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Fernando Vargas
vs.
Shane Mosley
- Der Vorbericht


von Sebastian Swiecznik



„Ferocious“ Fernando Vargas (BP-Nr. 6) vs. „Sugar“ Shane Mosley (BP-Nr. 7, Foto oben). Vor fünf Jahren hätte so mancher Boxfan für diese Ansetzung die Hölle mit einem Eimer Wasser angegriffen. Heute freut man sich drauf, aber nicht mehr. Sicher, der eine oder andere hart gesottene Mosley- bzw. Vargas-Sympathisant fiebert diesem Kampf förmlich entgegen, doch die Mehrheit der Boxfans ist der Meinung, dass beide Boxer ihre besten Jahre bereits hinter sich haben und daher der sportliche Wert dieser Paarung nicht mehr derselbe ist, wie er es noch im Jahr 2000 gewesen wäre. Im Sommer jenes Jahres gelang Mosley nämlich sein bisher größter Sieg. Er bezwang in einem der besten Weltergewichts-WM-Kämpfe aller Zeiten den US-Superstar
Oscar de la Hoya (BP-Nr. 6 im Mittelgewicht) und schaffte durch diesen Triumph den Sprung an die Spitze vieler Pound for Pound-Ranglisten. Mosley machte damit seinem Kampfnamen „Sugar“, den schon die Ringlegenden Ray Leonard und Ray Robinson trugen, alle Ehre.

Fernando Vargas schaffte zur selben Zeit wie Mosley den Sprung ins Rampenlicht. Er besiegte im gleichen Jahr den Top-Mann
Ike Quartey
(BP-Nr. 11 im Superweltergewicht) verdient nach Punkten und lieferte in diesem Kampf die beste Vorstellung seiner Karriere ab. Ein Jahr zuvor bezwang er mit Ronald „Winky“ Wright (BP-Nr. 3 im Mittelgewicht) einen Mann, der aktuell zu den drei besten Boxern überhaupt zählt.

Doch es kam alles anders. Während Mosley seine nächsten drei Kämpfe gegen solide Gegner spielend leicht gewinnen konnte, lieferte sich Vargas Ende des Jahres 2000 eine brutale Ringschlacht mit Felix „Tito“ Trinidad (Foto links), der zuvor Oscar de la Hoya bezwang und zum Boxer des Jahres gekürt worden war. Vargas musste mehrmals zu Boden und verlor durch TKO in der zwölften Runde. Viele Boxexperten sind der Meinung, dass Vargas in diesem Kampf nicht nur seinen WM-Gürtel, sondern auch eine Menge an Substanz verloren hat.

Auch Mosley musste nur kurze Zeit später die Erfahrung machen, wie es ist, wenn man den Ring als Verlierer verlässt. Anfang des Jahres 2001 forderte „Sugar“ Shane mit Vernon Forrest (BP-Nr. 9 im Superweltergewicht, Foto rechts) einen Mann heraus, gegen den er bereits bei den Amateuren verloren hatte und in dem er scheinbar auch bei den Profis seine Nemesis gefunden hatte. Mosley verlor das erste Duell der beiden klar. Er wurde in diesem Kampf mehrmals hart getroffen und auch hier sind viele Experten der Meinung, dass der Sympathieträger aus Kalifornien von da an nicht mehr derselbe war.

Nach diesen beiden Schlüsselkämpfen gelang es beiden Boxern nur noch sehr selten an die großen alten Tage anzuknüpfen. Vargas wurde Ende 2001 zwar erneut Weltmeister mit einem vorzeitigen Sieg gegen Jose Alfredo Flores, verlor allerdings im Spätsommer 2002 gegen seinen größten Rivalen Oscar de la Hoya durch TKO in Runde elf. „El Feroz“ bot auch hier wieder eine kämpferisch ansprechende Leistung, aber in der entscheidenden Phase war der „Golden Boy“ einfach zu gut für ihn. Zu der Prügel, die er im Ring kassierte, kam nach einem positiven Dopingbefund noch die Schelte der Presse hinzu. Vargas wurde für sieben Monate gesperrt.

Für Mosley ging es unterdessen wieder aufwärts, wenn auch nur kurzzeitig. Nachdem er auch den zweiten Kampf gegen Forrest verloren hatte, wiederholte er im Jahr 2003 sein größtes Kunststück noch einmal und bezwang Oscar de la Hoya erneut, wenn auch äußerst kontrovers, nach Punkten. Gerade an den beiden Kämpfen gegen De la Hoya wird deutlich, dass Mosley nicht mehr der Alte zu sein scheint. Die Aggressivität und Unbekümmertheit aus dem ersten Kampf der beiden schien nicht mehr vorhanden zu sein. Mosley war zwar immer noch sehr schnell, agierte aber auch deutlich vorsichtiger als damals.

Vargas gab unterdessen sein Comeback und bezwang im gleichen Jahr zwei Aufbaugegner ohne wirklich zu glänzen. Zu einem dritten Comeback-Kampf kam es aber nicht mehr. Den Fans des „Aztec Warriors“ stockte der Atem, als gar von einem Karriereende die Rede war. Vargas hatte Rückenprobleme und musste über ein Jahr pausieren.

