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Sauerland-Kampfabend
in Zwickau: Häußler, Urkal und Hoffmann siegreich
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Ab der sechsten Runde kam Urkal immer besser mit den teilweise ungestümen Attacken des Franzosen zurecht und konnte die Runden klarer für sich gestalten, die zuvor doch recht knapp und daher schwer zu werten waren. Bei beiden Boxern landeten aber weiterhin viele Schläge in der Deckung des Gegners oder gingen ins Leere. Urkal gelang es jedoch vor allem mit seinen schnellen Kombinationen die besseren Treffer zu landen, während Mapouka mit zunehmender Kampfdauer ungestümer wurde und immer weniger traf.
In den Schlussrunden wirkten beide Boxer etwas müde. Urkal machte angesichts seines zu vermutenden Vorsprunges auf den Punktrichterzetteln nicht mehr als nötig und der Franzose war nicht mehr in der Lage, einen Gang zuzulegen, um Urkal vielleicht noch gefährden zu können.
Oktay
Urkal wurde somit durch einen einstimmigen Punktsieg (119-110, 118-110
und 118-111) verdient zum zweiten Mal Europameister im Halbweltergewicht,
ohne dabei aber zu glänzen. Für den mittelfristig angestrebten
Rückkampf mit dem dreifachen Weltmeister Kostya Tszyu wird
sich der Berliner noch steigern müssen, wenn er diesmal als Weltmeister
aus dem Ring steigen will. Der Berliner braucht anspruchsvolle Kämpfe
wie den am Samstag, um wieder ein sicheres Distanzgefühl und schneller
in seinen Kampf-Rhythmus finden. Boxerisch bringt Urkal ohnehin alles
mit, um zu Weltmeister-Ehren zu gelangen.
Willi Fischer (32/27/18) vs. Piotr Jurczyk (22/11/6)
Vor Beginn der Live Übertragung der ARD wurde noch ein weitere Kampf im Schwergewicht eingeschoben. Der Frankfurter Willi "De Ox" Fischer (30 Jahre) bestritt nach langer verletzungsbedingter Pause sein Comeback und wurde zugleich als Neuzugang des Sauerland-Boxstalls vorgestellt. Sein Gegner war Piotr Jurczyk (31 Jahre) aus Polen, der auf Grund seiner Leibesfülle und seiner "Frisur" an den amerikanischen Schwergewichtler Eric "Butterbean" Esch erinnerte.
In
der ersten Runde versuchte Fischer gleich mit Körperhaken die vermeintliche
Schwachstelle des Polen aufzudecken. Auch der Jab des Deutschen traf gut
ins Ziel und hielt den massigen und größeren Jurczyk auf Distanz.
In der zweiten Runde machte Jurzyk jedoch mehr Druck und zeigte, dass
er nicht zum Verlieren angereist ist. Zwar gingen die meisten Schläge
daneben, aber Fischer machte den Fehler, nicht den Angriffen des Polen
auszuweichen und lief somit Gefahr, von dessen Gewicht "erdrückt"
zu werden und somit unnötig Kraft zu lassen. Gegen Ende der Runde
konnte Jurczyk dann sogar einige Treffer landen, die Fischer sichtbar
beeindruckten.
Zu
Beginn der dritten Runde kam Fischer mit einem schönen Haken zum
Körper von Jurczyk durch, der sich daraufhin abwendete. Da Ringrichter
Kurt Ströhr die Situation nicht sofort erkannte, setzte Fischer nach
und schlug noch mal auf den bereits an den Seilen abgedrehten Gegner ein.
Erst daraufhin ging der Ringrichter dazwischen und zählte den Polen
an, der jedoch signalisierte, den Kampf nicht fortsetzen zu wollen. Er
deutete an, dass es sich bei dem ersten Schlag Fischers um einen irregulären
Schlag gehandelt haben soll, was jedoch nicht der Fall war.
Ein wenig aussagekräftiger TKO Sieg durch Aufgabe für Willi Fischer, der durch die späte Reaktion des Ringrichters zudem einen faden Beigeschmack bekam.
7. Kampf
(Europameisterschaft im Supermittelgewicht, 12 Runden)
Danilo Häußler (19/19/6) vs. Juan Nelongo Perez (19/15/5)
Danach kam es nach einer etwas längeren, aber keinesfalls zu langen Pause zum eigentlichen Hauptkampf des Abends, der Europameisterschaft im Supermittelgewicht. Titelverteidiger Danilo Häußler (BP-Nr.15, 27 Jahre) aus Deutschland traf auf seinen spanischen Herausforderer Juan Nelongo Pérez (32 Jahre), der bislang stets im Halbschwergewicht boxte und dabei mit dem Roy Jones-Herausforderer Clinton Woods, dem derzeitigen WBA-Weltmeister im Cruisergewicht, Jean-Marc Mormeck und dem Deutschen Thomas Ulrich einige namhafte Gegner im Kampfrekord zu verbuchen hat, gegen die er allerdings stets verlor. Umso verwunderlicher war es daher, dass der Spanier das Limit von 76,203 Kg für das Supermittelgewicht beim offiziellen Wiegen mit 75 Kg deutlich unterschritt. Auch Häußler hatte mit 75,8 Kg noch Spielraum nach oben.
