boxingpress Boxen · Wetten · Archiv

Kampfvorschauen Kampfvorschau

Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht


Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht

Am Samstag Abend steht der letzte große Höhepunkt dieses Boxherbstes auf dem Programm. Im glanzvollen Spieler-Mecca Las Vegas treffen zwei absolute Gegenpole aufeinander. Der bodenständige, blasse Engländer, Ricky Hatton (Foto) ,der in seiner Freizeit gerne in englischen Pubs abhängt, Darts spielt und sich dabei ein paar Bierchen genehmigt, trifft auf den derzeit hellsten und wohl auch selbstverliebtesten Stern am Boxhimmel, „Pretty Boy“ Floyd Mayweather . Man fühlt sich unweigerlich an den ersten Teil der legendären Rocky-Reihe erinnert, als der bodenständige Junge von der Straße dem egozentrischen Selbstdarsteller Apollo Creed gegenüberstand. Auf dem Spiel steht Mayweathers WBC-Weltmeistertitel im Weltergewicht, den er im letzten Jahr dem Argentinier Carlos Baldomir abnehmen konnte. Der Kampf zieht ein riesiges mediales Interesse nach sich und wird in über 100 Länder übertragen. Die 18.000 Tickets für das MGM Grand in Las Vegas waren bereits nach einer halben Stunde vergriffen. Wie schon im Vorfeld von Mayweather vs. De la Hoya gibt es auch dieses Mal einen vierteiligen Countdown des amerikanischen Pay TV-Senders HBO, der die Vorbereitung beider Boxer auf den Kampf dokumentiert. Viel Neues gab es in den ersten drei Episoden allerdings nicht zu sehen, zumindest was Floyd Mayweather angeht: Er ist immer noch reich, immer noch sauer auf seinen Vater und immer noch der selbsternannte beste Boxer des Planeten...

Wesentlich interessanter sind da die Beiträge über den ungeschliffenen Engländer und seinen Trainer Billy Graham , der die eigentliche Attraktion der Vorberichtsreihe ist. Wenn er gerade nicht mit dem „Bodybag“ (einem auf den Bauch geschnallten Boxsack) im Ring steht, philosophiert er, stets mit einer Zigarette im Mundwinkel, über den Boxsport und strahlt ein nicht zu erschütterndes Vertrauen in seinen Athleten aus. Mit seinem schwarzen Hut sieht er dabei aus wie ein knallharter Geldeintreiber aus einem Mafia-Epos von Martin Scorsese.

Beide Boxer stehen für ihren eigenen und unverwechselbaren Boxstil. Während Mayweather (Foto) in der Bastion der Filigrantechniker für Boxen zum Zungeschnalzen den ersten Platz einnimmt, ist Hatton der Mann fürs Grobe. Sein Stil ist aufreibend, brutal und körperbetont. Der Name Hatton steht im Lexikon des Boxens für Schmerzen, zahlreiche geprellte Rippen und den erbarmungslosen Vorwärtsgang. Diese Erfahrung machte auch der ehemalige Weltklasseboxer Kostya Tszyu - Hattons größter Sieg. Der Australier mit russischen Wurzeln ging als Favorit und unumstrittener Weltmeister im Superleichtgewicht in das Duell. Nach elf erbarmungslos geführten Runden in der Hölle von Manchester strich Tszyu, frei nach Rockys „Ick bin satt!“, die Segel und blieb in der Rundenpause auf seinem Hocker sitzen. Ob Floyd Mayweather eine ähnliche Erfahrung bevorsteht, weiß nur der liebe Boxgott selbst (Anmerkung des Autors: Frankie Swindell ) und lässt sich schwer prognostizieren. Mayweather boxt geschmeidiger als Tszyu, er verlässt sich mehr auf seine Reflexe und verfügt neben seiner herausragenden Deckungstechnik auch noch über eine hervorragende Beinarbeit. Genau genommen stand Hatton mit einem Mann der Marke Mayweather noch nie im Ring und es bleibt abzuwarten, ob es ihm gelingt, dem „Pretty Boy“ die Räume abzuschneiden und ihn dann entscheidend zu treffen.

