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Sauerland-Kampfabend in Zwickau: Häußler, Urkal und Hoffmann siegreich
Aus Zwickau berichten Dirk Stahns (Text) und M. Kurt Saygin (Fotos)

Danilo Häußler (BP-Nr.15, Foto) hat seinen Titel als Europameister im Supermittelgewicht zum vierten Mal verteidigt. Der 27-jährige besiegte vor 4.000 Zuschauern in der Zwickauer Stadthalle seinen 32-jährigen Herausforderer Juan Nelongo Pérez aus Spanien klar nach Punkten (118-110, 117-111 und 116-113). Ebenso erfolgreich war der Halb-Weltergewichtler Oktay Urkal (BP-Nr.5). In einem attraktiven Kampf erboxte der 32-jährige Berliner gegen den Franzosen Gabriel Mapouka den EM-Titel in seiner Gewichtsklasse durch einen einstimmigen Punktsieg (119-110, 118-110 und 118-111). Im Schwergewicht verteidigte Timo Hoffmann aus Eisleben seinen IBF-Intercontinental-Titel. Der 28-jährige Schützling von Trainer Manfred Wolke erzielte TKO-Sieg in der achten Runde gegen den Amerikaner Dick Ryan.

Die Kämpfe im Einzelnen:

1. Kampf (Schwergewicht, 6 Runden)

Cengiz Koc (11 Kämpfe/11 Siege/ 8 K.O.) vs. Hein van Bosch (13/6/1)

Den ersten Kampf des Abends bestritten im Schwergewicht der Südafrikaner Hein van Bosch (32 Jahre) und der Deutsche Cengiz Koc (25 Jahre). Bemerkenswert war, dass schon bei diesem Kampf die Stadthalle in Zwickau recht gut gefüllt war, was nicht unbedingt selbstverständlich ist. Beide Boxer waren mit 1,84 Meter ungefähr gleich groß, wobei Koc mit 101 Kg der deutlich schwerere Athlet war als van Bosch, der 93 Kg auf die Waage brachte und vom Äußeren eher wie ein leicht unaustrainierter Cruisergewichtler wirkte.

Zu Beginn des Kampfes begann Koc verhalten, während sich sein Gegner äußerst beweglich zeigte und es dem Deutschen somit schwer machte, eigene Aktionen anzubringen. Dabei versuchte der Südafrikaner hin und wieder mit vereinzelten Attacken zum Körper, die Doppeldeckung von Koc herunter zu ziehen. Ab der Mitte der zweiten Runde gelang es Koc zunehmend, seine linke Führhand zu etablieren und somit seinen Gegner zu stellen. Am Ende der zweiten Runde rüttelte der Berliner den Südafrikaner mit einer Kombination zum Körper und einem abschließenden rechten Haken zum ersten Mal sichtbar durch.

Van Bosch versuchte zwar in den Runden drei und vier weiterhin, sich durch seine Beweglichkeit dem Kampf zu entziehen, jedoch hatte sich Koc jetzt besser darauf eingestellt und traf immer häufiger klar. Der gute Jab, aber vor allem der ansatzlos und hart geschlagene rechte Aufwärtshaken des Berliners bereiteten van Bosch deutlich Probleme. In der fünften Runde folgte dann, was sich in den beiden vorherigen Runden bereits abgezeichnet hatte. Wieder schlug der rechte Aufwärtshaken am Kinn des Südafrikaners ein, der sichtlich beeindruckt war. Daraufhin setzte Koc entschlossen nach und stellte seinen Gegner schließlich an den Seilen. Dieser versuchte zwar noch, die heranfliegenden Schlagserien auszupendeln, nahm dabei aber einige harte Treffer, woraufhin der Ringrichter den Kampf zu Recht abbrach.

Alles in allem ein verdienter und überzeugender TKO-Sieg in Runde fünf von Cengiz Koc, der vom Publikum mit viel Beifall bedacht wurde. Allerdings dürfte der für einen Schwergewichtler eher kleinwüchsige Koc auf seinem angestrebten Weg nach oben nicht gerade häufig auf körperlich unterlegene Kontrahenten treffen, weshalb in seinen nächsten Aufbaukämpfen körperlich gleichwertige oder stärkere Gegner sicherlich wünschenswert wären.