In
der ersten Runde bauten beide Boxer den Kampf auf ihrem Jab auf. Der Spanier
versuchte zudem, direkt nach seinem Jab den Aufwärtshaken mit der
gleichen Hand ins Ziel zu bringen, was ihm auch in dieser Anfangsrunde
ein bis zweimal gelang. Häußler hingegen konnte vor allem gegen
Ende der Runde einige gute Kombinationen anbringen, mit denen er diese
für sich entschied. Auch in der zweiten Runde konzentrierte sich
der Titelverteidiger auf seine überfallartigen Schlagserien, von
denen zumeist immer mindestens eine Hand im Ziel war, während Perez
hin und wieder mit seinem Jab durch die Doppeldeckung Häußlers
kam. Ingesamt waren aber die besseren Treffer auf Seiten des Deutschen,
der wieder gegen Ende der Runde noch einmal zulegte.
In
den folgenden Runden bot sich ein ähnliches Bild. Häußler
stand in seiner Doppeldeckung und traf Perez gut mit überfallartigen
Attacken, die er zumeist am Anfang und am Ende der Runden anbrachte, während
der Herausforderer sich zunehmend an Häußlers Deckung müde
arbeitete und sich unverständlicherweise auf das Schlagen von Haken
verlegte. Der Weg über die Innenbahn wäre wohl der Erfolg versprechendere
gewesen wie die Anfangsrunden zeigten, da Häußler häufig
die Deckung nicht geschlossen genug hielt. In Runde fünf schien Perez
zum ersten Mal beeindruckt von einer Schlagserie des Europameisters, fing
sich jedoch schnell wieder. Häußler boxte jetzt variabler und
streute auch mal einen Aufwärtshaken oder einen Schlag zum Körper
in seine "Überraschungsattacken" ein.
Insgesamt
machte der Spanier einfach zu wenig für einen Herausforderer und
hatte offenbar auch nicht die Mittel, um Häußler ernsthaft
zu gefährden. In
Runde neun kam Perez dann noch mal etwas auf, ohne dabei aber klare Treffer
zu landen, während sich der Deutsche eine kleine Ruhepause gönnte.
Auch in Runde elf geriet Häußler noch ein wenig in Bedrängnis,
aber meisterte auch diese Situation und konnte in der letzten Runde den
Spanier wiederum durch einige Treffer beeindrucken, wobei sich allerdings
zeigte, dass Häußler nicht die Schlagkraft besaß, um
den Kampf doch noch vorzeitig beenden zu können.
Danilo
Häußler verteidigte seinen Europameistertitel im Supermittelgewicht
in einem unspektakulären Kampf durch einen einstimmigen und verdienten
Punktsieg (118:110, 117:111, 116:113). Häußler zeigte sich
dabei durchaus verbessert gegenüber seinen letzten Kämpfen,
wobei aber berücksichtigt muss, dass der Gegner zwar in früheren
Halbschwergewichts-Kämpfen europäische Klasse nachgewiesen hatte,
aber am Samstag zu eindimensional auftrat, um Häußler ernsthaft
zu fordern. Als nächstes wartet auf den Deutschen nun wohl ein Rematch
im Februar gegen dem starken Engländer Glenn
Catley (BP-Nr.16), gegen den Häußler
zuletzt nur knapp gewann und der in Zwickau am Ring saß.
Nach diesem Kampf war der Boxabend jedoch keinesfalls vorbei, denn es folgten noch drei weitere Kämpfe, wovon eigentlich zwei vor dem Hauptkampf stattfinden sollten. Aus Zeitgründen hatte man aber offenbar kurzfristig umdisponiert.
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An dieser Stelle ist anzumerken, dass dies den guten Eindruck, den man von dem ansonsten gut organisierten Kampfabend gewonnen hatte, doch etwas trübte. Zum einen stimmte die Kampfreihenfolge überhaupt nicht mit der aus dem offiziellen Programm überein und zum anderen wurden die letzten Kämpfe vor fast leeren Rängen ausgetragen, da schon der Hauptkampf sehr spät begonnen hatte und viele Zuschauer danach verständlicherweise nach Hause gingen. Besser wäre es wohl gewesen, wenn man früher angefangen hätte. Somit wäre den Boxern ein Auftritt zu dieser späten Stunde und vor fast leeren Rängen erspart geblieben. Weiterhin fiel unangenehm auf, dass die Verlesung der Punktrichterentscheide erst nach Bekanntgabe des Ergebnisses erfolgte, was völlig unüblich im internationalen Boxsport ist und zudem zur Folge hatte, dass diese häufig im Jubel untergingen.
