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Wladimir Klitschko vs. Lamon Brewster II - Der Vorbericht


Wladimir Klitschko vs. Lamon Brewster II - Der Vorbericht

Zu Rückkämpfen kommt es im Boxsport immer wieder. Mal endete ein Kampf nur knapp oder gar umstritten, mal lieferten die Akteure einen umjubelten Kampf ab, mal arbeitete sich ein geschlagener Kontrahent die Rangliste wieder hoch und zuweilen kommt es auch vor, dass ein Boxer eine frühere Scharte in seinem Rekord auswetzen möchte. Für einen Klitschko bedeutet im Profiboxsport ein Rückkampf gegen einen seiner Bezwinger jedoch Neuland.

Die beiden Brüder Wladimir (auf Foto oben links) und Vitali Klitschko sprachen gerne nach ihren Niederlagen davon, einen Rückkampf bestreiten zu wollen, doch bislang war es nie zu den von ihnen und ihren Fans ersehnten Kämpfen gekommen. Das Familien-Buch „Die Rache des Bruders“ hat zwar bislang drei Kapitel - mit Ross Puritty , Chris Byrd und Corrie Sanders , welche gegen einen der Brüder siegten und dem anderen unterlagen - doch diesen Samstag wird erstmals einer der Klitschko-Brüder selbst versuchen, seine eigene Niederlage zu „rächen“.

Wladimir Klitschko steigt erneut mit Lamon Brewster (auf Foto oben rechts) in den Ring, um seine bislang letzte Niederlage, von vor drei Jahren, vergessen zu machen. Brewster will seinerseits belegen, dass er damals zu Recht gewonnen hatte, war doch nach seinem überraschenden Erfolg der Wert seines Sieges von mehreren Seiten in Frage gestellt worden.

Im März 2003 war es, als Wladimir Klitschko den WBO-Titel in einer freiwilligen Titelverteidigung an Corrie Sanders verlor. Das Boxsport-Magazin „The Ring“ bezeichnete später diesen Kampfausgang als „Überraschung des Jahres“. Schon bald erwartete der Weltverband eine Pflichtverteidigung von Sanders. Der damals auf dem obersten Platz der Verbandsrangliste rangierende David Tua hatte jedoch nach seinem Unentschieden gegen Hasim Rahman Probleme mit seinem Management. So erwählte die WBO den US-Amerikaner Lamon Brewster zum Herausforderer von Sanders Pflichtverteidigung. Brewster hielt den Titel der NABO (North American Boxing Organization) inne, einem kleinen Tochterverband der WBO, welcher ihn auf Platz 2 der Rangliste vorbrachte. Doch wenige Wochen, bevor der Kampf stattfinden sollte, sagte Sanders ab und gab seinen WM-Titel zurück. Sein neues Ziel war ein Titelkampf gegen Vitali Klitschko. Zum neuen Gegner für Brewster, um den nun vakanten Titel, wurde Wladimir Klitschko ernannt, welcher sich zwischenzeitlich an die Spitze der Rangliste vorarbeiten konnte.

Wladimir Klitschko vs. Lamon Brewster II - Der Vorbericht

Als die beiden Kontrahenten dann in Las Vegas gegeneinander im Ring standen, schien es in den Anfangsrunden der Fall zu sein, dass der Ukrainer seiner Favoritenrolle gerecht werden würde. Doch das Tempo im Kampf wurde von beiden Boxern hoch gehalten und so erinnerten die Kommentatoren des übertragenden US-Senders HBO, Jim Lampley und Larry Merchant , an die Niederlage von Klitschko gegen Ross Puritty, als der Ukrainer konditionell völlig erschöpft ab der zehnten Runde einen Treffer nach dem anderen nahm, bevor sein damaliger Trainer Fritz Sdunek seinen Schützling aus dem Kampf nahm.

