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Der BoxingPress-Kommentar:
Der Schwergewichtszirkus
von Thorsten Fritsche
Das Schwergewicht, „die Königsklasse des Boxens“, gilt
bei vielen als die bedeutendste Gewichtsklasse dieses Sports. Auf jeden
Fall ist sie die Klasse, welche die meiste Aufmerksamkeit bekommt. Sie
ist das Zugpferd, die Hauptattraktion des Boxzirkus. Laut, schillernd,
bunt und zudem ausgestattet mit der besonderen Magie, dass ein Schlag
alles entscheiden kann. Ihr Champion, „der Meister aller Klassen“,
thront über allen anderen.
Doch in den letzten Jahren kann die Hauptattraktion nicht mehr wirklich
begeistern. Ihre Auftritte wirken meist so blutleer und beliebig wie Zirkusveranstaltungen
in der Provinz, routiniert und leidenschaftslos werden mühsam einstudierte
Kunststückchen gezeigt, die schon tausendfach von anderen Akteuren
präsentiert wurden. Laut ist der Zirkus noch immer. So dröhnend
wie das nervige Getöse des alternden Zirkusdirektors Don
King. Jedoch ist er glanzlos statt schillernd, farblos statt
bunt. Er mag zwar neuerdings in andere Städte einziehen und vermehrt
diesseits des Atlantiks gastieren, aber wirklich neu ist der Zirkus deshalb
nicht.
Oft wird den derzeit aktuellen Protagonisten in der Manege bzw. dem Ring
die Schuld daran gegeben, die angeblich nicht mehr das Können und
die Magie der alten „Meister aller Klassen“ haben. Das mag
sicher auf einige zutreffen, aber bestimmt nicht auf alle. Starke und
schwache Boxer gab es schon immer. Doch scheint sich das Publikum nur
allmählich und zögernd an neue Akteure gewöhnen zu wollen
und hängt lange alten Helden aus vermeintlich oder tatsächlich
besseren Tagen nach. Manchmal sogar zu lange, möchte man meinen.
Dabei übersieht man aber, dass es die nachfolgenden Generationen
immer etwas schwerer haben, das Publikum noch zu begeistern oder gar zu
fesseln. Sicher, gute Darbietungen im Ring werden immer Anklang finden.
Doch das Drumherum, das die Atmosphäre mit ausmacht, kann man unmöglich
stets neu erfinden. Jede Sensation scheint schon da gewesen zu sein, jeder
Trick gezeigt, jede gestellte Schlägerei auf der Pressekonferenz
oder beim Wiegen inszeniert. Sie waren alle schon da: die KO-Sensationen,
die Box-Ästheten, von den Raubtieren bis zu den kunstvoll stechenden
Bienen.
Auch
die Etiketten, mit denen die Protagonisten behaftet werden, wiederholen
sich. Die neueste Schwergewichtsattraktion in den USA heißt
Kevin Johnson, sein Kampfname lautet „The Great American
Hope“. Den Titel „große deutsche Schwergewichtshoffnung“
teilen sich mindestens Sebastian Köber und
Steffen Kretschmann. Hasim Rahman (Foto) war als „America's
last line of defense“ schon der USA letzte Hoffnung. Erinnert sich
noch jemand an Gerry Cooney, „die große weiße
Hoffnung“? Alles schon da gewesen. Auch die Flauten in der Schwergewichtszene.
Aber Hoffnungen gibt es immer genug.
Der Prestigeverlust im Schwergewicht liegt jedoch auch an den Unmengen
von Direktoren und Dompteuren, die in Form von Managern, Promotern, Veranstaltern
und Verbänden um Geld, Einfluss, TV-Rechte und eigene Interessen
rangeln und so mitunter verhindern, was eigentlich ihre Aufgabe wäre,
nämlich dass die eigentliche Attraktion und Hauptsache, das Boxen,
überhaupt stattfinden kann. Diese Personen gibt es freilich nicht
nur dort, aber in keiner anderen Gewichtsklasse kommt es so oft zu derart
langen Pausen zwischen den Kämpfen mancher Boxer wie im Schwergewicht,
gerade bei Weltmeistern gestalten sich Verhandlungen derart schwierig.