2. Kampf (Halbschwergewicht, 6 Runden)

Kai Kurzawa (6/6/6) vs. Meebisi Duladze (19/8/5)

Es folgte der zweite Kampf des Abends, in dem sich der Lokalmatador Kai Kurzawa (25 Jahre), der vom Publikum schon beim Einmarsch mit viel Beifall bedacht wurde, und sein südafrikanischer Kontrahent Meebisi Duladze (32 Jahre) im Halbschwergewicht gegenüber standen.

Duladze wirkte etwas schmächtiger als Kurzawa und wurde von dem Deutschen mit dem ersten Gong sofort unter Druck gesetzt. Kurzawas Schläge kamen deutlich schneller und kraftvoller als die des Südafrikaners, jedoch vielfach etwas zu ungenau. Schon ab Mitte der zweiten Runde versuchte Duladze, immer häufiger zu klammern. In der dritten Runde kam der Lokalmatador erstmals mit harten Kombinationen zum Kopf seines Gegners durch, wodurch dieser begann aus der Nase zu bluten. Der Südafrikaner versuchte von da an, endgültig nur noch zu überleben. Er schlug jeweils ein paar Alibischläge, duckte sich ab und klammerte dann sofort. Der Aufwärtshaken wäre vielleicht das richtige Mittel gegen die Klammerversuche Duladzes gewesen, aber Kurzawa schlug diesen fast nie und fand gegen die "Klammertaktik" auch kein anderes Mittel, wenngleich er den Kampf weiterhin klar dominierte.

In den Runden vier und fünf verwarnte Ringrichter Heinrich Mühmert den Südafrikaner schließlich jeweils einmal wegen seines fortlaufenden Haltens. Die letzte Runde war ebenfalls von einem nur aufs Überleben bedachten Südafrikaner geprägt, während Kurzawa zwar hin und wieder gut durchkam, jedoch nicht den entscheidenden Schlag anbringen konnte.

Einstimmiger Sieger nach Punkten Kai Kurzawa, der nicht vollends überzeugen konnte, was jedoch auch an der mangelnden Kampfesbereitschaft des Gegners lag. Heinrich Mühmert hätte diesen Kampf durchaus wegen des andauernden Haltens von Seiten Duladzes vorzeitig abbrechen können.

Anmerkung: Kai Kurzawa brach sich in diesem Kampf die linke Hand und wird wohl erstmal für einige Zeit pausieren müssen. BoxingPress wünscht von dieser Stelle eine baldige und komplikationsfreie Genesung.


3. Kampf (Mittelgewicht, 10 Runden)

Jerry Elliott (34/31/23) vs Sergei Marchuk (16/16/12)

Im dritten Kampf standen sich im Mittelgewicht der von Torsten May trainierte "Alpenkönig" Jerry Elliott (26 Jahre) und der noch ungeschlagene Ukrainer Sergei Marchuk (29 Jahre) gegenüber. Elliott, der seinen letzten Kampf gegen den Russen Aslanbek Kodzoev verloren hatte und dabei dreimal am Boden war, stand unter besonderem Druck, was man ihm in der ersten Runde auch anmerkte.

Elliott begann verhalten und studierte seinen Gegner mehr, als dass er schlug. Marchuk war etwas aktiver, ohne dabei aber klare Treffer anbringen zu können. Zu Beginn der zweiten Runde ergab sich ein ähnliches Bild, bis plötzlich Elliott mit einem als Konter geschlagenen rechten Haken den Ukrainer beeindruckte, der sich daraufhin erstmal auf das Verteidigen beschränkte. In der dritten und vierten Runde marschierte Marschuk zwar wieder nach vorn, aber Elliott konterte hervorragend und konnte teilweise klare Treffer anbringen, während Marschuks Schläge zumeist auf der Deckung des Nigerianers landeten. Speziell mit Elliotts ansatzlos geschlagener rechter Geraden und dem rechten Haken hatte Marchuk große Probleme, da er häufig seine Linke zu tief hängen ließ.

