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Analyse: Lennox Lewis vs. Vitali Klitschko
Unter dem Motto "You want me? You got me!" findet in der Nacht von Samstag auf Sonntag das mit Spannung erwartete Duell zwischen Lennox Lewis ( BP-Nr. 1 ), dem WBC-Weltmeister im Schwergewicht, und seinem Herausforderer aus dem Hamburger Boxstall Universum, Vitali Klitschko ( BP-Nr. 9 ), statt. Wenn der 37-jährige Brite und der 31-jährige Ukrainer in den Ring steigen ( live ab 23.00 Uhr im ZDF ), geht es nicht nur um den Titel des WBC, sondern auch um die Vorherrschaft im Schwergewicht.
In der folgenden 30-Punkte-Analyse soll das gesamte Spektrum aller beeinflussender Faktoren bei einem WM-Kampf auf diesem hohen Niveau beleuchtet werden. Die Wertigkeit vieler Aspekte ist sicherlich Ansichtssache. BoxingPress hat sich wie immer um objektive Einschätzungen bemüht, die Auswertung dieser Analyse ist eine Frage der Gewichtung, die von uns bewusst nicht vorgenommen wird. So ist davon auszugehen, dass viele Aspekte im Kampf kaum eine Rolle spielen und andere, wenige letztlich den Ausschlag zu Gunsten eines der beiden Boxer geben werden.
Vitali Klitschko ist mit einer Größe von 2,02 m um sechs cm größer als sein Kontrahent, der 1,96 m misst. Trotz des Größenvorteils von 6 cm beträgt die Reichweite des Titelträgers ungefähr 213 cm gegenüber 203 cm des Ukrainers. Diese Messungen sind jedoch nicht vergleichbar, da es keinen einheitlichen Punkt gibt, von dem aus die Armlänge gemessen wird. Insgesamt differieren die Maße beider Boxer nur minimal und sind daher nicht kampfentscheidend. Ausgeglichen .
Lewis und Klitschko präsentieren sich meist austrainiert und haben im Laufe der Zeit das jeweilig ideale Kampfgewicht gefunden. Endgültigen Aufschluss über die körperliche Verfassung beider Boxer wird erst das offizielle Wiegen am kommenden Freitag liefern können. Bis dahin: Ausgeglichen .
Lewis gehört mit 37 Jahren zu dem älteren Kreis der Schwergewichtler, die das Prädikat absolute Weltklasse verdienen. Es ist jedoch fraglich, ob sich der Brite nach einer einjährigen Schaffenspause wieder in die Form wird bringen können, die er mit einer hervorragenden Leistung im Juni vergangenen Jahres gegen Mike Tyson demonstrierte. Im Schwergewicht spielt das Alter zwar nur eine sekundäre Rolle, doch ein Blick in die Boxhistorie belegt, dass Boxer in diesem Alter "über Nacht alt" werden können. Von essentieller Bedeutung könnte in diesem Zusammenhang sein, ob es Lewis nach einer einjährigen Ring- und zum Großteil auch Trainingspause gelingt, seine Bewegungsabläufe und Reflexe noch einmal so in Form zu bringen, dass diese wieder genauso schnell und gut funktionieren wie zuvor. Sein Herausforderer hingegen befindet sich mit 31 Jahren auf einer Stufe, die im Schwergewicht als das ideale Alter definiert wird. Vorteil Klitschko .
Obwohl der ehemalige WBO-Weltmeister schon einige Verletzungen erlitten hat, boxte er doch bislang gegen die weitaus schwächere Gegnerschaft. Der Titelverteidiger absolvierte einige kraftaufwändige Kämpfe gegen qualitativ hochwertige Gegner, die ihm unerbittlichen Widerstand leisteten, und in deren Verlauf er schwere Treffer einstecken musste. Zweimal ging Lewis KO. Vorteil Klitschko .