Das beste Beispiel bietet gerade der WBC. Da wird das Boxbusiness selbst
zum Zirkus – im negativen Sinn. Das schreckt den potenziell interessierten
Zuschauer mitunter ab.
Gerade
in solchen eher tristen Zeiten wird beim Publikum der Ruf nach der größten
Attraktion im Boxen überhaupt laut, dem unumstrittenen, vereinigten
Weltmeister oder in Box-Deutsch „undisputed unified champion“.
Der letzte dieser Art war Lennox „The Lion“ Lewis
(Foto). Für viele Boxfans aus heutiger Sicht eine
der letzten großen Attraktionen im Ring. Dabei vergessen sie, dass
dieser Löwe dem damaligen Chef-Dompteur Don King den WM-Titel der
IBF für ein „Leckerli“ in handfester Währung überließ,
da ihm der Gegner Chris Byrd nicht taugte und zuletzt
sechs bis zwölf Monate für eine Titelverteidigung brauchte.
Aber die gebotenen Leistungen stimmten bis zum Schluss und das überzeugte
wohl mehr als alle Verbandstitel.
Doch der Schwergewichtszirkus wäre nicht er selbst, wenn er dem Zuschauer
genau diesen unumstrittenen, vereinigten Champion nicht versprechen würde.
Mit der Umsetzung hapert es jedoch. Da haben sich schon ganze Vereinigungsturniere
in Luft und leere Versprechungen aufgelöst. Dabei ist mit Wladimir
Klitschko von den meisten Zuschauern der sichere Kandidat für
diesen Posten bereits auserkoren. Zweifellos ist er derzeit die Nummer
eins im Schwergewicht und es drängt sich kein Konkurrent auf, gegen
den der Ukrainer nicht als Favorit gelten würde. Doch wirklich unumstritten
ist er nicht und auch in Sachen Titelvereinigung tut sich, trotz diverser
Absichtserklärungen, bisher nichts.
Genau
in diese Situation des öden Stillstands trotz häufig wechselnder
Übergangsweltmeister platzten zwei Protagonisten, die bis vor kurzem
kaum jemand auf der Rechnung hatte, wenn es darum ging, Bedeutendes in
der Königsklasse des Boxens zu leisten: Sultan Ibragimov
und Ruslan Chagaev. Ibragimov wurde Anfang Juni Weltmeister
der WBO gegen die schnaufende KO-Sensation Shannon Briggs,
der die Reihe der Champions aus der ehemaligen Sowjetunion kurzzeitig
durchbrochen hatte. Chagaev holte sich den Titel der WBA im April gegen
Nikolay Valuev, der kolossalsten Attraktion des Boxzirkus aller
Zeiten. Ende Juni stimmten die beiden Weltmeister einem Titelvereinigungskampf
am 13. Oktober in Moskau zu. Sie würden mit diesem Duell nicht nur
den ersten Titelvereinigungskampf außerhalb der USA bestreiten,
sondern auch tun, wovon alle anderen seit Jahren nur sprachen. Ob man
mit nur einem Fight gleich eine neue glanzvolle Ära einleiten kann,
mag zweifelhaft sein, aber zumindest war es die Chance, in der festgefahrenen
Schwergewichtszene etwas zu bewegen und ihr neue Impulse zu verleihen.
Zudem wäre mit dem Sieger aus diesem Kampf ein Gegner für den
IBF-Champion Wladimir Klitschko (Foto oben) auf den Plan getreten,
der sich wirklich anböte. Sollte der WBC seinem Gezerre zwischen
Oleg Maskaev und Samuel Peter tatsächlich
einmal ein Ende bereiten, hätte sogar die Chance auf einen echten
„Meister aller Klassen“ bestanden. Doch dies war einfach zu
schön, um wahr zu sein.
