf zehn Runden im Mittelgewicht
Erster
Höhepunkt des Abends war die WIBF-Weltmeisterschaft im Mittelgewicht.
Um den vakanten Titel stieg Mariana
Garcia (auf Foto links) aus der Dominikanischen Republik
gegen die Lokalmatadorin Heidi
Hartmann (auf Foto rechts) in den Ring. Bereits der Einmarsch
der Athletin aus Uplengen bei Oldenburg wurde zu einem wahren Triumphzug.
Denn die 34-Jährige konnte auf die lautstarke Unterstützung
des Publikums in der EWE ARENA bauen. Ähnlich klar gestalteten sich
dann auch die Verhältnisse im Ring. Die an Reichweite überlegene
Hartmann übernahm von Beginn an die Regie und drängte ihre gleichaltrige
Widersacherin mehrfach an die Ringseile zurück. Mit schnellen Links-rechts-Kombinationen
landete sie dabei harte Treffer. Eine Aktion in der roten Ecke sorgte
noch im ersten Durchgang für die vorzeitige Entscheidung: Hartmann
schloss eine Schlagkombination mit einer Rechten wirkungsvoll ab, so dass
Mariana Garcia zu Boden ging. Ringrichter Josef Tremml zählte
die Athletin aus San Pedro de Macoris daraufhin nach nur einer Minute
und 53 Sekunden aus. Die bei diesem Kampf von Trainer Ulli Wegner betreute
Heidi Hartmann sicherte sich durch den KO-Erfolg nach dem WIBF-Gürtel
im Junior-Mittelgewicht mit dem Mittelgewichtstitel bereits die zweite
WM-Krone.
5. Kampf: Paolo
Vidoz gegen Michael
Sprott, angesetzt auf zwölf Runden im Schwergewicht
Der
zweite Hauptkampf des Abends fand ohne Beteiligung eines deutschen oder
in Deutschland ansässigen Boxers statt. Im Duell um den Titel des
Europameisters im Schwergewicht standen sich der Engländer Michael
Sprott (Foto) und der Italiener Paolo
Vidoz gegenüber. Vidoz hatte sich den von Luan
Krasniqi (BP-Nr. 10) niedergelegten Titel im Juni dieses
Jahres gegen Timo Hoffmann geholt. Mit Sprott stand ihm nun seine erste
Pflichtverteidigung bevor. Zu dem Titel YMCA von Village People
tänzelnd kam der Europameister in die Halle und hatte das Publikum
damit bereits auf seiner Seite.
Die erste Runde begann verhalten, beide versuchten zunächst einmal,
ihre Führhand zu etablieren. Leichte Vorteile waren hier dem Briten
zu bescheinigen, der einige Male gut zum Körper durchkam. Gegen Ende
des Durchgangs gelang es Vidoz, seinen Gegner zwar an den Seilen zu stellen
und eine Schlagserie anzubringen, allerdings konnte er hier nichts Zählbares
vorbringen. Etwas mehr Aktion zeigten beide Boxer in Runde zwei, vor allem
Vidoz erhöhte jetzt merklich den Druck, ohne aber nennenswerte Treffer
anbringen zu können. Durchgang drei war von vielen Schlagabtauschen
geprägt. Die etwas genaueren Aktionen hatte hier Vidoz auf seiner
Seite, der in der letzten Minute der Runde seine besten Momente hatte.
Auch die Durchgänge vier und fünf konnte man dem Titelverteidiger
zugestehen, der mit guten Meidbewegungen vielen Schläge seines Gegners
auswich und Sprott immer wieder an den Seilen stellen konnte.
Etwas besser konnte der 30-jährige Engländer in der sechsten
Runde agieren. In der letzen Minute des Durchgangs hatte er die besseren
Momente im Schlagabtausch für sich. Auch Runde sieben bot ein ähnliches
Bild, mit leichten Vorteilen für den Briten. Vidoz, der wie auch
im Kampf gegen Hoffmann nur eine äußerst kurze Vorbereitungszeit
hatte, schien sich hier eine Auszeit zu nehmen. In Runde acht und neun
nahm der Titelverteidiger aber erneut das Heft in die Hand und konnte
sich auf den Punktezetteln absetzen.
