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Boxingpress-Historie:
Heute vor sechs Jahren - Axel Schulz
von Arne Leyenberg

Der Mann
im schwarz-gelben Mantel war gekommen, um Geschichte zu schreiben. Hier
stand er nun, im grellen Scheinwerferlicht, die Mütze tief ins Gesicht
gezogen. Sein mächtiger Gegenüber hatte vor wenigen Monaten
bereits erreicht, wovon der junge Mann noch träumte: er wurde Weltmeister
im Schwergewicht und verewigte sich mit 45 Jahren als ältester Champion
in den umfangreichen Geschichtsbüchern des Faustkampfes.
Sein Name:
George Foreman. Eine Legende.
Er, Axel Schulz, ausgezogen
aus der heilen Welt des Lokschuppens in Frankfurt/Oder, in das Spielerparadies
und Symbol des westlichen Kapitalismus - Las Vegas. Ausgezogen, um Nachfolger
einer anderen Legende zu werden. In seiner Heimat war der Name in den
letzten Wochen allgegenwärtig, in Amerika auch unvergessen, doch
im schnellebigen Geschäft der Helden, entthronten Meistern und vergebenen
Chancen schon längst wieder in den Hintergrund getreten. Spätestens
Ringsprecher Michael Buffer schaffte es, in den letzten spannungsgeladenen
Minuten vor Beginn des Duells Mann gegen Mann, diesen Namen allen Zuschauern
und dem jungen Nacheiferer selbst ins Gedächtnis zu rufen: Max
Schmeling lautete er, mit ihm verbunden die Träume und Hoffnungen
als bester Boxer der Welt zu gelten, als Weltmeister im Schwergewicht
über allen anderen zu thronen. Am 22. April 1995 sollte die Zeit
reif sein, für einen zweiten deutschen Champion in der Königsklasse
des Berufsboxens. Und Axel Schulz sollte sein Name lauten.
Foreman,
der Altmeister, kam wie gelegen für den 19 Jahre jüngeren Deutschen.
In diesem Kampf konnte Schulz seine ausgezeichnete Amateurschule der ehemaligen
DDR ausspielen, das Boxen von außen mit der Führungshand. Zwei,
drei schnelle Schläge anbringen, dann wieder weg vom Mann. Auf flinken
Beinen um den Gegner tänzeln. Führungshand. Wieder eine schnelle
Kombination. Weg vom Mann. Führungshand. Und das Konzept ging auf.
"Big
George", nach seinem Rücktritt vom Boxen 1977 als fülliger,
kahlköpfiger Großvater zurückgekehrt, versuchte von der
Ringmitte aus, einen seiner kraftvollen Schläge anzubringen. Doch
er vermochte es nicht, den flinken Schulz zu stellen, es sollte ihm an
diesem Abend kein "lucky punch" wie im Duell zuvor gegen Michael
Moorer gelingen. Und Schulz punktete und punktete, wie es ihn
die staatlichen Boxlehrer der untergegangenen DDR gelehrt hatten. Keine
Wirkungstreffer, doch saubere Geraden und Haken wie aus dem Lehrbuch.
Den Kommentator des übertragenden deutschen Fernsehsenders RTL, Werner
Schneyder, brachte er damit zu Entzückungsäußerungen.
Sein Tänzeln um den alten Mann verglich dieser sogar mit den unnachahmlichen
Bewegungen des Größten, Muhammad
Ali.
Nach dem
Schlussgong der zwölften und letzten Runde entfuhr es ihm "Schulz
hat gewonnen." Natürlich lag er damit richtig, genauso wie mit
seiner darauffolgenden Einschränkung, dem Verweis auf die drei Punktrichter,
die nun über Sieg oder Niederlage, Triumph oder Enttäuschung
zu urteilen hatten. Sie taten es und machten Schulz ebenso wie sich selbst
zu den Verlierern des Abends. Chuck Giampa wertete unentschieden 114:114,
Jerry Roth 115:113 für Foreman, ebenso wie sein Kollege Keith McDonald.
Foreman legte
alsbald seinen IBF-Weltmeistertitel nieder, um nicht noch einmal gegen
den "tasmanischen Teufel Schulz", wie er es formulierte, antreten
zu müssen. Und Axel Schulz ging den eingeschlagenen Weg des fehlenden
Glückes und der vergebenen Chancen weiter.
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