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Oscar De La Hoya
vs.
Floyd Mayweather
- Der Vorbericht
von Wolfgang Oswald

Super Trouper - Superstars im Rampenlicht-Wahn
Am kommenden Wochenende hat für viele das lange Warten
endlich ein Ende. Und schuld daran ist ausgerechnet RTL. Zunächst
versorgt der TV-Sender Deutschland mit der Krönung eines singenden
Superstars und dann jagt er zwei boxende Superstars in der Nacht von Samstag
auf Sonntag ab 4.00 Uhr morgens in den Ring. „Pretty Boy“
Floyd
Mayweather Jr., der mehrfache Champion im Weltergewicht,
fordert „Golden Boy“ Oscar
De La Hoya (auf Foto oben rechts) um die Krone der
WBC im Halbmittelgewicht heraus.
Die Suche nach dem (Box)-Superstar:
Beide Kontrahenten gehören von den Boxfähigkeiten und Fertigkeiten
zum Besten was die Berufsboxszene aktuell zu bieten hat. In ihren Rekorden
sind zahlreiche Siege über starke Champions verzeichnet. De La Hoya
und Mayweather Jr. verfügen damit über wirkliches Weltklasseniveau
im Gegensatz zu einigen Champions hierzulande, die auf ARD, ZDF und RTL
zu bewundern sind und bei denen eine gute Vorstellung über einen
„großen Namen“ bereits genügt, um mit dem Prädikat
„Weltklasse“ ausgezeichnet zu werden.
Die zwei Ausnahmeathleten jedoch schlugen während ihrer Karriere
Dutzende von Boxern mit Rang und Namen und sammelten Meistertitel um Meistertitel.
„Goldjunge“ De La Hoya (34) war Weltmeister im Superfeder-,
Leicht-, Halbwelter-, Welter-, Halbmittel- und Mittelgewicht. Mayweather
Jr. (30) fing ebenfalls mit dem WM-Titel im Superfedergewicht an. Es folgten
die Weltmeisterschaftsgürtel im Leicht-, Halbwelter- und Weltergewicht.
Kein Wunder, dass diese Begegnung viele Boxfans elektrisiert und die Massen
anzieht.
Der teuerste und profitabelste Kampf aller Zeiten
De La Hoya gegen Mayweather Jr. (auf Foto links), dank Superstarhype-
und wahn ein absoluter Megafight in einer Zeit, in der das Boxen in den
Staaten angeschlagen ist und auf wackligen Füßen steht, was
die TV-Popularität angeht. Dieser Boxkracher ist das erste große
Pay-Per-View-Event nach mehreren Jahren, das allgemeines Interesse weckt.
Alle, die in den Kampf involviert sind, versprechen sich das dickste Geschäft
in der Geschichte des Profiboxens. Auch wenn beide Weltmeister nicht im
Schwer-, sondern im Halbmittelgewicht (69,8 kg) boxen. De La Hoya, so
wird geschätzt, kassiert etwa 40 Millionen Dollar, Mayweather Jr.
wenigstens die Hälfte. Der US-Kabelsender HBO, der den Kampf für
54,95 Dollar überträgt, hat sich das Ziel gesetzt, die Einnahme
von 112 Millionen Dollar aus dem Rekordfight Lennox Lewis
gegen Mike Tyson im Jahr 2002 zu toppen. Keine Frage,
die finanzträchtige Auseinandersetzung hat das Potential, dem US-Boxsport
wieder einen Aufschwung zu geben. Sie kann allerdings auch zum endgültigen
Knockout führen, wenn man statt des erhofften Thrillers später
gestehen muss: „Mann, war dieser Kampf langweilig!“
Sicher ist: De La Hoya und Mayweather sind im Grunde auf lange Sicht die
letzten amerikanischen Boxhelden, mit denen die US-Bezahlsender eine Menge
Geld machen können. Sie polarisieren, haben Ausstrahlung, Charisma
und bieten Boxkunst auf höchstem Niveau. Beide gelten als Techniker
und Taktiker, was jedoch nicht unbedingt auf einen offenen und publikumswirksamen
Schlagwechsel über die gesamte Distanz schließen lässt.
RTL kann es egal sein, denn seit dem Boxmillionär Henry Maske sind
die deutschen Zuschauer gewöhnt, jede Runde drei Minuten lang auf
einen Schlag ausharren zu müssen, was dann in großspurigen
Tönen als Schach im Ring hochgelobt wird. Die Kehrseite der Medaille:
wahre Boxklassiker mit Action, Spannung und Schlagabtäuschen lassen
sich eben nicht mit irren Unsummen von Geld, unmoralischen Angeboten,
hochtrabenden Ankündigungen und Lemming-ähnlichem Verhalten
der Konsumenten erzwingen.