Beiden Boxern fehlte es in diesen Durchgängen an Präzision,
wobei Vidoz allerdings der etwas aktivere Mann war. Erstmalig am Boden
sah sich der Brite in Runde zehn wieder. Vidoz hatte seinen Gegner zu
Boden geschubst und Ringrichter Erkki Meronen wertete die Aktion
zu Recht nicht als Niederschlag. Augenblicke später landete Vidoz
einen guten Treffer mit rechts zum Kopf des Engländers, der sich
davon jedoch unbeeindruckt zeigte. Er antwortete sofort mit zwei knallharten
Körperhaken und konnte den Durchgang knapp für sich entscheiden.
In den letzten beiden Runden machte dann der Italiener alles klar. Der
Titelverteidiger zeigte hier die größere Aktivität und
hatte letztendlich immer eine Hand mehr im Ziel als sein Kontrahent. Auf
den Punktezetteln setzte er sich mit 117:112, 117:112 und 117:113 Punkten
einstimmig und verdient durch. Nächster Gegner des Europameisters
dürfte nun wohl der Deutsche Cengiz Koc sein.
6. Kampf: Alexander
Povetkin gegen John
Castle, angesetzt auf vier Runden im Schwergewicht
Seinen dritten professionellen Kampf bestritt der Russe Alexander
Povetkin gegen den US-Amerikaner John
Castle. Der 26-jährige Schwergewichtler, der als Amateur
das Superschwergewicht der letzten Jahre dominierte und sich dort alle
wichtigen Titel wie Europameisterschaft, Weltmeisterschaft und Olympiasieg
gesichert hatte, brauchte lediglich eine Runde, um seinen Gegner abzufertigen.
Povetkin machte von Beginn an Druck und deckte seinen Gegner mit Schlägen
aus allen Winkeln ein. 30 Sekunden vor Rundenende hatte er seinen Gegner
erstmalig am Boden. Wenige Sekunden später folgte Niederschlag zwei.
Castle rettete sich zwar in die Rundenpause, gab den Kampf dann aber wegen
eines Kieferbruches auf. Der Sieger durch technischen KO hieß somit
Alexander Povetkin
7. Kampf: Arthur
Abraham gegen Luis
Daniel Parada, angesetzt auf acht Runden im Mittelgewicht
Ebenfalls
keinerlei Mühe mit seinem Gegner hatte Publikumsliebling Arthur
Abraham (BP-Nr. 6, auf Foto links) aus Armenien mit dem
Argentinier Luis
Daniel Parada (auf Foto rechts). Abraham dominierte das
Gefecht von Beginn an mit knallharten Schlägen, sowohl zum Kopf,
als auch zum Körper. Nur selten war Parada in der Lage, seinerseits
Aktionen zu starten, zumeist kam nur alibimäßig die Führhand.
Ende der zweiten Runde zeigte der Argentinier zwar einen Versuch, selbst
eine Offensive zu starten, als er Abraham an den Ringseilen mit einer
Schlagserie eindeckte, aber alle Schläge landeten auf der guten Deckung
des Armeniers, der im Gegenzug dann einen Niederschlag erzielte. Auch
in Durchgang drei und vier diktierte der 25-jährige Schützling
von Ulli Wegner das Geschehen und konnte immer wieder mit harten Körpertreffern
Wirkung bei seinem Kontrahenten erzielen. In Runde fünf sah sich
Ringrichter Klaus Griesel nach zweimaligem Anzählen im Stehen genötigt,
das ungleiche Gefecht zu beenden und Arthur Abraham zum Sieger durch technischen
KO zu erklären.
8. Kampf: Nikolay Valuev gegen Larry
Donald, angesetzt auf zwölf Runden im Schwergewicht
Es
folgte der Hauptkampf des Abends, der WM-Ausscheidungskampf des Verbandes
WBA im Schwergewicht. Die Begegnung zwischen dem Russen Nikolay Valuev und dem US-Amerikaner Larry
Donald sollte den offiziellen Herausforderer des Puertoricaners
John
Ruiz ermitteln, der den Titel des Weltmeisters innehält.
Zwei völlig unterschiedliche Boxer und Boxstile trafen hier aufeinander.
