Kampfvorschauen Kampfvorschau
Regina Halmich vs. Elena Reid II - Der Vorbericht
Klappe, die Zweite - Kabale, Hiebe und Intrigen
„Buh“, brüllten viele Boxfans im September 2004 nach der Bekanntgabe des Urteils in der Begegnung zwischen WIBF-Fliegengewichtsweltmeisterin Regina Halmich und ihrer Herausforderin Elena „Babydoll“ Reid (Foto oben) aus den Staaten. Der Grund: Regina Halmich war mit dem sehr umstrittenen Unentschieden von den Punktrichtern mehr als gut bedient worden und noch einmal mit einem blauem Auge vor dem unzufriedenen heimischen Publikum davongekommen. Das nicht einstimmige Urteil (98:94, 97:97, 93:97) war allein wegen der allzu unterschiedlichen Bewertung und Betrachtung der drei Punktrichter sehr schwer nachvollziehbar und mehr als glücklich für die Weltmeisterin, denn gegen ihre Herausforderin gab sie im Ring in vielen Runden eine viele schlechtere Figur ab als im Playboy. Von der Amerikanerin stellenweise ab- und ausgezogen, mit boxerischen Mitteln , versteht sich. Nun kommt er also, der große Tag der Abrechnung am 3. Dezember in Reginas sog. „Wohnzimmer“, der Bördelandhalle von Magdeburg, in dem Vormieter Sven Ottke sich ebenfalls immer wohl gefühlt hat. Kein Wunder, denn die patriotisch - bewussten Magdeburger scheinen nicht besonders viel gegen den sog. inoffiziellen Heim- und Championbonus bei den Punktrichtern zu haben.
Etwas spät zwar, aber immerhin hält Regina Halmich (Foto) nun ihr Versprechen und gibt ihrer jungen Gegnerin eine Revanche. An der terminlichen Verzögerung ist - neben dem Gagen-Poker von Team Reid und dem manchmal gewinnbringenden Spiel auf Zeit im Team Halmich - auch wegen der Quoten-Garantie der deutschen Boxqueen in der fußballfreien Zeit das ZDF ein bisschen schuld , das trotz eigener Anprangerung des Skandal-Urteils live ab 22.00 Uhr aus Magdeburg überträgt. Dabei übergeht man sicher wieder aus Prinzip einen interessanten "Rahmenkampf" (diesmal ist es die WM zwischen Sergei Dzindziruk und Daniel Santos ) durch eine stümperhafte Zusammenfassung und glänzt stattdessen mit pseudofachkundigen Berichten. Zum Beispiel: Tragen Frauen und Männer den gleichen Tiefschutz, welches Outfit passt farblich besser zu den Handschuhen oder wer im Universum-Team fungiert diesmal als „007“ und gibt der Amerikanerin Insidertipps aus dem Halmich-Camp wie seinerzeit „die Lady“ Daisy Lang ? Nach der gestöhnten „Rache“ des schönen René ins Mikrofon jetzt die Rache der Reid im Ring?
Zu interessant das Drum und Herum um das Rematch, denn der boxerische Stil der beiden Kämpferinnen lässt eher wenig Überraschungen erwarten. Dass die Amerikanerin eine ausgezeichnete Konterboxerin ist, hat sie in ihren letzten Auseinandersetzungen gegen die Deutsche und auch gegen Stephanie Dobbs bewiesen. Reid liegt es, wenn der Gegner Druck macht und versucht anzugreifen. Halmich dagegen mag es überhaupt nicht, wenn sie eine Gegnerin ziehen muss oder ausgeboxt wird. Sie braucht den Kampf, geht gerne nach vorne und versucht es über den Druck und die Physis. Daher ist im Rematch ein ähnlicher Verlauf wie in der ersten Begegnung zu erwarten.
Entscheidend wird es sein, ob es die Weltmeisterin dieses Mal schafft , ihre Defensive etwas besser zu halten und mit ein, zwei klareren Aktionen die Runden für sich entscheiden kann. Für Regina spricht vielleicht auch der Umstand, dass sie seit dem Unentschieden mit drei Siegen über entsprechend ausgewählte Gegnerinnen neue Kraft, Erfahrung und Selbstbewusstsein tanken konnte, während die Amerikanerin einmal stolperte und gegen die starke und unangenehm zu boxende Alicia Ashley eine vorzeitige Niederlage einstecken musste. Allerdings kämpft Ashley ganz anders als die Weltmeisterin und war von der Art ihres Boxstils vo m Team Reid mehr als unglücklich ausgewählt.
Man darf also gespannt sein, ob die deutsche Boxkönigin inzwischen gelernt hat , wie man eine Rechtsauslegerin à la Reid bekämpfen sollte. Viele technische Möglichkeiten oder Potential dazu hat die Deutsche nicht unbedingt, dennoch sollte man sie boxerisch nicht unterschätzen. Regina Halmich ist keine unverdiente Weltmeisterin. Zugegeben, sie ist eine sehr protegierte Boxerin, die in der Vergangenheit oft auf kluges Management und geschickte Gegnerwahl bauen konnte. Doch wenn sie im Ring ein mal Probleme bekam, dann schaffte sie es immerhin, den Kampf noch derart eng zu gestalten, dass einige Urteile zwar knapp, aber im Rahmen der geltenden Regeln noch vertretbar waren. Ohne eine Portion boxerisches Können wäre das kaum möglich gewesen, auch wenn sie einiges „lediglich“ über ihre Kraft und Kondition erzwungen hat.
Erstaunlich dagegen die stete Empörung in den Medien und bei vielen Boxfans, besonders nach der ersten Auseinandersetzung gegen Reid. Wird das Frauenboxen von vielen selbsternannten Boxexperten und Boxanhängern müde belächelt und als „Witz“ abgetan, verfolgt man dennoch die Halmich-Kämpfe mit Interesse. Die Einschaltquote im ZDF spricht für sich. Und wenn es auch nur darum geht , „live“ mitzuerleben, dass die sog. Quotenkönigin endlich auf den Hosenboden landet und der Spuk bzw. „Hype“ vorbei ist. Sicher, Regina Halmich ist nicht die beste Boxerin im Universum, da gibt es noch viele andere Faustkämpferinnen, die mehr draufhaben. Aber dank Show- und Sporttalent schaffte sie es jahrelang, spannende „Fights“ zu liefern und sich gegen gute Boxerinnen zu behaupten, auch wenn sie einige Male von günstigen Punktrichterentscheidungen profitierte. Der Vorteil der Championesse eben, wenn sie daheim boxt. Die männlichen Boxkollegen leben es vor. Sportliche Auseinandersetzung ist nicht alles. Und was zählt, ist vor allem das Geld und der Gewinn. Zumindest ist Regina Halmich jetzt aber gegen Ende ihrer Karriere „Manns genug“, sich ihrer Angstgegnerin noch einmal zu stellen. Auf jeden Fall war Halmich gegen Reid I eine spannende und dramatische Auseinadersetzung und vielleicht gibt es zwischen den beiden attraktiven Damen nach der Modenschau auf der Waage erneut was auf die „Mappe“ und vielleicht noch einmal einen Kampf auf Messers Schneide. Die Chancen dafür liegen jedenfalls günstig nach dem altbekannten Motto „Style makes Fight“.