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Tomasz Adamek vs. Thomas Ulrich - Der Bericht


Tomasz Adamek vs. Thomas Ulrich - Der Bericht

Nur wenige Wochen nach dem gescheiterten Versuch Luan Krasniqis (BP-Nr. 10) , eine WM-Krone nach Deutschland zu holen, unternahm Universum Box-Promotion mit Thomas Ulrich (BP-Nr. 12, Foto oben) einen neuerlichen Anlauf. Mit dem polnischen Weltmeister des WBC im Halbschwergewicht, Tomasz Adamek (BP-Nr. 6) , bekam der 30-jährige Berliner einen Gegner vor die Fäuste, der bei seinem Sieg über Paul Briggs (BP-Nr. 7) erst gezeigt hatte, aus welch hartem Holz er geschnitzt ist. Entsprechend tippten die meisten Experten im Vorfeld darauf, dass Adamek eine erfolgreiche Titelverteidigung gelingen würde. Chancenlos ging Ulrich jedoch nicht in den Kampf. Während der Vorbereitung war diesmal nichts von den vergangenen Eskapaden zu hören, stattdessen arbeitete er konzentriert mit seinem Trainer Michael Timm an einer besonderen Taktik, die man sich für den Kampf zurechtgelegt hatte. Auch der Austragungsort Düsseldorf wurde im voraus als günstiges Omen beschworen, waren doch bereits Graciano Rocchigiani, Henry Maske und Sven Ottke in Düsseldorf Weltmeister geworden.

1. Kampf: Mario Preskar gegen Vlado Szabo , angesetzt auf vier Runden im Schwergewicht

Den ersten Kampf des Boxabends in der brandneuen Mehrzweckhalle Süd, die mit ca. 5000 Zuschauern ausverkauft war, bestritten der Kroate Mario Preskar und Vlado Szabo aus Tschechien im Schwergewicht. Der erst 21-jährige Preskar zeigte fast von Beginn an, dass er der technisch besser geschulte Boxer ist. Er fand schnell die Distanz mit der Führhand und traf immer wieder zum Körper seines Gegners. Dieser versuchte mit wilden Schwingern durchzukommen, verfehlte aber meist sein Ziel oder landete auf Preskars Deckung. Zum Ende der ersten Runde konnte der Athlet aus Zagreb dann auch erste harte Kopftreffer anbringen, meist als Haken geschlagen. Das Bild setzte sich auch in Runde zwei fort, in der Szabo weiterhin Schläge kassierte, ohne selbst nennenswerte Aktionen zu zeigen, jedoch auch keine Schlagwirkung zeigte. Darum war es doch etwas überraschend, dass bereits nach vier Sekunden in der dritten Runde, als beide Boxer gerade in der Ringmitte angekommen waren, aus der tschechischen Ecke das Handtuch in den Ring geworfen wurde, bevor es überhaupt zu weiteren Kampfhandlungen gekommen war. Ringrichter Arnold Golger brach den Kampf daraufhin ab und erklärte Mario Preskar zum Sieger. Offizielles Urteil: Mario Preskar Sieger durch technischen KO in Runde drei.