Mit der dritten Runde wurde der Kampf ausgeglichener, als Brewster einen harten linken Haken landen konnte und Klitschko so erstmals leicht zum Wackeln brachte. Die vierte Runde wiederum sah den Favoriten vorne, welcher nach harten Treffern einen Niederschlag erzielen konnte. Doch Klitschkos anschließende Versuche, den Kampf vorzeitig zu entscheiden, blieben erfolglos. Als Brewster gegen Rundenende schließlich stolperte und Klitschko gleichzeitig ihn klammern wollte, fielen beide Boxer zu Boden und kamen nur mühsam wieder auf die Beine. Zu Beginn der fünften Runde suchte Klitschko die Entscheidung mit harten Schlägen, doch sein Gegner zeigte sich gut erholt und blockte die meisten Angriffsversuche des Ukrainers. Dieser kämpfte mittlerweile mit hängender Deckung, was die Chance für Brewster eröffnete. Nach drei harten linken Haken fiel Klitschko gegen die Seile, was Ringrichter Robert Byrd veranlasste, ihn anzuzählen. Zwar überstand Klitschko den Rest der Runde auf wackeligen Beinen, stieß jedoch zum Rundenende mit Byrd zusammen und fiel zu Boden. Der damals 28-Jährige mühte sich zwar wieder empor, doch Robert Byrd nahm den völlig entkräfteten und in seinem Gesichtsausdruck gezeichneten Ukrainer aus dem Kampf.

Für viele Zuschauer kam die Niederlage Klitschkos überraschend, hatte jener doch zuvor den Kampf größtenteils bestimmt und seinen Gegner gar am Boden. Theorien von „KO-Tropfen“ im Trinkwasser machten die Runde, erhöhte Blutzuckerwerte bei anschließenden medizinischen Untersuchungen von Klitschko sorgten für ein Mysterium, die stark gesunkenen Wett-Quoten auf einen Brewster-Sieg sollten als Indiz gelten und zum Teil wurde auch die bloße indirekte Beteiligung von Don King am Kampf als Ursache für Klitschkos Niederlage angesehen. Doch keine jener Theorien konnte Bestätigung finden. Und so tut der Ukrainer wohl gut daran, wenn er heutzutage sagt, dass er „nicht wisse“, was genau damals vorgefallen sei und worin die Gründe für seine damalige Niederlage liegen. Anderenfalls würde er sonst als der Dumme dastehen, wenn er früheren Vermutungen widersprechen würde, oder als ein schlechter Verlierer, wenn er sich wie der ein oder andere Fan von mysteriösen Theorien überzeugt zeigte.

Leidtragender der Ursachenforschung an Klitschkos Niederlage war der neue Titelträger Lamon Brewster. Sein Sieg wurde eher als Zufall gewertet und auch wegen seiner früheren Punktniederlagen gegen Clifford Etienne und Charles Shufford genossen die Weltmeister der anderen Verbände ein höheres Ansehen. Daran änderte auch der knappe und leicht umstrittene 2:1-Punktrichterentscheid im Kampf gegen seinen guten Freund Kali Meehan nichts, wobei dieser beinahe der erste australische Schwergewichtsweltmeister geworden wäre. Größere Anerkennung erhielt Brewster erst, als er als erneuter Außenseiter in Chicago den WBO-Titel gegen seinen polnischen Herausforderer Andrew Golota mit drei Niederschlägen in der ersten Runde verteidigte. Die Titelträger John Ruiz und Chris Byrd hatten zuvor nur in knappen Punktentscheidungen ihre WM-Titel gegen Golota verteidigt. Auch der vorzeitige Sieg bei seiner Pflichtverteidigung in Hamburg gegen Luan Krasniqi steigerte die Popularität des schlagstarken „Erbarmungslosen“.

Im April letzten Jahres trat Lamon Brewster in einer freiwilligen Titelverteidigung gegen den ebenfalls von Don King protegierten Serguei Lyakhovichh an. In einem der besten Schwergewichtskämpfe des Jahres gelang es dem Weißrussen, mit schnellen Schlägen zu punkten und der Schlagkraft Brewsters zu widerstehen. Zwar kniete Lyakhovich in der siebten Runde nach mehreren Treffern nieder, fuhr jedoch einen klaren Punktsieg ein und nahm somit Brewster den Titel ab. Bei diesem Kampf zog sich der Titelverteidiger bereits in der ersten Runde eine Netzhautablösung am linken Auge zu, welche die Sicht des damaligen Weltmeisters beeinträchtigte. Eine Operation und eine Verletzungspause von sechs Monaten für Brewster folgten, weswegen es auch nicht zu dem von den Fans erhofften Rückkampf kam.