„Hätten die Buchmacher auf Floyd gehört, dann stünden die Wetten nicht 2:1, sondern 20:1. Ich bin schockiert! Ich bin doch nur ein kleiner, übergewichtiger, Bier trinkender Engländer, der seine ganze Karriere von seinem Promoter beschützt wurde und überbewertete, ehemalige Top-Leute geboxt hat... Ehrlich Floyd, ich denke, du brauchst dir keine Sorgen machen.“ Ricky Hatton

Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht

Hattons sarkastische Art macht ihn für viele Boxfans sehr sympathisch. Kommentare wie der oben zitierte sind keine Seltenheit. In Anspielung auf seine Gewohnheit zwischen den Kämpfen massiv an Gewicht zuzulegen, veranstaltete Hatton während der Vorbereitung einen Foto-Wettbewerb mit dem Motto „Ricky Fatton“. Das Sieger-Foto trug Hatton auf einem T-Shirt im Countdown von HBO. Man sollte sich davon allerdings nicht irre führen lassen, denn Hatton trainiert wie ein Besessener, sobald er den Fuß in Graham's Gym in Manchester setzt. Hier steht er Floyd „Ich trainiere nachts, wenn meine Gegner schlafen“ Mayweather in nichts nach.

Für Floyd Mayweather ist der Kampf am Samstag der vielleicht bis dato größte Kampf seiner Karriere. Sicher, auf dem Papier war die Auseinandersetzung mit Oscar de la Hoya im Mai dieses Jahres zwar noch eine Nummer größer, aber sportlich betrachtet geht es eigentlich kaum besser. Hatton befindet sich, wie auch Mayweather, auf dem Höhepunkt seiner Karriere und ist ungeschlagen. „Ich hab keine Angst vor dem Erfolgsdruck. Viele gute Athleten scheitern, wenn man sie unter Druck setzt, aber ein wirklich großartiger Athlet bringt unter Druck seine beste Leistung. Also setzt mich unter Druck!“ Floyd Mayweather

Dass Mayweather mit Erfolgsdruck umgehen kann, hat er in seiner Karriere bereits eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Vielleicht wird es aber nicht der Erfolgsdruck, der Mayweather zum Verhängnis wird, sondern vielmehr der physische Druck, den Hatton am Samstag auf ihn ausüben wird. Um sich auf Hattons bedingungslosen Stil einzustellen, griff man im Camp Mayweather auf Carlos Baldomir als Sparringspartner zurück. Der Argentinier, den Mayweather vor einem Jahr klar nach Punkten schlagen konnte, ist zwar keine schlechte Wahl, allerdings sollte man den Kampf gegen Baldomir nicht als Barometer für den Hatton-Kampf heranziehen. Der Engländer ist deutlich schneller, unorthodoxer und schlägt wesentlich härter, vor allem zum Körper. Einen sinnvolleren Quervergleich bietet da vielmehr Mayweathers erste Auseinandersetzung mit Jose Luis Castillo . Der Mexikaner boxt, ähnlich wie Hatton, einen sehr physischen und druckvollen Stil und stellte Mayweather vor größere Probleme. Nicht wenige Boxfans sahen in dem aufreibenden Duell den Außenseiter vorne.

Gegen Mayweather muss Hatton jede Minute, die der Kampf andauert, nach vorne marschieren, versuchen, die Distanz unbeschadet zu überbrücken, um seinen Kontrahenten dann mit harten Körperhaken zu zermürben. Aufgrund der herausragenden Defensivfähigkeiten Mayweathers wird es für Hatton zwar sehr schwer, dabei klare Treffer zu verbuchen, aber auch harte Schläge auf die Schulter, Ellbogen oder Arme des Gegners können eine zermürbende Wirkung haben. Die Aktivität muss in Hattons Strategieplan an erster Stelle stehen, denn nur wenn es ihm gelingt, Mayweathers Rhythmus zu brechen und den Kampf so unsauber wie möglich zu gestalten, hat er eine reelle Chance, den Titel nach Manchester zu holen. De facto wird der Ringrichter Joe Cortez hier eine, und das darf man ruhig so sagen, kampfentscheidende Rolle spielen. Lässt er den Kampf laufen und Hattons an die Substanz gehenden Klammerorgien durchgehen, dann steht dem „Pretty Boy“ eine sehr unangenehme Nacht bevor.

