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Interview mit Turgay Uzun


Interview mit Turgay Uzun

Der 26jährige Koblenzer Turgay Uzun hat einen Kampfrekord von 5-2-2 / 1 ko und boxt im Weltergewicht. Mit Boxingpress sprach er über seine bisherigen Stationen und seine Ziele:

Boxingpress : Turgay, Du hast keine Amateur-Kämpfe bestritten. Wann hast Du mit dem Boxen begonnen und wie kam der Kontakt zu den Profis zustande?

Turgay Uzun : Ich war Thaiboxer, über einige Freunde hatte ich aber Kontakte zu Profiboxern. Die meinten dann auch ich hätte auch für das "normale" Boxen Talent. In Koblenz habe ich dann mal beim Training vom FLP-Team reingeschnuppert und es hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Auch die Rahmenbedingungen waren, bzw. sind einfach super. Die Entscheidung dort weiter zu trainieren und zu arbeiten ist mir dann natürlich nicht schwer gefallen... Nach einem halben Jahr intensiver und harter Vorbereitungszeit, stellte ich einen Antrag auf Lizenzierung als Profiboxer. Da ich keine Amateurkämpfe bestritten hatte, musste ich einen Prüfungskampf unter Augen des BDB ablegen, bekam dann aber umgehend meine Lizenz.

BP : Als Information für die BP-User: Wer eine Lizenzierung als Profiboxer beantragt, muss sich auf Verlangen des BDB einem Prüfungskampf unterziehen. Bei Amateuren wird im Regelfall darauf verzichtet. Das Ziel dieser Regel liegt auf der Hand: Nur vernünftig ausgebildete und qualifizierte Kämpfer sollen eine Lizenz erhalten. Turgay: Beschreibe bitte Deinen Kampfstil.

Interview mit Turgay Uzun

TU : Ich bin eher ein technischer Boxer und versuche meine gute Beinarbeit einzusetzen, d.h. ich bin ständig in Bewegung, arbeite dann mit schnellen Händen überfallartig aus der Distanz, beim Kontern gehe ich auch gerne in die Halbdistanz. Das funktioniert natürlich nur, wenn man gut trainiert und vorbereitet ist. Ich bin nicht der Typ, der auf einen finalen Schlag im wahrsten Sinne des Wortes warten kann. Ich lebe von der Aktivität.

BP : Dein Profidebüt hast Du im Sommer '99 gemacht. Wie verlief dieser Kampf?

TU : In Dresden kämpfte ich gegen Marek Koupil . Ich war ziemlich nervös, wie eigentlich alle Debütanten, aus dem Grunde kommt dem Matchmaking beim ersten Kampf eine besondere Rolle zu. Der Gegner sollte nicht zu schwer sein, aber auch nicht gerade nach dem ersten Schlag liegen bleiben. Gegen Koupil, der bis dahin eine Handvoll Kämpfe bestritten, allerdings auch verloren hat, konnte ich 4 Runden gehen. Mein Nerven bekam ich im Verlaufe des Kampfes immer besser in den Griff und gewann am Ende verdient nach Punkten. Der nächste Kampf war dann zwei Monate später in Koblenz. Gegen Jeno Horvath erreichte ich ein Unentschieden. Aus meiner Sicht hätte ich einen Sieg verdient gehabt, schließlich war ich der aktivere Mann und hatte auch nach Aussagen vieler die klareren Treffer gelandet. Die Punktrichter haben dies aber anderes gesehen.