Ab der fünften Runde versuchte der "Alpenkönig", seinen Gegner durch Körperschläge zu beeindrucken, da dieser die Treffer zum Kopf verhältnismäßig gut wegzustecken schien. Diese Strategie wurde in Runde sechs von Erfolg gekrönt, als Marchuk nach einem erneuten Körpertreffer des Nigerianers mit einem Knie auf den Ringboden musste. Nach dem Anzählen durch Ringrichter Kurt Ströhr setzte Elliott energisch zum Körper des Ukrainers nach, der in die Seile taumelte, woraufhin der Ringrichter den Kampf abbrach.

Sieger durch TKO in Runde 6 Jerry Elliott. Eine ansprechende Leistung des "Alpenkönigs", der sich damit nach seiner Niederlage erfolgreich zurückgemeldet hat.


Nach einer kurzen Pause übernahm ARD-Mann Waldemar Hartmann den Job des Ringsprechers von Wolfgang Ley ("Das war Ihr Applaus für die zweite Runde.") und erhöhte, durch einige überraschend gelungenen Scherze bezüglich der Zwickauer Damenwelt, die ohnehin schon, wohl auch durch die bislang ansprechenden Vorkämpfe, gute Stimmung im Publikum.


4. Kampf (IBF-Intercontinental-Meisterschaft im Schwergewicht, 12 Runden)

Timo Hoffmann (27/25/14) vs. Dick Ryan (69/51/42)

Es folgte nun der erste Hauptkampf des Abends, in dem die Schwergewichtler Timo Hoffmann (28 Jahre) und Dick Ryan (35 Jahre) aufeinandertrafen. Der 2,02 Meter große Deutsche überragte seinen Gegner aus den USA deutlich und brachte mit 122,8 Kg auch wesentlich mehr Gewicht mit in den Ring, gegenüber den 110 Kg von Ryan. Ringrichter des Kampfes war erneut Heinrich Mühmert.

Ryan, der schon mit Vitali Klitschko und Brian Nielsen im Ring stand und in beiden Fällen Niederlagen kassierte, geriet von Beginn an stark unter Druck, da Hoffmann ein enormes Tempo vorlegte. Er schlug seinen Jab explosiv aus der Doppeldeckung heraus und konnte den Amerikaner mehrmals durch gelungene Eins-Zwei-Kombinationen und Körpertreffer sichtbar beeindrucken. Das Publikum spendete nach dieser furiosen Auftaktrunde Hoffmanns begeistert Applaus. Auch in der zweiten Runde baute Hoffmann seinen Kampf auf dem Jab auf und variierte mit der Rechten gut zum Kopf und zum Körper seines Gegners. Ryan versuchte hingegen am Mann ein paar Aktionen anzubringen, was ihm jedoch selten gelang.

Auch in den folgenden Runden zeigte sich ein ähnlicher Kampfverlauf. Der Jab des Deutschen bestimmte den Kampf und auch mit der Rechten kam dieser hin und wieder hart durch. Allerdings steckte Ryan diese Schläge weg und Hoffmann fing sich auch einige unnötige und klare Treffer ein, als er die Hände baumeln ließ und Ryan mit seinem weit ausgeholten linken Haken zum Kopf seines Kontrahenten durchkam. Defensivschwächen, die sich Hoffmann gegen stärkere Gegner nicht erlauben darf.

In der fünften Runde rüttelte ein rechter Aufwärtshaken Hoffmanns den Amerikaner durch, der daraufhin an die Seile gedrängt wurde und weitere Schläge kassieren musste. Ryan blieb aber stehen und am Mann mit kurzen Haken sowie mit seinen Schwingern weiter gefährlich. Auch in der sechsten Runde brachte Hoffmann einen guten Aufwärtshaken ins Ziel, doch Ryan steckte die Schläge weiterhin scheinbar unbeeindruckt weg. Allmählich wurde klar, warum der US-Amerikaner in seinen Kämpfen bislang angeblich noch nie zu Boden gehen musste. Nach einer krachenden Rechten in der siebten Runde knickte Ryan kurz ein, fing sich aber wieder, begünstigt dadurch, dass Hoffmann nicht entschlossen genug nachsetzte. Es war schon bewundernswert, was der Gast aus Amerika alles wegsteckte.

