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Reformbedürftigkeit des Gewichtsklassensystems


Reformbedürftigkeit des Gewichtsklassensystems

Derzeit gibt es im Profiboxen 17 Gewichtsklassen, angefangen vom Strohgewicht, auch als Minimum- oder Minifliegengewicht bezeichnet, dessen Limit bei 47,63 kg (105 lbs) liegt, bis hin zum Schwergewicht, unter das alle Boxer über 86,18 kg (190 lbs) fallen.

Die Gewichtsklasseneinteilung ist aber schon ein paar Jahre alt und entspricht zumindest in den oberen Klassen nicht mehr den heutigen Erfordernissen. Besonders deutlich wird dies am Cruisergewicht und am Schwergewicht: Das Cruisergewicht hat mit dem Bereich zwischen 79,38 kg (175 lbs) und 86,18 kg eine Spanne von fast 7 kg - so viel, wie keine andere der Gewichtsklassen, die in der Regel in Sprüngen von etwa 3 kg aufsteigen. Unter das Schwergewicht fallen alle Boxer oberhalb von 86,18 kg, egal ob sie 87 kg oder 105 kg wiegen. Besonders bitter ist dies für all jene Boxer, die das Cruisergewichtslimit nicht (mehr) bringen können, für "echte" Schwergewichtler aber einfach zu leicht sind. Das sind die Boxer, die sich im Bereich von etwa 90 kg oder etwas darüber bewegen. Ein Vertreter dieser Gruppe war etwa der aus zahlreichen auf Eurosport übertragenen Kämpfen bekannte Artis Pendergrass .

Heutige Schwergewichtsprofis wiegen an die 100 kg oder mehr. Wenn man davon ausgeht, dass es sich - jedenfalls bei den oberen Plätzen der Weltranglisten - um austrainierte 100 kg-Athleten handelt, die ihr hohes Gewicht ihrer Muskelmasse und nicht dem Fettanteil verdanken, so wird deutlich, dass diese gegenüber Kämpfern, die austrainiert eigentlich ca. 90 kg wiegen würden, einen erheblichen Vorteil besitzen.

Zum Vergleich hier eine beispielhafte Gegenüberstellung einiger früherer Schwergewichtsweltmeister mit heutigen Athleten: Bob Fitzsimmons wog 1897 knapp 76 kg, Max Schmeling ( Foto ) 1930 rund 85 kg und Joe Louis 1937 knapp 90 kg. Schon Muhammad Ali brachte aber 1964 rund 95 kg auf die Waage. Mike Tyson wog bei seinem ersten Titelgewinn 1986 knapp 99 kg (in seinem letzten Kampf gegen Brian Nielsen in Kopenhagen sogar 108 kg), Riddick Bowe ’s Gewicht betrug 104 kg (1992) und Lennox Lewis wiegt ca. 111 kg. Welche eine Steigerung im Vergleich zu der Zeit von Bob Fitzsimmons!

Reformbedürftigkeit des Gewichtsklassensystems

Woran liegt es eigentlich, dass heutige Schwergewichtsprofis schwerer sind als die Helden alter Tage? Nun, zum einen wird die Bevölkerung insgesamt größer und damit auch schwerer. Die heutige Durchschnittsgröße eines deutschen Mannes liegt bereits bei über 1,80 m, Tendenz steigend. Zum anderen hat die Forschung bezüglich Sporternährung, Sportmedizin und Trainingsmethoden in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte gemacht, die es den Athleten erlauben, viel kräftiger und muskulöser zu werden als die Sportler in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Gute aktuelle Beispiele sind etwa Evander Holyfield , Lennox Lewis oder Shannon Briggs , die Bodybuilder-ähnliche Körper haben und bei jeder regionalen Bodybuilding-Meisterschaft zumindest mitmachen könnten, wenn sie vor dem Wettkampf eine entsprechende Definitionsphase in ihrem Training mit einhergehender kalorienreduzierter Diät einlegen würden.

Diese leistungssteigernden Erfolge beim Kraftzuwachs und Muskelaufbau sind nicht nur auf die Einnahme anaboler Steroide zurückzuführen (was übrigens keinem der genannten Sportler unterstellt werden soll). Anabole Steroide werden bereits seit den 50er und 60er Jahren genommen. Es gibt auch eine Reihe von nicht-steroidhaltigen Präparaten, die nicht auf der Doping-Liste stehen und dem Sportler dennoch eine leistungssteigernde Wirkung ermöglichen, wenn auch nicht in demselben Ausmaß wie anabole Steroide. Beispielhaft seien hier Creatin, Chromium Picolinat, Vanadyl Sulfat oder Cyclofenil genannt, wobei nicht alle diese Stoffe bei allen Athleten und vor allem nicht gleich gut wirken.

Wer sich hier näher informieren will, dem sei das Buch "Der Steroidersatz" von H. Gärtner/R. Pohl empfohlen. Teilweise sind diese Substanzen schon länger bekannt, teilweise werden sie - jedenfalls in ihrer leistungssteigernden Wirkung - aber auch erst seit wenigen Jahren angewandt. Beispiel Creatin: Creatin wurde erst 1992 durch den Olympiasieger über 100 m, Linford Cristie , populär, der sein gutes Ergebnis entscheidend auf die Einnahme von Creatin zurückführte. Kraftsportbetreibende Teile des Boxingpress-Teams haben bereits Erfahrung mit manchen der genannten nicht-steroidhaltigen Substanzen gemacht und können die anabole (aufbauende) Wirkung bestätigen, auch wenn sie längst nicht immer den Versprechungen der Sportnahrungsmittelhersteller entspricht. Ungeklärt sind weiterhin auch die möglichen gesundheitlichen Spätfolgen.