Klitschkos Stand in der Boxwelt nach der Niederlage gegen Brewster war alles andere als gut. Seine Nehmerfähigkeiten wurden einmal mehr in Frage gestellt, ebenso seine Entscheidung, den Trainer zu wechseln. Hoffnungen Klitschkos auf einen sofortigen Rückkampf gegen Brewster wurden nicht erfüllt. Er fiel in der Rangliste der WBO zurück und eine mehrmonatige Schutzsperre des BDB (Bund Deutscher Berufsboxer) verhinderte eine zeitnahe Rückkehr Klitschkos in den Ring. Als der Schützling von Emanuel Steward sechs Monate nach seiner Niederlage in den Ring zurückkehrte, wirkte er nicht souverän. In der vierten Runde schlug ihn sein Gegner DaVarryl Williamson gar nieder. Nachdem die Kontrahenten jedoch Ende der fünften Runde unabsichtlich mit den Köpfen zusammenstießen, entstand eine Risswunde über Klitschkos rechtem Auge, woraufhin Ringärztin Margaret Goodman empfahl, den Kampf abzubrechen. Die Punktekarten wurden nach fünf Runden ausgewertet, zwei der Punktrichter sahen den Ukrainer vorne. In seinem folgenden Kampf gewann Klitschko in Dortmund gegen Eliseo Castillo . Der aus dem Cruisergewicht stammende Kubaner war jedoch physisch stark unterlegen und erweckte einen chancenlosen Eindruck, weswegen sich letzten Endes die Begeisterung über Klitschkos Sieg in Grenzen hielt.

Einen erneuten Knackpunkt in der Karriere des im heutigen Kasachstan geborenen Boxers sollte der Ausscheidungskampf gegen Samuel Peter darstellen. Der damals ungeschlagene Nigerianer galt als schlagstark und dementsprechend als Gefahr für Klitschko und dessen Eigenschaft, harte Treffer weniger gut wegstecken zu können. So kam es auch zu drei Bodenbesuchen des erfahreneren Boxers, die dieser jedoch verkraften konnte. Ein letztlich verdienter Punktsieg über Peter sicherte Klitschko die Herausfordererposition für die Weltmeister Chris Byrd und Lamon Brewster.

Seinen WM-Kampf bestritt Klitschko schließlich gegen den IBF-Weltmeister Chris Byrd. Dieser hatte seine Pflichtverteidigung früher zu absolvieren als sein Cousin Lamon Brewster, zudem trennte sich Byrd von Don King, was die Verhandlungssituation mit der Klitschko-Seite erleichtert haben mag. Die Tatsache, dass der jüngere Klitschko-Bruder bereits Jahre zuvor einen deutlichen Sieg gegen Byrd erzielen konnte, vermag auch eine Rolle gespielt zu haben. Und auch im Jahre 2006 lagen die Vorteile bei Klitschko, welcher Byrd zweimal zu Boden schickte, bevor jener mit stark blutender Risswunde am linken Auge aus dem Kampf genommen wurde.

Schon direkt nach dem Titelgewinn kündigte Wladimir Klitschko an, gegen andere Weltmeister antreten zu wollen. Zunächst verhandelte man mit WBC-Weltmeister Oleg Maskaev , doch die Verhandlungen scheiterten, weil man sich nicht auf ein Kampfdatum einigen konnte. Klitschko trat daraufhin in einer freiwilligen Titelverteidigung gegen Calvin Brock an. Nachdem der ungeschlagene US-Amerikaner die ersten vier Runden ausgeglichen gestalten konnte, drehte Klitschko ab der fünften Runde das Tempo auf und schlug seinen Gegner in der siebten Runde nieder, was zum Kampfende führte. Auch in seiner folgenden Pflichtverteidigung gegen Ray Austin siegte Klitschko souverän, als er seinen überforderten Herausforderer in der zweiten Runde mit mehreren linken Haken stoppte.

Obwohl Klitschko wiederholt betont, Titelvereinigungskämpfe anzustreben, scheint dieses Ziel weiterhin nicht in greifbarer Nähe. So erscheint die Wahl von Lamon Brewster als Gegner in einer freiwilligen Titelverteidigung als die bestmögliche. Klitschko mag es dabei erfreut haben, dass sich die Wege vom ungeliebten Don King und die von Lamon Brewster im August letzten Jahres trennten.

