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Alexander Dimitrenko vs. Timo Hoffmann - Der Bericht


Alexander Dimitrenko vs. Timo Hoffmann - Der Bericht

Die beiden Hauptkämpfe am Samstag in Magdeburg/Germany wurden geprägt durch die unzureichende Leistung der Offiziellen. Im Kampf zwischen Alexander Dimitrenko (26-0, 16 KOs) und Timo Hoffmann (36-5-1, 20 KOs) wollte sich der Ringrichter André van Grootenbruel offenbar um den Titel „Schlechtester Ringrichter des Jahres“ bewerben. Der Belgier war mit dem Geschehen im Ring sichtlich überfordert. Er konnte sich zwar in der dritten Runde dazu durchringen, den ungeschlagenen Ukrainer wegen wiederholten „Zu-Boden-Drückens“ seines Gegners zu ermahnen. Aber zur überfälligen Verwarnung mit dem obligatorischen Punktabzug konnte er sich dann doch nicht entschließen. Als der Deutsche in der vierten Runde zweimal nach harten Kombinationen zu Boden musste, verlor er gänzlich die Übersicht. Denn wenig später zählte er ihn erneut an, diesmal war Hoffmann zu Boden gedrückt worden.

Als ob die beiden Kämpfer den hoffentlich Unparteiischen noch mehr verwirren wollten, kam im nächsten Durchgang Hoffmann zurück und schickte seinerseits seinen Gegner mit einer fürchterlichen Links-rechts-Kombination auf die Bretter. In Durchgang sechs bis elf gewann der Kampf nur an Brutalität und Härte. In dieser atemberaubenden Ringschlacht um die WBO-Intercontinental-Meisterschaft zeichnete sich ein Arbeitssieg für Dimitrenko ab. Aber in Runde zwölf fand auch André van Grootenbruel in den Kampf zurück. Hoffmann musste direkt zu Beginn der Runde eine harte Rechte nehmen, die Wirkung zeigte. Aber seine nicht nur in diesem Kampf gezeigte, nahezu unglaubliche Nehmerfähigkeit ließ ihn diese Situation überstehen, allerdings nur um kurze Zeit später zu Boden geschlagen zu werden. Grootenbruel zählte Hoffmann an. Einmal in Schwung gekommen zählte er ihn dann gleich nochmals an, nachdem Dimitrenko Hoffmann zu Boden gedrückt hatte. Um die Situation dann noch verwirrender zu machen, verwarnte er Dimitrenko auch noch dafür. Wohl erschrocken über seine Tat, nutzte er den nächsten Besuch von Hoffmann im Ringstaub, der auch nicht auf reine Schlagwirkung zurückging, um den Kampf abzuwinken. Grootenbruel versäumte es nicht nur, Dimitrenko für wiederholtes Herunterdrücken frühzeitig zu verwarnen, auch einige der Schläge auf den Hinterkopf des am Boden knienden Hoffmann wären Punktabzüge wert gewesen. Auch die Tiefschläge beider Boxer und das zu tiefe Abtauchen von Hoffmann hätte ein guter Ringrichter unterbunden.

3.700 Zuschauer sahen einen hochdramatischen und spektakulären Schwergewichtskampf, in dem beide Boxer eine unglaubliche Leistung zeigten. Leider sahen sie aber auch eine unglaubliche Leistung des Ringrichters. Alexander Dimitrenko hätte den Kampf wohl auch ohne die Hilfe des Ringrichters gewonnen. Auch im zweiten Hauptkampf des Abends, der WIBF-Weltmeisterschaft im Federgewicht zwischen Ina Menzer (19-8, 8 KOs) und Laura Serrano (17-3-2, 6 KOs) sah die Mehrheit der Offiziellen nicht sehr gut aus. Der Ringrichter Daniel van der Wiele aus Belgien allerdings zeigte einmal mehr, warum er zu den besten Ringrichtern der Welt zählt. Etwas, was man von seinen Punktrichterkollegen nicht sagen konnte.