O-Ton Mayweather Jr.: „Wenn ich verliere, spende ich 1000 Dollar!”
O-Ton De La Hoya: „Sagen Sie dem Pretty Boy, ich spende 10.000
Dollar, wenn ich verliere!“
Aussagen der Boxer hinsichtlich ihrer Gewinnchancen gegenüber
einem Reporter
Einschläfernd
sollte die Begegnung zwischen Mayweather Jr. und De La Hoya trotz ihrer
Ringintelligenz und ihres Boxstils jedoch nicht verlaufen, denn der Kampf
bietet aufgrund einiger Rivalitäten und seiner Vermarktung eine gewisse
Brisanz. Da ist De La Hoya, geboren in Los Angeles, Olympiasieger 1992
und mehrfacher Weltmeister in sechs Gewichtsklassen. Der sich mit Maßanzügen
kleidende Gentleman schafft es, mit seinem smarten Latino-Lächeln
jeden zu verzücken. Außerhalb des Boxrings agiert er als Top-Geschäftsmann.
Auf eine halbe Milliarde Dollar soll sich das Vermögen des reichsten
Boxers der Welt belaufen.
Und da ist Mayweather Jr., der aus einem zerrütteten Elternhaus in
Michigan stammt, der Olympiadritter 1996 war und in 37 Kämpfen ungeschlagener
fünfmaliger Weltmeister in vier Gewichtsklassen ist. Er gilt als
bester Pound-for-Pound-Boxer, das heißt, er ist die Gewichtklassen
übergreifende Nummer eins. Seine erboxten Millionen gibt Mayweather
umgehend mit vollen Händen aus, mit seinem vulgären Slang provoziert
er, wann immer es geht. Die Rollen sind verteilt und gut möglich,
dass sich die beiden Boxästheten hin und wieder zu Schlagabtäuschen
hinreißen lassen, zudem für beide viel auf dem Spiel steht,
was Ego und Stolz angeht.
Eine Frage der Ehre und des Respekts
Mayweather Jr. ist ein Typ, der vor niemandem Respekt hat. Er ist ein
Meister des sog. „Trash Talk“ und hat sich damit abgefunden
zum „Bad Boy“ der Boxszene abgestempelt zu werden. Auch mit
einem negativen Image lässt sich schließlich viel verdienen,
Hauptsache der Bekanntheitsgrad stimmt und das zahlende Volk fällt
darauf herein. Mayweather Jr. gilt allgemein als arrogant und selbstverliebt.
Viele Boxfans sehen in ihm sogar einen „Feigling“, der sich
nie den stärksten Gegnern seiner Klassen stellte. Dabei vergessen
sie aber, dass Mayweather Jr. aus schwierigen Verhältnissen stammt
und sich allen Widrigkeiten zum Trotz wie ein echter Warrior nach oben
kämpfte und inzwischen lediglich nach den ungleichen Spielregeln
der Gesellschaft handelt.
O-Ton Floyd Mayweather Jr.: „Als Kind lebte ich bei meiner Mama
in einer kleinen Wohnung in New Jersey. Wir teilten uns zu sieben Leuten
ein Schlafzimmer. Oft konnten wir uns keinen Strom leisten, obwohl sie
sich Tag und Nacht für uns abschuftete. Und dann erst mein Vater.