Wladimir Klitschko scheint sich derzeit in Bestform zu befinden. Die souveränen Siege seit 2005 haben ihm Selbstvertrauen zurück gegeben. Auch boxerisch vermochte er sich noch in seiner bereits fortgeschrittenen Karriere weiter zu entwickeln. Vor allem im Defensivverhalten scheint sich der Weltmeister verbessert zu haben.

Gegen Samuel Peter hat Klitschko gezeigt, dass er mit Druck und einem schlagstarken Gegner umgehen kann. Doch Brewster ist erfahrener und schlägt präziser als Peter, der Ukrainer wird sich wohl die gesamte Dauer des Kampfes in Acht nehmen müssen. Für die Punktezettel ist der Titelverteidiger der klare Favorit. Mit seiner variabel geschlagenen Führhand kann Klitschko seinen Gegner gut auf Distanz halten und gleichzeitig punkten. Dabei wird Klitschko auch die Aufgabe zukommen, das Tempo des Kampfes zu kontrollieren; ein zu hohes Tempo könnte ansonsten seinen Tribut zollen.

Zwar haben sowohl Klitschko, als auch sein Trainer Emanuel Steward angekündigt, dass sie einen vorzeitigen Sieg erzielen wollen, doch einen K.o. zu erzwingen sollte eigentlich nicht das Ziel von Klitschko sein. Schon im ersten Kampf gegen Brewster war dies nicht das Mittel zum Erfolg für Klitschko.

Lamon Brewster stand seit mehr als einem Jahr nicht mehr im Ring. Auch wenn er schon früher gezeigt hat, dass er starke Leistungen nach längeren Wettkampfpausen bringen kann - wie z.B. beim Hinkampf mit Klitschko -, so wird sich die lange Ringabstinenz vermutlich eher negativ ausgewirkt haben. Er wird Druck auf Klitschko ausüben müssen und sein Ziel wird es sein, die Deckung von Klitschko zu schwächen, z.B. durch ein hohes Tempo oder durch Körpertreffer. Beinahe sicher scheint, dass wenn Brewster den Kampf nicht in den Anfangsrunden entscheiden kann, er im Verlauf des Kampfes mehrere harte Treffer nehmen wird. Gut denkbar, dass es ein weiterer Kampf wird, der Brewster an die Substanz geht.

Die Wettanbieter sehen Klitschko als deutlichen Favoriten. Der Autor dieses Vorberichtes sieht es nicht so deutlich und räumt Brewster durchaus gute Chancen auf einen erneuten Titelgewinn ein. Dennoch ist ein Klitschko-Sieg wahrscheinlicher. Trotz der Tatsache, dass Brewster über starke Nehmerqualitäten verfügt, ist er keine „unknackbare Kokosnuss“. Eine Vielzahl von harten Treffern seitens Klitschkos vermag einen vorzeitigen Erfolg für den Ukrainer herbeizuführen. Freitag, 06. Juli 2007


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Der Beitrag stammt vom 08. Juli 2007 und steht in der Rubrik Kampfvorschauen. Sie versammelt 14 Beiträge aus dem Archiv, 3 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.866 Wörter Fließtext und liegt damit an 6. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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Genannt werden in diesem Beitrag Wladimir Klitschko, Vitali Klitschko und Luan Krasniqi. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 11. Stelle von 14. Davor liegt Nikolay Valuev vs. Jameel McCline - Der Vorbericht aus 2007. Danach folgt Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht aus 2007. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht, Nikolay Valuev vs. Jameel McCline - Der Vorbericht und Regina Halmich vs. Elena Reid II - Der Vorbericht. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

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Er trägt das Datum 08. Juli 2007 und gehört zur Rubrik Kampfvorschauen, die im Archiv 14 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2007 stammen davon 3.

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Innerhalb der Rubrik Kampfvorschauen steht dieser Beitrag an 11. Stelle von 14. Davor liegt "Nikolay Valuev vs. Jameel McCline - Der Vorbericht" aus 2007. Danach folgt "Floyd Mayweather jr. vs. Ricky Hatton - Der Vorbericht" aus 2007.

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