Die in Kasachstan geborene Menzer (Foto) hatte mit der in Mexiko geborenen Rechtsauslegerin erhebliche Schwierigkeiten. Die unorthodox boxende 40-jährige Serrano, die erstaunlich oft zum Körper ging, machte es der Titelverteidigerin sehr schwer. Serrano hatte von ihren letzten fünf Kämpfen drei verloren. In ihrem Profidebüt 1994 hatte sie ein nicht unumstrittenes Unentschieden gegen Christy Martin erreicht. Bereits in ihrem nächsten Kampf wurde sie Weltmeisterin der WIBF, konnte aber mangels Gegnerin den Titel nie verteidigen. Gegen Ina Menzer zeigte sie nochmals, was in ihr steckt.

Die Punktrichter werteten wie folgt: Zoltan Enyedi (Ungarn) 97:93, Jörg Illinseer (Deutschland) 98:92, und der schon bekannte André van Grootenbruel (Belgien) 97:93. Alle Journalisten am Ring, die der Autor sprach, hatten ein Unentschieden gesehen.

Obwohl der Veranstalter Universum Box-Promotion davon spricht, dass Ina Menzer die Nachfolgerin von Regina Halmich werden kann, sah sie in diesem Kampf nicht wie die Königin des Frauenboxens aus.

So sah eher Asiye Ozlem Sahin (3-0, 1 KO) aus. Die aus Ludwigsburg stammende Sahin mit den auffallend langen Haaren bekam es mit Renata Depciyh aus Kattowitz (Polen) zu tun, die ihr Profidebüt gab. Bereits nach einem Schlag merkte Depciyh, dass sie einen Fehler begangen hatte, als sie mit Sahin in den Ring stieg. Danach suchte sie ihr Heil in der Flucht und betätigte sich als Dauerläuferin. Sahin ließ sich davon aber nicht beirren. Mit stoischer Ruhe verfolgte sie ihre Gegnerin. In der dritten Runde stellte sie sie dann in der neutralen Ecke. Eine Linke und ein rechter Haken zur Schläfe schickten sie zu Boden. Ihr Trainer brach danach den ungleichen Kampf ab. „Sugar“ Sahin hat einmal mehr bewiesen, dass sie ihren Kampfnamen zu Recht trägt.

Der Cruisergewichtler Grigory Drozd (Foto) (27-1-0, 21 KOs) zeigte eine beeindruckende Leistung. Der Mann aus Moskau bekam es mit dem Brasilianer Laudelino Jose Barros (25-1-0, 23 KOs) zu tun. Das Aufeinandertreffen zweier KO-Schläger hielt, was man sich von ihm versprochen hatte.

Der Kampf fing verhalten an - beide tasteten sich gegenseitig ab. Von Runde zu Runde wurde er dann schneller und härter. Die ersten drei Runden gingen an Drozd, wobei er am Ende des zweiten Durchgangs Barros mit drei harten rechten Haken kurz einknicken ließ. Die Runden vier und fünf gehörten dann dem Mann aus Sao Paulo. Sein Jab gab hierbei den Ausschlag. Die folgenden zwei Runden gehörten wieder Drozd. Der Kampf wurde immer verbissener geführt. Mit dem Gong zum Ende der sechsten Runde fand Barros sich auf dem Hosenboden sitzend wieder.

Was sich in den vorangegangenen Runden abgezeichnet hatte, fand im achten Durchgang schließlich seine Vollendung. Barros suchte die Entscheidung und verwickelte Drozd in einen Schlagabtausch nach dem anderen. Dann stand Barros am Seil, Drozd vor ihm, die Situation sah aus wie tot. Plötzlich ging Drozd einen Schritt rechts zur Seite, feuerte eine Linke zum Kinn und eine Rechte zum Solarplexus. Der Kampf war aus. Barros lag KO am Boden. Drozd bleibt Asien-Pazifik-Meister der WBO.