2. Kampf: Julia Sahin gegen Daniela Graf , angesetzt auf zehn Runden im Fliegengewicht

Tomasz Adamek vs. Thomas Ulrich - Der Bericht

Als nächstes stand der Kampf um die deutsche Meisterschaft im Fliegengewicht der Damen zwischen der Titelverteidigerin Julia Sahin und der Herausfordererin Daniela Graf auf dem Programm. Zur Freude ihrer mitgereisten Fans, griff die 23-jährige Karlsruherin zu Beginn an und konnte durch zahlreiche Körpertreffer die erste Runde für sich entscheiden. Ihre Gegnerin aus Köln hatte sichtlich Probleme, sie auf Distanz zu halten. In Durchgang zwei fand Julia Sahin dann zwar besser in das Gefecht und setzte von nun an die Mehrzahl der Treffer, konnte die Aktionen Grafs allerdings nicht verhindern. Im weiteren Verlauf des Kampfes kam es zu zahlreichen unübersichtlichen Situationen im Infight, aus denen oft keine der beiden Boxerinnen mit klaren Aktionen Nutzen ziehen konnte. Erst in den mittleren Runden gelang es der deutschen Meisterin, mittels Haken zum Körper und Aufwärtshaken deutliche Treffer anzubringen. Allerdings konnte sich Graf in der fünften Runde noch einmal steigern und fing ihre Gegnerin beim Hineingehen immer wieder ab. Doch am Ende schien es, dass ihr die Kräfte schwanden und die Titelverteidigerin übernahm wieder die Kontrolle über den Kampf. Nach der vollen Distanz von zehn Runden werteten die Punktrichter das Duell 98:92, 98:94 und 98:92 einstimmig und zu Recht zu Gunsten der Titelverteidigerin. Doch das klare Punktergebnis täuscht vielleicht etwas darüber hinweg, dass Julia Sahin zumindest in der ersten Hälfte des verbissenen Kampfes Probleme mit ihrer Gegnerin hatte. Offizielles Urteil: Siegerin Julia Sahin durch einstimmige Punktentscheidung.

3. Kampf: Ertugrul Ergezen gegen Eduard Klimko , angesetzt auf vier Runden im Cruisergewicht

Mit Ertugrul Ergezen stand im nächsten Gefecht des Abends der erste von insgesamt drei Boxern im Ring, die bei Ahmed Öner unter Vertrag stehen. Der 27-jährige Türke lieferte gegen Eduard Klimko aus der Slowakei einen sehr ambitionierten, wenn auch nicht gerade hochklassigen Kampf ab. In der ersten Runde bot sich dem Zuschauer stets das gleiche Bild: Ohne auch nur eine Führhand anzudeuten, schob sich Ergezen an den weitestgehend inaktiven Gegner heran, um ihn anschließend mit kräftigen Haken, vor allem zum Körper und gelegentlich zum Kopf, zu bearbeiten. Vor allem bei den Treffern auf Klimkos nicht gerade austrainierten Körper klatschte es zwar laut und die Wucht, die der Türke in seine Schläge legte, war deutlich zu sehen, doch sein Gegner ließ sich keine Wirkung anmerken, wenn man mal davon absah, dass er so gut wie gar nicht zurückschlug. In Durchgang zwei musste Ergezen dem Anfangstempo scheinbar bereits Tribut zollen und der Kampf bestand zusehends mehr aus Geschiebe. Allerdings kam nun der Slowake vereinzelt zu Treffern, wenn es auch weiterhin sein Kontrahent war, der die Mehrzahl an Schlägen unterbrachte. In Runde drei war dann schon nach 17 Sekunden Schluss, als Klimkos Betreuer nach weiteren Treffern Ergezens das Handtuch warf.

Offizielles Urteil: Sieger Ertugrul Ergezen durch TKO in Runde drei.

4. Kampf: Lukas Wilaschek gegen Joseph Sarkody , angesetzt auf sechs Runden im Supermittelgewicht

Bereits früh im Kampf ließ Lukas Wilaschek keinen Zweifel daran aufkommen, wer der überlegene Mann im Ring war. Nach einer kurzen Abtastphase in der ersten Runde nutzte der 24-jährige Schützling von Michael Timm den häufig zu kurzen Jab des Gegners, um mit dem rechten Cross deutliche Treffer zu setzen. Auch in den folgenden Runden ging Joseph Sarkody zu ungestüm vor und suchte noch immer nach der richtigen Distanz für seine Führhand. Dabei bot der Ghanaer zu häufig ein offenes Ziel, was Wilaschek dazu nutzte, um in jeder Runde eine neue Kombination aus seinem Repertoire zu zeigen. In den Durchgängen drei und vier erzielte der gebürtige Pole Treffer, die bei Sarkody deutliche Wirkung hinterließen, doch zum Niederschlag kam es nicht. In der fünften Runde musste Wilaschek dem hohen Tempo Tribut zollen. Zwar konnte er noch immer die deutlicheren Treffer verbuchen, jedoch zeigte er nur noch Einzelaktionen. Aber auch das genügte, um gegen den überforderten Sarkody einen einstimmigen Punktsieg in einem einseitigen, aber unterhaltsamen Kampf über die Runden zu bringen.

