boxingpress Boxen · Wetten · Archiv

Interviews Interview

Interview mit Mirko Wolf


Interview mit Mirko Wolf

Viele Boxfans hierzulande finden es schade, dass es gegenwärtig nur sehr wenig echte deutsche Hoffnungsträger im Berufsboxport gibt. Die Szene wird überwiegend beherrscht von osteuropäischen Boxtalenten. Sucht man nach einer Antwort zu diesem Thema bei Deutschlands führenden Profiboxställen Universum Box Promotion und Sauerland Event GmbH, bekommt man lediglich zu hören, dass die Auswahl beim einheimischen Boxnachwuchs verschwindend gering sei und es an geeigneten Talenten mangele.

Dass diese Aussage nicht ganz richtig ist, beweist zum Beispiel Mirko Wolf (auf Foto oben links) , der ungeschlagene Deutsche Meister aus dem hessischen Freigericht. Ausgerechnet im Ausland sorgte er 2004 für eine Überraschung. Der Superleichtgewichtler punktete in Pattaya den Thailänder Daomai Sithkodom vor eigenem Publikum aus. Gegen den jungen Wolf hatte der Lokalmatador ein Comeback gewagt, nachdem er nach 70 Kämpfen und 60 Siegen seine Fäustlinge an den Nagel gehängt hatte. Doch der Deutsche machte dem ehemaligen Ranglistenkämpfer einen Strich durch die Rechnung und punktete den Asiaten in dessen Heimat aus, obwohl ihn sogar ein Cut an der Augenbraue behinderte.

Leider ist Mirko Wolf trotz dieses Erfolges bis heute nur wenigen Boxfans in Deutschland ein Begriff, obwohl er attraktiv boxt und sich auch außerhalb des Seilgevierts zu bewegen weiß. Er hat ein abgeschlossenes Sportstudium und arbeitet als Consultant in Dubai. Genug Gründe, um in einem Interview mehr von dem bislang ungeschlagenen „Hot Prospect“ aus deutschen Landen zu erfahren:

Mirko Wolf: Mein Vater, Gerd Wolf , ist Sportlehrer (Oberstudienrat) und hat mich und meine Geschwister vielseitig sportlich gefördert. Wir waren in mehreren Sportarten sehr erfolgreich. Als mein Vater in den 80er-Jahren den Verein "Galaxy Sports Freigericht" gegründet hat, habe ich mich dann mehr und mehr auf das Boxen spezialisiert.

BP: Wie viele Kämpfe hast du als Amateur bestritten?

Mirko Wolf: Mein Kampfrekord bei den Amateuren liegt bei 51-7-2. Besonders stolz bin ich auf die Bronzemedaille beim Weltranglistenturnier "President's Cup 2000" auf Bali. Weltweit bin ich bis heute der einzige Boxer, der mit Genehmigung, aber ohne jegliche Unterstützung seines Nationalverbandes bei einem großen internationalen Turnier eine Medaille gewonnen hat.

BP: Wie kommt es, dass du nicht bei Universum Box Promotion oder Sauerland Event unter Vertrag bist? Du bist schließlich amtierender Deutscher Meister bei den Berufsboxern und im Leichtgewicht scheinen beide Ställe Bedarf zu haben?

Mirko Wolf: Bislang zeigten die beiden großen Boxställe in Deutschland noch kein Interesse. Ich habe zwar in der Vergangenheit bereits gegen Alpaslan Agüzüm im Sauerland-Stall gesparrt und Uli Wegner meinte anschließend, er sei beeindruckt und wolle sich dafür einsetzen, dass ich einen Promotionvertrag bekomme. Letztlich erklärte man mir aber, dass in meiner Gewichtsklasse auch wegen entsprechender Verträge mit dem TV keine Chancen bestehen. Alpaslan hat übrigens gegen mich seine einzige Niederlage als Amateur erlitten.

BP: Du hast im "Teiken-Gym" in Tokio auch den japanischen Promotor Akihiko Honda durch dein starkes Auftreten im Sparring gegen einheimische Ranglistenboxer wie z.B. Exchamp Yodsanan Sor Nanthachai beeindruckt und dir so gute Chancen für weitere Starts in Thailand erarbeitet. Siehst du deine Zukunft als Boxer eher dort angesiedelt oder liebäugelst du weiterhin mit Deutschland oder der USA, wenn das Angebot stimmt?

