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Lange Berliner Boxnacht


Lange Berliner Boxnacht

Am vergangenen Samstagabend war die Berliner Sporthalle „Jumps“ in Berlin-Weißensee bis zum letzten Stehplatz ausverkauft. Durch die Halle schoben sich Massen an Fans, lokalen Sportgrößen, mehreren Fernsehteams von Lokalsendern und außergewöhnlich viel Security-Personal. Der Veranstalter Ralf Reiser hatte für Berliner Kleinringevents die mit Abstand beste Card der letzten Jahre organisiert, was in verschiedenen und sich nicht gut gesonnenen Fangemeinden resultierte. Anwesend waren ca. 150 Skinheads für Marco Schulze und Gene Pukall , 200 Albaner für Arthur Drinaj und 250 Türken für Tosun , Yildirim , Uzunkaya und Akova . Das anwesende Security-Personal jedoch hatte zu jeder Zeit die Fangemeinde unter Kontrolle, so dass es zu keinerlei Zwischenfällen kam, was angesichts dieser brisanten Mischung keineswegs selbstverständlich ist. Alle Zuschauer konnten sich also entspannt den elf spannenden Kämpfen widmen.

1. Kampf: Alexander Abraham vs. Milan Vrsecky , Halbmittelgewicht, angesetzt auf vier Runden

Siegessicher betrat der Armenier Alexander Abraham (2-0-0, 2 KO`s) den Ring. Betreut wurde der Sauerland-Neuzugang von Cheftrainer Ulli Wegner . Tatsächlich hatte Milan Vrsecky (0-9-0, davon acht durch KO innerhalb der ersten vier Runden) seinem Gegner nichts entgegenzusetzen. Bereits in der ersten Runde schlug Abraham seinen Gegner einmal zu Boden. Leider hatte Ringrichter Andreas Schweiger den anschließenden versehentlichen Tiefschlag des Armeniers nicht gesehen und zählte den tschechischen Gastboxer, der kurz zusammensackte, ohne jedoch hinzufallen, fälschlicherweise erneut an. Der Wahl-Kölner entschuldigte sich jedoch sofort und sportlich fair bei seinem Gegner. In der zweiten Runde wurde der Gastboxer erneut erst angezählt und dann einmal niedergeschlagen, woraufhin der Referee den Kampf zurecht abbrach.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 1:33 min der zweiten Runde Alexander Abraham

Lange Berliner Boxnacht

2. Kampf: Serdar Akova vs. Vaclav Hasa , Halbschwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Akova, der nach langer Schulterverletzungspause im letzten Jahr wieder Aufbaugegner benötigt, ist als technisch versierter Boxer mit gutem Auge bekannt. Als Amateur brachte er es bis zum Deutschen Vizemeister. Der tschechische Gastboxer (0-11-0, alle vorzeitig verloren) war chancenlos. Der Berliner Türke ließ sich Zeit, probierte viel und konnte jede Runde auf seinem Konto verbuchen. In der dritten Runde erfolgte ein Niederschlag, in der fünften Runde rutschte Hasa aus und fiel hin, was vom Referee Andreas Schweiger als Niederschlag gewertet wurde, woraufhin er den Kampf abbrach. Der Abbruch selbst ging aufgrund der Überlegenheit des Türken in Ordnung, der Zeitpunkt jedoch war schlecht gewählt. Schweiger, der sonst als Ringrichter solide Arbeit leistet, schien an diesem Abend einfach nicht gut in Form zu sein.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 0:26 min der fünften Runde Serdar Akova

3. Kampf: Laura Stefanescu vs. Marischa Sjauw , Damenboxen, Weltergewicht, angesetzt auf sechs Runden

In einem etwas wilden und weniger technischen, dafür aber durchaus beherzten Kampf besiegte die farbige Berlinerin Marischa Sjauw (21-5-1, 7 KO`s) im Leopardenkampfdress die chancenlose und unerfahrene Rumänin Laura Stefanescu (0-1-0), der abgesehen von ihrer mangelnden Erfahrung auch noch ihre unvorteilhafte Oberweite im Weg stand. Die Berlinerin attackierte ihre Gegnerin wild und entschlossen, wenn auch etwas unkoordiniert. Die Rumänin konterte mit katzenhaften Innenhänden, die sie von oben nach unten schlug. Man sah offene Schlagabtausche, viele Innenhände und ein verfrüht fliegendes Handtuch aus der rumänischen Ecke in der zweiten Runde.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 1:03 min der zweiten Runde Marischa Sjaw en Wa

