Kampfvorschauen Kampfvorschau
Klitschko vs. Barrett -- Der Vorbericht
"Klitschko boxt gegen Barrett" - "Klitschko-Kampf sieht nach Absage aus" - "Der Kampf steht" - "Klitschko boxt Byrd, Barrett-Kampf entfällt" ...welches Gerücht rankte sich in den letzten Wochen eigentlich nicht um dieses Duell? Erfreulicherweise für die deutschen Boxfans blieb am Ende alles beim alten. Und das heißt: Morgen abend trifft Wladimir Klitschko in London auf seinen bisher schwersten Gegner neben Axel Schulz, den Amerikaner Monte Barrett .
Für Klitschko geht es in diesem Kampf um keinen wichtigen Titel, sondern vielmehr darum, sich selbst und seinen Kritikern eine weitere beeindruckende Vorstellung zu liefern. Seit seiner Niederlage gegen Ross Puritty vor über zwei Jahren hat Klitschko neun KO-Siege in Folge abgeliefert, zum Teil gegen Gegner, die man bestimmt nicht zur Fallobst-Kategorie zählen darf ( Schulz, Wolfgramm, Jackson, Bostice ). Allerdings fehlen in seinem Rekord weiterhin Namen, wie der eines Monte Barrett - Boxer von gehobenem Format aus den Top 20 des Schwergewichts. Boxingpress Deutsch stellt den 29-jährigen Amerikaner vor und liefert wie gewohnt eine detaillierte Prognose.
Der aus Greenville stammende Monte "Two Guns" Barrett ist 29 Jahre alt. Er hat eine sehr erfolgreiche Amateurkarriere (37 Siege - 3 Niederlagen) in den USA vorzuweisen: Barrett gewann zweimal die New York Golden Gloves und war amerikanischer Amateur-Meister. 1995 wurde ihm der Titel "Fighter of the Year" von der New Yorker Box-Kommission verliehen. Im Alter von 25 Jahren startete Barrett seine Profilaufbahn. Promoted wird er seither von Cedric Kushner, sein Trainer ist Joe de Guardia. Nach den typischen Aufbaukämpfen gegen die üblichen Journeymen zu Beginn seiner Karriere besiegte Barrett nach zwei Jahren den Ex-Weltmeister Greg Page deutlich nach Punkten. Es folgten qualitativ ansehnliche Kämpfe gegen Boxer von besserem Format, von denen Barrett alle bis auf Lance Whitaker besiegen konnte.
19. Profikampf: (Oct. 23, 1998) W10 Greg Page In Atlantic City lieferte Barrett seine bis dahin beeindruckendste Vorstellung: Gegen Ex-Weltmeister Page zog er sich in der 1. Runde einen Cut zu, übernahm jedoch von da an die Kontrolle. Barrett brachte Page mehrere Male ins Wanken und gewann schließlich deutlich mit 99-91-Punkten auf allen drei Scorecards.
20. Profikampf: (Apr. 3, 1999) W12 Phil Jackson Noch bevor Jackson von Wladimir Klitschko "weichgekocht" wurde, konnte Barrett in Las Vegas gegen seinen Landsmann einen klaren Punktsieg verbuchen (118-110, 118-110, 117-111). In einem unterhaltsamen Kampf boxte er Jackson nach allen Regeln der Kunst aus, ging erstmals über 12 Runden und gewann den WBC-Continental Amerika-Titel.
22. Profikampf: (Aug. 28, 1999) L12 Lance Whitaker Im Hard Rock Casino zu Las Vegas kassierte Barrett seine erste und bisher einzige Niederlage . In einer schwer zu bewertenden Ringschlacht gaben die Punktrichter am Ende den Sieg an Whitaker durch split decision(113-115, 117-111 and 116-112). Barrett war der aktivere Boxer von beiden, aber sein Gegner nutzte seinen Größen- und Gewichtsvorteil, um Barrett mehrfach "anzuknocken".
24. Profikampf: (Feb. 24, 2000) KO7 Jimmy Thunder In seinem bis dato letzten Kampf überzeugte Barrett durch einen vorzeitigen Sieg gegen "Eisenschädel" Thunder. In New York fügte er Thunder frühzeitig einen Cut an der Nase zu und erarbeitete sich schließlich in der 7. Runde den Sieg durch TKO.