8. Kampf (Weltergewicht, 6 Runden)
Mthokozisi Mthembu (17/13/8) vs. Alpaslan Aguzüm (23/22/10)
Der ersten Kampf vor sich leerenden Rängen bestritten der Südafrikaner Mthokozisi Mthembu (21) und der Deutsche Alpaslan Aguzüm (25). Ringrichter dieses Kampfes war wiederum der sich im Dauereinsatz befindende Heinrich Mühmert.
Beide
Boxer agierten in den Anfangsrunden sehr verhalten und warteten auf die
Aktion des Gegners. Der Südafrikaner war dann aber zumeist derjenige,
der zuerst eine Aktion versuchte und dabei häufig von Aguzüm
gut ausgekontert wurde. Insgesamt war der Kampf aber in den ersten vier
Runden sehr aktionsarm. In
der fünften und sechsten Runde kam dann unvermittelt Mthembu stärker
auf und konnte auch einige Treffer landen, da der Deutsche in einigen
Situationen zu behäbig wirkte. In der letzten Runde zeigten dann
beide Boxer endlich etwas mehr und lieferten sich einen ansehnlichen Schlagabtausch,
wobei der Südafrikaner sich leichte Vorteile erarbeiten konnte, ohne
jedoch Aguzüm ernsthaft in Bedrängnis bringen zu können.
Einstimmiger Sieger nach Punkten Alpaslan Aguzüm, der sich aber schwer tat und dem man seine über einjährige Wettkampfpause deutlich anmerkte.
9. Kampf
(Leichtschwergewicht, 6 Runden)
Nuri Seferi (10/9/9) vs. Mario Stein (11/10/9)
Den vorletzten Kampf bestritten der Albaner Nuri Seferi (25) und der Deutsche Mario Stein (27). Beide Boxer waren ungefähr von gleicher Statur und mit 1,82 Meter gleich groß.
Offenbar
wollten die beiden Kontrahenten wie ein Großteil des Publikums schnell
nach Hause und legten daher ein enormes Tempo in der ersten Runde vor.
Es entwickelte sich ein wilder Schlagabtausch in Folge dessen eine Rechte
des Albaners Stein zu Boden schickte, der jedoch noch vor dem Anzählen
sofort wieder aufstand und auch nicht sonderlich angeschlagen wirkte.
Seferi setzte aber dennoch entschlossen nach und schickte den Deutschen
erneut mit einer Rechten zu Boden. Stein wirkte jetzt deutlich angeschlagen,
rappelte sich aber noch mal auf und Ringrichter Kurt Ströhr gab den
Kampf erneut frei. Nach einem Treffer Seferis zum Körper seines angeschlagenen
Gegners musste dieser erneut auf den Ringboden, woraufhin Ströhr
den Kampf endgültig abbrach.
Sieger durch TKO in Runde 1 Nuri Seferi.
10.Kampf (Leichtgewicht, 6 Runden)
Milan Prochazka (4/0/0) vs. Pedro Miranda (31/28/17)
Den letzten Kampf vor fast völlig leeren Rängen bestritten der ehemaligen Europameister im Leichtgewicht Pedro Miranda (26 Jahre) aus Spanien und der kurzfristig für den Polen Mauryey Gojko eingesprungene Tscheche Milan Prochazka.
Auch
Miranda schien wenig Lust auf einen langen Kampf zu später Stunde
zu haben und legte in der ersten Runde gleich ordentlich los. Schon nach
kurzer Zeit traf er seinen Gegner, allerdings mit einem irregulären
Schlag in die Nierengegend, worauf sich Prochazka abdrehte. Der Ringrichter
zählte den Tschechen nicht an, sondern fragte ihn nur, ob er weitermachen
könne, was dieser bejahte. Daraufhin wurde der Kampf wieder freigegeben
und Miranda landete diesmal einen regulären Treffer zum Körper
Prochazkas, der sich nun auszählen ließ.
K.O.-Sieg in Runde 1 für Pedro Miranda.
Alles im allem war die erste Boxveranstaltung in Zwickau seit über fünfzig Jahren mit rund 4000 Zuschauen ein Erfolg und bot mit drei Hauptkämpfen umfangreiches Programm. Die Stimmung in der Halle war vom ersten Kampf an ausgezeichnet und auch die Gegner der Boxer des Sauerland Stalles wurden vom Publikum fair behandelt. Die angesprochenen organisatorischen Mängel trübten den ansonsten guten Gesamteindruck nur ein wenig.
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