In der achten Runde war es dann aber soweit. Hoffmann traf den Amerikaner mit einer rechten Geraden erneut voll am Kinn, woraufhin dieser in die Seile taumelte. Diesmal setzte der Deutsche entschlossener nach und der Ringrichter brach den Kampf zu Recht ab, auch wenn Ryan nicht zu Boden musste. Der tapfere US-Boy hatte einfach zu viele harte Treffer nehmen müssen, daher war der Abbruch zum Schutz des Boxers völlig in Ordnung.

Timo Hoffmann zeigte mit diesem TKO-Sieg in Runde acht eine ordentliche Leistung. Es wurde deutlich, dass ihm die Arbeit mit seinem neuen Trainer Manfred Wolke weitergebracht hat. Hoffmann schlägt mittlerweile einen guten Jab und ist auch in der Lage, über längere Zeit den Kampf zu bestimmen. Ein paar Unachtsamkeiten in der Deckungsarbeit Hoffmanns sowie immer noch eine gewisse Zögerlichkeit in seinen Aktionen, sind jedoch negativ anzumerken.

Nach dem Kampf regte sich zu Recht etwas Unmut im Publikum, weil das Interview mit der ARD, welches Hoffmann im Ring gab, nicht in der Halle zu hören war.


5. Kampf (Europameisterschaft im Halbweltergewicht, 12 Runden)

Oktay Urkal (31/30/10) vs. Gabriel Mapouka (38/33/16)

Den zweiten Hauptkampf des Abends bestritten Oktay Urkal (BP-Nr.5, 32 Jahre) und Gabriel Mapouka (33 Jahre) aus Frankreich um den vakanten Europameistertitel im Halbweltergewicht. Der Berliner war mit 1,74 Meter deutlich größer als sein Gegner, der nur 1,66 Meter maß. Der Franzose (der mit 28 KO-Erfolgen angekündigt wurde, was leider nicht den Tatsachen (16 KO's) entsprach) und der Deutsche standen sich schon einmal im Oktober 2000 im Ring gegenüber. Damals ging es in Berlin auch um die Europameisterschaft im Halbweltergewicht, wobei Mapouka sehr knapp nach Punkten unterlag.

Die erste Runde sollte sogleich zeigen, wie der Kampf verlaufen würde. Mapouka marschierte als der kleinere Mann nach vorne, während Urkal versuchte, auf Distanz zu bleiben und nur für seine eigenen überfallartigen Aktionen in den Infight ging. Der Franzose war in den ersten Runden vor allem mit seinem rechten Haken gefährlich, da der Berliner in der Anfangsphase des Kampfes des öfteren links herum ging und somit direkt in die Schlaghand seines Gegners lief. Wenn Urkal aber auf Distanz blieb, sah er besser aus und konnte dann auch die besseren Treffer landen.


Auch Markus Beyer saß in Zwickau am Ring. Bald bekommt der deutsche Super-Mittelgewichtler seine WM-Chance.

Ab der sechsten Runde kam Urkal immer besser mit den teilweise ungestümen Attacken des Franzosen zurecht und konnte die Runden klarer für sich gestalten, die zuvor doch recht knapp und daher schwer zu werten waren. Bei beiden Boxern landeten aber weiterhin viele Schläge in der Deckung des Gegners oder gingen ins Leere. Urkal gelang es jedoch vor allem mit seinen schnellen Kombinationen die besseren Treffer zu landen, während Mapouka mit zunehmender Kampfdauer ungestümer wurde und immer weniger traf.

In den Schlussrunden wirkten beide Boxer etwas müde. Urkal machte angesichts seines zu vermutenden Vorsprunges auf den Punktrichterzetteln nicht mehr als nötig und der Franzose war nicht mehr in der Lage, einen Gang zuzulegen, um Urkal vielleicht noch gefährden zu können.

Oktay Urkal wurde somit durch einen einstimmigen Punktsieg (119-110, 118-110 und 118-111) verdient zum zweiten Mal Europameister im Halbweltergewicht, ohne dabei aber zu glänzen. Für den mittelfristig angestrebten Rückkampf mit dem dreifachen Weltmeister Kostya Tszyu wird sich der Berliner noch steigern müssen, wenn er diesmal als Weltmeister aus dem Ring steigen will. Der Berliner braucht anspruchsvolle Kämpfe wie den am Samstag, um wieder ein sicheres Distanzgefühl und schneller in seinen Kampf-Rhythmus finden. Boxerisch bringt Urkal ohnehin alles mit, um zu Weltmeister-Ehren zu gelangen.


