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Wlodarczyk neuer IBF-Champion
Vor-Ort-Bericht von Frank Bleydorn
Fotos von Daniel Hiller


Der Pole Krzysztof Wlodarczyk (BP-Nr. 10, Foto oben) ist neuer IBF-Weltmeister im Cruisergewicht. Der 25-Jährige gewann in der Nacht von Samstag auf Sonntag im Kampf um den zuvor vakanten Titel gegen den Amerikaner Steve Cunningham (BP-Nr. 4) knapp und umstritten nach Punkten (116:112, 115:113 und 109:119). Aber auch aus deutscher Sicht war der Kampfabend in der Hala Torwar in Warschau interessant. Denn unter anderem stieg der mehrfache Europameister Oktay Urkal aus Berlin in den Ring. Gegen den Rumänen Robert Cristea erkämpfte der 36-Jährige einen TKO-Sieg in der dritten Runde.



Steve Cunningham vs. Krzysztof Wlodarczyk, IBF-Weltmeisterschaft im Cruisergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Ein äußerst spannendes Aufeinandertreffen bekamen die Boxsportfans zum Abschluss der Boxgala in Warschau geboten. Der frenetisch von den einheimischen Zuschauern bejubelte
Krzysztof Wlodarczyk (auf Foto links) traf dabei auf den IBF-Weltranglistenersten Steve Cunningham (auf Foto rechts) aus den USA. Der 25-jährige Pole versuchte von der ersten Sekunde an, Druck aufzubauen und verbuchte mit einer rechten Geraden zum Kopf den ersten harten Treffer der Auseinandersetzung für sich. Offensichtlich von der Aktion wachgerüttelt setzte der Amerikaner danach vermehrt auf seine linke Führhand und wirkte etwas aktiver, auch wenn ihn der Lokalmatador in dieser Phase zweimal in die Ringecke zurückdrängte und kurzzeitig mit schnellen Händen attackierte. Im zweiten Durchgang wurde der Schützling des ukrainischen Trainers Fiodor Lapin aggressiver. Doch sein 30-jähriger Gegner aus dem US-Bundesstaat Pennsylvania hielt mit linken und rechten Haken zum Körper aus der Rückwärtsbewegung heraus effektiv dagegen. In der Folge entwickelte sich ein sehr ausgeglichener Kampf. Hierbei schien Wlodarczyk zwar druckvoll, doch klare Treffer gab es nur selten. Cunningham wirkte sehr passiv, doch vor allem seine rechten Körper- und Aufwärtshaken fanden mehrfach ihr Ziel. Ein sauberer rechter Cross über die Deckung des Kontrahenten an den Kopf leitete in der fünften Runde Wlodarczyks stärkste Phase ein. Bis zum siebten Durchgang erkämpfte sich der Pole mit seiner rechten Schlaghand weitere Vorteile. Doch dann kam Cunningham auf und brachte aus der Distanz heraus immer wieder seine linken Hände ins Ziel. Im zehnten Durchgang hatte Wlodarczyk noch einmal einige gute Momente und stellte seinen Konkurrenten an den Ringseilen. In der Schlussrunde versuchte der Pole - offenbar wissend, dass er nach Punkten vorne lag – nur über die Zeit zu kommen. Cunningham glänzte mit einem harten rechten Aufwärtshaken ans Kinn des Gegners. Er verpasste jedoch, den Fight um jeden Preis mit einem harten Treffer für sich zu entscheiden. Wahrscheinlich hatte sich der Amerikaner selbst vorne gesehen. Die 2:1-Punktwertung zu Gunsten von Wlodarczyk bestrafte die naive Herangehensweise des US-Cruisergewichtlers, für den zu hoffen bleibt, dass sein boxerisches Können zukünftig mit einer weiteren Titelchance belohnt wird.