TU : Das Jahr 2000 begann nicht gerade erfolgreich. Gegen den bis dahin unbesiegten Polen Jacek Bielski , der bei den Amateuren immerhin Oktay Urkal eine vorzeitige Niederlage zufügte, kämpfte ich in dessen Heimat vor über 3000 Zuschauern einen 4-Runder. Die erste Runde konnte ich noch für mich entscheiden, Bielski ging recht verhalten in diese Anfangsrunde. Im zweiten Durchgang konnte ich Bielski, der jetzt mächtig aufdrehte, mit einem schönen rechten Haken zum Kopf deutlich anklingeln, doch setzte ich in dieser Situation nicht zwingend genug nach. Wenige Aktionen später erwischte mich Bielski mit einem Körperhaken und brach mir dabei die Rippe an. Ab da ist dann nicht mehr viel gelaufen. Unter starken Schmerzen konnte ich wenigstens noch die Distanz gehen, verlor aber meinen ersten Profikampf nach Punkten. Im Mai habe ich dann gegen Szabo Balasz und Csaba Csik nach Punkten gewinnen können. Ende Juni boxte ich dann in Dinslaken gegen den Debütanten Salah Elabdi . Dieser hatte im Kickboxlager gekämpft und als Boxamateur immerhin 19 Siege erzielt. Nach einer ausgeglichenen Auftaktrunde ging die zweite Runde klar an mich, die dritte ebenfalls. In der Schlussrunde habe ich dann das Tempo gedrosselt, die war somit auch ausgeglichen. Als dann Elabdi als Punktsieger gefeiert wurde, war ich absolut fassungslos. Die zweite und dritte Runde hatte ich gewonnen, selbst wenn man die anderen beiden Runden Elabdi gibt, kommt man wohl nicht mehr als auf ein Remis, oder? Im Verlauf des Jahres gewann ich dann noch gegen Attila Kiss nach Punkten und gegen Robert Sathy durch KO. Sathy war allerdings alles andere als ein Prüfstein.

BP : In diesem Jahr hast Du bis dato nur einmal im Ring gestanden. Der 4-Runden-Kampf gegen den Polen Zeb Bajsarowicz im Mai endete Unentschieden. Boxingpress hatte schon in der Berichterstattung vom Gießener Kampftag von einem Fehlurteil gesprochen und wertete den Kampf 39:37 zu Deinen Gunsten. Wie ist Deine Meinung zum Kampf und zum Urteil?

TU : Ich war enttäuscht, ganz klar. Später kamen auch noch Zweifel an der eigenen Leistung hinzu. So ganz dem Motto: Mensch, hätte ich doch in der Szene den Knockout versucht oder da....hätte, wäre, wenn. Aber hinterher ist man natürlich immer schlauer. Für den Polen Bajsarowicz war es eine Super Sache ein Remis gegen den Heimboxer, noch dazu auf "dessen" Veranstaltung zu erzielen. Aber man kann aber doch einem Kämpfer kein Unentschieden zusprechen, nur weil er gut mitgehalten hat? Die klaren Treffer kamen aber die ganzen vier Runden von mir. Ich habe aber wohl den Fehler gemacht, mich manchmal hinter einer geschlossenen Deckung ans Seil zu stellen und Bajsarowicz die Aktionen überlassen. Ich tat dies, um auf Konter zu warten, den ein oder anderen Punktrichter hat dies wohl veranlasst, dem Gast die Runde zu geben. Das Remis benachteiligte mich deutlich. Ich muss aber nochmals sagen: Wenn ich auf den Rat meiner Ecke gehört und mehr Druck gemacht hätte, wären die Punktrichter überflüssig gewesen. Der Lerneffekt aus dem Kampf ist eindeutig. Unaufhörlich arbeiten, den Druck kontinuierlich aufrecht erhalten.

Interview mit Turgay Uzun

BP : In einem Fernsehinterview hast Du schon mal auf die schlechte Lobby der "Feierabendboxer" hingewiesen. Was meinst Du mit diesem Begriff?

TU : Feierabendboxer eben. Bisschen boxen und die Kondition tanken vor dem Fernseher bei Chips und Bier ( Uzun lacht ). Nein, im Ernst: Der Begriff ist irreführend und wirkt wenig professionell. Die Realität sieht anders aus. Viele Boxer müssen einfach noch einer geregelten Arbeit nachgehen, weil wir vom Boxsport alleine nicht leben können. Ich z.B. arbeite als Maschinenschlosser täglich von 7 bis 15 Uhr. Vor der Arbeit laufe ich zwischen 8 und 12 km, am Abend steht dann Boxtraining mit dem üblichen Programm Pratzen, Sandsack, Technik und Konditionsarbeit etc. an. Dazu die Sparringseinheiten. Du musst einfach topfit und diszipliniert sein, sonst kannst du den Sport nicht erfolgreich ausüben. Und dies zählt in dem Fall nicht nur für mich. Auch alle anderen im Team, die Boxer, Trainer und Sekundanten arbeiten genauso professionell. Die Rahmenbedingungen sind ideal. Jetzt heißt es für mich, diese zu nutzen und mit meinem Beitrag in Erfolge umzuwandeln.

BP : Rein vom Kampfrekord her gesehen, hast Du zwei Kämpfe verloren, die Siege waren gegen Debütanten oder Journeymen...