Am
vergangenen Donnerstag ereilte den Titelvereinigungskampf das vorzeitige
Aus. WBA-Champion Ruslan Chagaev (auf Foto links) musste aus
zunächst „ungenannten medizinischen Gründen“ das
Duell absagen. Inzwischen ist von einer akuten Entzündung im Körper
die Rede, die eine intensive und mehrwöchige Vorbereitung unmöglich
macht. Krankheitsbedingte Absagen sind im Boxen nichts neues, aber in
der Vergangenheit wurden sie auch oft als Ausreden benutzt. Für Chagaevs
Absage lassen sich nämlich auch andere mögliche Erklärungen
finden. Zum Beispiel, dass sein Promoter Universum Box-Promotion kein
Interesse an einer Titelvereinigung im Ausland hat, sondern den prestigeträchtigen
WM-Titel im Schwergewicht lieber mit Kämpfen auf eigenen Veranstaltungen
in Deutschland vermarkten will. Zudem bestünde durchaus die Gefahr,
dass Chagaev seinen Titel noch vor der ersten eigentlichen Verteidigung
bereits im Vereinigungskampf gegen Ibragimov hätte verlieren können.
Denkbar wäre auch, dass Chagaev, der derzeit wieder in seinem Heimatland
Usbekistan weilt, nach dem Titelgewinn den rechtzeitigen Absprung vom
Feiern ins Training verpasst hat und nun Zeit gewinnen muss. Jedoch spricht
man bei UBP davon, dass der Kampf abgesagt und nicht etwa nur verschoben
wurde. Oder ist der Boxer doch einfach nur krank, auch wenn die bisherigen
Angaben zur Erkrankungen eher vage und nachgeschoben klingen? Spekulieren
lässt sich viel, beweisen jedoch an dieser Stelle nichts. Wünschen
wir dem Boxer Ruslan Chagaev daher gute Besserung und hoffen auf eine
baldige Genesung.
„The
show must go on.“ Dies gilt auch im Boxzirkus und deshalb zauberten
die Veranstalter für den Termin am 13. Oktober einen Ersatz aus dem
Hut, bemerkenswerterweise fast zeitgleich mit Bekanntgabe des Ausfalls
von Chagaev. Jetzt sollte man meinen, dass man den kommenden Gegner für
WBO-Weltmeister Sultan Ibragimov (Foto) in der Rangliste dieses
Verbandes, vorzugsweise auf vorderen Plätzen, wiederfinden würde.
Tatsächlich findet man ihn dort, wenn auch im hinteren Drittel. Rankings
und Ränkespiele gehören jedoch zu den ältesten und billigsten
Tricks der Direktoren des Boxzirkus. Sie mögen zuweilen unerklärlich
erscheinen, sind aber oft leicht durchschaubar. Daher ist es wenig verwunderlich,
dass sich an Platz 13 der WBO-Rangliste jemand wie Evander Holyfield
befindet, der dann auch prompt als Ersatzgegner für Sultan
Ibragimov bekannt gegeben wurde. Evander Holyfield, jener inzwischen 44-jährige
Athlet aus großen Ringschlachten von vor zehn bis fünfzehn
Jahren, der bereits vier Mal Weltmeister war, darf jetzt Geschichte schreiben
und versuchen, was es vorher noch nie gab: nämlich fünffacher
Weltmeister zu werden. Das klingt toll, neu und nach einer echten Sensation,
ist es aber nicht. Denn dabei wird übersehen, dass die Zeit nicht
stehen bleibt. Aber nichts ist so schön wie der Schein.
Nach kläglichen Niederlagen gegen James Toney und
Larry Donald wurde Holyfield im August 2005 von der New York
State Athletic Commission die Boxlizenz wegen „nachlassender Fertigkeiten“
entzogen und Stimmen wurden laut, die ihm zum Aufhören rieten. Doch
der „Warrior“ wollte sein Karriereende nicht wahr haben, wieder
um WM-Titel boxen und kehrte 2006 in den Ring zurück. Seitdem gab
es vier Siege, doch ob die für eine Weltmeisterschaft qualifizieren,
erscheint zweifelhaft.
In
seinem ersten Comeback-Fight besiegte er standesgemäß durch
TKO in Runde zwei mit Jeremy Bates einen der üblichen
Aufbaugegner, der damals einen Rekord von 21-11-1 in den Ring brachte
und seither in zwei Kämpfen ebenso oft kurzrundig gestoppt wurde.