Eine der großen Stärken des Briten ist sein taktisch kluges Verhalten im Ring. Er setzt seine taktischen Ziele perfekt um. Darüber hinaus kann er sich veränderten Umständen gut anpassen. Jedoch besteht bei Lewis auch immer die Gefahr, dass er sich in Sicherheit wiegt und diese sich in Arroganz im Ring umschlägt, was ihm auch schon zum Verhängnis wurde. Sein Kontrahent boxt dagegen relativ eindimensional. Bei Abweichungen seines ursprünglichen taktischen Planes wirkt er oft konsterniert und möchte dann zu sehr seine Ziele forcieren. Daher: Vorteil Lewis .
Beide Boxer wirken sehr ambitioniert und selbstbewusst vor dem Kampf. Der Weltmeister provoziert seinen Kontrahenten mit diversen Aussagen, indem er ihn abwertet und einen klaren Sieg prophezeit. Klitschko wiederum gibt sich äußerlich gelassen und versichert, dass ihn solche Aussagen nicht berühren. Bei dem 37-jährigen Lewis besteht immer wieder die Gefahr, dass sein Selbstbewusstsein in Arroganz und Überheblichkeit im Ring umschlägt. Andererseits hat er die "creme de la creme" des Schwergewichts geboxt und besiegt, weshalb er sich nicht so schnell aus der Ruhe bringen lässt. Sein 31-jähriger Gegner zeigt sich äußerlich unbeeindruckt ob der Aussagen des Titelverteidigers, jedoch boxt er mit Lewis gegen eine Ikone des Schwergewichtsboxens, so dass diese Aussagen doch unterschwellig ihre Wirkung zeigen dürften. Insgesamt daher: Ausgeglichen .
Vitali Klitschko bezeichnete diesen Kampf als "die Chance meines Lebens". Es war schon immer der Traum des Ukrainers, gegen Lewis zu boxen. Mit einem Sieg würde ihm endgültig der internationale Durchbruch gelingen. Dadurch wäre ihm jener Respekt in den USA gesichert, der ihm gegenwärtig noch verwehrt wird. Der Titelträger hat dagegen schon alles erreicht. Sein großes Ziel war es, die Titel zu vereinigen, was ihm auch gegen Evander Holyfield gelungen ist. Er boxt lediglich noch, um seinen Legendenstatus zu untermauern und materiell davon zu profitieren. Dies zeigt auch sein monatelanges Zögern vor der Entscheidung, ob und wie es mit seiner aktiven Laufbahn weitergehen soll. Klarer Vorteil Klitschko .
Das Selbstbewusstsein und die Souveränität, die der Champion Lewis im Ring ausstrahlt, wirkt sehr beeindruckend. Jedoch verhält er sich nicht immer diszipliniert im Ring, vor allem, wenn er sich zu sicher fühlt und deshalb leichtsinnig agiert. Klitschko fällt im Ring durch sein fokussiertes Agieren auf. Dabei neigt der Ukrainer aber auch dazu, sich durch erfolgreiche Aktionen des Kontrahenten aus dem Konzept bringen zu lassen. Beide Boxer neigen allerdings nicht dazu, ihr taktisches Konzept gänzlich über den Haufen zu werfen. Daher: Ausgeglichen .
Gegner von Lewis werfen ihm vor, dass ihm selten zwei gute Kämpfe in Folge gelingen und er damit die nötige Konstanz vermissen lässt. Dabei berufen sie sich u.a. auf die Kämpfe gegen Evander Holyfield, als der Brite den zweiten Kampf nur umstritten für sich entscheiden konnte. Andererseits ist es wichtig, seine Leistungen anhand der starken Kontrahenten abzuwägen. So legte Lewis seit geraumer Zeit stets hervorragende Leistungen an den Tag, die aufgrund der starken Opposition hoch zu bewerten sind. Der Herausforderer boxt dagegen immer nach dem gleichen Schema, konnte dennoch seine Kämpfe fast immer siegreich gestalten. Aufgrund der im höchsten Maße ansprechenden Leistungen der letzten Jahre gegen hoch einzuschätzende Gegner ist dieser Aspekt jedoch für den Titelträger zu werten. Vorteil Lewis .
