Kampfvorschauen Kampfvorschau
Kovacs vs. Robinson -- Der Vorbericht
Heute abend wird im FTC-Stadion zu Budapest ein wahres Volksfest erwartet: Der hierzulande nahezu unbekannte Istvan Kovacs ist in seiner Heimat ein Nationalheld. Über 25000 Ungarn werden zusehen, wenn Kovacs im Rahmen der heutigen Universum-Veranstaltung (live auf Premiere Sport1 ab 22 Uhr) versuchen wird, Federgewichts-Europameister Steve Robinson zu entthronen.
An diesem Abend treffen zwei Boxer aufeinander, deren Karriereweg unterschiedlicher nicht sein könnte: Auf der einen Seite Istvan Kovacs, ein Weltklasseamateur mit 282 Siegen in 297 Kämpfen, als Profi ungeschlagen und ganz zielstrebig auf dem Weg zu einem WM-Kampf. Andererseits Steve Robinson, der bereits Weltmeister war, alle Höhen und Tiefen des Profiboxsports hinter sich hat und nun seinen letzten noch verbliebenen Gürtel verteidigen will. Boxingpress.com stellt den Briten kurz vor und stellt im Anschluß daran eine Analyse und Prognose zum Kampfausgang.
Der aus Cardiff in Wales stammende Steve Robinson ist 31 Jahre alt. Nach einer kurzen Amateurkarriere startete er im Alter von 20 Jahren seine Profilaufbahn. Bereits der 3. Kampf ging nach Punkten verloren und was folgte, war eine Ansammlung von Siegen und neun (!) Niederlagen gegen Boxer, die über das britische Festland hinaus wohl niemand kennen dürfte. Robinson kam dann völlig unerwartet zu einer WM-Chance gegen den damaligen WBO-Herausforderer John Davison . Wenige Tage vorher als Ersatz eingesprungen, nutzte der Brite seine Chance und wurde überlegener Punktsieger. Von 1993 bis 1995 verteidigte Robinson seinen WBO-Gürtel im Federgewicht siebenmal, bevor er in seiner achten Titelverteidigung von Naseem Hamed entthront wurde. Den Europameistertitel gewann Steve Robinson knapp vier Jahre später und verteidigte ihn seither zweimal.
3. Profikampf: (Apr. 6, 1989) L8 Nicky Lucas Gleich im dritten Profikampf verliert Robinson enttäuschend gegen den Club-Fighter Nicky Lucas nach Punkten. Was folgt, ist ein Auf und Ab in Kämpfen gegen meist durchschnittliche britische und französische Profiboxer. Insgesamt neunmal verliert Robinson nach Punkten, bis auf einmal seine große Stunde schlägt.
24. Profikampf: (17/04/93 ) W12 John Davison Ursprünglich sollte WBO-Weltmeister Ruben Palacio gegen John Davison antreten. Der Weltmeister überstand jedoch den Aids-Test nicht und weil die WBO den Kampf nicht platzen lassen wollte, erfuhr Steve Robinson zwei Tage vorher von seiner Chance, um den Titel zu boxen. Rechtfertigung für diese WM-Chance war die Tatsache, daß Steve in seinem 20.Profikampf den damaligen Europameister Stéphane Haccoun in einem Nicht-Titelkampf überraschend geschlagen hatte. Der Kampf gegen Davison verlief sehr ausgeglichen. In einer wahren Ringschlacht von geringem technischem Niveau wackelten beide Boxer mehrfach, aber sie fielen nicht. In den späten Runden erboxte sich Robinson den Punktsieg mit 2:1- Punktrichterstimmen.
32. Profikampf: (30/09/95 ) LKO8 Naseem Hamed Nach sieben erfolgreichen Titelverteidigungen, die allesamt in Robinson's Heimat Cardiff stattfanden, bezog der Brite die deutlichste Niederlage seiner Karriere. Gegen den haushoch überlegenen "Prinzen" verlor Robinson das erste Mal in seiner Karriere vorzeitig und wurde phasenweise vorgeführt.
34. Profikampf: (01/02/97 ) L12 Billy Hardy Nach einer einjährigen Ring-Abstinenz und einem Aufbaukampf, versuchte Robinson gegen Billy Hardy den EM-Gürtel im Federgewicht zu gewinnen. Dies mißlang und die Karriere des "Cinderella Man" schien dem Ende zuzugehen.
