Interviews Interview
Interview mit David Telesco
"Ich bin nicht auf eine Entscheidung nach Punkten aus - ich will einen garantierten Sieg."
David Telesco ist ein physisch starker, harter Halbschwergewichtler aus Port Chester, NY. Außerdem gehört er außerhalb des Rings zu den netteren Leuten im Boxgeschäft . Letzte Nacht führte BoxingPress -Seniorkorrespondent Kurt Emhoff via Telefon ein Interview mit dem Boxer, der der nächste Gegner von WBO-Weltmeister Dariusz Michalczewski sein wird. Allerdings steht dieser Kampf nach Telescos eigenen Aussagen noch nicht endgültig fest.
BP: Laß' uns über Deinen nächsten großen Fight reden. Du bekommst eine Titelchance gegen Dariusz Michalczewski. Michalczewski ist ein Mann, der Virgil Hill geschlagen hat, und das zu einer Zeit, als dieser als der beste Mann in seiner Gewichtsklasse galt. Außerdem ist er ungeschlagen. Hattest Du schon einmal die Möglichkeit, ihn kämpfen zu sehen?
DT: Nein, bis jetzt noch nicht. Ich hatte bislang auch nicht die Zeit dazu, mich hinzusetzen, um mir einen seiner Kämpfe auf Video anzuschauen.
KE: Gehört das Videostudium zu Deiner normalen Vorbereitung?
DT: Normalerweise schon. Ich übertreibe es nicht, aber wenn man es mir nahelegt, werde ich mir Kämpfe mit ihm anschauen.
DT: Ich weiß, daß er Pole ist und in Deutschland boxt. Er hat einen großen Namen dort. Er boxt aggressiv und mag den Schlagabtausch. Er war schon ein paarmal angeschlagen, hat aber letztendlich immer gewonnen. Ich weiß, daß es Bemühungen gab und gibt, einen Kampf mit Roy Jones zustande zu bringen, ohne daß man sich bislang einigen konnte. Viel mehr weiß ich nicht über ihn.
KE: Er hat in letzter Zeit große Worte von sich gegeben. Offensichtlich will er Jones zu einem Kampf bewegen, und sagt Dinge wie "Jones konnte ihn nicht ausknocken, also werde ich es tun, um ihm zu beweisen, daß ich ein besserer Fighter bin". Motiviert Dich das zusätzlich?
DT: Nein. Er sagt nur das, was er sagen muß, um den Jones-Fight zu bekommen.
KE: Es stört Dich also nicht, daß er solche Dinge sagt?
DT: Ich nehme es ihm nicht übel - wenn er so etwas wirklich gesagt hat.
KE: Der Kamp ist für den 9. September angesetzt. Am gleichen Abend wird "zufällig" auch Roy Jones gegen Eric Harding antreten. Machst Du Dir Sorgen darüber, daß Du vielleicht kein faires Punkteurteil bekommen wirst, wenn Du in Deutschland boxt?
DT: Nein. Ich bin nicht auf eine Entscheidung nach Punkten aus - ich will einen garantierten Sieg.
KE: OK. Michalczewski ist ein Mann, der im Vorwärtsgang boxt. Liegt Dir das eher, als wenn Du jemandem nachstellen mußt?
DT: Ich komme mit beidem zurecht. Ich weiß nicht, ob es clever von ihm wäre, mich direkt anzugreifen, denn ich schlage genauso hart wie er. Ich kann 155 kg stemmen, bin also ein natürlich starker Athlet.
KE: Ist Gewichtstraining ein wichtiger Teil Deiner Vorbereitungen?
DT: Ja, ich hebe aber nicht mehr so viel, wie ich das früher getan habe. Maximal 155 kg, aber ich habe auch schon knapp 165 kg gestemmt. Aber mit so schweren Gewichten arbeite ich nicht mehr.
KE: Sie werden von Hector Rocha trainiert, richtig?
KE: Und Dein Management-Team besteht aus Kevin Butler und Don Elbaum als Berater.
DT: Don hilft und berät Kevin. Das eigentliche Team besteht eigentlich aus mir, Hector, Kevin, Joe DeGuardia und zu einem kleinen Teil aus Don.
KE: So richtig fest steht das also alles nicht?
KE: Ich weiß, daß Lou Del Valle aus ähnlichen Gründen gerade gegen Joe DeGuardia vor Gericht gezogen ist.
KE: Offensichtlich war Joe abwechselnd Lous Manager und Promoter. In Deiner Situation solltest Du angesichts dessen vielleicht vorsichtig sein.
