Kampfberichte Kampfbericht
Drews verliert Titel
Bei seinem dritten Anlauf auf einen Weltmeisterschaftstitel war der Australier Danny Green (Foto) am Sonntagabend schließlich erfolgreich. Mit einer einstimmigen Punktentscheidung nahm er dem Kroaten Stipe Drews den Titel im Halbschwergewicht, nach Version der WBA, ab. Für Drews wurde damit auch sein zweiter beruflicher Ausflug nach „Down Under“ zum Misserfolg.
Bereits 2004 war der Boxer im Dienste des Hamburger Universum-Boxstalls nach Sydney gereist, um gegen den Lokalmatadoren Paul Briggs anzutreten. Im damaligen Ausscheidungskampf für den WM-Titel des WBC lieferten sich die Kontrahenten einen über weite Strecken ausgeglichenen Kampf. Doch mehrere Niederschläge und Punktabzüge wegen Fouls hinderten Drews daran, den Kampf zu gewinnen.
Drews konnte sich nach der Niederlage wieder nach oben arbeiten und im letzten Jahr in München gegen Antonio Brancalion den Europameistertitel erringen und ihn gegen den Deutschen Kai Kurzawa verteidigen. Dies steigerte seine Position in der Rangliste des WBC und erneut hatte der Kroate eine Aussicht auf einen WBC-Ausscheidungskampf, diesmal gegen den US-Amerikaner Chad Dawson . Doch wenige Wochen, bevor der Kampf stattfinden sollte, wurde der Kampf von Drews- und Universum-Seite abgesagt. Silvio Branco , der nach dem Rücktritt von Fabrice Tiozzo zum alleinigen WBA-Weltmeister ernannt wurde, sollte seinen Titel gegen den Höchstplatzierten der WBA-Rangliste verteidigen. Zu dem Zeitpunkt war dies Drews, welcher schon 2003 einen einstimmigen Punktsieg gegen Branco erzielen konnte. Auch im Rückkampf im April dieses Jahres verließ „Spiderman“ den Ring als Sieger, als er trotz Niederschlag und zwischenzeitlich schwachen Runden am Ende nach einem knappen Kampf einstimmig auf den Zetteln der Punktrichter vorne lag.
Seine erste Titelverteidigung sollte Drews eigentlich gegen den Panamaer Tito Mendoza bestreiten. Doch er lehnte den Kampf ab, angeblich war ihm die angebotene Börse zu gering. Bei Universum nutzte man den bestehenden Kontakt zu Mendoza und überredete die WBO, ihn in deren Top15-Rangliste aufzunehmen, damit er in einer Titelverteidigung von Universum-Boxer Zsolt Erdei antreten konnte. Eine weitaus größere Kampfbörse bot sich dem Kroaten für einen Kampf mit dem Australier Danny Green.
„The Green Machine“ ist beim deutschen Boxpublikum durchaus bekannt. 2003 verlor er als Herausforderer von WBC-Weltmeister Markus Beyer nach einem Kopfstoß durch Disqualifikation. Dabei hatte der damalige Supermittelgewichtler den Titelträger anfangs noch niederschlagen können. 2005 bestritten die Kontrahenten ihren spannenden Rückkampf, den Markus Beyer nach Punkten gewann, nachdem er in der Schlussrunde erneut in arge Bedrängnis geriet.
Auch Greens nächste Versuche, im Supermittelgewicht zu Titelehren zu kommen, scheiterten. Im letzten Jahr versuchte er sich im Ausscheidungskampf der WBA gegen seinen Landsmann Anthony Mundine . Bei einer der größten Boxveranstaltungen Australiens boxte ihn Mundine über einen Großteil der zwölf Runden aus.
Der kräftig gebaute 34-Jährige wechselte anschließend in das Halbschwergewicht. Mit vorzeitigen Siegen über Otis Griffin und die früheren Titelkämpfer Paul Murdoch und Jason DeLisle machte Danny Green wieder von sich reden. Sogar ein Duell mit US-Star Antonio Tarver stand in Aussicht. Doch die Verhandlungen zwischen beiden Seiten scheiterten, bis sich für Green mit einem Titelkampf gegen Drews eine weitere lukrative Option auftat.
Schauplatz des Kampfes war Greens Heimatstadt Perth, die mit Abstand größte Stadt im westlichen Teil Australiens. So trug neben seiner Schlagkraft auch der Umstand, vor heimischem Publikum zu boxen, zur Favoriten-Rolle Greens bei. Dieser Rolle wurde Green bereits in der ersten Runde gerecht. Während „Spiderman“ Drews (Foto) nur zaghaft seine Führhand nach vorne schob, machte „The Green Machine“ Druck und brachte trotz großer Reichweitennachteile den Jab deutlich öfter ins Ziel. Auch seine Schlaghand konnte der Boxer aus Perth vereinzelt unterbringen, wohingegen Drews seine nur selten einsetzte und sich überwiegend im Rückwärtsgang doch den Ring bewegte.