Auch der ukrainische Schwergewichtler Vladimir Virchis (Foto) (23-1-0, 19 KOs) beeindruckte in seinem Kampf. Virchis wurde seinem Spitzname „The Hunter“ gerecht. Geduldig verfolgte er seinen Gegner, den US-Amerikaner Robert Hawkins (22-9, 7 KOs). Hawkins hatte zwar von seinen letzten acht Kämpfen sechs verloren, aber er war auch schon mit David Tua und Samuel Peter über die Distanz gegangen.

In den ersten vier Runden spielte der „Jäger“ Virchis mit seinem Gegner und trieb ihn durch den Ring. Ein erster Niederschlag beendete die dritte Runde. Nach weiteren Treffern in Runde vier kam in Runde fünf der finale K.o. Virchis setzte nun nach, und nach einem Treffer mit der linken Schlaghand sank der Amerikaner auf den Ringboden und wurde von Ringrichter Manfred Küchler ausgezählt.

Der Schwergewichtler Evgeny Orlov (3-2-1, 3 KOs), der bei SES Magdeburg unter Vertrag ist, kommt eigentlich vom Kickboxen. Mit einer Größe von 206 cm und einem Gewicht von 138 Kilo gehört er zu den vielen großen osteuropäischen Schwergewichtlern, die in Deutschland ihr Glück versuchen. Er soll eine entscheidende Rolle bei der Vorbereitung von Ruslan Chagaev auf dessen Kampf mit Valuev gespielt haben. Sein Boxstil erinnert an den von Valuev, nur dass Orlov etwas besser auf den Beinen ist. Der um die Mitte herum etwas schwabbelig aussehende Orlov bekam es mit einem Landsmann namens Daniil Peretyatko (8-9-0, 3 KOs) zu tun. Orlov zeigte sechs Runden lang eine recht gute Führhand, konnte aber letztlich seinen Gegner nicht vorzeitig besiegen und auch keine Begeisterungsstürme hervorrufen (59:55, 59:55, 60:55).

Sein Stallkollege, der Weltergewichtler Oliver Güttel , machte es da schon etwas besser. Er hatte einen großen und sehr lautstarken Fan-Club mit Trommeln mitgebracht, der ihn unterstützte. Auch der Matchmaker unterstützte ihn aus Leibeskräften. Sein Gegner Michal Durovic (4-26-1, 0 KOs) hatte seine letzten 15 Kämpfe alle verloren. Güttel war im September gegen Andrei Rimer KO gegangen.

Güttel benutzte in der ersten Runde manchmal seine Führhand. Das reichte, um den Kampf zu bestimmen. In der zweiten Runde nahm er hin und wieder seine Rechte hinzu, wodurch seine Dominanz noch größer wurde. Einen ähnlichen Effekt hatte dann im nächsten Durchgang die sporadische Hinzunahme von Kombinationen. Im vierten Durchgang machte dann Durovic den entscheidenden Fehler. Er versuchte zurückzuschlagen. Ein Aufwärtshaken fällte ihn und der Ringrichter nahm ihn nach 2:46 Minuten aus dem Kampf.

Der alte und neue WBO Intercontinental-Champion Alexander Dimitrenko zeigte sich nach dem Kampf in der Pressekonferenz zufrieden mit seiner Leistung; „Ich muss ehrlich sagen, das war eine ganz neue Erfahrung für mich. Es hat richtig Spaß gemacht. Timo Hoffmann ist ein sehr erfahrener, ein sehr guter Boxer und ein großer Kämpfer, der schon gegen gute Leute geboxt hat. Das ist ein großer Schritt nach vorne in Richtung WM.“ Auch Hoffmann lobte seinen Gegner: „Sascha hat eine großartige Leistung abgeliefert. Er war hervorragend. Er war einer meiner stärksten Gegner. Ich finde es nur sehr unglücklich, dass der Kampf kurz vor Schluss abgebrochen wurde. Das hätte nicht sein müssen. Das hat der Kampf einfach nicht verdient.“