Tomasz Adamek vs. Thomas Ulrich - Der Bericht

Offizielles Urteil: Sieger Lukas Wilaschek einstimmig nach Punkten.

5. Kampf: Mustapha Karagol gegen Joseph Sovijus , angesetzt auf vier Runden im Weltergewicht

In seinem Duell gegen den Slowaken Joseph Sovijus ließ Mustapha Karagol von Beginn an wenig anbrennen und übernahm sofort die Kontrolle über den Kampf. Bereits nach kurzer Zeit gelangen ihm die ersten harten Treffer, nachdem er Sovijus unter Druck gesetzt hatte. Entsprechend erzielte der Schützling von Ahmed Öner bereits in der ersten Runde einen Niederschlag per linkem Haken zum Kopf des Gegners. Auch in Runde zwei griff Karagol weiterhin an und konnte zahlreiche Treffer landen. Es dauerte nicht lange, bis der Slowake nach einem Schlaghagel erneut auf die Bretter musste, doch konnte er das Gefecht auch dieses Mal wieder aufnehmen. Als es schon fast sicher schien, dass der Kampf nicht über die Runden gehen würde, nahm der Türke jedoch in Durchgang drei das Tempo aus dem Kampf und bot seinem Gegner so die Chance, noch einmal in das Gefecht zurückzukommen. Karagol ließ sich zu oft auf Schiebereien im Infight ein und kassierte jetzt auch vermehrt Gegentreffer. Erst in der vierten Runde fand er wieder besser zu seiner Linie zurück und gewann den Kampf somit einstimmig nach Punkten.

Offizielles Urteil: Sieger Mustapha Karagol einstimmig nach Punkten.

