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Nikolay Valuev
vs.
Jameel McCline
- Der Vorbericht


von Thomas Igerl


Wenn am Samstag (die ARD überträgt live ab 22.30 Uhr) Nikolay Valuev (BP-Nr. 9, Foto oben) und Jameel McCline in der Basler St. Jakobs Halle aufeinander treffen, ist es optisch ein Kampf der Giganten. Zwei Hünen duellieren sich um den Schwergewichtstitel nach Version der WBA, bildhaft passend in der Schweiz, im Land der Bergriesen. Obwohl das Erscheinungsbild Größe ausdrückt, ist der sportliche Stellenwert beider Kontrahenten alles andere als unumstritten.

Der 2,13 Meter große Russe Valuev wurde zu Beginn seiner Karriere eher als Show betrachtet. Die Zirkusnummer zur Effekthascherei. Den Respekt eines Weltmeisters erhält der WBA-Titelträger immer noch nicht. Nach einem umstrittenen Sieg gegen Larry Donald im Ausscheidungskampf um das Recht, John Ruiz (BP-Nr. 8) herausfordern zu dürfen, entthronte der gebürtige St. Petersburger nicht weniger zweifelhaft den Titelträger nach zwölf Runden in der Berliner Max Schmeling-Halle. Es folgte ein überzeugender KO-Sieg gegen Owen Beck, dessen sportlicher Wert allerdings nicht im Bereich eines Top-Herausforderers liegt. Zuletzt verteidigte Valuev in Chicago seinen Gürtel gegen Monte Barrett mühevoll durch TKO in der elften Runde.

Das Problem des „russischen Riesen“ ist seine Größe. Er wirkt langsam, unbeweglich und phasenweise eindimensional. Wer sich von dem Gigantismus nicht beeinflussen ließ, konnte den 2,13 Meter großen Weltmeister, trotz physischer Nachteile, schlecht aussehen lassen. Larry Donald verfügte über die technischen Mittel, John Ruiz schaffte es auch gegen den größeren Mann, seinen unorthodoxen Stil durchzusetzen und Monte Barrett konnte sich lange Zeit mit schnellen Aktionen und einer guten Beweglichkeit vor den harten Schlägen des 33-jährigen russischen Schwergewichtlers schützen.

Valuev bietet viel Angriffsfläche, jedoch ist es fragwürdig, ob ausgerechnet Jameel McCline (Foto) die Schwächen ausnutzen kann. Der US-Amerikaner wirkt mit seinen nahezu zwei Metern Körpergröße äußerlich gefährlicher, als er sich bei seinen bisherigen WM-Kämpfen entpuppte. Dem Herausforderer, der einst überraschend die ehemalige US-Hoffnung Michael Grant ausknockte, fehlt die boxerische Schule. Erst während seines Gefängnisaufenthalts wegen Waffenhandels fing der Amerikaner mit dem Sport an und wechselte 1995 nach nur einem Amateurkampf zu den Profis. Die Bilanz ist trotzdem bzw. gerade deshalb beeindruckend. Nach dem Überraschungssieg gegen Grant folgten weitere Achtungserfolge gegen Lance Whitaker und Shannon Briggs (BP-Nr. 11), der im letzten Jahr Weltmeister der WBO wurde.

Danach bekam „Big Time“ die Chance auf den WM-Gürtel im Duell mit Wladimir Klischko (BP-Nr. 1). McCline sah man die Nervosität schon deutlich beim Einmarsch an – der Eindruck täuschte nicht. Zaghafte und mutlose Aktionen führten letztendlich zum Niederschlag in der zehnten Runde und der Aufgabe in der Rundenpause. Der muskulöse US-Amerikaner wurde seinerzeit nicht nur physisch, sondern auch psychisch zermürbt. Im Nachhinein ärgerte sich der 1,98 Meter große Hüne über seinen fehlenden Mut, angesichts der KO-Niederlagen von Wladimir Klitschko gegen Corrie Sanders und Lamon Brewster (BP-Nr. 6). Bei seiner zweiten Titelchance gegen Chris Byrd (BP-Nr. 7) überrumpelte McCline den Weltmeister zu Beginn des Kampfes, wobei er dabei sein Pulver frühzeitig verschoss und der Gürtelträger nach anfänglichen Problemen doch noch seine boxerische Überlegenheit demonstrierte. Am Ende setzte sich Byrd knapp, aber verdient nach Punkten durch.

Wenn es darauf ankam, konnte sich der McCline nie durchsetzen. Es ist eher unwahrscheinlich, dass sich dies gegen Valuev ändern wird, obwohl der Herausforderer durchaus Mittel hat, um den Titelträger schlecht aussehen zu lassen. Im Gegensatz zum Russen wirkt der mittlerweile 36-jährige US-Amerikaner trotz Bodybuilder-Statur und 1,98 Meter Körpergröße auf den Beinen beweglich und im Rahmen der Möglichkeiten schnell. Der dringend erforderliche Mut könnte aber schnell verpuffen, wenn „Big Time“ ein Déjà vu beim Anblick des größeren WBA-Weltmeisters erlebt und sich an das Duell gegen Wladimir Klitschko erinnert. Valuev hat sicherlich bei weitem nicht die technischen Mittel des Ukrainers, aber er ist noch größer, kann ebenso hart schlagen und ist in einem Punkt sogar deutlich überlegen – den Nehmerqualitäten. Das könnte reichen, um McCline zum entmutigten Bewunderer einer großen Statue erstarren zu lassen.
Donnerstag, 18. Januar 2007


 
     

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