Auf die Frage der Presse, ob ein Rückkampf machbar sei, erklärte der Veranstalter Klaus-Peter Kohl , dass ein Rückkampf immer möglich sei. Er schränkte jedoch ein: „Wir müssen sehen, wie der Weg von Sascha weitergeht.“ Während er dies noch ausführte, beugte sich Dimitrenko zu Kohl rüber und sagte ihm leise aber vernehmlich, dass er keinen Rückkampf wolle. Hoffmann äußerte sich zum Thema Rematch desillusioniert: „Ich wünsche mir ein Rematch sehr, aber ich glaube, es kommt nicht zu einem Rematch. Ich habe mir schon einen Rückkampf gegen Luan Krasniqi gewünscht, aber es ist nicht leicht, wenn man alleine gegen Universum boxt.“

Auf seine boxerische Zukunft angesprochen (in Bezug auf den auslaufenden Vertrag mit Sauerland Events) spottete Hoffmann: „Ich habe mit Herrn Sauerland persönlich schon lange nicht mehr gesprochen. Ich habe mich gefreut, dass von Herrn Sauerland ein Vertreter da war, Herr Doering [Sportdirektor von Sauerland Events]. Das war ein Wiedersehen nach langer Zeit. Daher war auch die Freude um so herzlicher.“

Dimitrenko musste sich dann sowohl von seinem Trainer Fritz Sdunek (Foto) als auch von seinem Veranstalter wegen seiner unsauberen Kampfführung Kritik anhören.

In der Pressekonferenz nach dem Kampfabend in Magdeburg zeigte sich auch die alte und neue Weltmeisterin im Federgewicht Ina Menzer mit ihren Leistungen zufrieden.

„Ich habe den Kampf genau so gesehen, wie die Punktrichter ihn gewertet haben. Es war sehr schwer. Meine Gegnerin war sehr unangenehm, aber ich habe getroffen und die klareren Treffer gesetzt.“ Weiter berichtete sie: „Wir wussten vorher nicht so recht, was wir von der Gegnerin erwarten sollten. Wir haben uns auf eine gefährliche Gegnerin eingestellt und das war sie dann auch. Das Konzept war, sie einfach auszuboxen. Aber so einfach war es dann nicht.“

Laura Serrano ihrerseits äußerte sich sehr höflich, kommentierte aber nicht den Kampfverlauf. Nebenbei bestätigte sie dann ein Gerücht, das vor dem Kampf durch die Pressereihen gegeistert war, dass sie nämlich bei der Ankunft in Deutschland krank geworden war. Sie ließ es offen, ob sie jemals wieder in den Ring steigen wird.

Schade dass man keinen Kampf zwischen einer fitten Laura Serrano und Ina Menzer zu sehen bekommen hat. Zumal, wenn man sich den Kampf der beiden etwas genauer ansieht. Montag,19. November 2007


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Der Beitrag stammt vom 22. November 2007 und steht in der Rubrik Kampfberichte. Sie versammelt 35 Beiträge aus dem Archiv, 7 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 1.772 Wörter Fließtext und liegt damit an 12. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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Genannt werden in diesem Beitrag Regina Halmich, Timo Hoffmann und Alexander Dimitrenko. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 29. Stelle von 35. Davor liegt Javier Castillejo vs. Felix Sturm II - Der Bericht aus 2007. Danach folgt Drews verliert Titel aus 2007. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Susianna Kentikian vs. Nadia Hockmi - Der Bericht, Jermain Taylor vs. Cory Spinks - Der Bericht und Arthur Abraham vs. Sebastien Demers - Der Bericht. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 22. November 2007 und gehört zur Rubrik Kampfberichte, die im Archiv 35 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2007 stammen davon 7.

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Namentlich Regina Halmich, Timo Hoffmann und Alexander Dimitrenko. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

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