6. Kampf: Juan Carlos Gomez gegen Oliver McCall , angesetzt auf zehn Runden im Schwergewicht Im ersten Hauptkampf des Abends trafen Juan Carlos Gomez (BP-Nr. 15, Foto) und Oliver McCall in einem Ausscheidungskampf um Platz zwei in der Rangliste des WBC aufeinander. Der „Black Panther“, der in der Vergangenheit häufig durch Eskapaden und eine lasche Trainingseinstellung aufgefallen war, hatte vor dem Duell klargemacht, dass ihm bewusst sei, dass dies seine letzte Chance auf dem Weg ganz nach oben sei und er sie zu nutzen gedenke. Beim Wiegen hinterließ er am Vortag einen guten Eindruck, doch das konnte man auch von seinem inzwischen 40-jährigen Gegner McCall behaupten. In der Tat zeigte sich im Kampf nach einer kurzen Abtastphase, dass der gebürtige Kubaner mit den Händen stets einen Tick schneller und im Kopf einen Schritt voraus war. McCall griff zwar an, jedoch fehlte ihm das Distanzgefühl und so schaffte es Gomez immer wieder, ihn danebenschlagen zu lassen und anschließend auszukontern. Erst in der zweiten Rundenhälfte gelang es dem US-Amerikaner, Schläge ins Ziel zu bringen, die sein Kontrahent jedoch augenscheinlich gut wegzustecken vermochte. Zu Beginn der zweiten und der dritten Runde stürmte Gomez jeweils auf den Gegner zu und landete einen linken Haken, der McCall nach hinten weichen ließ. Im weiteren Verlauf der beiden Runden behielt der UBP-Boxer die Oberhand und konnte mehr Schläge unterbringen. McCall wirkte zum Teil ratlos und verzog nach jedem harten Treffer das Gesicht zu einer Grimasse. Erst im vierten Durchgang traf er selbst häufiger, vor allem mit langen Geraden, da Gomez zu oft vor ihm stehen blieb und den Schlagwechsel annahm. Dabei blieb aber Gomez nie eine Antwort schuldig und hatte meist einen Schlag mehr im Ziel. Die fünfte Runde sollte die stärkste des Kubaners sein, der seine linke Schlaghand wiederholt als Konter brachte. Mehrfach hatte es den Anschein, als würden diese Treffer beim Gast aus den USA Wirkung hinterlassen. Doch in den folgenden Runden sah es so aus, als würde der Kampf langsam zu Gunsten des Veteranen aus Chicago kippen. Er arbeitete nun mehr mit der Führhand, die häufig ihr Ziel fand und ging in den Vorwärtsgang. Erst ein weiterer Konter mit der Linken des Kubaners schien den Vorwärtsdrang des „Atomic Bulls“ vorübergehend zu stoppen. Nachdem er zu Beginn des siebten Durchgangs wieder etwas die Linie zu verlieren schien und zwischendurch auch mal ein Schwätzchen mit dem Gegner hielt, ging McCall (Foto unten rechts gegen Lewis) wieder zum Angriff über und landete mehrere harte Aufwärtshaken. Eine gerade Rechte des einstigen Bezwingers von Lennox Lewis schien Gomez zu beeindrucken, was er aber zu verbergen versuchte, indem er seinem Gegner die Zunge herausstreckte. Die Runden acht und neun gehörten dann endgültig McCall, der regel-mäßig seinen Jab unterbrachte, was vor allem auch daran lag, dass Gomez nun müder wirkte und sich zusehends weniger bewegte. In den letzten 30 Sekunden der neunten Runde hatte der Kubaner sogar eine brenzlige Situation zu überstehen, als ein rechter Haken voll am Kopf einschlug und McCall mit Schlägen zum Körper nachsetzte. Erst in der zehnten und letzten Runde machte der „Black Panther“ endlich wieder Gebrauch von seiner einst so überzeugenden Beinarbeit und wich dem angreifenden Gegner an den Ringseilen aus. Allerdings schlug er selbst zu selten und konnte nur wenige Treffer anbringen, so dass die Runde über den einzigen Schlagwechsel ganz am Ende entschieden wurde, als sich Gomez noch einmal zum Kampf stellte und prompt einen weiteren schweren Treffer des US-Amerikaners nehmen musste.

Am Ende gewann Juan Carlos Gomez aufgrund der Leistung in den ersten sechs Runden verdient mit zweimal 98:92 und einmal 96:94 über die Punkte, wobei nach Ansicht der Autoren das knappere Ergebnis den Kampfverlauf besser wiederspiegelt.

Offizielles Urteil: Sieger Juan Carlos Gomez einstimmig nach Punkten.

Auf der Pressekonferenz nach der Veranstaltung äußerte sich Trainer Michael Timm zufrieden über seinen Schützling und lobte, dass dieser in der Lage gewesen sei, das Tempo über zehn Runden lang aufrecht zu erhalten. Noch vor Monaten hätte er Zweifel gehabt, dass Gomez genug Luft für drei Runden gehabt hätte. In der Tat schien es jedoch so, als habe der Kubaner zum Ende hin abgebaut, was es McCall ermöglichte, die letzten Runden für sich zu entscheiden.

Klaus-Peter Kohl stellte auf der Pressekonferenz noch einmal klar, dass dieser Kampf eine Ausscheidung um Platz zwei in der WBC-Rangliste war. Ob Juan Carlos Gomez als nächstes gegen den Sieger aus dem Duell zwischen Sinan Samil Sam (BP-Nr. 16) und Oleg Maskaev (BP-Nr. 20) , bei dem es um Ranglistenplatz Nr. 1 geht, antreten werde, sei noch nicht entschieden.

In einem Gespräch mit den BoxingPress-Autoren äußerte sich Oliver McCall mit der Punktniederlage einverstanden, sagte aber, er hätte lieber über zwölf Runden geboxt, da er den Kampf dann wohl noch gedreht hätte. Er möchte aber weiterboxen und wünsche sich ein Comeback gegen Andrew Golota (BP-Nr. 12) oder Monte Barrett (BP-Nr. 7) , die zuletzt ebenfalls verloren hatten.