DT: Ich bin immer vorsichtig. Außerdem bin ich nicht so ganz glücklich mit dem aktuellen Vertragsangebot.
KE: Also steht der Kampf mit Michalczewski noch nicht endgültig fest?
KE: Aber es ist schon ein Kampf, den Du willst, oder?
DT: Absolut. Es ist eine große Chance für mich. Auf jeden Fall. Nach Jones' Kampf gegen Harding weiß man ja nie, ob er zurücktreten oder eine Gewichtsklasse nach oben gehen wird. Wenn er das tut, könnte schon meine nächste Chance kommen.
KE: Wann hast Du zum ersten Mal von einem möglichen Kampf mit Michalczewski gehört?
KE: Ihr solltet schon einmal gegeneinander antreten.
DT: Stimmt - letztes Jahr vor dem Jones-Fight. Der Kampf gegen Jones war einfach eine bessere Option, deswegen habe ich ihn akzeptiert.
KE: Roy (Foto) ist ein großartiger Boxer. Du bist mit ihm über die Runden gegangen und hast ihn permanent attackiert. Nach dem Kampf habe ich mit Lou Del Valle gesprochen und ihn nach seiner Meinung gefragt. Er sagte mir, daß er beeindruckt war und daß Du besser gegen ihn ausgesehen hast als er selbst - er meinte sogar, daß es ziemlich knapp war.
KE: Was hast Du von Deinem Kampf gegen Jones gelernt?
DT: Ich denke, was ich wirklich gelernt habe ist, daß es mir vom Mann dort oben noch nicht bestimmt war, Weltmeister zu werden. Ich glaube nicht, daß der Herr mir diesen Ruhm zuteil werden lassen wollte. Das war nicht ich selbst an diesem Abend. Ich weiß auch nicht - wenn Du mich vorher kämpfen gesehen hast, hättest Du Dir gesagt: "Hey, das ist nicht Telesco, was ist bloß los?" . Ich habe mich einfach nicht an meine Taktik gehalten.
KE: Na ja, Roy ist ein verdammt guter Fighter - man muß ihm schon auch ein wenig Respekt zollen.
DT: Stimmt, er ist ein guter Fighter. Er ist sehr schnell. Er ist der schnellste Fighter, gegen den ich je angetreten bin. Aber tief in mir weiß ich, daß dieses Match anders ausgegangen wäre, wenn ich mich an die Marschroute aus dem Trainig gehalten hätte.
KE: Meiner Meinung nach hast Du Dich damals wirklich sehr gut vermarktet, um den Jones-Kampf zu bekommen. Ich war sogar der Meinung, daß einige Deiner Schachzüge genial waren, denn Du bist an einigen Leuten, die eigentlich höher als Du eingestuft wurden, sozusagen vorbeigezogen. Jones behauptet jetzt, daß seine linke Hand gebrochen war, als er gegen Dich boxte. Hast Du während des Kampfes etwas davon gemerkt?
DT: Ich habe gar nichts davon mitbekommen. Vielleicht hat er seine Linke nicht so oft eingesetzt wie sonst, aber während des Kampfes habe ich nichts gemerkt.
KE: Wie hart schlägt Roy Jones? Schlägt er härter als Deine anderen bisherigen Gegner oder war es vor allem sein Speed, der Dir Probleme bereitet hat?
DT: Auf einer Skala von exzellent, gut, mitteilmäßig und schlecht würde ich seine Schlagkraft als "mittelmäßig" einstufen. Vielleicht schlägt er ebenso hart wie meine anderen Gegner zuvor. Ich denke aber nicht, daß er die Schlagkraft eines echten Halbschwergewichtlers hat.
KE: Also konnte er Dich nie in echte Schwierigkeiten bringen?
DT: Nein. Er hat mich mit allem getroffen, was er hatte und konnte mich nicht in Probleme bringen. Sein großes Plus ist sein Speed. Er hatte nicht einmal mehr Tricks auf Lager als meine anderen Gegener - aber seine Schnelligkeit ist ausgezeichnet.
KE: OK David, ich wünsche Dir viel Glück gegen Michalczewski. Gibt es noch etwas, was Du den Fans gerne sagen würdest?
DT: All jenen, die mich gerne boxen sehen, möchte ich sagen, daß es mir leid tut, wenn ich sie enttäuscht habe. Aber ich ... nein, ich möchte nicht sagen, daß ich zurückkommen werde, denn ich war ja nie weg. Behaltet Euer Vertrauen, denn ich kann und werde Halbschwergewichtsweltmeister werden.
KE: David, vielen Dank dafür, daß Du die Zeit gefunden hast, mit BoxingPress zu sprechen.