Lange Berliner Boxnacht

4. Kampf: Arthur Abraham vs. Gabriel Botos , Mittelgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der zweite Sauerland-Neuzugang Arthur Abraham, der ebenfalls von Ulli Wegner betreut wird, fiel durch seine etwas unsympathische Arroganz negativ auf. Dass man vor dem älteren der beiden Botos-Brüder Gabriel (2-25-3, 1 KO) nicht besonders viel Angst zu haben braucht, versteht sich von selbst. Dennoch besteht keine Notwendigkeit, vor, während und nach dem Kampf seinen Gegner verächtlich anzugrinsen. In der zweiten Runde flog bereits nach dem ersten Niederschlag das Handtuch aus der tschechischen Ecke.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 1:22 min der zweiten Runde Arthur Abraham

5. Kampf: Marcen Gierke vs. Dejan Ribac , Halbmittelgewicht, angesetzt auf vier Runden

Der Berliner und Papke-Schützling Marcen Gierke (3-10-0) enttäuscht trotz intensiver Betreuung seines Trainers immer wieder. Obwohl er rein technisch durchaus kein schlechter Boxer ist, ist er nicht in der Lage, sein Können im Kampf auch auch umzusetzen. Der Gastboxer Ribac (0-0-0) konnte seine Reichweitenvorteile gut ausnutzen und beschäftigte den Berliner vier Runden permanent mit der Führhand aus der Distanz, so dass dieser nie eigene Akzente setzen konnte. Der Jugoslawe hatte offensichtlich eine gute Amateurschule genossen.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Dejan Ribac

6. Kampf: Mircea Telecan vs. Ibrahim Uzunkaya , Halbschwergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der rumänische Gastboxer Mircea Telecan (2-5-1, 1 KO) machte in Deutschland schon öfter von sich reden. Erst besiegte er den ehemaligen Star-Kampfsportler und mehrfachen Weltmeister Andre Mewis in Berlin, dann ging er mit Kai Kurzawa in Leipzig über die Runden. Er sollte als Prüfstein für den bis dahin ungeschlagenen Berliner Ibrahim Uzunkaya (11-0-0, 9 KO`s), der bereits Bruce Özbek und Pavel Zima besiegte, auf seinem Weg nach oben dienen.

Schon in den ersten Runden wurde klar, dass beide Boxer nicht zum Verlieren gekommen waren. Technisch ebenbürtig lieferten sich die Kontrahenten einen durch und durch spannenden Kampf. Der Berliner Türke, der von einer großen Fangemeinde angefeuert wurde, brachte insgesamt die härteren Schläge an. Schon in der zweiten Runde blutete die Nase des tapferen Rumänen stark und es zeichnete sich eine Schwellung unter dem linken Auge ab. Dieser jedoch kam plötzlich mit kraftvollen Körperhaken durch und brachte den überraschten Lokalmatador kurz zum Einknicken, wobei er sofort wieder auf die Füße sprang und das Anzählen schon bei „zwei“ gestoppt wurde. Uzunkaya wurde daraufhin zwar aktiver, ließ aber auch mehr Deckungslücken offen, die Telecan geschickt ausnutzte. Am Ende der sechsten Runde stand es auf dem BP-Punktezettel mit 58:56 hauchdünn für den Gastboxer aus Rumänien. Offenbar hatte auch die Punktrichter die lautstarke türkische Fangemeinde nicht beeindruckt, denn sie kürten Telecan ebenfalls zum Sieger nach Punkten. Unter lautem Beifall - auch von den türkischen Fans - verließ der Rumäne strahlend den Saal.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Mircea Telecan

7. Kampf: Muzaffer „Muci“ Tosun vs. Uto Cajombo , Superleichtgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Dem Ex-WKA-Kickbox-Weltmeister Tosun (4-2-2, 1 KO) bestätigte BoxingPress bereits bei seinem Profidebüt im Oktober 2002 sein Talent. Binnen kurzer Zeit wurde er Internationaler Deutscher Meister seiner Gewichtsklasse und hat nach eigenen Angaben einen Vorvertrag mit Boxpromoter Sauerland.