42. Profikampf: (30/04/99 ) W12 Manuel Calvo Eine Serie von sechs Siegen verschaffte Robinson ein weiteres Mal eine EM-Chance. In Spanien gelang es ihm, den damaligen Europameister Calvo in beeindruckender Manier zu entthronen. Danach verteidigte Steve seinen EM-Gürtel zweimal erfolgreich.
46. Profikampf: (11/03/00 ) L11 Juan Carlos Ramirez In seinem letzten Kampf hatte es Robinson mit dem sehr harten Mexikaner Ramirez zu tun. Zur Überraschung vieler baute Robinson ab der zweiten Kampfhälfte deutlich ab und der Kampf wurde wegen Überlegenheit von Ramirez abgebrochen.
Steve Robinson ist ein sehr erfahrener Boxer, der in guter körperlicher Verfassung keinesfalls zu unterschätzen ist. Neben sehr guten Nehmerfähigkeiten verfügt Robinson über gute Qualitäten im Infight, sowie recht schnelle Hände, die er blitzartig zum Körper einsetzt. Es hat jedoch den Anschein, daß der Brite nach den Ringschlachten der letzten fünf Jahre seinen Zenit mittlerweile überschritten hat . Insbesondere bei der Niederlage gegen Juan Carlos Ramirez sah Steve Robinson alles andere als gut aus. Der Mann aus Cardiff hat womöglich keine großen Kämpfe mehr in sich und ist, in der Boxersprache ausgedrückt, "shot".
Istvan Kovacs hingegen befindet sich auf einer Mission. Seitdem der Ungar bei den Amateuren alles gewonnen hat, was man dort gewinnen kann und ins Profilager überwechselte, hat er nur einen Wunsch: Gegen Prince Naseem Hamed um die Weltmeisterschaft zu boxen. Ein Sieg gegen Steve Robinson ist dazu Pflicht und würde seinen Ranglistenposition als Nr.1-Herausforderer der WBO weiter festigen. Da Hamed seinen WBO-Gürtel über alles liebt, wird es also fast zwangsläufig zu einem solchen Aufeinandertreffen kommen.
Kovacs bringt boxerisch fast alles mit, was man sich vorstellen kann. Fantastische Reflexe und Defensivarbeit , schnelle Beine und Hände, perfekte Kombinationen und eine vorbildliche Lebensweise außerhalb des Rings. Er wird Robinson in punkto Schnelligkeit, Siegeswille und Technik haushoch überlegen sein. Kovacs's Schwäche bleibt die Offensive: Sein Punch ist verglichen mit anderen Top-Leuten seiner Gewichtsklasse sehr harmlos und wird trotz gezielter Trainingsarbeit nicht mehr wirklich gefährlich werden. Des weiteren muß man Kovacs bisher vorwerfen, daß er im Verhältnis zu seinen technischen Fertigkeiten noch relativ wenig trifft und ungenau schlägt. Daran muß in jedem Falle noch gearbeitet werden.
Istvan Kovacs dürfte vor heimischer Kulisse eine tolle Vorstellung zuzutrauen sein. Er wird den Europameister über weite Strecken dominieren und teils sogar vorführen können. Robinson dürfte inzwischen zu langsam geworden sein und seine Infight-Qualitäten wird er gegen den Distanzboxer Kovacs nicht ausspielen können. Das Team von Boxingpress Deutsch rechnet mit einem deutlichen Punktsieg von Kovacs . Sollte Robinson jeglichen Siegeswillen vermissen lassen, ist auch ein Abbruch wegen Überlegenheit in den späten Runden für Kovacs möglich (aber unwahrscheinlich).
Auf derselben Veranstaltung wird heute abend auch Artur Grigorian seinen WBO-Titel im Leichtgewicht verteidigen. Sein Gegner ist Zoltan Kalocsai , ein schlagstarker Ungar mit vier Niederlagen in den entscheidenden Kämpfen. Ich persönlich halte Grigorian für den nächsten Weltmeister aus dem Universum-Stall, der seinen WM-Gürtel verlieren wird. Ob der Ungar Kalocsai vor seinen heimischen Fans die Sensation schaffen kann, hängt von der Einstellung Grigorian's ab. Wenn er sich auf eine boxerischen Fertigkeiten besinnt, sollte er keine Probleme mit dem Herausforderer haben. Läßt er sich eine Ringschlacht mit offenem Schlagabtausch hineinziehen, kann es gefährlich für "König Artur" werden.
PremiereWorld überträgt live ab 22 Uhr. Den ausführlichen Bericht von der Veranstaltung aus Budapest gibt es am Samstag auf diesen Seiten.