Die Reputation des Briten ist in den Vereinigten Staaten mittlerweile sehr hoch, da er mit Mike Tyson und Evander Holyfield zwei lebende US-Legenden besiegen konnte. Er genießt den Respekt, der ihm lange verwehrt war. Von den Fans geliebt wird er dennoch nicht. Vitali Klitschko ist den Staaten immer noch eher unbekannt, da er bisher noch keinen absoluten Weltklasse-Boxer besiegen konnte und auch zu selten in den USA geboxt hat. Vielen Amerikanern ist er lediglich durch sein verletzungsbedingte Aufgabe gegen Chris Byrd ein Begriff, die als sehr negativ empfunden wurde. Diese Aufgabe widerspricht der amerikanischen Box-Mentalität, die besagt, dass ein Boxer bis an die physischen Grenzen gehen muss. Daher leichter Vorteil Lewis .
Beide Boxer verfügen über eine sehr gute Führungshand. Für den Weltmeister ist die Führungshand die Basis der eigenen Initiative. Dabei ist es ihm primär wichtig, über seine Führungshand die richtige Distanz zum Gegner herzustellen, um eigene Aktionen in Form von Kombinationen starten zu können. Dabei schlägt er seinen linken Jab sehr schnell, aber eher wenig druckvoll. Klitschko hingegen versucht, mit der Führungshand überwiegend Schlagwirkung zu erzielen, um so seinen Gegner zu zermürben. Des Weiteren beabsichtigt er, mit seinem Jab die Deckung des Gegners zu öffnen. Wegen der längeren Reichweite soll dem Titelträger ein leichter Vorteil bei diesem Duell attestiert werden. Vorteil Lewis .
Bei einem Blick auf die KO-Quote beider Protagonisten manifestiert sich ein klarer Vorteil für Klitschko, der ungefähr 97 % seiner Siege durch KO erzielte, während Lewis "nur" 77,5 % seiner Kämpfe durch KO gewinnen konnte. Jedoch ist es wichtig zu differenzieren, da der Champion die deutlich stärkere Gegnerschaft aufweisen kann. So besiegte der Brite diverse Boxer von internationaler Klasse allesamt vorzeitig, wie beispielsweise Mike Tyson oder Andrew Golota . Speziell bei den letzten Gegnern Klitschkos wirkte es grotesk, dass diese einige Volltreffer des ehemaligen WBO-Weltmeisters verkraften konnten. Nach der Abwägung der KO-Quote anhand der Gegnerschaft lässt sich konstatieren, dass sowohl die krachende Rechte des 31-jährigen, als auch selbige von Lewis und dessen rechter Aufwärtshaken sehr gefährliche und potenzielle KO-Schläge sind, die sich in ihrer Effizienz wenig unterscheiden. Deshalb: Ausgeglichen .
Beide Boxer wirken trotz ihrer Größe und Statur überdurchschnittlich schnell, wenngleich der Titelträger durch seine schnellen Führungshände und Kombinationen einen leichten optischen Vorteil hat. Lewis hat zudem schon unter Beweis gestellt, dass er sich auch im Rückwärtsgang schnell entziehen kann. Deshalb: Vorteil Lewis .