Robert Cristea vs. Oktay Urkal, Weltergewicht, angesetzt auf acht Runden

Vor dem WM-Kampf von Krzysztof Wlodarczyk gegen Steve Cunningham präsentierte sich auch Weltergewichtler
Oktay Urkal (Foto) im Ring der Hala Torwar in Warschau. Der 36-Jährige gab sich gegen den Rumänen Robert Cristea keine Blöße. Von Beginn an spürte der an Reichweite überlegene Berliner die Unerfahrenheit seines Gegners und ging entsprechend offensiv zu Werke. Dabei drängte er seinen 24-jährigen Konkurrenten mit der linken Führhand mehrfach zurück. Zudem engte er in den Ringecken geschickt die Laufwege des Kontrahenten ein, so dass dieser nur selten Zeit zum Verschnaufen hatte. Besonders gefährlich waren Urkals Körpertreffer und seine kurzen, rechten Aufwärtshaken. So führte noch in der Auftaktrunde ein linker Haken auf die Leber von Cristea zum ersten Niederschlag des Ringgefechtes. Auch im zweiten Durchgang agierte Urkal, der an diesem Abend von Ulli Wegners Assistenz-Trainer Georg Bramowski betreut wurde, druckvoll. Er bereitete seine Aktionen immer wieder mit der Linken vor, um danach die Deckungslücken des Gegners durch Treffer zu bestrafen. Eine Rechte zum Kopf sorgte wenig später dafür, dass sich sein Widersacher erneut im Ringstaub wiederfand. In der dritten Runde musste Cristea gleich zweimal nach Haken zum Kopf und auf den Körper zu Boden, ehe der belgische Ringrichter Daniel van de Wiele das ungleiche Kampfgeschehen nach zwei Minuten und vier Sekunden zu Gunsten von Oktay Urkal abbrach. Der mehrfache Europameister baute seine Profikampfbilanz damit auf 38 Siege aus 41 Fights aus und soll im nächsten Frühjahr wieder eine WM-Chance erhalten. Hierbei wird er auf den neuen WBA-Weltmeister im Weltergewicht treffen, der am kommenden Wochenende in Atlantic City, US-Bundesstaat New Jersey, zwischen Miguel Angel Cotto (BP-Nr. 5) und Carlos Quintana (BP-Nr. 7) ermittelt wird. Der letzte Formtest von Oktay Urkal vor seinem vierten WM-Fight ist damit geglückt. Der Weltergewichtler aus Berlin bot eine ansprechende Leistung. Für den nächsten Kampf wird er sich jedoch steigern müssen, da ihm um die WBA-WM ein erheblich stärkerer Gegner im Ring gegenübertreten wird.


Weitere Kämpfe:

Neben Oktay Urkal stieg auch Sauerland Event-Schwergewichtler Francesco Pianeta in Warschau in den Ring. Der Rechtsausleger konnte bei seinem TKO-Erfolg nur wenig von seinem Können zeigen, da sein rumänischer Gegner Valentin Marinel (19) nach harten Treffern des 22-Jährigen bereits nach zwei Minuten und 47 Sekunden durch Ringrichter Leszek Jankowiak aus dem Kampf genommen wurde. Ebenfalls im Schwergewicht trafen Tomasz Bonin und der sehr unorthodox agierende Pavel Silvin (Slowakei) aufeinander. Der 33-jährige Pole entschied den Fight – nachdem er im ersten Durchgang überraschend selbst zu Boden gegangen war – durch KO in Runde zwei für sich. Zuvor hatte Bonins Stallgefährte Andrzej Wawrzyk in der gleichen Gewichtsklasse eine überzeugende TKO-Entscheidung im zweiten Durchgang gegen den Tschechen Martin Stensky für sich verbucht. Auch der Ukrainer Sergei Babich setzte sich in der Königsklasse gegen Petr Remias durch. Er bezwang den Slowaken nach 50 Sekunden der dritten Runde durch TKO. Seinen achten Sieg im elften Profikampf erboxte der polnische Schwergewichtler Marcin Najman. Gegen den Slowaken Imrich Borka siegte er durch KO in der zweiten Runde. Eine eindrucksvolle Vorstellung zeigte der 34-jährige Russe Vadim Tokarev (BP-Talent, auf Foto oben links) im Aufeinandertreffen um den NABF-Titel im Cruisergewicht. Mit einem fulminanten rechten Seithaken zum Kopf knockte er den vier Jahre jüngeren Amerikaner Shane Swartz nach 40 Sekunden der zweiten Runde aus. Im gleichen Gewichtslimit kam der Pole Tomasz Hutkowski zu einem TKO-Sieg gegen Martin Ded aus Tschechien. Superweltergewichtler Damian Jonak (Polen) blieb auch in seinem zehnten Profifight ungeschlagen. Der 21-Jährige benötigte lediglich 53 Sekunden für seinen KO-Erfolg gegen Vladimir Fecko. Ähnlich überzeugend agierte auch der frühere EM-Herausforderer von Oktay Urkal, Krzysztof Bienias. Der Superleichtgewichtler bezwang den Tschechen Josef Holub nach 48 Sekunden der dritten Runde durch TKO.
Donnerstag, 30. November 2006


 
     

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