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Zweifelhafter Sieg für Kühne

von Jörg Dubiel


Das Frauenboxen sowie Punktrichter in Deutschland genießen nicht den besten Ruf. Denn miteinander kombiniert ergaben sich schon häufiger Entscheidungen, die für den einen oder anderen Beobachter nur schwer nachzuvollziehen waren. Daran sollte sich auch vergangenen Freitag, in der ausverkauften Ballhaus Arena in Aschersleben, nichts ändern.

Im Kampf um den vakanten WIBF-Titel im Leichtgewicht standen sich Ramona Kühne (Foto) und Galina Ivanova gegenüber. Die zwei Zentimeter größere Kühne verbrachte ihre bisherige, aus bis dato zehn siegreichen Kämpfen bestehende, Karriere im Halbweltergewicht. In dieser Gewichtklasse konnte Kühne sich auch den Interims-Titel der WIBF sichern. Die Bulgarin Ivanova andererseits boxte in den Klassen von Superfliegengewicht bis Federgewicht, also mit bis zu 10 kg weniger als Kühne auf den Rippen. Zwar brachte die Neuntplatzierte der WIBF-Rangliste einen Kampfrekord mit nicht nur acht Siegen, sondern auch fünf Niederlagen mit in den Ring, doch keine davon war deutlich und allesamt geschahen im Heimatland der jeweiligen Gegnerin Ivanovas. Dem gegenüber stehen Siege gegen Daisy Lang und Esther Shouten.

Zunächst zeichnete sich im Ring ein verhaltener Beginn ab. Nur selten kam eine der Boxerinnen zu klaren Aktionen. Mochte Ivanova die erste Runde noch aufgrund höherer Aktivität gewonnen haben, so brachte Kühne im zweiten Durchgang erstmals ihre Schlaghand unter. Anschließend wurde das Gefecht offener. Die Akteurinnen agierten offener und ließen mehr Treffer zu, zunächst konnte sich die 28-Jährige Berlinerin dabei noch gut behaupten. Doch mit der vierten Runde fand ihre zwei Jahre ältere Kontrahentin immer wieder mit ihrer Schlaghand den Weg ins Ziel, wodurch Kühne auch durch Schlagwirkung in arge Bedrängnis geriet. Die sichtlich angeschlagene Favoritin konnte sich jedoch durch Klammern Zeit verschaffen und brachte sich so in die Rundenpause. Doch Ivanova dominierte auch die folgenden drei Durchgänge. Sie machte den Kampf von der Ringmitte aus und fand Wege durch die Deckung Kühnes, welche vergleichsweise planlos wirkte.

Erst in der achten Runde konnte der "Wild Dragon" wieder Vorteile für sich verbuchen. Ivanova schien sich hier eine Auszeit zu gönnen und klammerte häufiger. Doch die Bulgarin entschied dafür umso deutlicher die beiden Schlussdurchgänge für sich, als sie immer wieder klare Treffer bei der teils verzweifelt wirkenden Kühne unterbrachte. Auf der anderen Seite wirkte die Boxerin aus dem Magdeburger SES-Boxstall am Ende zu langsam für ihre bewegliche Gegnerin.

Leszek Jankowiak aus Polen wertete den Kampf korrekt mit 97:93 für Ivanova. Doch die deutschen Punktrichter Frank-Michael Maaß und Jürgen Langos sahen sich beide genötigt, Kühne mit jeweils 96:95 einen knappen und unverdienten Sieg zuzuschustern. Angesichts dessen, dass die Berlinerin, abgesehen von den knappen Anfangsrunden und dem achten Durchgang, über weite Strecken die klareren und zahlreicheren Treffer kassierte, ist es dem Autor dieses Artikels nicht nachvollziehbar, wie die Offiziellen zu dieser Wertung gelangen konnten. Verständlicher dagegen war die Reaktion von Galina Ivanova, die nach der Urteilsverkündung auf eine Gratulation verzichtete und den Ring sofort enttäuscht verließ.

Montag, 19. Mai 2008


 
     

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