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Manchmal kommen sie eben doch wieder


Manchmal kommen sie eben doch wieder

Es gibt einige Geschichten über späte Gerechtigkeit, die mit einem Zufall begannen, mit Schwierigkeiten weitergingen und dank den Kämpferherzen einiger Akteure zu einem glücklichen Ende fanden. Die Geschichte von Rubin „Hurricane“ Carter , die später verfilmt wurde, war so eine Geschichte. Seit Donnerstag, dem 17. Dezember 2003, ist die Welt um eine weitere dieser Geschichten reicher. Es begann mit dem BoxingPress-Artikel „Sie kommen niemals wieder“ von Wolfgang Oswald (zum Artikel ), in dem vom Leben des Johann Wilhelm „Rukelie“ Trollmann erzählt wurde, dem aufgrund seiner Rassenzugehörigkeit zu den Sinti und Roma 1933 der Deutsche Meistertitel im Halbschwergewicht aberkannt wurde und der später am 9. Februar 1943 im Konzentrationslager Neuengamme bei Hamburg erschossen wurde.

Eine der Leserinnen, die ganz besonders vom Schicksal des Rukelie Trollmann ergriffen war, war die Berliner Boxpromoterin Eva Rolle ( Foto ). Sie zitierte noch spät in der Nacht ihren Geschäftsführer Mike Cloth ins Büro und beschloss, sich 70 Jahre nach der Aberkennung für die Rückgabe des Deutschen Meistertitels an den rechtmäßigen Eigentümer einzusetzen. Schon am Morgen des nächsten Tages stellte sie den Kontakt zu den Berliner Reportern von BoxingPress sowie dem Bielefelder Matchmaker Olaf Schröder her. Nach fast genau acht Wochen, zahllosen Faxen und Anrufen, aber auch indirekten Drohungen von und an viele Seiten war es soweit:

Die noch lebenden Verwandten Trollmanns ( Foto ) nahmen am vergangenen Donnerstag im Rahmen einer Profibox-veranstaltung den symbolischen Gürtel des Deutschen Meisters im Halbschwer-gewicht 1933 in Empfang. Anwesend waren neben den Verwandten Trollmanns auch der Präsident des Verbandes deutscher Sinti und Roma, Herr Romani Rose , sowie 40 Überlebende des Holocausts, von denen Herrn Herbert Adler im Ring zu seinem 75. Geburtstag gratuliert wurde.Auch die beiden Ex-Amateurboxer und Auschwitz-Überlebenden Herr Alexander Laubinger und Herr Josef Seeger , die das Schicksal ihres Sportskollegen besonders ergriff, waren anwesend. Unter stürmischem Applaus verlas Geschäfts-führer Mike Cloth den offiziellen Beschluss des Bundes Deutscher Berufsboxer (BDB), Johann Wilhelm "Rukelie" Trollmann mit sofortiger Wirkung in "die Riege der Deutschen Meister" aufzunehmen.

In einer anschließenden langen Dankesrede hob Romani Rose ( Foto ) hervor, dass es ihn mit tiefer Freude erfülle, dass es Menschen wie Eva Rolle gibt, die nicht nur mit Lippenbekenntnissen aufwarten, sondern auch handeln können. Er ehrte und erinnerte an den Deutschen Amateur-Vizemeister 1938-1939, Herrn Jacob Bamberger , der im Konzentrationslager Dachau durch medizinische Experimente dem Holocaust zum Opfer fiel. Über die ganze Geschichte, entstehende Schwierigkeiten sowie über befürchtete Folgen spricht IFCO-Geschäftsführer Herr Mike Cloth ausführlich im exklusiven BoxingPress-Interview....

Manchmal kommen sie eben doch wieder

Über seine persönlichen Ansichten über die Trollmann-Rehabilitation spricht der Präsident der in Deutschland lebenden Sinti und Roma, Herr Romani Rose, im exklusiven BoxingPress-Interview....

Es bleibt aber nicht einfach bei der Rehabilitierung Trollmanns sowie seiner Aufnahme in die „Riege der Deutschen Meister“ (dies wird im Jahrbuch des Deutschen Boxsports 2004 von Olaf Schröder nachzulesen sein), sondern es wurde an dem Abend noch ein ganz besonderes Bonbon präsentiert:

BahSig-Geschäftsführer Herr Gerhard Elstermann ( Foto, v. links: Olaf Schröder, Eva Rolle und Gerhard Elstermann ) entschloss sich, einen alljährlichen Rukelie Trollmann-Gedenkgürtel sowie die Austragung der Kämpfe zu finanzieren. Die Kämpfe werden alljährlich am 9. Februar, dem Tag Trollmanns Erschießung, abwechselnd in Berlin (der Ort des DM-Kampfes Trollmanns 1933) und Hannover (Heimatstadt Trollmanns) und in seiner Gewichtsklasse, also im Halbschwergewicht, ausgetragen werden. Der Gürtel wird mit 5000€ dotiert sein. Um Gerüchten vorzubeugen, wird sich der ebenfalls im Halbschwergewicht kämpfende Sohn Eva Rolles, Robert, zumindest im ersten Jahr nicht für den Kampf bewerben. Die Austragung der Kämpfe richtet sich laut erster Planung an Profi-Box-Neulinge mit wenigen Kämpfen (mindestens drei, nicht mehr als fünf).

Da der erste Termin bereits in weniger als zwei Monaten ist, ist Eile geboten. Kämpfer im Halbschwergewicht können sich direkt bei der IFCO unter Angabe ihres Rekords bewerben.

Inwiefern sich dieser neue Gürtel als feste Institution im deutschen Boxsport festsetzen wird, bleibt abzuwarten. Der Verband der Sinti und Roma sowie die anwesenden Amateurboxer äußerten sich sehr positiv zu diesem Vorhaben. Nichts, so sagte nicht nur Hans Högner, sondern auch anwesende Mitglieder des Verbandes, macht Rukelie Trollmann wieder lebendig. Gerechtigkeit aber ist ein universelles Gut, das zeitunabhängig beachtet und geehrt werden sollte.

Es ist Weihnachten. Es ist Zeit der Besinnung, Zeit der Engel und Zeit der Wunder. Es ist genau der richtige Zeitpunkt, um nach 70 Jahren der Gerechtigkeit Geltung zu verschaffen. Möge die Seele von Johann Willhelm „Rukelie“ Trollmann nun ihre wohlverdiente Ruhe finden.

Der Autor dieses Artikels wünscht allen Lesern ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Rutsch ins neue Jahr.


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Der Beitrag stammt vom 06. Februar 2004 und steht in der Rubrik Berichte. Sie versammelt 32 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 735 Wörter Fließtext und liegt damit an 26. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 7. Stelle von 32. Davor liegt RTL-Promiboxen 2003 aus 2003. Danach folgt Lange Berliner Boxnacht aus 2004. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

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Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 06. Februar 2004 und gehört zur Rubrik Berichte, die im Archiv 32 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2004 stammen davon 5.

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Innerhalb der Rubrik Berichte steht dieser Beitrag an 7. Stelle von 32. Davor liegt "RTL-Promiboxen 2003" aus 2003. Danach folgt "Lange Berliner Boxnacht" aus 2004.

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