7. Kampf: Jürgen Brähmer gegen Roman Aramian , angesetzt auf acht Runden im Supermittelgewicht

Nach der dreijährigen Zwangspause Jürgen Brähmer s (Foto) konnte man darauf gespannt sein, wie sich der Supermittelgewichtler, der bereits als „Jahrhunderttalent“ gepriesen wurde, bei seinem Comeback präsentieren würde. Da der vorgesehene Gegner, Macaris Antunes Do Livramento aus Brasilien, die ärztliche Untersuchung am Vortag nicht bestanden hatte, bekam Brähmer mit Roman Aramian eine schwerere Aufgabe gestellt, als es sonst nach einer so langen Ringabstinenz üblich ist. Von Ringrost gab es beim Athleten aus Stralsund jedoch nie eine Spur. Brähmer zeigte sich von Beginn an als der schnellere Mann, der sich mit geschmeidigen Meidbewegungen den Angriffen Aramians entzog, um selbst mit klaren Aktionen zu punkten. Der erste Niederschlag war geradezu symbolisch für den Kampfverlauf, als Brähmer in der Ecke auf die Attacke des „Armenian Warriors“ wartete, um ihm mit einem knallharten Konter zuvorzukommen. Der Schützling von Trainer Detlef Loritz wehrte sich tapfer und konnte in den nächsten beiden Durchgängen vereinzelte Treffer setzen. Die Mehrzahl der Aktionen gehörten jedoch eindeutig Jürgen Brähmer, der ausgesprochen aggressiv und mit viel Übersicht zu Werke ging. Nach einem zweiten Niederschlag im fünften Durchgang trat Aramian zur sechsten Runde nicht mehr an. Seinen Gesten war zu entnehmen, dass er sich eine Verletzung am linken Arm zugezogen hatte.

Offizielles Urteil: Sieger Jürgen Brähmer durch technischen Knockout in Runde sechs.

8. Kampf: Willy Blain gegen Erik Nazarian , angesetzt auf acht Runden im Superleichtgewicht

In seinem bereits siebten Kampf im Jahr 2005 bekam es Willy Blain mit dem Belgier Erik Nazarian zu tun. Zu diesem Kampf hatte sich das französische Fernsehen live zugeschaltet. Doch eine echte Galavorstellung des 27-jährigen Franzosen sollte es nicht werden. Zwar dominierte er den Kampf von Beginn an und zeigte, dass er der technisch bessere Boxer ist, doch tat er sich schwer, die geschlossene Deckung seines Gegners zu knacken. Zudem hatte es teilweise den Anschein, als würde der Rechtsausleger mit angezogener Handbremse boxen, da er auch nach den zunächst eher seltenen klaren Treffern nicht nachsetzte. Der Belgier, der deutlich erkennbar dagegenhalten wollte, steckte sämtliche Schläge des Spotlight-Boxers gut weg und es zeigte sich erneut, dass Blain offensichtlich nicht über viel Schlagkraft verfügt. Zur Mitte des Kampfes kam Nazarian sogar etwas mehr auf und marschierte nach vorn, doch letztlich war er in Sachen Reichweite und Schnelligkeit zu deutlich unterlegen, um dem Heimboxer Paroli bieten zu können. Vor allem kamen seine Schläge zu wild über die Außenbahn, so dass Blain wenig Probleme hatte, sie zu vermeiden. In Runde sechs drehte der Franzose doch einmal mehr auf und ließ die Fäuste häufiger fliegen, doch ging dies auf Kosten der Genauigkeit. So beschränkte er sich in den letzten beiden Durchgängen eher darauf, einzelne Konter anzubringen. Am Ende von acht an Höhepunkten eher armen Runden gewann Blain das Duell völlig zu Recht mit einmal 80:73 und zweimal 80:72 überdeutlich nach Punkten.

Offizielles Urteil: Sieger Willy Blain einstimmig nach Punkten.