Lewis koordiniert seine Schläge punktgenau, weshalb die Effektivität dieser sehr hoch ist. Er ist wohl der Schwergewichtler mit dem präzisesten Jab. Aber auch Klitschko schlägt oftmals sehr präzise, wenn man von solchen Fights wie gegen die schwer zu treffenden "Stinker" Byrd und Donald absieht. Ein statistischer Vergleich ( siehe Compubox-Link ) der beiden bestätigt allerdings den optischen Eindruck der Überlegenheit von Lewis in diesem Punkt. Daher: Vorteil Lewis
Beide Boxer sind nicht für ihre Deckungsarbeit berühmt, da sie diese oftmals auch wegen ihrer Größenvorteile vernachlässigen. Der WBC-Weltmeister lässt bei Fortdauer des Kampfes seine linke Hand immer tiefer hängen, so dass er sehr offen für den rechten Cross ist. Bei seinem Kontrahenten offenbaren sich deutliche Deckungsschwächen, wenn er in die Rückwärtsbewegung gezwungen wird. Wegen der Deckungsschwächen beider Boxer lässt sich kein Vor- bzw. Nachteil für einen der beiden Boxer konstatieren. Daher: Ausgeglichen .
Beide Boxer gingen den harten Weg der Amateurschule und konnten diesen erfolgreich gestalten, wobei der Weltmeister doch deutlich mehr davon profitieren konnte, da seine boxerischen Fertigkeiten in hohen Maße eindrucksvoll sind. Lewis verfügt über ein breit gefächertes Spektrum in seinem Schlagarsenal. Es gibt keinen Schlag, der nicht in seinem Repertoire vorhanden ist. Der rechte Aufwärtshaken ist der Perfektion nahe. Der Herausforderer profitierte offensichtlich nicht im gleichen Maße von der Amateurschule, da er gravierende Mängel bezüglich seiner Schlagtechnik hat. Die Ausführung einer Vielzahl seiner Schläge wirkt technisch unausgereift. Aufwärtshaken sind im Schlagarsenal des Ukrainers nicht vorhanden. Klarer Vorteil Lewis .
Beide Boxer sind gute Finisher, die ein vorzeitiges Ende forcieren können. In der Vorwärtsbewegung legen beide Boxer eine gewisse Aggressivität an den Tag, wobei vor allem der Brite trotzdem sehr fokussiert agieren kann. Klitschko beherrscht es, permanenten Druck auszuüben und seinen Gegner zu beschäftigen. Deshalb: Ausgeglichen .
Der Titelverteidiger ist darum bemüht, seine bekannt schnell geschlagenen 1-2-Kombinationen oft an den Mann zu bringen. Dabei versucht er, mit der Führungshand die richtige Distanz herzustellen, um dann seine Kombinationen abzufeuern. Vitali Klitschko macht von dieser Art Kombination eher selten Gebrauch, da er überwiegend auf den Erfolg von Einzelschlägen vertraut. Zwar schlägt der Ukrainer auch einige Serien mit der Führhand, diese jedoch ohne viel Druck dahinter. Vorteil Lewis .
Diese Kampfdistanz wird von beiden Boxern nicht bevorzugt, da sie aufgrund ihrer Statur auch nicht die idealen Voraussetzungen haben, um im Nahkampf erfolgreich agieren zu können. Sowohl der Weltmeister als auch dessen Herausforderer präferieren die lange bzw. die Halbdistanz. Während der 31-jährige allerdings im Infight klammert und jegliche Aktion des Gegners zu unterbinden versucht, ist der Titelverteidiger durchaus darum bemüht, eigene Schläge, besonders seinen brandgefährlichen rechten Aufwärtshaken, ins Ziel zu bringen. Gegen andere große Boxer wie Michael Grant gelang ihm dies in Perfektion. Darum: Vorteil Lewis .
Der Brite beherrscht es perfekt, zu verhindern, dass der Gegner seinen Stil entfalten kann. Er bestimmt den Kampf und das Tempo, indem er seine taktische Marschroute konsequent umsetzt und sich unter gegebenen Umständen durch eine große Variabilität auszeichnet, trotzdem aber nie seine Linie verliert. Der Ukrainer ist dagegen sehr berechnend und eindimensional. Er kann seinen Stil nur in der Vorwärtsbewegung entfalten. Weicht der Kampf von seiner taktischen Linie ab, kommt er aus dem Rhythmus und wirkt unsicher. Dies wird besonders in der Rückwärtsbewegung offenkundig. Vorteil Lewis .