Wie oft kam ich nach Hause und fand Drogen und Spritzen von ihm überall
verstreut. Die Leute haben keine Ahnung durch welche Hölle ich als
Kind gehen musste. Mama schoss gegen Vater, Vater gegen Mama. Und mich
benutzte man als Schutzschild. Gelegentlich schossen sie sogar mit scharfen
Waffen. Mann, völlig egal, für wen ich als Schild diente, hey,
ich bin froh, dass ich nicht erschossen wurde und noch am Leben bin.“
In der Tat, das Leben des Mayweather-Clan bietet genug Stoff für
eine Familiensaga voller Lügen und Intrigen auf RTL a la „Gute
Zeiten, Schlechte Zeiten“. Da gibt es drei zerstrittene Brüder
namens Roger, Floyd und Jeff,
die Berufsboxer waren. Roger brachte es zum Champion, Jeff 1993 zum Aufbaugegner
von De La Hoya und Floyd in den 90ern ins Gefängnis. Später
verhalf Roger seinem Neffen Floyd Junior zum Weltmeister, während
Floyd Senior andere Boxer wie ironischerweise eben De La Hoya zum Titel
führte. Eine Zeitlang machte es sogar den Anschein, als würde
Vater Mayweather bei De La Hoya in dessen Ecke stehen und gegen Bruder
Roger und Sohn Floyd indirekt antreten, doch aus diversen Gründen
platzte dieses Familienduell. Überhaupt, die Beziehung zwischen Floyd
Jr. und seinem Vater ist ein ewiges Auf und Ab, eine Art Hassliebe, in
der sich Streit und Versöhnung abwechseln. Nach seiner Entlassung
aus dem Gefängnis durfte Floyd Senior in der Ecke seines Fleisch
und Blutes arbeiten. 2000 feuerte der Sohn ihn wieder und setzte ihn sozusagen
auf die Straße. Jetzt, als Onkel Roger für einige Zeit hinter
Gittern musste, durfte Vater Mayweather abermals in das Gym von Floyd
Junior und Details über De La Hoyas Box- und Trainingsmethoden ausplaudern.
Kaum war Roger wieder draußen, flammte die Fehde erneut auf und
Floyd Senior flog aus dem Camp.
Auch der smarte Charmeboy De La Hoya wurde in jungen Jahren nicht gerade
auf Rosen gebettet. Er wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf.
Sein Leben war ein ständiger Kampf ums Überleben. Das prägte
ihn. Der Vater hielt seine wachende Hand über Oscars erste boxerische
Gehversuche. Die Mutter diente als Inspiration. Sie verstarb 1990 und
De La Hoya widmete ihr seinen Olympiasieg 1992. Ein echter amerikanischer
Traum mit einem herzzerreißenden Schicksal, ja, das lieben die Amerikaner
und sie schlossen ihren Goldjungen fest in ihr Herz. Man kann sich ausmalen,
wie RTL diese reale Seifenoper ausgeschlachtet hätte, würde
es sich um einen deutschen Boxer handeln und der Kampf zur besten Sendezeit
um 22.00 Uhr stattfinden. So besteht die vage Hoffnung, dass RTL mitten
in der Nacht auf die übliche Boulevardberichterstattung und die Meinungen
angeblicher Boxpromiexperten verzichtet, die „Oskar und die Brechtrommel“
für De La Hoyas Kampfnamen halten. Gut, mit der RTL-Boxattraktion
Dr. Wladimir Klitschko und seinen hochgeistigen Kommentaren
werden die hartgesottenen Boxfans, die sich für zwei prügelnde
Leute die Nacht um die Ohren schlagen, wohl leben müssen, aber seit
den Nachhilfestunden seines Trainers Manny Stewart kennt
selbst der gutverdienende Ukrainer inzwischen die Namen der bekanntesten
US-Boxstars, angefangen von Hearns über Leonard bis hin zu Mayweather
und De La Hoya. Apropos sachliche und fachliche Boxberichterstattung:
was gibt es zu den einzelnen Boxfähigkeiten der Hauptdarsteller am
kommenden Wochenende zu schreiben?
Stärken und Schwächen der beiden Kontrahenten:
Die
körperlichen Vorteile wie Größe und Gewicht scheinen bei
De La Hoya zu liegen. Er hat die längere Reichweite, wirkt etwas
robuster und in dem ausgehandelten Kampfgewicht besser aufgehoben als
sein Rivale. Mayweather Jr. musste für den Fight ein paar Kilos draufpacken
und der „Golden Boy“ möchte natürlich die bessere
Physis als Trumpf in die Waagschale werfen. Er war schließlich schon
im Mittelgewicht Champion, bevor er wieder erfolgreich eine Klasse nach
unten kletterte. Das kann ein entscheidender Vorteil für De La Hoya
werden, wenn es ihm gelingt, mit boxerischen Mitteln (Vorbereitung mit
der Führhand, Arbeit zum Körper, lange Hände etc.) die
Schnelligkeit und Gewandtheit des „Pretty Boy“ auszugleichen.
Gegen Mosley ist ihm das rundenweise mehr als gut gelungen und wenn er
an diese Leistung anknüpfen kann, spricht das für ihn.
Kleine Fragezeichen stehen aber hinter De La Hoyas Beinarbeit und Ausdauer.