Mirko Wolf: Ex-Champ Nanthachai kenne ich schon als Jugendlicher und ich sparre mit ihm schon seit mehr als einem Jahrzehnt. Er ist aber Thai und das hat nichts mit meinem Sparring in Tokio zu tun. Japanische Promoter verpflichten einen Kämpfer nur, wenn dieser auch in Japan lebt. Dazu hätte ich mein sportwissenschaftliches Studium an der Uni Frankfurt jedoch aufgeben müssen. Natürlich würde ich als Deutscher gerne in Deutschland boxen. Nur: Die Bedingungen müssen halt stimmen und ich müsste eine gute Gelegenheit erhalten, um mein Können hierzulande unter Beweis zu stellen. In Thailand, den USA oder Drittländern zu boxen ist für mich dagegen jederzeit möglich. Das wird wohl auch zukünftig situationsabhängig bleiben.

BP: Wie stellst du dir deine weitere Karriere als Berufsboxer vor? Arbeit und Boxen sind sicher schwer unter einen Hut zu bringen?

Mirko Wolf: Ich will Arbeit und Boxen noch nicht trennen. In Dubai sehe ich für mich im Moment mehr Lebenschancen. Das kann sich in der Zukunft natürlich immer ändern. Im Prinzip traue ich mir aber zu, Arbeit und Boxen zu verbinden. Die Verbindung von Studium und Sport ist mir ja auch gelungen. Berufliche Möglichkeiten habe ich zudem als Pilot. 2001 erwarb ich in Florida eine internationale Lizenz zum Fliegen einmotoriger Maschinen.

BP: Hast du boxerische Vorbilder und wenn ja, welche?

Mirko Wolf: Sportlich gesehen ist mein Vorbild Roy Jones Junior . Von der menschlichen Seite ist es Henry Maske .

BP: Wie schätzt du dich gegenwärtig als Boxer in der Szene ein bzw. was willst du in naher Zukunft boxerisch erreichen? Du hast dich ja bisher mehr auf dein inzwischen bestandenes Studium konzentriert. Möchtest du jetzt im Ring durchstarten und dich voll auf das Boxen konzentrieren?

Mirko Wolf: Meinen letzten Kampf bestritt ich ja erst im Juli 2005 gegen den Iraner Amir Ranjah . Er lebt in Thailand vom Boxen und hat bisher 45 Kämpfe als Profi im Thai-Boxen bestritten. Im "Englisch-Boxen" ist seine Bilanz 6-6; nicht 0-2 wie es bei Boxrec.com steht. Bevor er gegen mich boxte, stand er gegen Prawet Singwangcha im Ring, der bald gegen Ebo Elder einen WM-Qualifikationskampf bestreiten soll. Ich siegte gegen Amir Ranjah durch KO in der zweiten Runde. Im Sparring habe ich schon eine Reihe von Spitzenboxern wie zum Beispiel Yodsanan Nanthachai, Ebo Elder, Derrick Gainer , Vince Phillips , Kennedy McKinney oder Rick Yoshimura schlecht aussehen lassen oder zumindest gefordert. Ich traue mir zu, diese Leistung auch in offiziellen Kämpfen umsetzen zu können, wenn man mir dazu die Chance gibt.

BP: Vielen Dank für das informative Interview und viel Glück in der Zukunft.


Dieser Beitrag im Archiv

Der Beitrag stammt vom 13. Juni 2006 und steht in der Rubrik Interviews. Sie versammelt 12 Beiträge aus dem Archiv, 3 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 928 Wörter Fließtext und liegt damit an 8. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

Zum Beitrag ist eine Originalaufnahme erhalten, sie misst 363 Pixel in der Breite. Das ist die Größe, in der Bilder im Web dieser Jahre ausgeliefert wurden, und sie setzt die Grenze für die Darstellung: Eine Aufnahme wird höchstens auf das Doppelte ihrer eigenen Breite gebracht, weil darüber hinaus nur noch Unschärfe entsteht. Deshalb steht sie klein neben dem Text und nicht über ihm.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 8. Stelle von 12. Davor liegt Interview mit Andreas Sidon aus 2005. Danach folgt Interview mit Alberto Colajanni aus 2006. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem Interview mit Alberto Colajanni, Interview mit Manfred Wolke und Interview mit Andreas Sidon. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 13. Juni 2006 und gehört zur Rubrik Interviews, die im Archiv 12 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2006 stammen davon 3.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2006 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Beiträge stehen im Archiv unmittelbar davor und danach?

Innerhalb der Rubrik Interviews steht dieser Beitrag an 8. Stelle von 12. Davor liegt "Interview mit Andreas Sidon" aus 2005. Danach folgt "Interview mit Alberto Colajanni" aus 2006.

Wie umfangreich war der ursprüngliche Beitrag und sind Fotos erhalten?

Der ursprüngliche Beitrag umfasst 928 Wörter Fließtext; innerhalb seiner Rubrik steht er damit an 8. Stelle von 12. Erhalten sind 1 Originalaufnahme, die breiteste davon misst 363 Pixel. Es sind Webbilder ihrer Zeit; sie werden in der Breite gezeigt, die die jeweilige Datei hergibt, und nicht darüber hinaus vergrößert.