Ein Aufbaukampf halt. Als nächstes trat Holyfield (Foto) gegen
Fres Oquendo an, der als großer Test und gefährlicher
Gegner angepriesen wurde, tatsächlich aber seit diversen Niederlagen
und schwachen Leistungen unter anderem gegen Ex-Weltmeister John
Ruiz schon seit Jahren nichts mehr mit dem wirklichen Herausfordererfeld
zu tun hat. „The Real Deal“ bekam einen Punktsieg zugesprochen,
von dem jedoch etliche Kritiker bis heute behaupten, dass er eben nicht
„das Wahre“ sondern eher ein großzügiges Geschenk
war. Also ging man wieder einen Schritt zurück und verpflichtete
für den dritten Kampf Vinnie Maddalone, zweimaliges
KO-Opfer von Axel Schulz-Bezwinger und Luan Krasniqi-Gegner
Brian Minto. Maddalone, dessen namhafteste Gegner bis
dahin neben Minto Alfred Cole und Julius Long
hießen, die er alle nicht bezwingen konnte, wurde chancenlos in
Runde drei von der eigenen Ecke aus dem Kampf genommen, einmal mehr aus
diversen Platzwunden blutend. In seinem letzten Auftritt im Ring erboxte
sich Holyfield schließlich einen verdienten Punktsieg über
Lou Savarese und erzielte dabei einen sehenswerten Niederschlag.
Doch der 42-jährige Mann aus Houston, Texas, galt vielleicht in Holyfields
bester Zeit vor mehr als zehn Jahren als solider Mann, rangiert heute
aber längst unter „ferner liefen“. Also quasi ein Aufbaugegner
von gestern für die Schwergewichtsattraktion von gestern.
Man muss Holyfield in seinen Comeback-Kämpfen attestieren, einen
sich stetig verbessernden Eindruck hinterlassen zu haben. Doch hat er
seit den Niederlagen gegen Toney und Donald nie mehr gegen vergleichbar
starke Gegner geboxt. Es gab keine Kontrahenten, die auch nur entfernt
etwas mit den oberen Ranglistenplätzen oder gar Weltmeisterschaftskämpfen
zu tun haben. Ob die vorgenannten Leistungen für einen Weltmeisterschaftskampf
qualifizieren oder gar als Test für ein Duell gegen einen amtierenden
Champion im besten Boxeralter taugen, darf bezweifelt werden. Von verdienten
Ranglistenplätzen fangen wir besser gar nicht erst an, denn wer an
eine objektive Bedeutung von Verbandsrankings glaubt, der glaubt vermutlich
auch noch daran, dass Zauberer im Zirkus wirklich Frauen zersägen.
WBO-Champion
Sultan Ibragimov hat in seinen Kämpfen bereits viele Facetten gezeigt.
Gegen Lance Whitaker Offensivstärke, gegen Javier
Mora Killerinstinkt und gegen Shannon Briggs taktische Cleverness,
wenn auch gepaart mit langweiliger Risikominimierung. Im Duell gegen
Ray Austin zeigte er jedoch auch seine schwache, schlampige Seite,
als er sich zu einem Unentschieden abmühte. Dies könnte eventuell
Holyfields einzige Chance sein, dass Ibragimov wieder solch einen schlechten
Tag erwischt. Abgesehen natürlich von der Chance auf den „lucky
punch“, dem größten aller Kunststücke im Schwergewichtsboxen.
Denn laut öffentlich-rechtlicher Boxweisheiten für jedermann
besteht die Chance auf den einen, alles entscheidenden Schlag ja immer.
Nur gelingt das in den allermeisten Fällen halt nicht.
Aber vielleicht sind es ja gar nicht sportliche Aspekte, die dem „Overcomer“
für den großen Zahltag in Moskau qualifizieren, sondern finanzielle?
Ist etwa der schnöde Mammon die Hilfe des Herrn, die Holyfield anrief,
als er gegen Savarese die Aufschrift „Psalm 121-2“ („Meine
Hilfe kommt vom Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat.“) auf seiner
Hose trug? Immerhin hat er bereits nach dem kontroversen Sieg gegen Oquendo
darauf hingewiesen, dass mit ihm Geld zu machen ist und sich daher eine
Titelchance für ihn eröffnen wird. Die Veranstalter des Boxkampfes
in Moskau, die ihrem Publikum eine geschichtsträchtige Boxattraktion
versprochen haben, können nach Chagaevs Absage finanzielle Unterstützung
und vor allem einen klangvollen Namen ganz sicher gebrauchen. Denn so
viel steht fest: Mit dem Namen des „Real Deal“ lassen sich
Geschäfte machen, ganz im Gegensatz zum Weltmeister Ruslan Chagaev,
den ja kaum einer kennt, wie die russischen Veranstalter jetzt plötzlich
beteuern. Da ist es egal, wenn es sportlich deutlich weniger hochkarätig
aussieht. Es ist der Schein, der bereits verkauft.