Der Berliner Türke, der über seine Kickbox-Karriere mit Sauerland-Boxer Cengiz Koc gut befreundet ist, ist für diese Gewichtsklasse zwar etwas langsam, aber sehr stark. Gute Treffer rütteln seine Gegner stets ordentlich durch oder bringen sie gar ins Wanken. Auch der Gastboxer aus Dienslaken, Uto Cajombo (0-0-0), war trotz seiner Reichweitenvorteile und der offensichtlich guten Amateurschule nicht in der Lage, den stetigen Vorwärtsgang „Mucis“ zu stoppen. Der Türke überbrückte die Distanz mühelos, schlug seine krafvollen Geraden sogar durch die Deckung Cajombos und konnte so jede Runde auf seinem Konto verbuchen.

Offizielles Urteil nach Punkten: Einstimmiger Sieger nach Punkten Muzaffer „Muci“ Tosun

8. Kampf: Mayala Mbungi vs Ali Yildirim , Supermittelgewicht, angesetzt auf sechs Runden

Der als kurzrundige Knockouter bekannte Türke Ali Yildirim (5-1-0, 5 KO`s) ließ es nach fast einjähriger Pause diesmal gegen den farbigen Berliner Mayala Mbungi (0-2-0) etwas langsamer angehen. Yildirim diktierte das Geschehen von der Ringmitte aus, bereitete seine Aktionen sauber vor und testete sein gesamtes Schlagrepertoire aus, ohne jedoch mal seine Schläge richtig durchzuziehen. Technisch weit überlegen konnte er jede Runde auf seinem Konto verbuchen.

Offizielles Urteil: Einstimmiger Sieger nach Punkten Ali „Tyson“ Yildirim

9. Kampf: Marko „Schulle“ Schulze vs. Arthur Drinaj , Superweltergewicht, angesetzt auf sechs Runden

Da waren sie nun endlich, die beiden Boxer, auf die die Skinhead- und die Albaner-Fangemeinden gewartet hatten. Für kurze Zeit sah es so aus, als würde die Lage eskalieren. Die Sprechchöre gingen schon in den ersten Sekunden nach Annoncierung des Kampfes schwer unter die Gürtellinie und die beiden Fangruppen versuchten, sich gegenseitig zu übertönen. Da die Organisatoren des Events jedoch schon mit einer extragroßen Mannschaft an Security vorgesorgt hatten und die türkischen Fans deutlich machten, dass sie im Falle eines Falles zu den Albanern halten würden, wurden die Skinheads auch schnell wieder friedlich.

Marco Schulze (8-0-0, 4 KO`s) ist für seine Gewichtsklasse klein, aber sehr schlagstark und weist solide Nehmerfähigkeiten auf. BoxingPress erkannte schon bei seinen ersten Kämpfen sein Potenzial. Binnen kurzer Zeit wurde er Deutscher Meister im Superweltergewicht, indem er den einen ganzen Kopf größeren Danny Thiele bereits in der vierten Runde ausknockte. Nun bereitet er sich unter Trainer Werner Papke langsam in Richtung Europameisterschaft vor.

Der Gegner in diesem Kampf war der albanischstämmige Berliner Arthur Drinaj (6-10-1, 3 KO`s), der im Jahre 2000 den Internationalen Deutschen Superweltergewichtstitel errang und mit dem damals gedopten Alpaslan Agüzüm im Ring stand.

Im besten Kampf des Abends gingen die beiden Boxer sofort nach dem Gong - angestachelt von den lautstarken Fangemeinden - aufeinander los. Arthur Drinaj bot seine bis dahin beste Leistung in Berlin. Mit schneller Beinarbeit und zielsicheren Jabs schaffte er es eine Runde lang, sich den kraftvollen Kopf- und Körperhaken Schulzes zu entziehen und konnte mit mehreren durchgezogenen Geraden eine Runde auf seinem Punktekonto verbuchen. Bereits in der zweiten Runde jedoch hatte er genau dasselbe Problem wie alle anderen Gegner des Papke-Schützlings: Schulzes Schläge tun weh. Mehrmals hatte der amtierende Deutsche Meister seinen Gegner am Rande des KO`s und nur der Gong rette den Albaner vor einem vorzeitigen Ende schon in der zweiten Runde. Die Weichen waren jedoch bereits gestellt. In der dritten Runde fing Drinaj an, schwer aus der Nase zu bluten. In der vierten Runde duckte er sich unter einen vorbeizischenden Kopfhaken und „Schulle“ platzierte einen Bilderbuchaufwärtshaken direkt auf die ungedeckte Nase. Der Albaner stand zwar noch kurz, aber der Deutsche ging nach und deckte seinen Gegner mit so schweren Schlägen ein, dass dieser zu Boden ging. Der Referee sah - zu Recht - keine Chance mehr für den tapferen Drinaj und brach den Kampf unter tosendem Jubel der Skinhead-Fraktion des Publikums ab. Ein weiteres Mal verließ ein Schulze-Gegner den Ring stark blutend... .