9. Kampf: Paul Briggs gegen Etienne Whitaker , angesetzt auf zehn Runden im Halbschwergewicht

Natürlich ging Paul Briggs als klarer Favorit in diesen Ausscheidungskampf um die Position des Pflichtherausforderers beim WBC im Halbschwergewicht und somit des Gewinners des Hauptkampfes. Der Australier wurde den Erwartungen auch von Anfang an gerecht, indem er seinen hochaufgeschossenen Gegner aus den USA bereits in der ersten Runde stark unter Druck setzte. Etienne Whitaker , der zunächst wenig erfolgreich versuchte, seinen Jab zu etablieren, reagierte darauf mit hektischem Klammern. In der letzten Minute der Eröffnungsrunde erwischte Briggs seinen Kontrahenten mit einem Haken, der sichtbar Wirkung hinterließ. Kombinationen zu Kopf und Körper folgten, doch dem US-Amerikaner gelang es, sich in die Rundenpause zu retten. In Durchgang zwei klingelte „Hurricane“ seinen Gegner aber schon früh erneut mit einem Aufwärtshaken an und schickte ihn mit einer rechten Geraden zu Boden. Allerdings konnte der Boxer mit dem Kampfnamen „E.T.“ das Gefecht wieder aufnehmen. Briggs gelang in der Runde sogar noch ein weiterer Niederschlag, jedoch schaffte es sein Gegner erneut bis zum Gong. Der Athlet aus Sydney blieb auch in den beiden Folgerunden weiter aggressiv und konnte harte Schläge ins Ziel bringen, die den Mann aus Warren, Ohio, zwar ins Wanken brachten, agierte teilweise aber zu wild. Dadurch gelang es Whitaker immer wieder, den Kampf durch Halten zu unterbrechen, der zusehends unsauberer wurde. In Runde fünf war dann für Whitaker endgültig Schluss, nachdem er aufgrund eines linken Hakens seines Gegners erneut runter musste. Während Ringrichter Arno Pokrandt ihn anzählte, warf seine Ecke das Handtuch in den Ring und gab den Kampf auf.

Offizielles Urteil: Sieger Paul Briggs nach 1:56 Minuten durch technischen KO in Runde fünf.

10. Kampf: Adnan Serin gegen Sandor Forgacs , angesetzt auf vier Runden im Schwergewicht

In einem weiteren Schwergewichtsduell traf der Deutsch-Türke Adnan Serin auf den Ungarn Sandor Forgacs . Serin arbeitete von Beginn an fleißig zum Körper seines Gegners, der selbst nur mit Einzelaktionen dagegenhielt. Im ersten Durchgang gelangen dem „Aachen Assasin“ zwei sehenswerte Treffer mit der Rechten über die Führhand des Ungarn hinweg. Doch im weiteren Verlauf verflachte der Kampf und deutliche Aktionen wurden immer seltener. Während der beiden letzten Runden war Forgacs nur noch bemüht, den Angriffen Serins zu entgehen, was ihm weitestgehend gelang. Jedoch konnte er damit die Punktrichter nicht überzeugen.

Offizielles Urteil: Sieger Adnan Serin einstimmig nach Punkten.

11. Kampf: Tomasz Adamek gegen Thomas Ulrich , Weltmeisterschaft im Halbschwergewicht nach Version des WBC, angesetzt auf zwölf Runden