6. Kampf (Schwergewicht, 8 Runden)

Willi Fischer (32/27/18) vs. Piotr Jurczyk (22/11/6)

Vor Beginn der Live Übertragung der ARD wurde noch ein weitere Kampf im Schwergewicht eingeschoben. Der Frankfurter Willi "De Ox" Fischer (30 Jahre) bestritt nach langer verletzungsbedingter Pause sein Comeback und wurde zugleich als Neuzugang des Sauerland-Boxstalls vorgestellt. Sein Gegner war Piotr Jurczyk (31 Jahre) aus Polen, der auf Grund seiner Leibesfülle und seiner "Frisur" an den amerikanischen Schwergewichtler Eric "Butterbean" Esch erinnerte.

In der ersten Runde versuchte Fischer gleich mit Körperhaken die vermeintliche Schwachstelle des Polen aufzudecken. Auch der Jab des Deutschen traf gut ins Ziel und hielt den massigen und größeren Jurczyk auf Distanz. In der zweiten Runde machte Jurzyk jedoch mehr Druck und zeigte, dass er nicht zum Verlieren angereist ist. Zwar gingen die meisten Schläge daneben, aber Fischer machte den Fehler, nicht den Angriffen des Polen auszuweichen und lief somit Gefahr, von dessen Gewicht "erdrückt" zu werden und somit unnötig Kraft zu lassen. Gegen Ende der Runde konnte Jurczyk dann sogar einige Treffer landen, die Fischer sichtbar beeindruckten.

Zu Beginn der dritten Runde kam Fischer mit einem schönen Haken zum Körper von Jurczyk durch, der sich daraufhin abwendete. Da Ringrichter Kurt Ströhr die Situation nicht sofort erkannte, setzte Fischer nach und schlug noch mal auf den bereits an den Seilen abgedrehten Gegner ein. Erst daraufhin ging der Ringrichter dazwischen und zählte den Polen an, der jedoch signalisierte, den Kampf nicht fortsetzen zu wollen. Er deutete an, dass es sich bei dem ersten Schlag Fischers um einen irregulären Schlag gehandelt haben soll, was jedoch nicht der Fall war.

Ein wenig aussagekräftiger TKO Sieg durch Aufgabe für Willi Fischer, der durch die späte Reaktion des Ringrichters zudem einen faden Beigeschmack bekam.


7. Kampf (Europameisterschaft im Supermittelgewicht, 12 Runden)

Danilo Häußler (19/19/6) vs. Juan Nelongo Perez (19/15/5)

Danach kam es nach einer etwas längeren, aber keinesfalls zu langen Pause zum eigentlichen Hauptkampf des Abends, der Europameisterschaft im Supermittelgewicht. Titelverteidiger Danilo Häußler (BP-Nr.15, 27 Jahre) aus Deutschland traf auf seinen spanischen Herausforderer Juan Nelongo Pérez (32 Jahre), der bislang stets im Halbschwergewicht boxte und dabei mit dem Roy Jones-Herausforderer Clinton Woods, dem derzeitigen WBA-Weltmeister im Cruisergewicht, Jean-Marc Mormeck und dem Deutschen Thomas Ulrich einige namhafte Gegner im Kampfrekord zu verbuchen hat, gegen die er allerdings stets verlor. Umso verwunderlicher war es daher, dass der Spanier das Limit von 76,203 Kg für das Supermittelgewicht beim offiziellen Wiegen mit 75 Kg deutlich unterschritt. Auch Häußler hatte mit 75,8 Kg noch Spielraum nach oben.

In der ersten Runde bauten beide Boxer den Kampf auf ihrem Jab auf. Der Spanier versuchte zudem, direkt nach seinem Jab den Aufwärtshaken mit der gleichen Hand ins Ziel zu bringen, was ihm auch in dieser Anfangsrunde ein bis zweimal gelang. Häußler hingegen konnte vor allem gegen Ende der Runde einige gute Kombinationen anbringen, mit denen er diese für sich entschied. Auch in der zweiten Runde konzentrierte sich der Titelverteidiger auf seine überfallartigen Schlagserien, von denen zumeist immer mindestens eine Hand im Ziel war, während Perez hin und wieder mit seinem Jab durch die Doppeldeckung Häußlers kam. Ingesamt waren aber die besseren Treffer auf Seiten des Deutschen, der wieder gegen Ende der Runde noch einmal zulegte.

