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RTL-Promiboxen 2003
Zum zweiten Male in der deutschen Fernsehgeschichte stiegen am vergangenen Samstag nach dem erfolgreichen Debüt im Oktober 2002 sechs mehr oder weniger Prominente in den Ring, um sich im Faustkampf zu messen. Veranstalter war erneut der Kölner Fernsehsender RTL in Kooperation mit Brainpool.
Nach der mit über sieben Millionen Zusehern überraschend guten Resonanz bei der Erstauflage des aus den USA importierten Konzeptes war trotz des boxerischen Niveaus, welches nur knapp über dem von Jahrmarkt-Prügeleien lag, eine Neuauflage unvermeidlich geworden. Diesmal traten der Viva-Moderator Mola Adebisi gegen den RTL-Schauspieler Florian Harloff , die Ex-Eiskunstläuferin und Soap-Darstellerin Tanja Szewczenko gegen die englische Sängerin Samantha Fox und in einem Schwergewichts-Duell der Tänzer und Choreograph Detlev Soost gegen Moderator und Ersatzmann Carsten Spengemann an.
Wenngleich auch diesmal eher die Assoziation zu Kneipenschlägereien geweckt wurde, so war dennoch bereits der erste Kampf zwischen Adebisi und Harloff, angesetzt auf fünf Runden à zwei Minuten, durchaus action-geladen. Bereits in der ersten Runde konnte der von Anbeginn aggressivere Adebisi den sichtlich überraschten Kontrahenten einmal zu Boden schicken. Ein weiteres Mal geriet Harloff derartig in Bedrängnis, dass er vom Ringrichter angezählt wurde. Im weiteren Verlauf konnte Harloff seinem wild, aber gefährlich um sich schlagenden Gegner unter anderem mit Körpertreffern zusetzen und ihn kurz vor Ende der Schlußrunde sogar anklingeln. Doch insgesamt gewann Adebisi auch nach Wertung dieses Autors auf zwei von drei Punktzetteln, aufgrund der furiosen Auftaktrunde, zu Recht. Lediglich der von Referee Arno Pokrandt reaktivierte, internationale Punktrichter Roland Hanff hatte Harloff knapp vorne gesehen.
Im zweiten Event, nach einer mit Buhrufen quittierten Gesangseinlage des "Superstars" Daniel Küblböck, dessen Zielgruppe wohl deutlich jünger ist, als das anwesende, nicht immer sehr höfliche Publikum, traten die beiden Damen gegeneinander an. In einem - wie nicht anders zu erwarten - beinhae völlig technikfreien Duell, welches umso verbissener geführt wurde, behielt Tanja Szewczenko mit 2:1 Runden auf zwei Punktezetteln die Oberhand. Nach einer verlorenen Auftaktrunde konnte sie die beiden folgenden Runden durch vereinzelte Treffer aus der Distanz gegenüber praktisch null gelungenen Treffern ihrer Gegnerin für sich verbuchen. Punktrichter Hanff wertete 39:38 für Fox.
Nach einem glanzlosen Auftritt vom zweiten "Superstar" Alexander ging es mit dem Kampf im Schwergewicht zwischen Detlev Soost und Carsten Spengemann weiter. Leider wurde der durch private Eskapaden im Blickpunkt stehende Spengemann ebenfalls von vielen Zusehern ausgebuht. Eigentlich hätte der Fernsehmoderator alleine wegen seiner kurzen Vorbereitungszeit und dem Mut gegen einen 15 Kg schwereren Gegner anzutreten, sportlichen Respekt verdient gehabt.
Im Ring zeigte sich denn auch bald die Überlegenheit von Soost, der die erste Runde mit Wirkungstreffern klar für sich entschied. In der zweiten Runde kam Spengemann mit einigen rechten Geraden durch die nachlässige Deckung von Soost und konnte auch kurz Schlagwirkung erzielen, insgesamt plazierte Soost jedoch auch in dieser Runde die härteren Treffer. Das Ende des Kampfes zeichnete sich in der dritten Runde ab, als Spengemann eine Schulterverletzung monierte, während Soost wieder mit harten Treffern durchkam und der gewohnt souveräne Ringrichter Arno Pokrandt den Kampf völlig zu Recht abbrach. Somit konnte Spengemann seinem Kampfnamen "Survivor" nicht gerecht werden, während "Destroyer" Soost seinem Namen alle Ehre machte.
Das Publikum bewies erneut wenig sportliche Fairness, als Spengemann seine Schulterverletzung kommentierte. Somit ging der offizielle Teil des Kampfabends etwas unschön zu Ende. Wie vom Ringarzt zu erfahren war, konnte er eine Verletzung des rechten Schultergelenkes bestätigen.
Eine Foto-Galerie zur Veranstaltung bietet RTL.de an... Ebenso ausführliche Videos zu den Kämpfen...
Mit über fünf Millionen Zusehern blieb das zweite Event dieser Art zwar unter der Quote von 2002, es stellt sich jedoch die Frage warum die Gefechte von selbsterklärten Box-Dilettanten überhaupt ein solches Interesse generieren. Einerseits steht wohl der Unterhaltungs- und Showwert vor allem bei den jüngeren Zusehern noch vor dem sportlichen Wert einer solchen Veranstaltung. Dann scheint aber auch gerade im Dilettantismus ein ganz besonderer Reiz zu liegen - nicht zuletzt, weil die Protagonisten versuchen, ihre Unfähigkeit durch Verbissenheit zu kompensieren. Und auch dieser Autor muß zugeben, daß in diesen knapp 20 Minuten mehr Aktionsgehalt zu sehen war, als in so manch einem Weltmeisterschafts- oder Europameisterschaftskampf von Sven Ottke oder Danilo Häussler.
Ein weiterer Punkt für den Zuschauerzuspruch dürfte die Unvorhersagbarkeit der Kampfverläufe und somit ein Überraschungseffekt sein. Mangels eines aussagekräftigen Kampfrekordes ist der Zuschauer ganz besonders gespannt. Auch die Identifikation mit Gesichtern, die man fast täglich im Fernsehen sieht und der Sympathie/Antipathie-Faktor ist, wie am Beispiel Spengemann zu erkennen war, größer als bei Sportlern, die man vielleicht zwei- bis dreimal pro Jahr gezeigt bekommt. Und nicht zuletzt: Sex sells! Nicht umsonst sind drei der vier bisherigen Hauptdarstellerinnen durch freizügige Aufnahmen einer größeren vorwiegend männlichen Fangemeinde bekannt.
Für die meisten Zuschauer ist das Prominenten-Boxen auf seine Weise unterhaltsam, wohl gerade wegen der Mischung aus Dilettantismus und Ehrgeiz sowie aufgrund der Befriedigung einer gewissen Sensationslüsternheit. Für die Protagonisten ist es eine mittlerweile anerkannte Methode, in die Schlagzeilen zu kommen oder zu bleiben. Für den Sender RTL war es bislang eine gute Möglichkeit Quote zu machen. Den Akteuren, die am Samstag in den Ring stiegen, soll an dieser Stelle die Hochachtung für ihren Mut und die intensive und anstrengende Vorbereitungszeit ausgesprochen werden. Mit einer Fortsetzung ist zu rechnen...