Pünktlich zum Hauptkampf machten sich die zahlreich angereisten polnischen Fans lautstark bemerkbar, die mit Sprechchören Tomasz Adamek , aber auch den ebenfalls anwesenden Andrew Golota feierten. Die deutschen Boxfans versuchten mit der Lautstärke der polnischen Anhänger mitzuhalten, als Thomas Ulrich den Ring betrat und erstmalig kam eine Stimmung in der Mehrzweckhalle in Düsseldorf auf, die einer Weltmeisterschaft gebührt. Der stimmliche Wettstreit der Fans schien sich sofort auf beide Kontrahenten zu übertragen, die in einem auffällig hohen Tempo den Kampf begannen, der im ersten Durchgang ziemlich ausgeglichen verlief. Beide Boxer waren zunächst bemüht, ihren Jab zu etablieren. Ulrich brauchte länger, die richtige Distanz zu finden, konnte aber die Führhand des Weltmeisters mehrfach mit schnellen Oberkörperbewegungen vermeiden. Dennoch war es Adamek, der mit der Mehrzahl der Treffer die erste Runde für sich entscheiden konnte, auch wenn der Berliner über den Vorwärtsgang versuchte, Druck auszuüben und dabei selbst Schläge ins Ziel brachte. Zu Beginn der zweiten Runde kam Ulrich besser in den Kampf und konnte mit klaren Aktionen punkten. Zwar trafen in den zahlreichen Schlagwechseln zumeist beide Boxer, aber dem Schützling von Michael Timm gelang es oft, einen Schlag mehr unterzubringen. Auch revanchierte er sich stets für harte Treffer Adameks in direkt folgenden Angriffen, weshalb die zweite Runde an den Herausforderer ging. Jedoch schien es fraglich, wie lange Ulrich das hohe Tempo würde aufrechterhalten können, zumal er als Angreifer agierte. Zudem hatte er zu Beginn der dritten Runde deutliche Kampfspuren im Gesicht und bereits einen Cut über dem linken Auge. Zu diesem Zeitpunkt gewann Adamek auch wieder die Oberhand, der mit einer knackigen Links-rechts-Kombination und einem linken Haken beim Berliner kurzzeitig Wirkung zu hinterlassen schien. Zwar gelang es Ulrich zum Ende des dritten Durchgangs mit einer harten Rechten zu punkten, doch im Verlauf der vierten Runde schien es ihm immer schwieriger zu fallen, die Distanz zum Weltmeister zu überbrücken. Einzelne Treffer des 30-Jährigen standen zahlreichen Jabs des Polen gegenüber, der seine Führhand beinahe nach Belieben ins Ziel bringen konnte und den Kampfverlauf diktierte. Ob Ulrich in der Lage war, die besondere Taktik umzusetzen, die er angeblich mit Trainer Michael Timm speziell für diesen Kampf ausgearbeitet hatte, schien zu diesem Zeitpunkt bereits fraglich. Auch war nicht ersichtlich, worin diese Taktik bestand, denn Adamek bestimmte Distanz und Tempo des Gefechts zu deutlich. Zudem offenbarten sich zunehmend die bekannten Deckungslücken bei Ulrich im Verlauf der vierten und fünften Runde, da bei ihm die Meidbewegungen im Oberkörper nachließen, die er zu Beginn noch gezeigt hatte. Adamek gelang es immer häufiger Kombinationen anzubringen, die scheinbar Wirkung hinterließen, auch wenn Ulrich in Runde fünf noch einmal mit zwei harten Rechten antworten konnte. Im sechsten Durchgang griff der UBP-Boxer wieder an und hatte dabei sogar noch mehrere gute Szenen, doch als er nachsetzen wollte, traf ihn eine knallharte Rechte des Weltmeisters seitlich am Kopf und er ging schwer getroffen auf die Bretter. Ulrich versuchte zwar noch sich wieder aufzurappeln, während der englische Ringrichter Ian John Lewis ihn anzählte, kam aber nicht mehr rechtzeitig auf die Füße. Auch danach wirkte er noch wackelig auf den Beinen. Der Kampf und vorläufig auch die Weltmeisterträume von Thomas Ulrich waren somit nach 1:57 Minuten in Runde sechs zu Ende. Die polnischen Fans feierten noch minutenlang ihren Weltmeister, der sich als zu stark für den Herausforderer erwiesen hatte. Zum Zeitpunkt des Abbruchs hatte Adamek auf allen Punktzetteln mit drei Runden geführt.

Offizielles Urteil: Sieger Tomasz Adamek durch KO nach 1:57 Minuten in der sechsten Runde.

Auf der Pressekonferenz nach dem Kampf sagte Thomas Ulrich, sein Gegner hätte gezeigt, warum er Weltmeister ist. Er sei zwar nach der Niederlage enttäuscht, wolle aber so bald wie möglich wieder angreifen, um eine neue Chance auf einen WM-Kampf zu bekommen. Es gäbe zwar einfachere Gegner unter den Weltmeistern im Halbschwergewicht, aber er würde jederzeit auch wieder gegen Tomasz Adamek antreten.