Mosley hingegen hatte mit anderen Problemen zu kämpfen. Oder besser gesagt mit einem Problem namens Ronald „Winky“ Wright – IBF-Weltmeister im Superweltergewicht und äußerst unbequem zu boxen. Mosley gelang es in beiden Auseinandersetzungen im Jahr 2004 nicht, ein Rezept gegen Wright zu finden und verlor beides mal knapp nach Punkten. Auch hier hielten viele Mosley mangelnde Aktivität vor. Nach den beiden Niederlagen beschloss der Amerikaner, wieder zurück ins Weltergewicht zu gehen, weil er der Meinung war, seine Schnelligkeit und Beweglichkeit komme hier besser zur Geltung. Mosley gewann beide Kämpfe im gewohnten Limit gegen respektable Gegner jeweils über zehn Runden nach Punkten.

Ebenfalls zwei Siege aus zwei Kämpfen im Jahr 2005 gegen respektable Gegner holte Fernando Vargas. Vargas konnte viele seiner Fans und viele Experte aber nicht überzeugen. Am kommenden Samstag werden sich nun die Wege der beiden Sympathieträger, die bei genauerer Betrachtung gar nicht so verschieden sind, endlich kreuzen. Die Pressekonferenzen im Vorfeld waren von größtem Respekt voreinander geprägt. Beide Boxer wissen sich zu schätzen, was vielleicht auch daran liegen mag, dass sie in ihrer Karriere große Höhen und Tiefen hatten und zu wissen scheinen, was in dem anderen vor diesem enorm wichtigen Kampf vorgeht.

Schlüssel zum Sieg: Fernando Vargas

Vargas präsentierte sich beim Pressetraining bereits in hervorragender körperlicher Verfassung und beseitigte damit jede Zweifel um sein Gewicht. In seinen letzten beiden Kämpfen unter seinem neuen Trainer Danny Smith konnte man erkennen, dass Vargas versucht, wieder mehr mit dem Jab und weniger mit Kraft zu arbeiten. Auch in der Defensive machte Vargas einen agileren Eindruck. Dennoch konnte er nicht gänzlich überzeugen, ihm fehlte die Aggressivität und Explosivität von früher. Gerade dies jedoch ist gegen Mosley der Schlüssel zum Erfolg. Vargas muss versuchen, die richtige Mischung aus Aggressivität am Mann und der Arbeit mit dem Jab zu finden. Wenn es ihm gelingt, Mosley an den Seilen zu stellen, dann kann er seinen körperlichen Vorteil ausspielen und mehr Kraft in die Schläge legen.

Schlüssel zum Sieg: Shane Mosley

Über Mosleys körperliche Verfassung braucht man keine Worte zu verlieren, denn er präsentiert sich immer in Top-Form. Die taktische Marschrichtung für Mosley muss lauten: Schnelle Kombinationen schlagen, zum Körper arbeiten und Vargas nicht zur Entfaltung kommen lassen. Dass „Sugar“ Shane dies beherrscht, hat er schon oft unter Beweis gestellt. Schnell vorgetragene Kombinationen waren auch De la Hoyas Schlüssel zum Erfolg gegen Vargas. Aber Vorsicht, sobald Oscar einen Gang zurückschaltete, fand Vargas sofort wieder in den Kampf und konnte seinerseits gute Treffer landen. Dies könnte für Mosley zum Problem werden, da dieser meist ein wenig inaktiv wird, wenn es nicht gut für ihn läuft.

Prognose:

Die Vorteile in puncto Kondition und Schnelligkeit dürften klar bei Mosley liegen. Vargas dagegen hat die bessere Schlagkraft, die größere Reichweite und den körperlichen Vorteil auf seiner Seite. Sollte Mosley die ersten Runden heil überstehen und es danach schaffen, Vargas mit schnellen Kombinationen und seiner Beweglichkeit zu frustrieren, wird er den Kampf nach Punkten gewinnen. Sollte es Vargas gelingen, Mosley in den Anfangsrunden zu beeindrucken, wird dieser zur Inaktivität neigen und Vargas sich entfalten können. In diesem Fall ist ein Punktsieg von Vargas inklusive Bodenbesuch Mosleys nicht ausgeschlossen.

Schlusswort:

Wie zu Anfang des Berichts erwähnt, sind viele Boxfans der Meinung, dass der sportliche Wert dieses Kampfes heute nicht derselbe ist, wie er es vor Jahren gewesen wäre. Das mag sein, aber es geht hier um sehr viel mehr. Dieser Kampf ist für beide Boxer ein Neuanfang, eine Chance, wieder ins Rampenlicht zu gelangen, eine Möglichkeit, sich wieder neuen Respekt zu verschaffen. Vargas wie auch Mosley haben viel für den Sport getan, sich jeder Herausforderung gestellt und tolle Kämpfe abgeliefert. Die Voraussetzungen für eine große Boxnacht sind gegeben und wenn es beiden gelingen sollte, an die alten Tage anzuknüpfen, dann werden „Sugar“ Shane und „El Feroz“ den Ring wieder mit Glanz erfüllen und ihre Fans begeistern.

Freitag, 24. Februar 2006

 
     

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