Auf der einen Seite der riesige Koloss aus Russland, Valuev, der seine
Kämpfe hauptsächlich aufgrund seiner Physis gewinnt, auf der
anderen Seite der schnelle, bewegliche Techniker, Donald, der seine Siege
boxerisch erkämpft.
Die erste Runde verlief recht ereignisarm. Der Riese aus St. Petersburg
machte, wie man es erwarten konnte, Druck und versuchte seinen Gegner
zu stellen. Donald bewegte sich außerhalb der Reichweite seines
Kontrahenten und wartete auf die Gelegenheit für einen Konter. Insgesamt,
aufgrund der offensiveren Ausrichtung des Russen eine knappe Runde für
ihn. Etwas besser ins Geschehen fand Larry Donald in Durchgang zwei, als
es ihm teilweise gut gelang, die Distanz für seine Führhand
herzustellen. Gegen Ende der Runde versuchte Valuev zwar mit einem Kraftakt,
Eindruck zu schinden, doch konnte sein 38-jähriger Kontrahent dank
guter Meidbewegungen Schaden verhindern. Durchgang drei verlief wiederum
knapp zu Gunsten des Favoriten, der erheblich mehr Schlaghärte aufzuweisen
hatte. Sowohl mit der Führhand, als auch mit der Schlaghand erfolgreich,
konnte Donald Runde vier für sich verbuchen. Auch der nächste
Durchgang begann vielversprechend für den Mann aus Cincinnati, jedoch
waren die druckvolleren Aktionen auf Seiten Valuevs.
Ab Runde sechs wurde Donald, der eigentlich dafür bekannt ist, sich
von physisch bevorteilten Gegnern, beeindrucken zu lassen, immer mutiger.
Mit schnellen Schlagserien am Mann, guter Arbeit mit dem Jab und immer
häufiger auch mit der Schlaghand punktete der US-Amerikaner in den
folgenden Durchgängen. Runde neun verlief wieder ausgeglichener,
Donald mit den klareren Aktionen, Valuev druckvoller. In Durchgang zehn
kam der US-Amerikaner wieder mit seinen schnellen Schlagserien zum Zuge.
Die beiden Schlussrunden konnte man als recht offen bezeichnen, wobei
Valuev stets mit Kraftakten gefährlich blieb, Donald dagegen mit
den besseren Treffern aufwarten konnte. Das Urteil des Kampfgerichtes
verlief dann in einer Mehrheitsentscheidung mit 114:114, 115:113 und 117:112
zu Gunsten des 32-jährigen Valuev und wurde von einem gellenden Pfeifkonzert
des Oldenburger Publikums begleitet, dass den Oldie aus den Vereinigten
Staaten vorne gesehen hatte. Auch der Autor dieses Artikels stimmt diesem
Eindruck zu und wertete wie folgt:
|
Die
BoxingPress-Scorecard
|
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Runden
|
Valuev
|
Donald
|
|
1
|
10
|
9
|
|
2
|
9
|
10
|
|
3
|
10
|
9
|
|
4
|
9
|
10
|
|
5
|
10
|
9
|
|
6
|
9
|
10
|
|
7
|
9
|
10
|
|
8
|
9
|
10
|
|
9
|
10
|
10
|
|
10
|
9
|
10
|
|
11
|
10
|
9
|
|
12
|
9
|
10
|
|
Gesamt
|
113
|
116
|
Viele Runden waren aufgrund der unterschiedlichen Kampfstile der beiden
Boxer schwer zu werten. Es ist wohl nicht angebracht, bei dem Urteil von
einem Skandal zu sprechen. Boxästheten dürfte es aber schwer fallen,
den Sieg des russischen Riesen nachzuvollziehen. So war auch das Statement
von Manager Wilfried Sauerland in der Pressekonferenz nach dem Kampf
nicht verwunderlich. Der 65-Jährige sagte: "Nikolay Valuev
soll jetzt erst einmal am 17. Dezember gegen John Ruiz um die WBA-Weltmeisterschaft
kämpfen. Danach ist es durchaus vorstellbar, dass wir Larry Donald
ein Rematch einräumen."
Montag,
03. Oktober 2005
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