In einem Internetforum schrieb ein User: „Sollte Holy das Ding
gewinnen, wäre das für mich eine noch größere Sensation
als sein Sieg damals über Tyson. Aber ich befürchte
solche Storys sieht man dann doch eher in den Rocky-Filmen.“
Schön wäre es, wenn es so liefe wie beim berühmten Film-Boxer.
Denn Rocky Balboa hat in seinem letzten Kampf auf der Kinoleinwand ein
ehrwürdiges Comeback gegeben, bei dem er dem ungeliebten Champion
Mason Dixon zu Anerkennung und Respekt (Mason-Darsteller Antonio
Tarver weiß solche Attribute bekanntlich selbst zu schätzen)
verhalf und trotz Punktniederlage durch Mehrheitsentscheidung mit sich
und dem Publikum im Reinen wieder zurücktrat, quasi in den bildlichen
Sonnenuntergang ritt. Ganz zweifellos ist das ein Karriereende, das die
allermeisten Boxfans auch Evander Holyfield wünschen würden;
eben ein Rücktritt vom aktiven Boxsport im Guten mit Anerkennung
und Respekt, unabhängig vom Erfolg in seinen letzten Auftritten.
Doch dies ist für den „Warrior“ keine Option. Die Möglichkeit
dazu scheint vertan. Denn Holyfield will mit einer Niederlage keinesfalls
abtreten. Er glaubt an weitere Titelchancen, auch nach dem Kampf gegen
Ibragimov. Er will sogar noch einmal unumstrittener Champion werden und
alle Titel vereinigen. Anlässlich der Bekanntgabe seines WM-Fights
im Oktober erklärte der Veteran, dies sei nur der erste Schritt in
seiner Mission der Titelvereinigung. Er würde die Krone des Schwergewichts
wieder nach Amerika holen und mit „der Gang aus Osteuropa“
aufräumen. Angesichts seiner Erfolgsaussichten und der Langwierigkeit,
mit der solche Dinge wie Titelvereinigungen im Schwergewicht geregelt
werden, muss man sich fragen, wie lange Holyfield eigentlich noch boxen
will. Plant er, noch mit 50 Jahren im Ring zu stehen und wie ein alter
Schausteller in der Manege für sich und sein Publikum „Samson,
den Starken“ zu geben? Scheinbar ja, sofern man ihn lässt.
Angesichts seines klangvollen Namens, der leichtes, schnell verdientes
Geld verspricht, wird sich wahrscheinlich auch weiterhin jemand finden,
der dies möglich macht.
Die Schwergewichtsszene hat derweil einen weiteren unbedeutenden Weltmeisterschaftskampf
statt einer Titelvereinigung. Einen Kampf, der keinen Schritt nach vorn
darstellt, nichts wirklich neues bringt, sondern viel mehr nach hinten
schaut. Ein Duell, das mehr Fragen aufwirft, als es beantwortet. Aber
so werden Serien eben fortgesetzt. Zudem hat man den Eindruck, dass die
Strippenzieher hinterm Vorhang es auch gar nicht anders haben wollen.
Jeder macht schön für sich weiter und beackert seine Marktnische,
in der das Geld fließt, egal ob mit ein oder zwei Weltmeistertiteln.
Derweil hält man das zahlungswillige Publikum mit Versprechungen,
die es hören will, bei der Stange.
So zieht der Schwergewichtszirkus unverändert weiter, wenn auch taumelnd
und schleppend, in die nächste Stadt, ins nächste Jahr, Runde
für Runde. Mit den gleichen alten Versprechen, den gleichen sich
wiederholenden Sensationen und abgetragenen Etiketten, den gleichen billigen
Tricks und so manchem alten Akteur, der beharrlich von besseren Tagen
träumt, auch wenn sie längst in der Vergangenheit liegen. Ein
Zirkus mag zurückkehren, die Vergangenheit jedoch niemals. Aber das
zählt wenig, denn sie lässt sich immer noch verkaufen.
Montag,
06. August 2007
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