Diese Kategorie geht eindeutig an Lewis. Er bewegt sich angesichts seine physischen Gegebenheiten technisch sauber auf den Beinen. Der Champion diktiert Kämpfe mit Hilfe seiner Führungshand und der Beinarbeit. Er bewegt sich immer in die richtige Kampfdistanz, kann so die Vorwärtsbewegung des Gegners durch gezielte Aufwärtshaken unterbinden. Sein Kontrahent wirkt hingegen sehr statisch. Er offenbart sichtliche Schwächen in der Rückwärtsbewegung, da diese sehr unkoordiniert wirkt. Vorteil Lewis .
Sowohl für Lewis als auch für Klitschko ist es mit einer Größe von 1,96 m bzw. 2,02 m nicht einfach, äußerst agil zu erscheinen. Deshalb wirkt es sehr überraschend, wenn die Meidbewegungen des 37-jährigen Briten gepaart mit seiner Beinarbeit sehr flüssig wirken. Klitschkos Beweglichkeit beschränkt sich auf ein leichtes Wippen im Oberkörper bei der Vorwärtsbewegung. Ansonsten wirkt der ehemalige WBO-Weltmeister doch außerordentlich steif. Vorteil Lewis .
Mit dem Namen Lennox Lewis wird oftmals der Begriff "Glaskinn" assoziiert, nicht zuletzt durch die schweren KO-Niederlagen gegen Oliver McCall sowie gegen Hasim Rahman . Doch muss man davon ausgehen, dass die wenigsten Schwergewichtsboxer diese Art von Treffern verkraftet hätten. Der Weltmeister des WBC ging im Laufe seiner Karriere mit verschiedenen relativ schlagstarken Boxern über die Runden, wie beispielsweise David Tua oder Ray Mercer . Dabei musste er besonders gegen den zuletzt genannten Boxer harte Phasen bewältigen und einige harte Treffer einstecken. Auch in seinem letzten Kampf gegen Mike Tyson steckte Lewis die Treffer des derzeit wohl immer noch schlagstärksten Boxers weltweit problemlos weg. Deshalb können dem 37-jährigen getrost solide Nehmerfähigkeiten attestiert werden. Klitschkos Nehmerfähigkeiten sind eine unbekannte Größe, da seine bisherigen Gegner nur selten über die Mittel verfügten, ihn deutlich zu treffen. Jedoch wirkte er bei Treffern von weniger schlagstarken Boxern wie Chris Byrd und Larry Donald ein wenig konsterniert, so dass sich dadurch ein gewisser negativer Rückschluss ableiten lassen könnte. Dennoch ist ein Vergleich der Nehmerfähigkeiten sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich. Deshalb: Ausgeglichen .
Die konditionelle Leistungsfähigkeit beider Boxer ist schwer einzuschätzen, zumal es unmöglich ist, sich auf empirische Werte zu stützen, da diese Stärke mit Fleiß in der Vorbereitung verbunden ist und jene individuell verschieden ist. Trotzdem muss davon ausgegangen werden, dass sich beide Boxer in jeder Hinsicht optimal vorbereitet haben, um ihr taktisches Konzept über zwölf Runden vollständig umsetzen zu können. Dabei hat der 31-jährige Klitschko weniger Erfahrung mit Kämpfen über die volle Distanz, jedoch war der Ukrainer aufgrund der Bedeutung seines Kampfes in den USA ohnehin sehr ambitioniert. Die körperliche Fitness ist für ihn die oberste Priorität, weshalb er auch seine Sparringskämpfe auf 20 Runden ansetzte. Leichter Vorteil Klitschko .
