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Israel Vazquez vs. Rafael Marquez III
- Der Vorbericht


von Jörg Dubiel


Trilogien. Trilogien sind Teile der Boxgeschichte, die häufig gut in Erinnerung bleiben. Wie beispielsweise die Duelle zwischen Muhammad Ali und Joe Frazier, die Schlachten zwischen Evander Holyfield und Riddick Bowe, oder die actiongeladenen Kämpfe von Arturo Gatti und Micky Ward. Auch dieses Wochenende wird die Boxgeschichte um einen Dreiteiler reicher. Israel Vazquez und Rafael Marquez (Foto) haben ein weiteres Mal vor, die Zuschauer zu begeistern.

Im letzten Jahr trafen die beiden Top-Männer des Superbantamgewichts zweimal im Boxring aufeinander und kämpften um den WM-Titel des WBC. Dass ihre Kämpfe bei der breiten Masse der Boxinteressierten vergleichsweise weniger Interesse wecken, mag vielleicht der Tatsache geschuldet sein, dass viele Boxfans die unteren Gewichtsklassen scheuen. Doch die beiden bisherigen Aufeinandertreffen der Mexikaner waren ein bester Garant dafür, dass auch das häufig als „Zwergenklatschen“ verschriene Boxen leichterer Männer viel zu bieten hat. Wer sich beispielsweise bei taktischen Schachspielen wie Wladimir Klitschko gegen Sultan Ibragimov oder Bernard Hopkins gegen Winky Wright langweilt, dem sei der Kampf um die 122lbs-Krone wärmstens empfohlen. Doch zuvor ein Rückblick.

Der erste Kampf

Im März letzten Jahres stieg Bantamgewichts-Weltmeister Rafael Marquez eine Gewichtsklasse auf, um Israel Vazquez herauszufordern. Vazquez erlangte größeres Aufsehen, als er Oscar Larios den WBC-Titel abnahm. Vor seinem Kampf gegen Marquez bestritt er zwei Titelverteidigungen, unter anderem gegen Johnny Gonzales, welchen er – klar nach Punkten zurück liegend – in der zehnten Runde stoppen konnte. Marquez galt als Nr. eins des Bantamgewichts und ging als Favorit gegen Vazquez in den Ring. Und dieser Rolle konnte der damals 31-Jährige gerecht werden.

Schon früh im Kampf brach Marquez mit einem Schlag Vazquez’ Nase. Diesem gelang zwar selbst ein Niederschlag in Runde drei, doch Marquez wurde zunehmend stärker und bestimmte die darauffolgenden Runden. Auch ein letztes Aufbäumen von Vazquez in Runde sieben half nichts mehr, er konnte Marquez zwar bedrängen, aber nicht stoppen. Und so gab Vazquez entkräftet mit Atemproblemen nach jener Runde auf.


Der Rückkampf

Fünf Monate später erhielt Vazquez die Chance, sich den Titel zurück zu holen. Beide Boxer wollten den Kampf. So wollte nicht nur der Herausforderer seine Revanche, sondern Titelverteidiger Marquez wollte zeigen, dass er den Titelgewinn mehr seinem Können als einer gebrochenen Nase zu verdanken hatte. Vazquez präsentierte mit Rudy Perez einen neuen Trainer, nachdem er beim ersten Aufeinandertreffen mit Marquez von Freddy Roach trainiert worden war. Die Zusammenarbeit mit Perez, u.a. als Trainer von Marco Antonio Barrera bekannt, schien Früchte zu tragen. Die beiden Kämpfer schienen nun vom technischen Können her auf ähnlichem Level zu stehen.

Auch der Rückkampf bot dramatische Momente und ein „Hin und Her“. Doch diesmal konnte Vazquez seine harten linken Haken öfter ins Ziel bringen, bis einer von ihnen seinen Gegner in der sechsten Runde in den Ringstaub schickte. Seine Chance witternd setzte Vazquez energisch nach, bis Marquez nach weiteren harten Treffern unsicher und stark angeschlagen wirkte, woraufhin ihn Ringrichter Garcia aus dem Kampf nahm. Vazquez hatte seine Revanche und seinen Titel zurück.

Ende des Jahres kürte das renommierte amerikanische Boxsport-Magazin „The Ring“ die Auseinandersetzung zum „Kampf des Jahres 2007“, sowie die dritte Runde zur „Runde des Jahres 2007“.


Das „Rubbermatch“

Noch im Ring, nach dem zweiten Kampf, signalisierten beide Boxer, dass sie einen dritten Kampf wollen. Nach dem Stand von 1:1 also nun die finale Entscheidung, wer von beiden als Sieger hervor geht. So der Titel der Veranstaltung: „Final Confrontation“. Natürlich wollen beide Boxer den Sieg und es scheint wahrscheinlich, dass sie wieder alles geben werden.

„Ich fühle mich geehrt, ihn zu boxen. In gewisser Weise hat er mir geholfen, meine Karriere voran zu bringen und das ist zugleich der Grund, warum ich ihn am 1. März schlagen muss.“
(Israel Vazquez)

Die Vorzeichen stehen ähnlich wie bisher. Wieder trifft bei den Paradewaffen Vazquez’ linker Haken auf Marquez’ rechten Cross. Erneut werden wohl beide Boxer heftig austeilen und einstecken. Beide Boxer passen stilistisch bestens zueinander, man mag beinahe den Eindruck bekommen, sie hätten ihre Boxkarrieren gestartet, um sich eines Tages im Ring gegenüber zu stehen.

„Israel Vazquez ist ein großer Fighter. Er ist ein großer Champion und das gleiche gilt auch für mich. Wir werden beide alles geben, was wir haben und einer von uns beiden wird am Ende an der Spitze stehen. Ich fühle mich gut, ich fühle mich stark. Ich fühle mich bereits wie der Gewinner.“
(Rafael Marquez)

Die beiden Kontrahenten sind etwa auf Augenhöhe. Marquez ist geringfügig größer und hat eine etwas höhere Reichweite. Doch Vazquez scheint einen Tick kräftiger zu sein, es scheint, als könne er mehr einstecken und härter zuschlagen. Auf der anderen Seite fanden in den bisherigen Duellen Marquez’ Schläge öfter ins Ziel. Dabei hat er schon einigen Gegnern Cut-Verletzungen zugefügt und Vazquez seinerseits scheint für sie anfällig zu sein.

„Die Vergangenheit ist Vergangenheit. Ich bereite mich auf das Beste vor, was er aufzutischen vermag. Ich will triumphieren, ich will einen wichtigen Eintrag in den Boxannalen hinterlassen.“ (Israel Vazquez)

Es fällt schwer, eine Prognose für den Kampf abzugeben. Taktisches Geplänkel ist kaum zu erwarten. Vielleicht werden die privat eher zurückhaltenden Familienväter wieder anfangs versuchen, den Kampf über ihren Jab aufzubauen. Doch es wäre eine Überraschung, wenn sie nicht früher oder später ohne Scheuklappen einander energisch attackierten. Es wird wohl weniger darauf ankommen, wer sich welchen „Plan“ zurechtgelegt hat, sondern mehr darauf, wer weniger Fehler begeht und wer im richtigen Moment entscheidende Lücken in der Defensive seines Gegners findet. Vielleicht gehört gar, bei einem „Duell auf Augenhöhe“, auch ein Quäntchen Glück zum Sieg.
Donnerstag, 28. Februar 2008


 
     

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