In der darauffolgenden Runde zeigte sich der Titelverteidiger aktiver und brachte nun auch seine linke Schlaghand ins Ziel. Doch sein Herausforderer erhöhte ab der Mitte der Runde wieder den Druck und mehrere gute Treffer mit der Schlaghand sicherten Green den zweiten Durchgang.
Drews Trainer Michael Timm forderte anschließend in der Rundenpause mehr Schläge von seinem Schützling. Doch dieser kam der Aufforderung zunächst nicht nach. Green begann die dritte Runde wild und nachdem er sich nach einem verfehlenden rechten Schwinger bei Drews einhing, sanken beide Boxer in die Ringseile. Der Mann aus „Down Under“ machte anschließend weiter Druck und versuchte es mit wilden Schwingern, während Drews sich auf schnellen Beinen rückwärts durch den Ring bewegte. Green besann sich daraufhin auf kürzere Schläge, mit denen er deutlich häufiger traf, während Titelträger Drews weiterhin wenig schlug.
Besser für Drews lief der Anfang der vierten Runde. Der Titelträger aus Kroatien brachte seinen Jab mehrmals unter und konnte auch mit seiner Schlaghand ein paar Treffer verbuchen, während Greens Schläge überwiegend ins Leere gingen. Zur Mitte der Runde handelte sich Drews eine Verwarnung ein, nachdem er den auf ihn zuspringenden Green abkonterte und ihm dann einen Schlag auf den Hinterkopf verpasste.
Einen klaren fünften Durchgang sicherte sich wiederum der Australier. Ein knackiger linker Haken, früh in der Runde, schien Drews zu beeindrucken. Der Kroate, stark aus der Nase blutend, wirkte anschließend eingeschüchtert und brachte nur noch fintierte Schläge mit der Führhand, während sein Herausforderer weiterhin Druck ausübte.
Ein ähnliches Bild zeigte sich auch im nächsten Durchgang, als Green seinen Kontrahenten erneut mit einem linken Haken durchrüttelte. Jener holte sich später in der Runde gar eine Ermahnung von Ringrichter Takeshi Shimakawa ein, er solle schlagen und nicht nur weglaufen. Der Kroate folgte zwar dieser Anweisung, doch es war weiter Green, der die besseren Treffer setzte.
Obwohl Drews nun bewusst sein durfte, dass er schon mindestens fünf Runden verloren hatte, verstärkte er seine Bemühungen nicht. Im Gegenteil, der Kroate bewegte sich immer mehr im Rückwärtsgang und beschränkte sich darauf, möglichst selten getroffen zu werden.
Erst in der elften Runde schien Drews endlich aufzuwachen und begann nun auch aktiv zu boxen. Sogleich variierte er auch und brachte hin und wieder seine Schlaghand ins Ziel. In der letzten Runde sahen die mitgereisten kroatischen Fans dann einen Landsmann, wie sie ihn sich schon früher erwünscht hätten. Ein Drews, der nach vorne ging, ein Drews, der schlug. Jedoch war es auch ein Drews, der weit davon entfernt war, seinen Herausforderer noch in Bedrängnis bringen zu können. Soviel Aggressivität war dann doch nicht gegeben.
Und so war es eine klare Angelegenheit, als die Punktrichter mit 120:108, 118:111 und 118:110 Danny Green zum neuen Weltmeister der WBA im Halbschwergewicht ernannten. Stipe Drews hatte zwar nach dem Kampf ein Lächeln auf den Lippen, aber er machte damit nur gute Miene zur schlechten Leistung.
Die Zukunft: Für Green könnte die Zukunft verschiedene Möglichkeiten bieten. Seine spektakuläre Art zu boxen hat ihm eine gewisse Popularität verschafft. Antonio Tarver könnte weiterhin an ihm interessiert sein. Auch für andere US-Stars wäre der Aussie ein möglicher Gegner.
Da es sich um eine freiwillige Titelverteidigung von Stipe Drews handelte, müsste Green laut WBA-Regeln seinen Titel innerhalb der nächsten vier Monate pflichtverteidigen. Altmeister Roy Jones , der zweimalige Erdei-Herausforderer Hugo Garay , der Ukrainer Yuri Barashian und Europameister Thomas Ulrich würden sich hier beispielsweise anbieten.
Für den 34-jährigen Drews mag sich dagegen die Frage stellen, ob ein Fortsetzen seiner Karriere sinnvoll erscheint. Wenn man derart lustlos im Ring auftritt und kaum Engagement zeigt, den eigenen Titel zu verteidigen - der Gewinn des selbigen war wohl der größte Erfolg in Drews’ Karriere - dann darf doch hinterfragt sein, ob überhaupt genug Kampfeswille für eine weitere Boxkarriere vorhanden ist. Dienstag, 18. Dezember 2007