Der Titelverteidiger musste in vielen seiner Kämpfe harte Phasen durchleben und einige harte Treffer hinnehmen. Er leistete aber Widerstand und konnte somit fast alle dieser kraftaufwändigen Kämpfe noch siegreich gestalten. Seinem Herasuforderer widerfuhr nur selten dieses Gefühl, da der Großteil seiner qualitativ durchschnittlichen Gegner es nicht schaffte, ihn ernsthaft zu gefährden. Einzig im Duell gegen Chris Byrd - der zur absoluten Weltspitze gehört - wurde seine Widerstandsfähigkeit geprüft, wobei er Ende der neunten Runde verletzungsbedingt aufgab. Vorteil Lewis .
Beide Boxer neigen nicht zur ausgeprägten Anfälligkeit für Schwellungen oder Platzwunden. Aufgrund dessen, dass der 31-jährige eine Mehrzahl von operativ behandelten Verletzungen verkraften musste, lässt sich dem Titelträger ein leichter Vorteil attestieren. Vorteil Lewis .
Der Brite ist seit 1989 Profi, während der Ukrainer erst 1996 ins Profigeschäft wechselte. Den vier WM-Kämpfen Klitschkos stehen 17 WM-Kämpfe des Weltmeisters gegenüber. Bereits 1992 proklamierte der WBC Lewis zum Champion, als Riddick Bowe nicht gegen ihn antreten wollte. Klarer Vorteil Lewis .
Der Kampfrekord des WBC-Weltmeisters liest sich wie das "Who is who" des gegenwärtigen und des Schwergewichtsboxens der 90er Jahre. Der Titelträger boxte und besiegte diverse Weltklasseboxer, die ihren eigenen Stil verkörperten und individuelle Stärken aufwiesen. Ob richtige Knockouter wie Mike Tyson oder David Tua, oder technisch hervorragende Konterboxer wie Evander Holyfield - Lewis hat sie allesamt geboxt und besiegt. Sein Kontrahent bezwang bislang nur Boxer, die nicht der absoluten Weltspitze angehören. Deshalb: Vorteil Lewis .
Vitali Klitschko wird seit Beginn der Profi-Karriere von Fritz Sdunek trainiert und von Klaus-Peter Kohl gemanagt. Die Universum Box Promotion bezeichnet er gern als seine "Familie", was keine leere Floskel ist. Sdunek gilt als versierter Taktiker und versteht es, durch seine ausgeglichene Art Boxer unterschiedlichster Charaktere zu führen. Aber auch Lennox Lewis verfügt über ein Team, das in dieser Konstellation schon über Jahre harmoniert und mit Emanuel Steward einen der erfolgreichsten Trainer der Welt mit einschließt. Steward verleiht dem 37-jährigen den genialen taktischen Schliff und ist ein Garant für dessen Erfolg. Im Gegensatz zu Sdunek ist Steward jedoch in der Lage, seinen Schützlingen zu helfen, wenn sie ernsthafte Schwierigkeiten im Ring erleben. Sdunek zeigte sich bei den desaströsen KO-Niederlagen von Wladimir Klitschko und Istvan Kovacs in den Rundenpausen sehr fahrig und geradezu hilflos. Daher leichter Vorteil Lewis .
Trotz der kurzfristigen Ansetzung dieser Kampfpaarung trainierten beide Boxer für ihre jeweiligen Kämpfe hart. Der Titelträger befindet sich seit 10 Wochen abgeschottet in seinem Trainingscamp in Pennsylvania. Der Herausforderer bereitet sich akribisch und äußerst intensiv auf den Kampf vor, da er in den Staaten gegen einen niedrigen Bekanntheitsgrad ankämpft und sich mit einer guten Leistung im Focus der Öffentlichkeit befinden möchte. Zudem konzentriert sich Klitschko bereits seit einem knappen Jahr auf einen Kampf gegen Lewis und hat in diesem Zeitraum, zusammen mit seinem Trainer, den Weltmeister genau studiert. Lewis hingegen nahm Klitschko lange Zeit nicht ernst und befasst sich erst seit kurzer Zeit mit dem Ukrainer als Gegner. Deshalb: Vorteil Klitschko .
17 x Vorteil Lewis , 5 x Vorteil Klitschko , 8 x Ausgeglichen