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Fernando Vargas
vs.
Shane Mosley
- Der Bericht
von Sebastian Swiecznik
Am Samstag standen sich Shane
Mosley (BP-Nr. 7, Foto oben) und Fernando
Vargas (BP-Nr. 6) in einem lang erwarteten Ausscheidungskampf
der WBA im Superweltergewicht gegenüber. Für beide Boxer stand
viel auf dem Spiel (BoxingPress berichtete) und somit war für die
nötige Brisanz gesorgt. Schauplatz für den „Showdown“
war das Mandalay Bay Resort in Las Vegas.
„Sugar“ Shane begann stark und konnte in der ersten Runde
mit explosiven und schnellen Kombinationen überzeugen, während
Vargas ein wenig zögerlich und eher vorsichtig agierte. Die erste
Runde war es auch, in der sich „El Feroz“ eine Schwellung
über dem linken Auge zuzog, die den Kampfverlauf entscheidend prägen
sollte. Vargas sagte nach dem Kampf, dass ein Kopfstoß der Grund
für diese Schwellung gewesen sei, wahrscheinlicher ist jedoch, dass
es Mosleys gefährliche Rechte war, die er in den ersten Runden oft
ins Ziel bringen konnte.
Die Runden zwei und drei verliefen ähnlich wie die erste. Vargas
wirkte ein wenig eingerostet und hatte Probleme, das richtige Distanzgefühl
zu entwickeln, dennoch konnte er einige Treffer zu Mosleys Körper
unterbringen. Vargas Plan war es ganz offensichtlich, Mosley durch Körpertreffer
müde zu machen und in den hinteren Runden abzuschießen. Der
zweimalige De la Hoya-Bezwinger konnte die ersten drei Runden dennoch
klar für sich entscheiden. „Sugar“ Shane war zu schnell
und konnte Vargas immer wieder entwischen und schön auskontern. Sein
primäres Ziel war Vargas linkes Auge, das weiter zuschwoll.
In der vierten Runde schienen Vargas Attacken zum Körper bereits
Früchte zu tragen. Ihm gelang es besser die Distanz zu überbrücken
und Mosley in den Infight zu verwickeln. Von jetzt an standen beide Boxer
Fuß an Fuß und die Gangart wurde etwas rauer. Der „Aztec
Warrior" hatte die klareren Treffer auf seiner Seite und konnte die
Runde für sich entscheiden.
Die
beiden folgenden Durchgänge verliefen ähnlich. Mosley entschied
sich erstaunlicherweise dazu, mit Vargas (Foto) Fuß an
Fuß zu kämpfen und seine gefährliche Rechte unterzubringen.
Ein Grund dafür war die Schwellung über Vargas linkem Auge,
welches allmählich begann komplett zuzuschwellen. „El Feroz“
schien sich davon nicht beeindrucken zu lassen und boxte weiter seinen
Stiefel runter. Auch in diesen beiden Runden hatte Vargas die besseren
Treffer auf seine Seite.
Zu Beginn der siebten Runde war der Kampf wieder ausgeglichen und Mosleys
Punktevorsprung dahingeschmolzen. Vargas, den die Schwellung über
seinem Auge bisher dahin nicht groß irritiert, bekam jetzt allerdings
immer mehr Probleme, denn Mosley widmete seine Angriffe fast nur noch
der linken Augenpartie seines Gegners, die allmählich groteske Formen
annahm. Vargas versuchte, dies durch Klammern zu unterbinden um im Infight
entscheidende Treffer zu landen.
In der Pause zur achten Runde ging ein Raunen durch die Halle, als man
Nahaufnahmen von Vargas Auge auf dem Videowürfel der Halle zu sehen
bekam. Ein Kampfabbruch lag in der Luft. Ein erfahrener Mann wie Mosley
weiß in so einer Situation natürlich genau, was er zu tun hat
und versuchte jetzt einen Abbruchsieg zu erzwingen. In einer ähnlichen
Situation im letzten Jahr gab Universum-Boxer Mohamad
Abdulaev (BP-Nr. 19 im Superleichtgewicht) gegen
WBO-Weltmeister Miguel
Angel Cotto (BP-Nr. 4 im Superleichtgewicht) auf,
Vargas jedoch verschwendete an so etwas keinen Gedanken und versuchte
weiterhin alles.
Nach der achten Runde, die Mosley aufgrund der besseren Treffer für
sich entschied, kam der Ringarzt in die Ecke von Vargas und hatte Mühe,
das Auge unter der Schwellung zu finden. Ringrichter Joe Cortez
machte daraufhin klar, dass er ihn aus dem Kampf nähme,
wenn er Mosleys rechte Haken weiterhin nicht kommen sehen würde.
Mosley, der unterdessen von seinen Promotern Oscar
de la Hoya und Bernard
Hopkins angefeuert wurde, weiter Jagd auf Vargas linkes Auge
zu machen, schien auch ein wenig müde zu sein - der harte Fight forderte
seinen Tribut. Vargas Moral schien ungebrochen und er marschierte weiter
nach vorne, sichtlich bemüht, sein linkes Auge zu schützen und
deshalb überwiegend mit der rechten Hand agierend. Trotz diesem Handicap
gelang es ihm die Runde ausgeglichen zu gestalten.
Zur Mitte der zehnten Runde, in der die Schwellung über dem Auge
schon fast die Größe eines Tennisballs hatte, hatte Joe Cortez
dann genug gesehen und brach den Kampf zu Recht ab. Vargas war damit natürlich
überhaupt nicht einverstanden, doch die Gesundheit geht hier eindeutig
vor. Eine ähnlich groteske Schwellung konnte man zuletzt bei Hasim
Rahman (BP-Nr. 5 im Schwergewicht) in seinem Kampf
gegen Evander
Holyfield beobachten. Danny Smith, Vargas
Trainer, musste nach dem Kampf Kritik einstecken, weil er seinen Schützling
nicht selbst aus dem Kampf genommen hatte.
Mosley freute sich über den Sieg, der seit den beiden Triumphen gegen
De la Hoya sein größtes Erfolgserlebnis darstellt. „Sugar“
Shane hatte alles richtig gemacht, seine Erfahrung ausgespielt und letztendlich
den Abbruch erzwungen. Nach dem Kampf sagte Mosley, ein Kampf gegen den
Pound for Pound-König Floyd
Mayweather Jr. (BP-Nr. 1 im Superleichtgewicht) stehe
ganz oben auf seiner Wunschliste.
Insgesamt war es eine kampfbetonte, spannende Auseinandersetzung mit einem
etwas enttäuschenden Ausgang. Von dem alten Glanz, den beide Boxer
vor Jahren ausgestrahlt haben, ist allerdings nicht mehr so viel übrig
geblieben. Das von vielen Fans erhoffte Auftrumpfen beider Kämpfer
zu alter Stärke ist ausgeblieben. Darüber mag auch der enge
Verlauf des Kampfes nicht hinwegtäuschen.
Montag,
27. Februar 2006
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