Er ist schließlich nicht jünger geworden und hatte längere
Kampfpausen. Zudem ist es kein leichtes Unterfangen, den Kampf an Mayweather
Jr. heranzutragen und ihn überhaupt zu stellen. Mayweather Jr. dagegen
setzt seine Beine und Kräfte exzellent und ökonomisch ein. Er
bringt sich in die richtige Distanz, wechselt beim Schlagen die Positionen
und hält die Balance sowohl bei seinen Angriffsaktionen als auch
in der Defensive. Manchmal sieht die Beinarbeit von Mayweather Jr. zwar
unspektakulär aus, aber die Bewegung der Füße besteht
nicht immer nur aus links und rechts um den Gegner herum zu tänzeln.
Dennoch hat selbst Mayweather Jr. einige Schwächen. Er schlägt
manchmal zu wenig, verlässt sich nur auf Einzelschläge und Konteraktionen.
Ab und zu fällt er mit seiner Schlaghand in den Mann und ist anfällig,
wenn er damit nicht trifft. Er setzt gelegentlich eine Spur zuviel auf
seine Reflexe oder macht im Ring nur das Nötigste. Ein riskanter
Balanceakt, denn hin und wieder kann man sich hier verschätzen und
gegen einen ausgebufften Profi mit den Fertigkeiten eines De La Hoya kann
das schnell ins Auge gehen. Außerdem hatte der Herausforderer in
der Vergangenheit schon ein ums andere Mal mit der Verletzungsanfälligkeit
seiner Hände zu kämpfen. Vielleicht mehr als nur psychologische
Kriegsführung, dass De La Hoya auf Boxhandschuhe der Marke „Reyes“
bestand, die Faust und Knöchel aufgrund ihrer Verarbeitung und des
Füllmaterials einen Tick weniger stabilisieren als die von Mayweather
sonst bevorzugten Handschuhe, die er diesmal nicht tragen darf.
Mögliche Schlüssel zum Sieg:
Mayweather
Jr. mag es nicht, wenn man ihm den Kampf aufdrängt und pausenlos
beschäftigt. Das empfindet er fast schon als Majestätsbeleidigung.
Er möchte den Kampf, die Workrate und das Tempo bestimmen. Dies macht
er überwiegend mit seinem guten Auge, seinen Konterfähigkeiten,
seinen Reflexen und vor allem seiner Schnelligkeit. Mit eigentlich einfachen
Mitteln wie langen Geraden, einer soliden Deckungsarbeit und überraschend
eingestreuten Aktionen wie linker Haken, rechte Schlaghand innen oder
Uppercut kann man einen solchen Typ Boxer durchaus kaltstellen, vor allem
wenn er eben Nachteile beim Gewicht, in der Größe und Reichweite
hat. Wie bereits gesagt, ist das dem „Golden Boy“ gegen Mosley
phasenweise gut gelungen. Weitere Anschauungsbeispiele wären die
Siege von Vernon Forrest gegen den erwähnten Mosley.
Für De La Hoya wird es außerdem wichtig sein, dass Mayweather
Jr. Respekt vor seinem boxerischen Können bekommt. Solange De La
Hoya seinen Kontrahenten nicht mit einigen guten und harten Treffern beeindruckt,
wird dieser vermutlich seinen Stiefel runterboxen und mit schnellen Händen
und Aktionen versuchen zu punkten. De La Hoya sollte daher probieren,
zur selben Zeit wie Mayweather Jr. zu schlagen, bzw. sofort auf seine
Aktionen zu antworten oder zu reagieren. Wartet er zu lange, liegen die
Vorteile bei Mayweather Jr., der einfach schneller und spritziger wirkt,
wenn man die verschiedenen Kämpfe der Akteure miteinander vergleicht.
Das intelligentere Timung und die richtige Auswahl der Spurts werden ebenfalls
eine große Rolle spielen. Mayweather Jr. tritt als Profi eigentlich
das erste Mal gegen einen Mann an, der über eine ausgezeichnete Schnelligkeit,
Boxtechnik und Erfahrung verfügt, während De La Hoya mit gewandten
Reflexboxern wie beispielweise Shane Mosley oder
Pernell Whitaker bereits einige Erfahrung sammeln konnte. Unter
Umständen ein kleines psychologisches Plus beim „Golden Boy“,
zumal es nicht viele Faustkämpfer gibt, die ihn simulieren können,
was die Trainings- und Sparringsvorbereitung von Mayweather Jr. eventuell
erschwert hat. Außer der außergewöhnlichen Schnelligkeit
und seinen Meidbewegungen gibt es nicht viel, was De La Hoya bei Mayweather
Jr. überraschen könnte. Umgekehrt sind überraschende Aktionen
vom Goldjungen schon eher möglich, bzw. hier scheint der Herausforderer
von der Erfahrung und den bisher geboxten Gegnern im Nachteil.