Für den Champion steht wohl als nächstes der erneute Kampf gegen den Australier Paul Briggs an. Jedoch wären, so Promoter Don King, in zukünftigen Kämpfen auch Titelvereinigungen mit den anderen Weltmeistern dieser Gewichtklasse oder ein Duell gegen Antonio Tarver (BP-Nr. 1) denkbar.

Auf den Veranstaltungsort angesprochen, meinte Klaus-Peter Kohl , Düsseldorf sei ein gutes Boxpflaster und UBP planen in Zukunft auf jeden Fall wiederzukommen.


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Der Beitrag stammt vom 13. Juni 2006 und steht in der Rubrik Kampfberichte. Sie versammelt 35 Beiträge aus dem Archiv, 7 davon aus demselben Jahr. Der ursprüngliche Beitrag umfasst 3.601 Wörter Fließtext und liegt damit an 1. Stelle des Umfangs innerhalb dieser Rubrik. Die Einordnung folgt der Adresse, unter der er ursprünglich erschienen ist, und nicht einer nachträglichen Bewertung des Inhalts: Eine heute vorgenommene Zuordnung wäre eine Vermutung, und eine falsche Vermutung fiele später niemandem mehr auf.

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Genannt werden in diesem Beitrag Sven Ottke, Luan Krasniqi, Henry Maske und Graciano Rocchigiani. Ein vollständiger Kampfrekord ist zu keinem dieser Namen erhalten. Weitere Beiträge, in denen sie vorkommen, erschließt der Boxerindex, der die Namen quer durch alle Rubriken zusammenführt.

In der zeitlichen Folge seiner Rubrik steht der Beitrag an 21. Stelle von 35. Davor liegt Lamon Brewster vs. Luan Krasniqi - Der Bericht aus 2006. Danach folgt Regina Halmich vs. Maria Jesus Rosa - Der Bericht aus 2006. Diese Reihenfolge ist die des Erscheinens und nicht die der Bedeutung; sie eignet sich, um einen Zeitraum am Stück zu lesen, und weniger, um einen einzelnen Namen zu verfolgen. Dafür ist der Boxerindex der kürzere Weg.

In derselben Rubrik stehen unter anderem John Ruiz vs. Nicolay Valuev - Der Bericht, Dunaway eine Nummer zu klein für Halmich und Luan Krasniqi - David Bostice - Der Bericht. Der Weg durch das Archiv führt entweder über die Rubrik, wenn ein Zeitraum gesucht wird, oder über den Boxerindex, wenn ein Name gesucht wird. Für die reinen Zahlen einer Karriere sind die Kampfrekorde der kürzeste Weg, und zwei davon lassen sich im Rekord-Vergleich unmittelbar nebeneinanderlegen.

Häufige Fragen zu diesem Beitrag

Wann ist dieser Beitrag erschienen und in welcher Rubrik steht er?

Er trägt das Datum 13. Juni 2006 und gehört zur Rubrik Kampfberichte, die im Archiv 35 Beiträge umfasst. Aus dem Jahr 2006 stammen davon 7.

Ist der Text gegenüber der ursprünglichen Fassung verändert worden?

Inhaltlich nicht. Entfernt wurden Navigation, Werbeflächen und Seitenfuß, hinzugekommen sind die Angaben zu Rubrik, Jahr und Umfang neben dem Text. Der Beitrag selbst gibt den Kenntnisstand von 2006 wieder und wird nicht an spätere Entwicklungen angepasst.

Welche Boxer werden in diesem Beitrag genannt?

Namentlich Sven Ottke, Luan Krasniqi, Henry Maske und Graciano Rocchigiani. Zu keinem dieser Namen ist im Archiv ein vollständiger Kampfrekord erhalten. Weitere Beiträge zu einem bestimmten Namen erschließt der Boxerindex.

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