In den folgenden Runden bot sich ein ähnliches Bild. Häußler stand in seiner Doppeldeckung und traf Perez gut mit überfallartigen Attacken, die er zumeist am Anfang und am Ende der Runden anbrachte, während der Herausforderer sich zunehmend an Häußlers Deckung müde arbeitete und sich unverständlicherweise auf das Schlagen von Haken verlegte. Der Weg über die Innenbahn wäre wohl der Erfolg versprechendere gewesen wie die Anfangsrunden zeigten, da Häußler häufig die Deckung nicht geschlossen genug hielt. In Runde fünf schien Perez zum ersten Mal beeindruckt von einer Schlagserie des Europameisters, fing sich jedoch schnell wieder. Häußler boxte jetzt variabler und streute auch mal einen Aufwärtshaken oder einen Schlag zum Körper in seine "Überraschungsattacken" ein.

Insgesamt machte der Spanier einfach zu wenig für einen Herausforderer und hatte offenbar auch nicht die Mittel, um Häußler ernsthaft zu gefährden. In Runde neun kam Perez dann noch mal etwas auf, ohne dabei aber klare Treffer zu landen, während sich der Deutsche eine kleine Ruhepause gönnte. Auch in Runde elf geriet Häußler noch ein wenig in Bedrängnis, aber meisterte auch diese Situation und konnte in der letzten Runde den Spanier wiederum durch einige Treffer beeindrucken, wobei sich allerdings zeigte, dass Häußler nicht die Schlagkraft besaß, um den Kampf doch noch vorzeitig beenden zu können.

Danilo Häußler verteidigte seinen Europameistertitel im Supermittelgewicht in einem unspektakulären Kampf durch einen einstimmigen und verdienten Punktsieg (118:110, 117:111, 116:113). Häußler zeigte sich dabei durchaus verbessert gegenüber seinen letzten Kämpfen, wobei aber berücksichtigt muss, dass der Gegner zwar in früheren Halbschwergewichts-Kämpfen europäische Klasse nachgewiesen hatte, aber am Samstag zu eindimensional auftrat, um Häußler ernsthaft zu fordern. Als nächstes wartet auf den Deutschen nun wohl ein Rematch im Februar gegen dem starken Engländer Glenn Catley (BP-Nr.16), gegen den Häußler zuletzt nur knapp gewann und der in Zwickau am Ring saß.

Nach diesem Kampf war der Boxabend jedoch keinesfalls vorbei, denn es folgten noch drei weitere Kämpfe, wovon eigentlich zwei vor dem Hauptkampf stattfinden sollten. Aus Zeitgründen hatte man aber offenbar kurzfristig umdisponiert.


Veranstalter Wilfried Sauerland verfolgte die Kämpfe des Abends mit großem Interesse.

An dieser Stelle ist anzumerken, dass dies den guten Eindruck, den man von dem ansonsten gut organisierten Kampfabend gewonnen hatte, doch etwas trübte. Zum einen stimmte die Kampfreihenfolge überhaupt nicht mit der aus dem offiziellen Programm überein und zum anderen wurden die letzten Kämpfe vor fast leeren Rängen ausgetragen, da schon der Hauptkampf sehr spät begonnen hatte und viele Zuschauer danach verständlicherweise nach Hause gingen. Besser wäre es wohl gewesen, wenn man früher angefangen hätte. Somit wäre den Boxern ein Auftritt zu dieser späten Stunde und vor fast leeren Rängen erspart geblieben. Weiterhin fiel unangenehm auf, dass die Verlesung der Punktrichterentscheide erst nach Bekanntgabe des Ergebnisses erfolgte, was völlig unüblich im internationalen Boxsport ist und zudem zur Folge hatte, dass diese häufig im Jubel untergingen.


