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Jermain Taylor vs. Cory Spinks - Der Bericht
Ein unspektakuläres, sehr taktisches und ausgeglichenes Duell lieferten sich am Samstag die beiden US-Amerikaner Jermain Taylor (auf Foto oben links) und Cory Spinks im FedEx Forum von Memphis in Tennessee, USA. Der WM-Kampf der Verbände WBC und WBO im Mittelgewicht wurde dabei von der Rahmenprogramm-Auseinandersetzung zwischen Kelly Pavlik und Edison Miranda klar in den Schatten gestellt. Anders als bei dem offensiv-aggressiv geführten Duell zwischen Pavlik und Miranda stand im Hauptkampf das Vermeiden von Fehlern im Vordergrund.
Dabei hatte Titelverteidiger Taylor mit seinem bereits im Welter- und Superweltergewicht zu WM-Ehren gekommenen Gegner trotz nicht zu übersehender physischer Vorteile erhebliche Schwierigkeiten. Hauptproblem für Taylor stellte die Beweglichkeit des Rechtsauslegers aus St. Louis dar. Mittels guter Meidbewegungen und Beinarbeit neutralisierte der 29-jährige Spinks die Paradewaffe seines Gegners, die Führhand, weitestgehend. Etwas besser kam Spinks in den beiden ersten Durchgängen mit seinem Jab zum Zuge. Mitte der Eröffnungrunde brachte der Sohn von Ali-Bezwinger Leon Spinks eine gute linke Schlaghand ins Ziel, die beste Aktion des Durchgangs, der in einem kurzen Schlagabtausch ohne nennenswerte Treffer endete. In der dritten Runde präsentierte sich Taylor etwas aggressiver. Mehrmals kam die unvorbereitete Schlaghand zum Zuge, ohne jedoch Schaden anzurichten.
Auch in Durchgang vier zeigte sich Taylor offensiver. Mehrmals brachte der 28-Jährige die eingesprungene Rechte, allerdings wurde jeder dieser Schläge von Spinks durch Abducken vermieden. Der Rechtsausleger punktete dagegen aus der sicheren Distanz. Einer erneuten Tempoverschärfung von Taylor in Runde fünf folgte ein sechster Durchgang, in dem Spinks hauptsächlich mit Führhandaktionen punktete, während sich Taylor vergeblich bemühte, harte Treffer unterzubringen. In Runde sieben brachte sich Spinks nach einem schnellen Rein-raus-Manöver kurzzeitig selbst aus der Balance. Diese Situation konnte von Taylor jedoch nicht genutzt werden, da sich dieser gerade in der Rückwärtsbewegung befand. Durchgang acht gestaltete der Außenseiter aus Missouri weitestgehend zu seinen Gunsten. Kurz vor dem Pausengong punktete Taylor zwar mit einer guten Kombination, doch die Antwort von Spinks folgte sogleich.
Auch die folgenden Durchgänge verliefen relativ ausgeglichen. Taylor agierte jeweils im Vorwärtsgang, Spinks zeigte sich wesentlich aktiver als der Champion. In der Schlussrunde begann Taylor zunächst sehr aggressiv, konnte jedoch keine nennenswerten Aktionen landen, geschweige denn den Kampf noch vorzeitig beenden. So kamen also die Punktrichter zum Zuge, die den Titelverteidiger knapp in einer geteilten Entscheidung (117:111 für Spinks, 115:113 und 117:111 für Taylor) bevorzugten. Damit verteidigte Taylor seinen Titel zum vierten Male erfolgreich. Sicherlich kein Skandal, aber beschweren können hätte sich Taylor sicherlich nicht, wäre Spinks der Titel zuerkannt worden. Zwar präsentierte sich der Weltmeister stets im Vorwärtsgang, doch Spinks zeigte sich über weite Strecken des Gefechts wesentlich aktiver, hatte seinem Gegner erfolgreich seinen Kampfstil aufgezwungen. Der Autor dieses Artikels hatte Spinks übrigens mit 115:113 vorne.