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 2:41 min der vierten Runde Marco „Schulle“ Schulze

10. Kampf: Danny Thiele vs. Sebastian Sylvester „Stallone“ , Deutsche Meisterschaft im Mittelgewicht, angesetzt auf zehn Runden

Eigentlich hätte Orhan Ajvazoski an diesem Abend um die Meisterschaft boxen sollen, jedoch sagte dieser acht Tage vor der Veranstaltung ab, so dass kurzfristig Danny Thiele verpflichtet wurde, der seine Chance sah, noch einmal Deutscher Meister zu werden.

Der ehemalige Deutsche Meister im Superweltergewicht und Ex-WBB-„Weltmeister“ im Mittelgewicht Danny Thiele (19-12-5, 12 KO`s) glänzte zwar immer wieder phasenweise mit flüssiger Beinarbeit und der ausgefeilteren Technik, machte aber in der Defensive unverzeihliche und auch unverständliche Fehler. Der amtierende Internationale Deutsche Meister Sebastian Sylvester (10-1-0, 4 KO`s) führte den Kampf mit kraftvoll durchgezogenen Geraden aus einem statischen Stand heraus. Für den herumtänzelnden Thiele war das an diesem Abend auch genug. Fast jeder Schlag des geborenen Greifswalders landete zwischen den Handschuhen hindurch direkt auf der Nase des „Tänzers“. Bereits in der ersten Runde knickte der Ex-Rolle-Boxer mehrfach kurz ein, ohne jedoch auf den Boden zu gehen. Es war eine der doch eher seltenen Runden, die auf dem BP-Punktezettel ohne Niederschlag 10:8 gewertet wurden. In den weiteren Runden veränderte sich das Bild nicht mal um eine Nuance. Thiele tänzelte, bekam aber die Handschuhe nicht richtig zusammen. In der vierten Runde passierte das, was bereits alle erwarteten: Thiele ging zu Boden und mit ihm wahrscheinlich auch seine letzte Chance auf den Deutschen Meistertitel. Der Ringrichter brach den Kampf sofort ab, um - im wahrsten Sinne des Wortes - Schlimmeres zu verhindern.

Thiele hat in seiner Laufbahn mehrfach gezeigt, dass er durchaus zu besseren Leistungen fähig ist. Auch muss man berechnen, dass er eine Vorbereitungszeit von nur sieben Tagen zur Verfügung hatte. Dies kann jedoch weder seine eigene taktische Ideenlosigkeit, noch die seiner Ecke erklären. Die Deutschen Meistertitel seiner beiden Gewichtsklassen sind nun besetzt von Marco Schulze und Sebastian Sylvester. Für beide muss er sich mehr ausdenken als gute Beinarbeit und schnelle Hände, will er noch einmal zu Deutschen Meisterehren kommen.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 0:57 min der vierten Runde Sebastian Sylvester " Stallone".

11. Kampf: Andreas Sidon vs. Gene Pukall , WBB-„Weltmeisterschaft“ im Schwergewicht, angesetzt auf zwölf Runden

Wegen eines Unglücks hatte Andreas Sidon (22-5-0, 17 KO`s) seine Titelverteidigung bereits einmal verschieben müssen. Kurz vor Weihnachten des letzten Jahres verunglückte er bei einem Autounfall, bei dem seine Lebensgefährtin verstarb. Nur knapp sechs Wochen später war er nun trotz dieses harten Schicksalsschlages gezwungen, in den Ring zu steigen. Mit in der Ringecke saß zur seelischen Unterstützung seine Tochter Saskia, seine beiden anderen Kinder saßen ebenfalls im Saal. Die seelische Unterstützung für den Herausforderer Gene Pukall (5-8-2, 4 KO`s) hingegen bestand leider aus ein paar angetrunkenen Skinheads, die sich alles andere als sportlich fair verhielten.