8. Kampf
(Weltergewicht, 6 Runden)

Mthokozisi Mthembu (17/13/8) vs. Alpaslan Aguzüm (23/22/10)

Der ersten Kampf vor sich leerenden Rängen bestritten der Südafrikaner Mthokozisi Mthembu (21) und der Deutsche Alpaslan Aguzüm (25). Ringrichter dieses Kampfes war wiederum der sich im Dauereinsatz befindende Heinrich Mühmert.

Beide Boxer agierten in den Anfangsrunden sehr verhalten und warteten auf die Aktion des Gegners. Der Südafrikaner war dann aber zumeist derjenige, der zuerst eine Aktion versuchte und dabei häufig von Aguzüm gut ausgekontert wurde. Insgesamt war der Kampf aber in den ersten vier Runden sehr aktionsarm. In der fünften und sechsten Runde kam dann unvermittelt Mthembu stärker auf und konnte auch einige Treffer landen, da der Deutsche in einigen Situationen zu behäbig wirkte. In der letzten Runde zeigten dann beide Boxer endlich etwas mehr und lieferten sich einen ansehnlichen Schlagabtausch, wobei der Südafrikaner sich leichte Vorteile erarbeiten konnte, ohne jedoch Aguzüm ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können.

Einstimmiger Sieger nach Punkten Alpaslan Aguzüm, der sich aber schwer tat und dem man seine über einjährige Wettkampfpause deutlich anmerkte.


9. Kampf (Leichtschwergewicht, 6 Runden)

Nuri Seferi (10/9/9) vs. Mario Stein (11/10/9)

Den vorletzten Kampf bestritten der Albaner Nuri Seferi (25) und der Deutsche Mario Stein (27). Beide Boxer waren ungefähr von gleicher Statur und mit 1,82 Meter gleich groß.

Offenbar wollten die beiden Kontrahenten wie ein Großteil des Publikums schnell nach Hause und legten daher ein enormes Tempo in der ersten Runde vor. Es entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch in Folge dessen eine Rechte des Albaners Stein zu Boden schickte, der jedoch noch vor dem Anzählen sofort wieder aufstand und auch nicht sonderlich angeschlagen wirkte. Seferi setzte aber dennoch entschlossen nach und schickte den Deutschen erneut mit einer Rechten zu Boden. Stein wirkte jetzt deutlich angeschlagen, rappelte sich aber noch mal auf und Ringrichter Kurt Ströhr gab den Kampf erneut frei. Nach einem Treffer Seferis zum Körper seines angeschlagenen Gegners musste dieser erneut auf den Ringboden, woraufhin Ströhr den Kampf endgültig abbrach.

Sieger durch TKO in Runde 1 Nuri Seferi.


10.Kampf (Leichtgewicht, 6 Runden)

Milan Prochazka (4/0/0) vs. Pedro Miranda (31/28/17)

Den letzten Kampf vor fast völlig leeren Rängen bestritten der ehemaligen Europameister im Leichtgewicht Pedro Miranda (26 Jahre) aus Spanien und der kurzfristig für den Polen Mauryey Gojko eingesprungene Tscheche Milan Prochazka.

Auch Miranda schien wenig Lust auf einen langen Kampf zu später Stunde zu haben und legte in der ersten Runde gleich ordentlich los. Schon nach kurzer Zeit traf er seinen Gegner, allerdings mit einem irregulären Schlag in die Nierengegend, worauf sich Prochazka abdrehte. Der Ringrichter zählte den Tschechen nicht an, sondern fragte ihn nur, ob er weitermachen könne, was dieser bejahte. Daraufhin wurde der Kampf wieder freigegeben und Miranda landete diesmal einen regulären Treffer zum Körper Prochazkas, der sich nun auszählen ließ.

K.O.-Sieg in Runde 1 für Pedro Miranda.

 

Alles im allem war die erste Boxveranstaltung in Zwickau seit über fünfzig Jahren mit rund 4000 Zuschauen ein Erfolg und bot mit drei Hauptkämpfen umfangreiches Programm. Die Stimmung in der Halle war vom ersten Kampf an ausgezeichnet und auch die Gegner der Boxer des Sauerland Stalles wurden vom Publikum fair behandelt. Die angesprochenen organisatorischen Mängel trübten den ansonsten guten Gesamteindruck nur ein wenig.

 

 

 
     


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