Hinzu kommt, dass in den letzten Jahrzehnten die Trainingsmethoden zum Kraftzuwachs und Muskelaufbau verbessert wurden. Wer einmal den aktuellen "Mr. Olympia" Ronnie Coleman gesehen hat und ihn mit Athleten vergangener Jahrzehnte vergleicht, sieht die unglaublichen Fortschritte. Andere Bodybuilder wie etwa Dorian Yates (sechsfacher "Mr. Olympia", 1992-1997), Mike Mentzer (Begründer des "Heavy Duty"-Trainingsprinzips) oder natürlich Arnold Schwarzenegger hätten mit den Methoden der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nie derartige Erfolge errungen.

Doch was hat dies mit den Gewichtsklassen im Berufsboxen zu tun? Schließlich sind Boxer keine Bodybuilder. Nun, insbesondere im Schwergewicht absolvieren sie ein dem Bodybuilding zumindest verwandtes (nicht gleiches!) Krafttraining, wenngleich sie freilich darauf achten müssen, nicht zu massig zu werden, um ihre Schnelligkeit nicht zu verlieren. Zusammengefaßt ist daher festzustellen, dass es den heutigen Boxern gelingt, deutlich mehr Kraft und Muskelmasse aufzubauen als ihren Kollegen vor 50 oder 100 Jahren. Konsequenterweise steigt damit auch ihr Gewicht.

Und damit sind wir beim Punkt: Das Gewichtsklassensystem hat dieser Entwicklung nicht ausreichend Rechnung getragen. Zwar wurde 1979 das Cruisergewicht eingeführt, um die eklatante Lücke zwischen Halbschwergewicht (heute: bis 79,38 kg bzw. 175 lbs) und Schwergewicht zu schließen. Auch wurden die absoluten Gewichte in kg angehoben. So fing beispielsweise vor rund 25 Jahren das Schwergewicht noch bei 79,38 kg an, was dem heutigen Halbschwergewicht entspricht.

Reformbedürftigkeit des Gewichtsklassensystems

Diese Anpassungen haben aber nicht ausgereicht. Es ist Zeit für eine Reform des Gewichtsklassensystems, jedenfalls in den oberen Klassen. Dafür gibt es verschiedene Lösungen. Eine davon wäre etwa, einfach die Gewichtslimits aller Klassen etwas nach oben zu setzen. Das würde aber nicht vollständig das Problem der dann nach wie vor klaffenden Lücke zwischen Cruiser- und Schwergewicht lösen. Vorzugswürdig erscheint daher die Einführung einer weiteren Gewichtsklasse oberhalb des Cruisergewichts, nennen wir sie einmal "Super-Cruisergewicht", wie es sie bei einigen kleineren Weltverbänden jetzt schon gibt. Die Grenze sollte man im Bereich von etwa 94 oder 95 kg ziehen, evtl. auch etwas darunter, aber jedenfalls deutlich über 90 kg. Dies würde mehr Chancengleichheit bei den schweren Jungs herstellen. Denkbar wäre natürlich auch die Begrenzung des Schwergewichtslimits auf 100 kg. Das darüber hinaus gehende, nach oben offene Limit könnte - wie bereits im Amateur-Bereich praktiziert - als "Superschwergewicht" klassifiziert werden.

Die naheliegende Kritik an diesem Vorschlag ist natürlich, dass es jetzt schon zu viele Gewichtsklassen und Weltmeister gibt. Dazu ist zu entgegnen, dass es nicht zu viele Gewichtsklassen, sondern zu viele Verbände gibt. Mit 18 Gewichtsklassen könnte der Boxfan ebenso wie der Boxpromoter gut leben. Aus jetzt 17 Gewichtsklassen entsteht erst durch die Inflation der Weltverbände Unübersichtlichkeit: 4 große Verbände (WBA, WBC, IBF, WBO) - macht 68 Weltmeister, die kleinen Verbände (IBO, WBU, IBA, WBF, WBB etc.) noch gar nicht mitgerechnet. Dies darf aber nicht zu Lasten der Athleten gehen, die das Cruisergewichtslimit nicht bringen können, aber für "echte" Schwergewichtler zu leicht sind und daran aus genetischen Gründen auch durch Training nichts ändern können. Als aktuelle Beispiele sind hier Juan Carlos Gomez , Herbie Hide oder Michael Bennett zu nennen. Es ist an der Zeit, ihnen zu Chancengleichheit zu verhelfen.

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Der Beitrag stammt vom 05. Januar 2002 und steht in der Rubrik Berichte. Sie versammelt 32 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.166 Wörter Fließtext und liegt damit an 18. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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Genannt werden in diesem Beitrag Max Schmeling. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 1. Stelle von 32. Danach folgt Andy Liebing zum zweiten Mal Deutscher Meister aus 2002. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Interview mit Turgay Uzun, Boxingpress-inside: Übersicht und Andy Liebing zum zweiten Mal Deutscher Meister. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

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Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 05. Januar 2002 und gehört zur Rubrik Berichte, die im Archiv 32 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2002 stammen davon 5.

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Namentlich Max Schmeling. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

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