Monte Barrett ist mit Sicherheit eine gute Herausforderung für Wladimir Klitschko . Der Amerikaner verfügt über eine gute boxerische Ausbildung, hat eine effektive Führhand und schlägt sehr gut zum Körper. Weitere Stärken sind sein Siegeswille , sowie seine Schnelligkeit und Beweglichkeit . All dies nutzt Barrett für einen offensiven und aggressiven Kampfstil, den Rückwärtsgang kennt "Two Guns" fast gar nicht. Hier setzten dann auch seine Schwächen an: Die Deckungsarbeit des Amerikaners ist eher schwach, bei eigenen Schlagserien und Aufwärtshaken steht Barrett vielfach zu offen vor seinem Gegner. Zudem ist er von seiner Größe und seinem Körperbau her kein wirklicher Schwergewichtler.
Wladimir Klitschko verfügt über eine rammende Führhand , die alleine schon in der Lage ist, einen Gegner auszuknocken. Er ist ein "natürlicher" Schwergewichtler mit beeindruckenden körperlichen Parametern. Neben seiner immensen Schlagkraft hat Klitschko eine hervorragende boxerische Ausbildung genossen. Als Amateur wurde der Ukrainer 1996 Olympiasieger in Atlanta. Seine Profi-Karriere lief bisher überaus glatt und erfolgreich, wenn man von dem Ausrutscher gegen Ross Puritty in Kiew absieht. Auf dem Weg zu einem WM-Kampf gilt es für ihn, wichtige Erfahrung gegen überdurchschnittliche Gegner zu sammeln. Sein Kinn ist und bleibt ungetestet und somit weiterhin fraglich. Weitere mögliche Schwächen bestehen in seiner konditionellen Verfassung und vor allem in seiner mentalen Verfassung gegen unbeeindruckte Gegner.
Im Vergleich der beiden Schwergewichtler steht Klitschko seinem Gegner in nichts nach - im Gegenteil. Die entscheidenden Auslöser werden in diesem Kampf der Unterschied in Schlagkraft und Reichweite sein. Der Größenunterschied spricht eindeutig für Wladimir, ein Vorteil, der ohnehin fast immer auf seiner Seite steht. Barrett tat sich gegen ebenso großen Whitaker recht schwer, was ihn nicht davon abhielt, weiter nach vorn zu marschieren. Hier liegt der nächste Vorteil von Klitschko, der den Amerikaner häufig und heftig mit seinem Jab abfangen können wird. In dieser Hinsicht ist Barrett wie gemacht für Klitschko , denn seine Deckung ist eher schwach. Entscheidend wird sein, wie Barrett die Schlaghärte des Ukrainers wegstecken kann. Gelingt ihm dies dauerhaft, könnte der Kampf gen Ende vielleicht doch noch überraschende Momente beinhalten.
In London wird sich Wladimir Klitschko von seiner besten Seite zeigen. Er hat mittlerweise auch im Ausland starke Vorstellungen abgeliefert und wird durch die HBO-Übertragung in den USA, sowie durch die Anwesenheit von Lennox Lewis und dessem Management hochmotiviert sein. Das Theater um den Byrd-Kampf scheint ihn nicht sonderlich beeindruckt zu haben. Klitschko wird seinen Gegner von Beginn an dominieren und seinen eigenen Jab im Gegensatz zu Barrett etablieren können. Monte Barrett wird in diesem Fall versuchen, vermehrt am Mann zu arbeiten und somit offen sein für die schweren, ansatzlosen Haken von Klitschko. Die einzige Chance für Barrett liegt darin, die harten Treffer wegstecken zu können und mit zunehmender Kampfdauer den jungen Ukrainer mit seinem Speed zu überrollen. Die Chancen hierfür sind jedoch eher gering. Das Team von Boxingpress Deutsch sagt deshalb einen TKO-Sieg von Wladimir Klitschko in den Runden 3-6 voraus. Der Ukrainer wird seinem Gegner in einem recht unterhaltsamen Kampf dessen erste vorzeitige Niederlage beifügen können.
PremiereWorld überträgt live ab 22 Uhr. Den ausführlichen Bericht von der Veranstaltung in London gibt es am Sonntag auf diesen Seiten.