Der WBC-Weltmeister wird sich für Samstag vermutlich mehrere Strategien zurecht gelegt haben. Welche letztendlich die richtige ist, wird sich im Laufe des Kampfes herauskristallisieren. Klammert Hatton viel und lässt Joe Cortez dies zu, wird sich Mayweather im Infight bewähren müssen. Es ist zwar schwer zu prognostizieren, aber die Vorstellung, dass Hatton Probleme haben wird, Mayweather überhaupt festzuhalten, ist durchaus nicht unwahrscheinlich. Mayweathers Verteidigungsstil ist die so genannte „Shoulder Roll Defense“, bei der der Kopf zwischen der Schlaghand und der Schulter eingeklemmt wird, während die andere Hand den Körper abdeckt. Bei dieser Verteidigungsform ist ein hoher Grad an Agilität und Schnelligkeit notwendig, die dem Boxer das Auspendeln von Schlägen durch Abducken und Zurücklehnen ermöglicht. Da die Arme, anders als bei der klassischen Deckung, am Körper anliegen, ist es für den Gegner wesentlich schwerer, zu klammern. Mayweather wird folgerichtig versuchen, durch Seitschritte, Pendelbewegungen, Abducken und schnelles Zurückweichen das Halten und Klammern von Hatton zu unterbinden und ihn dabei abzukontern. Prognose des Autors: Billy Graham sagt, stilistisch sei Ricky Floyds schlimmster Alptraum, aber bei aller Sympathie für den Engländer und seinen offensiven Kampfstil denke ich, dass sich diese Aussage nicht bewahrheiten wird. Auf der einen Seite ist Mayweathers „Shoulder Roll“ die perfekte Antwort auf Hattons körperbetonten Boxstil und auf der anderen Seite bewegt Hatton seinen Kopf selbst zu wenig, um nicht Runde für Runde von Mayweathers präzisen Kontern getroffen zu werden. Da Mayweathers Schlagkraft nicht so durchschnittlich ist, wie zumeist angenommen wird und er zudem über eine herausragende Kondition verfügt, denke ich, dass er durchaus in der Lage ist, den Engländer mit seinen schnellen Kontern soweit zu zermürben, dass dieser Gefahr läuft, in den letzten beiden Runden aus dem Kampf genommen zu werden. Wahrscheinlicher ist aber ein klarer Punktsieg für Mayweather, da dieser in der Vergangenheit meist nur das Nötigste getan hat, um zu gewinnen und eigentlich nie gewillt ist, ein unnötiges Risiko einzugehen.

Für alle deutschen Boxfans gibt es eine sehr gute Nachricht: RTL überträgt den Kampf in der Nacht von Samstag auf Sonntag live ab 4.30 Uhr. Die Wiederholung gibt es am Sonntag um 12.30 Uhr. Freitag, 07. Dezember 2007

Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht

Dieser Beitrag im Archiv

Der Beitrag stammt vom 08. Dezember 2007 und steht in der Rubrik Kampfvorschauen. Sie versammelt 14 Beiträge aus dem Archiv, 3 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.367 Wörter Fließtext und liegt damit an 8. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

Zum Beitrag sind 4 Originalaufnahmen erhalten, die breiteste misst 300 Pixel in der Breite. Das ist die Größe, in der Bilder im Web dieser Jahre ausgeliefert wurden, und sie setzt die Grenze für die Darstellung: Eine Aufnahme wird höchstens auf das Doppelte ihrer eigenen Breite gebracht, weil darüber hinaus nur noch Unschärfe entsteht. Deshalb steht sie klein neben dem Text und nicht über ihm.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 12. Stelle von 14. Davor liegt Wladimir Klitschko vs. Lamon Brewster II - Der Vorbericht aus 2007. Danach folgt Wladimir Klitschko vs. Sultan Ibragimov - Der Vorbericht aus 2008. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Wladimir Klitschko vs. Lamon Brewster II - Der Vorbericht, Nikolay Valuev vs. Jameel McCline - Der Vorbericht und Regina Halmich vs. Elena Reid II - Der Vorbericht. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 08. Dezember 2007 und gehört zur Rubrik Kampfvorschauen, die im Archiv 14 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2007 stammen davon 3.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2007 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Beiträge stehen im Archiv unmittelbar davor und danach?

Innerhalb der Rubrik Kampfvorschauen steht dieser Beitrag an 12. Stelle von 14. Davor liegt "Wladimir Klitschko vs. Lamon Brewster II - Der Vorbericht" aus 2007. Danach folgt "Wladimir Klitschko vs. Sultan Ibragimov - Der Vorbericht" aus 2008.

Wie umfangreich war der ursprüngliche Beitrag und sind Fotos erhalten?

Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.367 Wörter Fließtext; innerhalb seiner Rubrik steht er damit an 8. Stelle von 14. Erhalten sind 4 Originalaufnahmen, die breiteste davon misst 300 Pixel. Es sind Webbilder ihrer Zeit; sie werden in der Breite gezeigt, die die jeweilige Datei hergibt, und nicht darüber hinaus vergrößert.