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Israel Vazquez vs. Rafael Marquez III - Der Bericht

von Sebastian Gutknecht



Im Home Depot Center in Carson, Kalifornien, fand am Samstagabend das mit Spannung erwartete dritte Duell zwischen Israel Vazquez und Rafael Marquez (Foto) statt. Die beiden mexikanischen Superbantamgewichtler wollten im Kampf um die WBC-Krone eine denkwürdige Trilogie komplettieren. Nachdem beide Kontrahenten jeweils einen Kampf durch KO für sich entscheiden konnten, folgten im dritten Aufeinandertreffen zur Überraschung der meisten Fans zwölf Runden erbitterter Schlagabtausch auf höchstem Niveau.

Dabei erwischte der im zweiten Kampf unterlegene Rafael Marquez zunächst den besseren Start. Nach drei Runden, in denen beide Boxer nahtlos an die Leistungen der ersten beiden Kämpfe anknüpfen konnten, schickte der 32-Jährige seinen Gegner im vierten Durchgang mit einem linken Haken gefolgt von einem krachenden rechten "Uppercut" zu Boden. Vazquez gab jedoch kein Stück nach und kam noch vor dem Rundenende seinerseits mit einer Rechten zurück, die Marquez in seinem Vorwärtsdrang stoppte.

Der Mann aus Mexiko City schien sich bis hierhin mit seiner guten Führhand einen marginalen Vorteil herausgearbeitet zu haben und setzte sich mit dem Niederschlag weiter nach Punkten ab. Das Publikum, das von Anfang an mit stehenden Ovationen seiner Begeisterung Ausdruck verlieh, war nun zum Ende der vierten Runde völlig aus dem Häuschen.

In den mittleren Runden schaffte es Vazquez aber, immer besser in den Nahkampf zu kommen. Auch wenn in fast jeder Runde zwischen den beiden bisher niemand dem anderen etwas schuldig blieb und die Haken immer beiden im Sekundentakt um die Ohren schlugen, schien der in Kalifornien lebende Titelverteidiger in dieser Phase die härteren Treffer zu landen. An den Gesichtern der Boxer, Vazquez’ glich bereits zur Hälfte des Kampfes wiederum einer blutigen Fratze, konnte man das jedoch nicht ablesen.

Auch wenn Marquez in Durchgang neun nicht mehr die Härte der Anfangsrunden zu haben schien, konnte er seinen Gegner am Ende der Runde mit einer Vielzahl harter Treffer schwer beeindrucken. Vazquez schien in dieser Phase mit seinen druckvollen Aktionen zu Kopf und Körper gerade die Oberhand zu gewinnen. Nachdem der Herausforderer bereits mehrfach für Tiefschläge verwarnt worden war, zog ihm der Ringrichter zu allem Überfluss in Runde zehn nach einem neuerlichen „Low blow“ einen Punkt ab.

Beide hatten vor den zwei Schlussrunden schon mehr harte Treffer eingesteckt, als in den Kämpfen zuvor. Umso erstaunlicher war es, dass das erbitterte Gefecht immer noch andauerte. Enormes Durchhaltevermögen und herausragende Nehmerfähigkeiten bewiesen beide Kämpfer. Vor allem Rafael Marquez zeigte unmenschlichen „Überlebenswillen“ gegen den pausenlos nach vorne marschierenden Weltmeister und blieb mit seinen harten Schlägen in jeder Phase hochgefährlich.

In einem dramatischen Duell, in dem eine Steigerung des Niveaus quasi unmöglich erschien, setzte trotzdem die zwölfte Runde das Tüpfelchen auf dem I. Vazquez, der von seiner Ecke wohlweißlich angetrieben wurde, noch einmal alles zu geben, setzte mit einer Energieleistung zu einem finalen Schlussspurt an. Nach mehreren schweren Kopftreffern wankte ein sichtlich angeschlagener Rafael Marquez in die Seile und wurde nur von diesen aufrecht gehalten. Folgerichtig wertete der sehr gute Ringrichter Pat Russell die Szene als Niederschlag, was sich entscheidend auf das Urteil auswirken sollte.

Unter tosendem Beifall tauschten beide Boxer bis zum finalen Gong noch einmal harte Schläge aus und setzten einen würdigen Schlusspunkt in diesem Kampf, der es schwer haben wird, ernsthafte Konkurrenz für den Titel „Kampf des Jahres“ zu finden. In diesem Duell, das eigentlich keinen Verlierer verdient hatte, erklärten die Punktrichter hauchdünn, aber durchaus verdient, den Titelverteidiger zum Sieger. Der Punktabzug und der Niederschlag machten bei Wertungen von 114:111 für Marquez, 114:111 und 113:112 für Vazquez den entscheidenden Unterschied.

Die drei Kämpfe werden als eine der besten Trilogien in die Boxsportgeschichte eingehen. Dass ein Kampf besser als der andere war, ist nahezu beispiellos und zeigt, wie fanfreundlich die Boxstile der beiden harmonieren. Einen vierten Kampf wünscht man sich als Boxbegeisterter Zuschauer nur zum Wohle der Gesundheit beider Boxer nicht, aber wirklich nur deswegen. Für den Weltmeister geht es jedoch kaum leichter weiter, steht doch möglicherweise ein Kampf gegen Superfedergewichtslegende Marco Antonio Barrera auf dem Plan. Aber auch Rafael Marquez sollte, so der Kampf nicht zuviel Substanz gekostet hat, weiterhin seinen Weg machen. Unterhalb des Superfedergewichts dürfte er gegen jeden Boxer, der nicht Israel Vazquez heißt, weiterhin der Favorit sein.

Montag, 03. März 2008



 
     

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