Der Kampf begann untypisch für die beiden Boxer. Kickboxer und "Haudrauf" Gene Pukall begann vorsichtig und respektvoll, Spätstarter Sidon hingegen stürmte nach vorne, ohne jedoch wirkliche Treffer anbringen zu können. Schon in der Mitte der ersten Runde legte sich sich dann doch der erste Eifer und bis zur dritten Runde passierte nicht viel.

In der vierten Runde gelang dem Schützling von FLP-Trainer Detlev Loritz mit einer überfallartigen Attacke der erste Niederschlag und der Berliner fand sich zeitgleich mit dem Gongschlag auf dem Hosenboden wieder, so dass das Anzählen einen Teil der Ringpause beanspruchte. Der Lokalmatador stand nun unter Druck. Das tobende Publikum auf der einen und Trainer Werner Papke auf der anderen Seite feuerten ihn an, jetzt endlich was zu tun. Leider ließen es insbesondere die Fans diesbezüglich an Niveau vermissen. „Hau den Rentner endlich um, der kann nicht mehr!“ hieß es. Aber Spätstarter Sidon konnte wahrhaftig noch. Für seine 41 Jahre verbrachte Sidon eine unglaubliche Leistung. Er ließ den wild anstürmenden Berliner ins Leere laufen und kämpfte teilweise gar mit der rechten Hand demonstrativ auf dem Rücken, während er den Papke Schützling für jeweils zehn bis fünfzehn Sekunden ausschließlich mit dem Jab beschäftigte. Von nun an konnte man die Leistung Pukalls tatsächlich kontinuierlich sinken sehen. In der fünften Runde wurde er stehend angezählt. Der 29-Jährige wurde langsamer, kraftloser und ließ immer wieder die Arme hängen. Zwar konnte er immer wieder - auch schwere - Zufallstreffer anbringen, der amtierende und in diesem Moment etwas zu leichtsinnige Deutsche Meister konnte diese jedoch problemlos wegstecken. In Runde neun erfolgte ein weiteres stehendes Anzählen. Immer wieder wankte der zunehmend ideenlose zwölf Jahre jüngere Berliner. In Runde zehn erfolgte ein weiterer Niederschlag, woraufhin Trainer Werner Papke das Handtuch warf.

Das für seine Fachkenntnis bekannte Berliner Publikum hatte inzwischen zu Recht die Seiten gewechselt und applaudierte stürmisch Andreas Sidon zu seiner - angesichts seines Alters und seines Schicksalschlages - unglaublichen Leistung und beiden Kämpfern für diesen Fight.

Offizielles Urteil: Sieger durch TKO nach 1:03 min der zehnten Runde Andreas Sidon

Fazit: Nicht nur Berliner Kleinringevents haben aufgrund mangelnder klanghafter Namen Probleme, die Hallen zu füllen. Ralf Reiser ( Foto ) hat gezeigt, dass es auch anders geht. Die Schätzungen des Abends gingen von über 1000 Besuchern aus, was durchaus realistisch erscheint. Viele talentierte Boxer wie das Akova-Tosun-Yildirim-Trio sowie Marco Schulze, aber auch an diesem Abend nicht vertretene Boxer wie Rene Hübner , Gino Sigmund oder Lee Manuel Ossie haben ihre eigene Fangemeinden. Offensichtlich macht die Mischung den Unterschied und „rivalisierende“ Fangemeinden kann man offenbar ebenfalls unter Kontrolle bringen. Es kommt öfter vor, dass BoxingPress tatsächlich die einzigen Medienvertreter vor Ort sind. Reiser hat vorgemacht, dass man sogar TV-Sender anziehen kann. Man kann im Sinne des Sports darauf hoffen, dass andere nachziehen.


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Der Beitrag stammt vom 01. März 2004 und steht in der Rubrik Berichte. Sie versammelt 32 Beiträge aus dem Archiv, 5 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 2.555 Wörter Fließtext und liegt damit an 2. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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Er trägt das Datum 01. März 2004 und gehört zur Rubrik Berichte, die im Archiv 32 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2004 stammen davon 5.

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Namentlich Turgay Uzun. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

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