De La Hoya muss daher lang boxen, das Tempo rausnehmen, mit der Führhand
arbeiten und auf seine kurzen und berüchtigten linken Haken sowie
die rechte Gerade bauen. Er muss so schnell wie möglich (enge) Runden
irgendwie für sich entscheiden, um Mayweather Jr. damit unter Druck
zu setzen. Dabei darf er aber nicht zu wild agieren und er muss sich seine
Kondition und Kraft pro Runde und über die gesamte Kampfdauer geschickt
und klug einteilen. Mayweather Jr. besitzt hier vermutlich Vorteile, vor
allem wenn er Schläge blockt, sich rollt oder ausweicht. Mit dieser
Taktik ermüdet er seine Gegner gern und De La Hoya darf sich nicht
hinreißen lassen, in diesen Momenten mit harten Schlägen Wirkung
zu suchen, sondern stattdessen „locker“ punkten. Dabei darf
er sich aber nicht von den scharfen Attacken des „Pretty Boy“
überraschen lassen, der seinerseits ein Meister des Punktesammelns
und stehlens ist.
De La Hoya setzte übrigens viel auf das Sparring mit seinem langjährigen
Freund und Kontrahenten Shane Mosley, seines Zeichens Weltmeister im Weltergewicht.
Vor allem wegen Mosleys Geschwindigkeit erhofft sich der smarte De La
Hoya eine optimale Vorbereitung im Hinblick auf Mayweather Jr. Der allerdings
zeigte sich davon unbeeindruckt mit dem lapidaren Kommentar: „Wenn
Mosley den Sparringspartner gibt, dann ist das alles, was er drauf hat.“
Randnotiz:
Als Jury fungieren voraussichtlich Nevadas bewährte Veteranen Chuck
Giampa, Jerry Roth und Tom Kaczmarek.
Ein schlechtes Omen für Mayweather Jr.? Denn Roth und Giampa waren
zwei Punktrichter, die De La Hoya als klaren Sieger in dem teilweise engen
Gefecht gegen Whitaker 1997 sahen. Mit zweifelhaften Punktrichterentscheidungen
gegen sich haben aber beide Boxer in der Vergangenheit schon ihre Erfahrungen
gemacht. Mayweather Jr. beispielsweise bei der Olympiade 1996. Im Viertelfinale
gegen den Kubaner Lorenzo Aragon waren die Punktrichter
ihm wohlgesonnen und sprachen ihm mit 12:11 den knappen Sieg zu. Im Halbfinale
lief es dann umgekehrt. Da gewann der Bulgare Serafim Todorov
mit 10:9 und der junge Floyd ward um sein Gold gebracht. Im Lager der
Berufsboxer dagegen war „Pretty Boy“ noch nicht auf die „gnädige
Hilfe“ der Punktrichter angewiesen, sieht man einmal von seinen
Vorstellungen 2002 gegen Jose Luis Castillio ab. Anders
erging es De La Hoya bei Olympia 1992. Er gewann dort alle Kämpfe
klar und eindeutig. Das glückliche Händchen des „Golden
Boy“ endete jedoch bei seinen umstrittenen Niederlagen gegen Felix
Trinidad 1999 oder Shane Mosley 2000 und 2003. Man darf daher
gespannt sein, für welchen Boxer und welche Boxphilosophie sich die
Punktrichter entscheiden werden, wenn die Auseinandersetzung ausgeglichen
verläuft.
O-Ton Mayweather Jr.: „Betrogen zu werden ist ein Teil des Boxsports,
sowohl bei den Amateuren als auch bei den Profis. Betrogen zu werden macht
mich aber vorsichtiger, cleverer, hungriger und härter!“
Bleibt zu hoffen, dass der Kampf hält, was er verspricht. Auch wenn
einiges für eine einseitige Angelegenheit zu Gunsten des „Pretty
Boy“ zu sprechen scheint. Einen Oscar De La Hoya sollte man aufgrund
seiner Boxqualitäten nie gänzlich abschreiben, selbst wenn seine
Chancen auf einen Sieg nicht die besten sind.
Freitag,
04. Mai 2007
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