TU : ...Von der Papierform mag dies zutreffen. Aber man muss auch immer sehen, welche Ausbildung die Gegner (bzw. Debütanten ) hatten und in welchem Stadium meiner Karriere ich gegen diese geboxt habe. Nehmen wir z.B. nur meinen dritten Profikampf gegen den unbesiegten Jacek Bielski, den ich in Polen zurecht verloren habe. In diesem Fight habe ich soviel Erfahrungen sammeln und auch am Anfang gut mithalten können. Aus den schon oben beschriebenen Gründen reichte es dann nicht zum Sieg. Der einzige relativ leichte Gegner war Robert Sathy, der mich überhaupt nicht fordern konnte. Alle anderen waren harte, zähe Jungs, die gewinnen wollten und auch eine gute Vorbereitungszeit hatten. Gegen solche Leute zu boxen ist immer schwer. Noch dazu, wenn man bei den Punktrichtern nicht immer die beste Lobby hat. Wer kritisch viele Großveranstaltungen besucht, stellt doch fest, dass etliche Gegner nur wegen der Kohle kommen und gar nicht gewinnen wollen. Die bringen einen in der Entwicklung nicht weiter. Und man kann ja auch anders argumentieren: Hätte ich die Kämpfe gegen Bielski und Elabdi nicht bestritten und wäre stattdessen nur gegen Leute vom Format Sathy in den Ring gestiegen, so wäre ich immer noch unbesiegt und könnte mich bei fehlender Selbsteinschätzung als kommender Weltmeister bestens in Szene setzen. Im übrigen nur bis zum ersten richtigen Gegner. Und die kommen! Nein, diesen Weg möchte ich nicht gehen. Man sieht doch auch, welche Spuren erste Niederlagen bei den vermeintlichen Rohdiamanten hinterlassen. Ich habe manchmal den Eindruck als glaubten diese Sportler andere könnten überhaupt nicht boxen und nur sie hätten es drauf. Na ja, die Realität sieht anders aus.....

BP : Welche Ziele hast Du mittelfristig vor Augen?

TU : Ich will einen nationalen Titel erringen. Evtl. lässt sich ein Kampf um die IDM noch in diesem Jahr realisieren. Champions in meinem Limit sind Alpaslan Agüzüm und Michel Trabant . Für den Juni war auch schon ein IBF Interconti Titelkampf in Polen im Gespräch, der ist dann aber nicht zustande gekommen. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben. Ich arbeite jedenfalls hart an mir, um diese Ziele innerhalb der nächsten 12 Monate zu erreichen.

BP : Turgay, wir danken Dir für das Gespräch und wünschen Dir bei Deinen nächsten Kämpfen viel Erfolg.

TU : Danke und viele Grüße an die Boxingpress-User.


Dieser Beitrag im Archiv

Der Beitrag stammt vom 19. November 2002 und steht in der Rubrik Berichte. Sie versammelt 32 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.490 Wörter Fließtext und liegt damit an 10. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

Zum Beitrag sind 3 Originalaufnahmen erhalten, die breiteste misst 565 Pixel in der Breite. Das ist die Größe, in der Bilder im Web dieser Jahre ausgeliefert wurden, und sie setzt die Grenze für die Darstellung: Eine Aufnahme wird höchstens auf das Doppelte ihrer eigenen Breite gebracht, weil darüber hinaus nur noch Unschärfe entsteht. Deshalb steht sie klein neben dem Text und nicht über ihm.

Genannt werden in diesem Beitrag Oktay Urkal und Turgay Uzun. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 5. Stelle von 32. Davor liegt Boxingpress-inside: Übersicht aus 2002. Danach folgt RTL-Promiboxen 2003 aus 2003. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Boxingpress-inside: Übersicht, Andy Liebing zum zweiten Mal Deutscher Meister und Andy Liebing zum zweiten Mal Deutscher Meister. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 19. November 2002 und gehört zur Rubrik Berichte, die im Archiv 32 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2002 stammen davon 5.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2002 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Boxer werden in diesem Beitrag genannt?

Namentlich Oktay Urkal und Turgay Uzun. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

Welche Beiträge stehen im Archiv unmittelbar davor und danach?

Innerhalb der Rubrik Berichte steht dieser Beitrag an 5. Stelle von 32. Davor liegt "Boxingpress-inside: Übersicht" aus 2002. Danach folgt "RTL-Promiboxen 2003" aus 2003.

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